The Witcher Abenteuerspiel

The_Witcher_3D-Box_2-1_lowerWho you gonna call? Monsterbusters!

Obwohl der polnische Schriftsteller Andrzej Sapkowski seinen Hexer Geralt von Riva schon in den frühen Neunzigern auf gefährliche Abenteuer schickte, verhalf erst die Computerspielreihe „The Witcher“ dem einzigartigen Protagonisten zu Weltruhm. Mit dem „The Witcher Abenteuerspiel“ können Brettspielfans erstmals auch ohne Roman, Konsole oder Fernseher an den sagenhaften wie düsteren Geschichten um den weißhaarigen Einzelgänger teilhaben.

Die zwei bis vier Spieler übernehmen jeweils einen von vier Charakteren, die sich stark durch ihre Fähigkeiten und Ziele unterscheiden. Die kesse Magierin Triss Merigold verfügt über mächtige Zaubersprüche, die in der Lage sind, auch die mächtigsten Monster zu bezwingen. Der Barde und Frauenheld Rittersporn nutzt seinen Charme und seine diplomatischen Fähigkeiten, um ein paar Freunde die Drecksarbeit erledigen zu lassen, während der Zwerg Yarpen Zigrin mit vier Gefährten unterwegs ist, die ihm besondere Vorzüge und Hilfestellungen gewähren. Geralt von Riva komplettiert das Quartett und kann mit seinem alchemistischen Talent – zusätzlich zu seiner kämpferischen Finesse – auch Tränke zur Unterstützung bei der Monsterhatz brauen.
Jeder Recke hat zu jeder Zeit eine Queste zu erledigen, die aus den Bereichen Magie, Kampf und Diplomatie stammt. Diese erfordern sowohl das Sammeln von Hinweisen und Ergründen von Beweisen (dargestellt durch entsprechende Marker), als auch das Herumreisen auf der großen Spielkarte und das Bekämpfen von Feinden und Monstern. Das Spielfeld ist in 17 Städte unterteilt, die jeweils einer der sechs Regionen angehören. Da in der Welt von „The Witcher“ Krieg und Unruhen herrschen, bringt jedes Territorium andere Schwierigkeiten mit sich, dargestellt durch Unglückskarten und -marker. Darüber hinaus werden die einzelnen Landesteile von Monstern heimgesucht, die in drei Schwierigkeitsklassen unterteilt werden. Bronzene Ungetüme sind für frischgebackene Helden noch bezwingbar, geben dafür nach dem Bezwingen aber nur wenig Belohnungen und Kopfgeld. Für den Kampf gegen silberne Kreaturen bedarf es schon deutlich mehr Ausrüstung, wobei goldene Scheusale eine wohl überlegte Ausstaffierung und zusätzlich eine gute Portion Glück erfordern.
Primäres Ziel ist aber nicht das wahllose Monsterabschlachten oder tüchtige Umherwandern, sondern das Angehen der auf den Questkarten vermerkten Aufgaben, die jeweils noch Nebenmissionen und auch kooperative Aufträge beinhalten. Wer es nämlich als Erster schafft, drei Hauptquesten abzuschließen, beendet das Spiel, wobei die Kontrahenten jeweils noch einen finalen Zug machen dürfen. Danach werden die Siegpunkte verglichen und der Spieler mit dem höchsten Punktestand darf den Thron besteigen.

TheWitcher_SpielaufbauAlle vier Streiter machen im Uhrzeigersinn nacheinander ihre Spielzüge, die sich in eine Aktionsphase und die Begegnung von Gefahren unterteilen. Jeder Protagonist darf in seinem Zug zwei Aktionen ausführen, wobei Unheilmarker und erhaltene Wunden die Möglichkeiten beschneiden können. Ein gesunder und unbelasteter Recke kann jedoch über die Karte reisen, Ermittlungen durchführen, trainieren, rasten oder seine individuelle Spezialfähigkeit einsetzen. Ermittlungen können in den drei Bereichen Diplomatie, Kampf und Magie angestellt werden und bringen eine zufällig gezogene Karte mit sich. Meist werden hier kleine Vorteile gewährt, es kann im schlimmsten Fall aber auch ein Hinterhalt oder ein anderes Missgeschick ausgelöst werden. Wird der Charakter trainiert, dürfen zwei der individuellen Trainingskarten gezogen werden, wobei eine der Karten behalten werden und fürderhin eingesetzt werden darf. Gerade am Anfang empfiehlt es sich, ordentlich zuzugreifen, denn hier werden wichtige Gegenstände, Tränke, Helfer, Zauber und andere Vorzüge gewonnen. Diese erlauben bei weiteren Ermittlungen, Begegnungen und Kämpfen große Vorteile. Erlittene schwere und leichte Wunden können über das Rasten teilweise regeneriert werden. Vermerkt wird dies alles unkompliziert und übersichtlich auf den vier Heldenbögen.
Darüber hinaus kann jeder Spieler mit seiner Figur beliebig viele freie Aktionen durchführen, wodurch Questen abgeschlossen, Hinweise in Beweise umgewandelt und Tauschgeschäfte mit Mitspielern abgewickelt werden können. Die vier Romanhelden können nämlich Ressourcen miteinander tauschen und dürfen durchaus mündliche Verträge schließen. Aber Vorsicht, denn bindend sind diese nie.
Sind alle Aktionen erledigt muss der aktive Held noch den Gefahren in seiner aktuellen Region begegnen, wobei er sich je nach Situation zwischen lokalem Unheil und einem Kampf gegen Monster entscheiden kann. Monster sind in der Regel gefährlicher und können den Helden schwer schädigen, bringen häufig aber auch Belohnungen mit sich, vor allem auch die begehrten Siegpunkte.
Kämpfe sind schnell und einfach abzuhandeln, wobei jeder Charakter individuelle Würfel besitzt, die auch für andere Proben genutzt und bei Gefechten mit den drei Kampfwürfeln kombiniert werden. Die auf den Sechsseitern aufgedruckten Symbole können nach dem Wurf kombiniert werden, um das Monster physikalisch zu bezwingen oder aber mit Hilfe zusätzlicher Gegenstände, Zauber, Helfer oder Tränke – vorausgesetzt die dafür nötigen Zeichen sind vorhanden.

VA90_Box_GER_v3.inddDurch das häufige Würfeln und zufällige Ziehen der unzähligen Karten ist das Glücksmoment in „The Witcher“ nicht unerheblich; allerdings sind die zu erwartenden Rückschläge minimal und lassen sich stets verkraften. Ein einzelner versiebter Kampf oder eine extrem schädigende Unheilkarte werfen einen Spieler gewöhnlich nicht aus der Bahn. Vielmehr gilt es die zwei Aktionen pro Runde klug einzusetzen, um die zahlreichen Questen taktisch geschickt und schnell abzuhandeln. Vor allem die kooperativen Missionen, die auf jeder Questkarte vorhanden sind, spielen für die Siegpunktabrechnung keine unbedeutende Rolle.
Mit seinem achtseitigen Regelwerk ist „The Witcher Abenteuerspiel“ auch für Gelegenheitsspieler noch zu empfehlen, wenngleich die Spielzeit gut und gerne zwei oder drei Stunden übersteigen kann. Vielspieler und Fans der Reihe werden sich über die Details und die liebevolle Umsetzung als auch die gelungene Balance aus Glück und Planung freuen. Die Kombination aus Interaktion, Monsterjagd, Reisen und Aufrüsten ist fordernd und facettenreich und verspricht Spaß und Spannung für etliche Runden.

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