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Zombicide Season 3: Rue Morgue

Postapokalyptische Metzelolympiade

Seit den Urgroßvätern der Zombiefilme, „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) und „White Zombie“ (1932), haben die wankenden Untoten zahlreiche evolutionäre Schübe durchgemacht und sich von der Leinwand auf die unterschiedlichsten Medien ausgebreitet. Längst haben sie auch den Brettspielmarkt infiziert und mit der aufwändigen „Zombicide„-Reihe einen ihrer absoluten Höhepunkte erreicht.

Die über Crowdfunding realisierte Untotenapokalypse gehört in Übersee zu den angesagtesten Spieleprojekten und spuckt einen Ableger nach dem anderen aus. Doch bei aller quantitativer Masse leidet bei „Zombicide“ die Qualität nicht. Vielmehr bringt jede Erweiterung und weitere „Season“ neue Möglichkeiten, Settings, Charaktere und Spielvarianten mit.
Das in Deutschland erschienene „Zombicide Season 3: Rue Morgue“ ergänzt das beliebte Spielprinzip um neue Gegnertypen, ein Dutzend frischgebackener Überlebender, mächtige Team-Aktionen und vor allen Dingen den knallharten Wettkampfmodus. Metzelten sich in den vorherigen Teilen die Protagonisten kooperativ durch einen Haufen kniffliger Missionen, dürfen nun auch Spielerteams gegeneinander antreten. Aber eins nach dem anderen …

Auf die Plätze, fertig, hack!

Die schick aufgemachte und pulpig illustrierte Box ist randvoll mit Kartonplatzhaltern für die sichere Verwahrung der insgesamt 92 Plastikminiaturen, die sich aus 12 verschiedenfarbigen Helden, 40 Dürre-Schlurfern, 8 Dürre-Fettbrocken, 16 Dürre-Läufern, 15 Kriechern und einem Mordstrum zusammensetzen. Hinzu kommen acht sechsseitige Würfel, zwölf Erfahrungspunktemarker, neun große doppelseitige Kartenteile, über 200 verschiedene Karten und knapp 100 Plättchen für Türen, Ereignisse, Hubschrauber, Lärm oder Fertigkeiten. Das 64-seitige Regelheft wirkt auf den ersten Blick zwar abschreckend, der eigentliche Anteil der Spielmechanismen nimmt aber kaum die Hälfte ein und ist davon abgesehen reichhaltig bebildert und mit erläuternden Beispielen versehen. Der Rest besteht aus detaillierten Erklärungen der Charakterfertigkeiten und vierzehn einzelnen Missionen, wobei zwei davon für Anfänger geeignet sind, um die ersten Schritte in der blutigen und actionreichen „Zombicide„-Welt zu erlernen.

Viele Spieler – viel Zombiefutter

Aufgrund der zwölf Helden können auch bis zu zwölf Spieler an einer Partie teilnehmen. Jeder Recke verfügt über ein eigenes Charakterblatt, auf dem Ausrüstungsgegenstände abgelegt, Fertigkeiten vermerkt und Wunden festgehalten werden können. Bei den kooperativen Missionen sollten sich die Teilnehmer gut überlegen, welche Überlebenden sie auf das postapokalyptische Schlachtfeld führen, denn jede Figur verfügt über ganz eigene Vorteile. Der bärtige Hüne Bear kann seine untoten Feinde beispielsweise von sich stoßen und damit auf Abstand halten. Später kann er sich im Nahkampf weiter verbessern und somit zu einem ausgezeichneten Streiter werden. Die Latzhosenträgerin Louise kann Felder akribisch nach wertvollen Ressourcen absuchen, weshalb sie in kürzester Zeit über bessere Ausrüstung verfügt als ihre Begleiter. Die Möglichkeiten sind vielfältig und sollten auf die jeweiligen Ziele der gespielten Missionen abgestimmt werden. Nur eine Gruppe mit gut kombinierten Fähigkeiten hat in den unerbittlichen Szenarien eine Chance zu Bestehen und nicht als Zombiefutter zu enden.

