The ABCs Of Death 2

„The ABCs Of Death 2“
(Capelight)

In den Siebzigern waberte mit „Gesichter des Todes“ ein pseudodokumentarisches Ungetüm durch die Reihen der Horrorfans. Das widerliche und kunstlose Machwerk stöpselte über weite Strecken authentische Todesarten wie Tierschlachtungen, Hinrichtungen, Morde und Kriegsszenen aneinander, präsentiert von dem fiktiven Pathologen Dr. Francis B. Gröss. Obwohl dieses voyeuristische Ausschlachten keinerlei Eigenwert besaß, erreichte es doch binnen kürzester Zeit Kultstatus – zumal der Film in einigen Ländern verboten wurde.

The ABC Of Death“ ist zwar kaum damit zu vergleichen, thematisiert aber auch die unterschiedlichsten Arten des Todes und avancierte blitzschnell zum Geheimtipp unter Kennern. In Deutschland mussten aus rechtlichen Gründen einige Episoden entfernt werden, weshalb der erste Teil als „22 Ways To Die“ auf den Markt kam – andernorts hatte das Todes-Alphabet ebenfalls mit Zensurproblemen zu kämpfen. Nun haben die Erfinder des Erstlings einen zweiten Teil veröffentlicht, der den ersten sogar noch in den Schatten stellt. Nach wie vor galt die Devise: 26 Regisseure bekamen einen Buchstaben des Alphabets zugewiesen und durften dann ein dazu passendes Wort auswählen und darüber einen Kurzfilm mit tödlichem Ausgang drehen.

Wie bei „Gesichter des Todes“ geht es hier zwar immer wieder um unterschiedliche Formen des Ablebens, diese wurden jedoch in skurrile, lyncheske, spaßige, unheimliche und sogar gesellschaftskritische Bahnen gelenkt. Auch die Stilmittel standen den Filmemachern frei, so dass es Zeichentrickbeiträge als auch Stop-Motion-Animationen gibt; der Spielfilm hat jedoch deutlich die Nase vorne.

Jeder einzelne Buchstabe ist somit ein vollkommen neues Erlebnis, das mal befremdlich, mal ekelhaft oder mal erheiternd ist. Robert Morgans „Deloused“ ist ein surrealer Ritt in eine beängstigende Cronenberg-Lynch-Dimension, ein bildgewordener Alptraum, der mit einem flauen Gefühl im Magen zurücklässt. Dagegen ist „Equilibrium“ von Alejandro Brugués reinste Freude. Auf einer Insel hausen zwei Überlebende. Als eines Tages eine fremde Schönheit angespült wird, kommt es zum Zwist zwischen den beiden Herren der Schöpfung. Die Lösung des Problems ist aber so naheliegend wie tödlich … Was der Konsum von Drogen mit einem anstellen kann, zeigt Robert Boocheck in seinem „Masticate“ und zwinkert dabei genüsslich mit dem Auge. In einer schönen neuen Welt ist für Andersartige und Nicht-Schöne kein Platz. Das zeigt der beeindruckende Beitrag „Utopia„, während „Wish“ Kinderträume real werden lässt – aber vorher kräftig mit Scheiße beschmiert.

The ABC Of Death 2“ ist eine gelungene Fortsetzung und eine erfrischend vielgesichtige Anthologie des Schreckens, die Trash-Fetischisten und Kunstliebhabern gleichermaßen ans Herzlein gelegt werden kann.

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