Twixt

Lyncheskes Nimmermehr

Francis Ford Coppola hat sich einst mit Meisterwerken wie „Der Pate“ oder „Apocalypse Now“ in den Olymp der Filmgötter aufgeschwungen. Jahre später taumelte er mit lieblosen Auftragsarbeiten durch die Mittelmäßigkeit, kehrt nun aber mit dem von den Hollywood-Fesseln befreiten Mystery-Goth-Märchen „Twixt“ zu eigener Stärke zurück.

Hall Baltimore (Val Kilmer) ist in vielfacher Weise am Ende. Der Tod seiner Tochter hat den Autoren aus der Bahn geworfen, seelisch wie beruflich. Einst hatte er große Pläne, doch mittlerweile ist er zu einem Stephen King für Arme verkommen und hält sich mit drittklassigen Hexenromanen über Wasser. Auch seine Ehe ist zu einer quälenden Zweckgemeinschaft geworden, bei der Liebe schon längst keine Rolle mehr spielt.

Als er auf seiner Promotour für sein neuestes Buch in dem kleinen Kaff Swann Valley vorbeikommt, stößt er auf wenig Interesse seitens der Einwohner. Nur der kauzige Sheriff und Hobbybastler Bobby LaGrange (Bruce Dern) lässt sich eines seiner Machwerke signieren – nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn er selbst hat eine zündende Idee für einen Roman, den er gemeinsam mit dem „Hexenmeister“ verfassen möchte. „The Vampire Executions“ soll das gute Stück heißen und die Leute aus ihren Sesseln fegen. Beflügelt von den euphorischen Worten des Gesetzeshüters, kündigt Hall bei seinem Agenten ein neues Buch an und versucht sich von der mysteriösen Kleinstadt beflügeln zu lassen, die mehr als nur eine modrige Leiche im Keller hat. Der örtliche Glockenturm mit seinen sieben verschiedenen Uhren soll angeblich vom Teufel bewohnt sein, in einem nahegelegenen Hotel am Waldrand hat sich ein grauenhafter Massenmord an unschuldigen Kindern abgespielt und überhaupt gilt die ganze Gegend als verflucht. Hinzu kommt, dass der Sheriff gerade ein Mordopfer in der Leichenhalle liegen hat, das seltsamerweise mit einem Pfahl getötet wurde. Ein ungewöhnlicher Zufall, könnte man meinen. Aber es wird noch bizarrer: Von Alkohol benebelt, durchwandert der Schreiber in seinen Träumen die Umgebung von Swann Valley, trifft dabei das Geistermädchen V., das ihn zu dem verfluchten Haus der Kindsmorde führt.

Doch es bleibt nicht bei einer kuriosen Traumsequenz. Immer öfter stürzt sich der lebensmüde Protagonist in das Reich des Schlafes, begegnet Mördern, Gespenstern und schließlich seinen eigenen Dämonen. Horrorlegende Edgar Allan Poe begegnet ihm schließlich persönlich (und wird in etlichen Anspielungen gewürdigt), gibt ihm Tipps für sein schöpferisches Schaffen, erklärt ihm die Geheimnisse einer guten Geschichte, die im Tod des Schönen gipfelt. Stück um Stück nähert sich Mr. Baltimore seiner eigenen Befreiung …

Francis Ford Coppola gelingt mit „Twixt“ ein verschrobenes, skurriles und ironisches Kleinod, das mit leisen Tönen und einnehmenden Bildern zu fesseln weiß. Geschickt werden Traum und Realität verwoben, bis der Zuschauer selbst nicht mehr sicher sein kann, was noch Wahrheit ist oder was dem Wahn entspringt. Mit lynchesker Düsternis und einem verschmitzten Lächeln erzählt Coppola so abseits standardisierter Mainstreampfade eine unheimlich-schöne Schauermär.

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