Zombicide_RM_Inhalt_LOWSchlicht aber effektiv

Regeltechnisch betritt „Zombicide“ kein innovatives Neuland, sondern verlässt sich auf altbewährte Abläufe. Das Spiel wird in Runden unterteilt, wobei zuerst alle Spieler in beliebiger Reihenfolge ihre Charaktere ziehen. Hierbei können sie sich entscheiden zwischen Bewegung, dem Durchsuchen des aktuellen Feldes, dem Öffnen von Türen, dem Neuordnen des Inventars und Fern- und Nahkampfattacken. Zu Beginn hat jeder Überlebende nur einen Bogen, eine Feuerwehraxt oder ein Brecheisen im Handgepäck. Mit der Aktion „Suchen“ können aber neue zufällig gezogene Ausrüstungskarten ergattert werden. Haben alle Helden agiert, dürfen die bereits auf der Karte vorhandenen Zombies laufen oder angreifen, wobei die flinken „Läufer“ im schlimmsten Falle sogar beides können. Danach strömen an vorher festgelegten Teilen der Karte neue Untote auf das Spielfeld. Welche Wiedergängergattungen in welcher Zahl auftauchen legen entsprechende Karten fest, die sich auch nach dem Erfahrungspunktestand der Überlebenden richten. Denn abgeschlossene Ereignisse und das Töten von Beißern bringt den Helden Erfahrungspunkte ein, durch die neue Fertigkeiten freigeschaltet werden. Aber mit dem Aufsteigen der Charaktere werden eben auch die Untoten häufig mehr und gefährlicher.
Sollten am Ende der Zombie-Phase noch Heroen auf dem Spielfeld verbleiben, sind wieder die Spieler gefragt und dürfen taktieren.

Smells like team spirit

Die im Regelwerk enthaltenen Missionen geben den Aufbau der Karte, das Geschehen und die Ziele vor. So muss in „Der Preis des Fortschritts“ ein Schlüssel in einem Gebäude gefunden werden, um den Helikopter zu starten und die Flucht zu ergreifen. Leider beherbergen verschlossene Gebäude in der Regel Scharen von hirnfressenden Monstern – so will das Vorgehen genau geplant und getimt sein. In der „Farm“ müssen etliche auf dem Gelände verteilte Gegenstände aufgelesen und schließlich noch ein gewaltiger Ansturm der wandelnden Leichen überstanden werden.
Trotz einiger neuer Elemente, wie den Kriechern, die entstehen, wenn ein Zombie aus Versehen in zwei Teile geschossen oder gehackt wird, ist die bedeutendste Neuerung der Wettkampfmodus, der auch mit zwei Szenarios vertreten ist. Hier müssen sich zwei oder mehrere Teams nicht nur der eigenen Haut erwehren, sondern auch noch der lebenden Konkurrenz schnellstmöglich den Garaus machen. Am Ende entscheidet jedoch, welche Partei die meisten Erfahrungspunkte eingeheimst hat, weshalb nach wie vor so viele Zombies wie möglich getötet werden und darüber hinaus kleine Zusatzziele erfüllt werden müssen.

Zombicide Season 3: Rue Morgue“ erfindet das Rad der taktischen Brettspiele nicht neu, bettet aber alle Mechanismen harmonisch in den Kosmos der Zombieapokalypse ein und bietet dadurch ein forderndes wie spaßiges Schlachtfest. Durch den großen Glücksanteil und den flotten Ablauf lassen sich sogar Gelegenheitsspieler für die zombifizierte Rauferei begeistern.

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Guns, Gore & Cannoli

Der Zombie-Pate

Was passiert, wenn man einen schicken handgezeichneten 2D-Sidescroller Marke „Metal Slug“ mit dem „Paten“ und einer kleinen Zombieapokalypse verquirlt? Das Ergebnis heißt „Guns, Gore & Cannoli“ und ist seit Ende April für Mac und PC erhältlich, seit kurzem auch für die Xbox One und in Bälde für die PlayStation4.

Während der Prohibitionszeit muss Vinnie Cannoli, ein waschechter Mafioso, in dem lauschigen Städtchen Thugtown nach seinem verschwundenen Kumpel suchen. Dummerweise findet das eine rivalisierende Verbrecherfamilie nicht wirklich erfreulich und hetzt ihm einen Haufen grantiger Gangster auf die Pelle. Doch die Goldenen Zwanzigerjahre sind davon abgesehen gar nicht so glänzend, denn wie aus dem Nichts bricht plötzlich noch eine Zombieapokalypse los und Vinnie muss sich mit einer Reihe widerlicher Untoter herumschlagen.

