The Loft

The Loft
(Square One/Universum)

James Brown sang in den Sechzigern mal „This is a man’s world„. Was Regisseur Erik Van Looy hier konstruiert, lässt allerdings nicht viel Gutes an dieser Männerwelt. Der Architekt Vincent und seine vier besten Freunde gehören zur High Society von Los Angeles. Sie treiben sich auf schicken Galas herum, schlürfen Champagner auf Benefizveranstaltungen und unternehmen luxuriöse Geschäftsreisen. Bei alledem geht es den fünf Herren der Schöpfung zumeist nur um „heiße Bräute“. Da zum gesellschaftsfähigen und erfolgreichen Business-Alphamännchen auch eine vorzeigbare Ehefrau, ein Eigenheim, ein Sportwagen und ein paar Bälger gehören, ist die Sache mit den „heißen Bräuten“ so eine Sache. Deshalb richtet Vincent in seinem neuesten Edelbauwerk ein Loft für die fünf Freunde ein. Jeder von ihnen bekommt unter dem Siegel der Verschwiegenheit einen Schlüssel und darf nach Voranmeldung seine Affären, Prostituierten oder sonstige außereheliche Vergnügungen dort heimlich abschleppen. Tatsächlich machen die jungen Dynamischen auch ausrechend und jeder auf seine Art von dem Appartement und vor allen Dingen von dem Bett darin Gebrauch.

Eines eher unschönen Tages entdeckt Vincent jedoch eine Frauenleiche im Bett, blutüberströmt, mit Handschellen angekettet und natürlich nackt. Panisch ruft er seine Kumpels an, und das Quintett versucht gemeinsam herauszufinden, wer der Mörder war bzw. was überhaupt geschehen ist. Die Angelegenheit läuft jedoch äußerst ruppig ab, denn da nur sie einen Schlüssel besitzen, nur sie den Code für die Alarmanlage kennen und auch nur sie von dem Loft wissen, liegt der Verdacht nahe, dass einer von ihnen der Killer ist. Über Erinnerungsfetzen und Geständnisse blicken die Männer in die Vergangenheit zurück und bringen so nach und nach Motive und Verdächtige ins Spiel. Immer wieder rücken neue Personen ins Visier der Fünf und bald stellt sich heraus, dass sich nicht alle an die Abmachungen der Fremdpimpergemeinschaft gehalten haben …

The Loft“ basiert auf dem belgischen Thriller „Tödliche Affären“ aus dem Jahre 2008, übernimmt über weite Strecken dessen Aufbau und transferiert das Geschehen von Antwerpen in die USA. Das clevere Storykonstrukt des Originals wird nicht nur beibehalten, sondern stellenweise sogar noch verfeinert und pointiert. So ist die Hochglanzwelt der Reichen und Schönen hohl, oberflächlich und triebgesteuert, ebenso wie ihre Protagonisten. Männer ziehen an den Strippen und Frauen sind nicht mehr als eine begehrte Ware, die bezahlt und benutzt wird. Entsprechend gibt es auch unter den Freunden nur wenig Raum für Ehre, und der gesamte Plot steuert wie ein Schweizer Uhrwerk auf ein erschreckendes Ende zu. Und bis zu diesem schafft es „The Loft“ gekonnt, seine Zuschauer bei der Stange zu halten. Immer wieder werden neue Details offenbart, wendet sich das Blatt, rückt eine andere Figur in den Mittelpunkt. Erst im letzten Viertel ahnt der aufmerksame Beobachter wo der Hase langläuft – und selbst dann bleibt der Streifen spannend.

Dem Setting und seinen Handlungsträgern entsprechend, wirkt diese Neuauflage jedoch eine Spur zu glattpoliert und zu geschmiert. Die Hauptfiguren sind oft nicht mehr als standardisierte Hüllen. Doch das ist locker zu verschmerzen, denn der clevere Whodunit-Thriller weiß zu unterhalten und durchweg zu fesseln. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er aber nicht.

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