Zum Glück kann er bei seinem schwierigen Auftrag auf eine ganze Latte Waffen zurückgreifen, wobei er im Laufe des bleihaltigen und vor allem auch herrlich blutigen Abenteuers zusehends mehr Ballermänner einsacken kann. Zu Beginn steht ihm lediglich eine kleine Knarre (mit unendlich viel Munition) zur Verfügung; es folgen unterschiedliche Schrotflinten, Maschinengewehre, Flammenwerfer, Bazookas und ähnliche Spielereien – selbstverständlich dürfen auch Handgranaten und Molotov-Cocktails nicht fehlen, um der Zombiebrut ordentlich einzuheizen. Um sich durch die Levels zu manövrieren, kann der virtuelle Mafioso mit einer intuitiven Steuerung gelenkt werden, per Knopfdruck über Hindernisse (oder Feinde) hüpfen, sich geschickt hinter Objekten in Deckung abknien und mit einem beherzten Tritt Schalter umlegen, Türen auftreten und ekelige Kontrahenten auf Distanz halten.

GGC_IconDie einzelnen Kapitel der Geschichte werden abwechslungsreich in Szene gesetzt, sowohl in Bezug auf die Story als auch vom Design her. Jedes neue Level bietet skurrile neue Gegnertypen, zu denen an Luftballons schwebende mit Gasgranaten um sich werfende Zwuggel, ehemalige Footballspieler, schießwütige Soldaten, verweste Dominas aber später auch mutierte Riesenratten gehören. Jeder Feind hat seine individuellen Angriffsmuster, Stärken und Schwächen und lässt sich am besten mit einem speziellen Waffentyp beseitigen. So nützt es wenig, dem Soldaten auf seinen Helm zu ballern, während schildtragende Mafiosi nahezu über einen Ganzkörperschutz verfügen und einer besonderen Behandlung bedürfen.
Davon abgesehen stehen aber noch genügend interaktive Objekte wie Autos oder Fässer in der Gegend herum, die bei Beschuss explodieren, um sich Scharen von heranstürmenden Widersachern vom Leib zu halten. Häufig hilft dabei wildes Umherballern, aber vielerorts – vor allem bei den knackigen Bossgegnern – muss mit Taktik und Köpfchen vorgegangen werden, um beispielsweise die Soldaten aus ihren Schützengräben und Wachtürmen zu bekommen.

 

Vierfacher Bumm

Die Grafik ist herzallerliebst und fängt den Trash-Charme perfekt ein. Begleitend zu den handgezeichneten Hintergründen und schön animierten Protagonisten gibt es passende Klänge aus den 1920ern. Zu besonderer Hochform läuft „Guns, Gore & Cannoli“ allerdings im lokalen Mehrspielermodus auf, denn bis zu vier Zocker können sich gemeinsam gegen die feindlichen Horden werfen. Dies ermöglicht mehr taktisches Vorgehen und ist überdies bei den Bossgegnern sehr hilfreich.

Die Entwickler haben dem kooperativen Kampagnenmodus allerdings noch einen äußerst spaßigen „Vs Mode“ hinzugefügt, bei dem sich bis zu vier Mafiosi gegenseitig um die Ecke bringen müssen. Dazu zoomt das Geschehen perspektivisch deutlich heraus, um die verschiedenen kleinen Levels in Gänze auf dem Bildschirm darzustellen. Hier dürfen die Ganoven über – je nach Level mehr oder weniger – verschachtelte Plattformen hüpfen, Waffen aufsammeln und sich gegenseitig zerblasen. Wer als erster Spieler eine bestimmte Punktzahl erreicht, geht als Patenkönig aus dem Wettkampf hervor. Aber Vorsicht, das flotte und chaotische Gemetzel von den belgischen Entwicklern der Crazy Monkey Studios macht schnell süchtig!

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Cooties

Cooties
(Universal Pictures)

Für das Lehrerkollegium einer amerikanischen Grundschule wird dieser Montagmorgen zum mit Abstand beschissensten Tag des Lebens. Über ekelhafte Umwege schleicht sich ein widerlicher Virus in eine Portion frittierter Fastfood-Hähnchenpampe, die über den genüsslichen Verzehr kurzerhand im Blutkreislauf eines harmlosen Schulmädchens landet. Das kleine Blondchen sitzt am nächsten Vormittag mit Fieber und Ausschlag im Klassenzimmer und fällt nach einigen Hänselungen kurzerhand seine Mitschüler an. Über Kratzen, Beißen und Spucken gelangt der „Cooties„-Erreger in neue Wirtskörper und verwandelt diese binnen weniger Minuten in gehirn- und gedärmfressende Zombies.
Die Pädagogen sind von der ungewohnten Epidemie-Situation und dem daraus resultierenden Blutbad grenzenlos überfordert bzw. so sehr mit ihren eigenen Zipperlein beschäftigt, dass sie dem Ausbruch eher tatenlos zusehen – oder ihn partiell nicht einmal bemerken. Erst als es zu spät ist und nahezu alle Schüler zombifiziert wurden und es damit dem Kollegium an den Kragen geht, müssen sich die verstörten und sichtlich gestörten Pauker zur Wehr setzen … oder besser gesagt das Weite suchen.
A003_C003_0413L8Ein Unterfangen, das für die Pädagogen nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, denn sie alle sind eher skurril als souverän, und „exaltiert“ wäre noch eine beschönigende Beschreibung für den verschrobenen Haufen. Der Sportlehrer ist ein machohafter Rambo ohne Hirn, der eigens angereiste Vertretungslehrer Clint (Elijah Wood) wäre lieber Schriftsteller, der nächste kämpft mit seiner Homosexualität, wieder eine andere hält sich für eine Politikerin und so ließe sich der Reigen des Irrsinns beliebig weiterführen. Hinzu kommt ein übergewichtiger Schulhofwachmann, der allerdings eine Handvoll Pilze eingeworfen hat und mit Giraffen auf seinem Beifahrersitz korrespondiert. Später taucht ein japanischer Sicherheitsbeamter der Bildungsstätte auf, der eine alte Legende mit einem Frosch und einer Raupe zum Besten gibt und ein paar Zombieblagen mit seinen Katanas in Streifen schnetzelt …

Cooties“ hat übrigens nichts mit den „Goonies“ zu tun, auch wenn es hier ebenfalls um eine Reihe süßer Knirpse geht. Diese bestehen aber keine spannenden Abenteuer, sondern mutieren zu sabbernden und blutrünstigen Untoten, die gerne mal mit einem Darm Seilspringen oder mit Lehrerüberresten spielen. Obskure Szenen gibt es dabei zuhauf. Ihnen gegenüber stehen die unfähigen Pädagogen, die dem Film seinen besonderen Liebreiz verleihen. Sie sind traumatisiert, verklemmt und durchweg behämmert. Alleine durch die Interaktionen und Gespräche des Kollegiums wäre „Cooties“ eine charmant-überzogene Komödie; doch der kleine Zombievirus tut sein Übriges aus dem von Elijah Wood produzierten Streifen etwas Besonderes zu machen. Ein wenig schade ist, dass außer einem knapp 15-minütigen Interview (mit Elijah Wood) keine weiteren Bonus-Materialien auf der Blu-ray und DVD vorhanden sind. Outtakes oder ein kleines Making-of wären hier wünschenswert gewesen. Dieses Versäumnis schmälert aber den Spaß an den „Cooties“ und ihren zahlreichen kernigen Sprüchen und schrägen Ideen nicht.

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Life After Beth

Love never dies

Es hätte alles so schön sein können. Aber ein tödlicher Schlangenbiss beim Wandern reißt die junge Beth (Aubrey Plaza) urplötzlich aus ihrem Friede-Freude-Eierkuchen-Dasein. Zurück bleibt ihr niedergeschlagener Ex Zach (Dane DeHaan), der über den Tod seiner Geliebten nicht hinwegkommt. Seine distanzierten und unterkühlten Eltern sind nicht in der Lage, seine Trauer zu verstehen, geschweige denn sie zu lindern. Alleingelassen und voller Seelenpein wendet sich Zach an die Eltern der Verstorbenen. Die sind jedoch plötzlich wie ausgewechselt, denn eines Nachts steht Beth wieder vor der Haustüre als wäre nie etwas gewesen. Endlich hat Zach Zeit, seiner Herzensdame all jene Dinge zu sagen, die er schon längst mit sich herumschleppt, und er gesteht ihr seine immerwährende Liebe. Ganz zu seiner Freude wird diese von der Wiederauferstandenen erwidert und die beiden verbringen eine wunderschöne und romantische Zeit.
Doch das Geheimnis der wiedergekehrten Angebeteten wiegt schwer auf Zachs Schultern, zumal ihre Eltern ihm verbieten, dem Mädchen die Wahrheit zu sagen – nämlich, dass sie eigentlich schon tot war … oder ist? Ganz im Gegenteil hüllen ihre Erzeuger einen Mantel des Schweigens über die Realität und versuchen auf naive Art die zweite Chance mit ihrer Tochter zu genießen.
Als diese aber anfängt sich eigenartig zu verhalten, auf Smooth-Jazz zu stehen und eine etwas bedrohliche Art sexuellen Verlangens an den Tag zu legen, wird es Zach ein wenig mulmig. Die Rendezvous mit Beth werden zunehmend schräger und sie entwickelt überdies übermenschliche Kräfte und nimmt aus Zorn schon mal eine kleine Strandhütte auseinander. Zeit zu handeln und ihr die Wahrheit zu sagen. Doch dazu ist es eigentlich schon zu spät, denn längst steigen auch andere Menschen aus ihren Gräbern und wackeln putzmunter unter den Lebenden herum …

Life After Beth“ ist weder eine übliche Zombiekomödie, noch eine schnulzige Untotenromanze à la „Warm Bodies„. Irgendwo zwischen der französischen Mystery-Serie „The Returned“ und „Harald & Maude“ pendelt sich der ruhige und melancholische Streifen ein, glänzt mit skurrilen Ideen, überforderten Charakteren und einer eigenwilligen wie liebevollen Inszenierung. Erwartungshaltungen werden gebrochen, die oberflächliche Erwachsenenwelt demaskiert und hemmungslos über den Tod hinaus geliebt. Platz für Kitsch bleibt nicht, denn dieser wird in schwarz-humorigem Sarkasmus ertränkt. Wo „Warm Bodies“ seinem jungen Publikum zu sehr gefallen möchte, bleibt „Life After Beth“ herrlich verschroben und damit mehr als liebenswert. Und wo hat man schon einmal eine Romanze zwischen einem verstörten jungen Mann und einer Zombiedame mit einem Herd auf dem Rücken gesehen?

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Ian Edginton u.a. – The Evil Within

Ian Edginton/Alex Sanchez/Ed Anderson
„The Evil Within“
(Titan/Panini)

Dana wird von Schuldgefühlen heimgesucht. Sie kann das ominöse Verschwinden ihrer besten Freundin Kate noch immer nicht verstehen und verkraften. Sie stand in der Menge vor ihr, keine 50 Meter entfernt und doch gelang es einem Unbekannten sie vor ihrer Nase zu entführen. Weder begreift Dana das Warum noch das Wie? So hängt sie seit Wochen Flugblätter überall in der Umgebung aus in der Hoffnung, Hinweise auf Kates Verbleib zu erhalten. Doch eines Nachts bleibt ihr Wagen mitten in der entlegensten Pampa liegen. Zum Glück gibt es in der Nähe eine beleuchtete Tankstelle, aber dort hetzt ihr ein panischer Fremder entgegen, der von fürchterlich zugerichteten Menschen verfolgt wird. Inmitten der scheinbar untoten Jäger entdeckt sie Kate, doch es bleibt keine Zeit für ein Gespräch. Plötzlich suchen sie rasende Kopfschmerzen heim und nur einen Wimpernschlag später findet sie sich in einer seltsamen Klinik wieder. Der mysteriöse Ort verwandelt sich jedoch schnell in einen wahren Alptraum, als sie furchtbare Krankenbetten voller Leichen entdeckt – zahllose verstümmelte Körper, gepfählt, gespalten, zerhauen. Kurz darauf taucht ein monströses Ungetüm mit einer gewaltigen Axt auf. Anstelle eines Schädels sitzt auf seinem Rumpf ein durch Stacheldraht festgezogener Safe. Angstgebeutelt versucht sie zu entkommen, muss Fallen umgehen und landet letzten Endes doch wieder in einem neuen Alptraum. Sie ist jedoch nicht die einzige Person, die in diesem skurrilen Land des Horrors gefangen ist. Auch andere müssen den grauenvollen Wahnsinn durchleben, und es scheint, als gebe es für jeden Einzelnen eine kleine Hölle. „The Evil Within“ ist die gelungene Comicumsetzung des gleichnamigen Survival-Horror-Videospiels aus dem Hause Bethesda. Interessant ist, dass der Comic weitaus besser auf den Punkt kommt und dichter erzählt wird als die virtuelle Vorlage und dabei dennoch einige Höhepunkte der Software-Variante vorweisen kann. Ein kurzer aber impulsiver Trip des Grauens!

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The Crazies

Zerfetze deinen Nächsten

Zombieonkel George A. Romero bleibt eine Koryphäe des Horrorgenres, stets seinen eigenen Vorstellungen folgend, tief verwurzelt im Independent abseits bombastischer Hollywoodproduktionen für die Masse. Zu jeder Zeit waren seine Werke auch politisch und gesellschaftskritisch, mehr als stumpfer Gänsehautkitzel und Gore-Geschlachte. 1973 ließ er als Antwort auf Amerikas Verstrickungen im Vietnamkrieg den Seuchenhorror „The Crazies“ auf die Leinwände los, dessen aufwändige Neuinszenierung sich ab dem 04. November 2010 in den heimischen Wohnzimmern ausbreitet.

Dabei fängt alles so gemütlich an. Odgen Marsh ist ein friedliches Nest im mittleren Westen der USA. Jeder kennt jeden und der Frühling beginnt mit der Baseballsaison. Doch in diesem Jahr kommt alles anders. Zuerst dreht der stadtbekannte Säufer Rory durch und muss in Notwehr vom Sheriff der Stadt über den Haufen geschossen werden, dann kommt der an sich nette Bill kurzerhand auf die Idee seine Frau und seinen Sohn bei lebendigem Leib im eigenen Bauernhaus abzufackeln. Die Kleinstadt steht Kopf und die Verantwortlichen vor einem bitteren Rätsel.

Der Zufall will, dass drei wildernde Jäger im nahegelegenen Sumpfland über einen bereits angefaulten Piloten stolpern. Aber wo ein Pilot ist, muss auch eine Maschine sein, die Sheriff Dutten und sein Deputy Russel auch bald darauf ausfindig machen, nämlich auf dem Grund der lokalen Flussläufe. Diese wiederum versorgen aber die gesamte Umgebung mit Trinkwasser – der Verdacht liegt nahe, dass die Militärmaschine eine unschöne Ladung transportiert hat, die nun aus gutmütigen Wassertrinkern mordlüsterne Bestien macht. Kurz nach dieser beunruhigenden Entdeckung geht alles ganz schnell, denn mit einem Mal greift die Armee ein, schneidet die Stadt von der Außenwelt ab und beginnt die ländliche Bevölkerung unter eine brutale Quarantäne zu stellen – ohne nähere Erklärungen über die Sachverhalte. Nachdem sich die Bürger nicht wie Vieh internieren lassen und gegen die menschenverachtende Vorgehensweise der Soldaten aufbegehren, kommt es zu folgenschweren Unruhen, in denen Sheriff Dutten, seine schwangere Frau Judy, der Deputy und die junge Becca versuchen zu entkommen. Doch wohin und wie? Auch wenn eine biologische Waffe der Regierung Auslöser für diesen finsteren und bösartigen Horrorstreifen ist, so setzt die Neuverfilmung vielmehr auch auf Thriller-Elemente und die von Romero in den Siebzigern bereits angedeuteten gesellschaftskritischen Anspielungen – wenngleich in deutlich leiserem Tonfall.

„Als ich das Drehbuch las, wurde mir klar, dass die Geschichte viel mehr zu bieten hat als die meisten Filme in dem Genre und trotzdem den Terror und die Spannung liefert, die die Horrorfans so lieben“, rekapituliert Produzent Rob Cowan seine ersten Eindrücke zu „The Crazies606″. Doch auch über das Skript hinaus ist das gesamte Filmteam auch mit der Arbeit des Regisseurs Breck Eisner sehr zufrieden. „Breck hat sich der Geschichte mit Respekt genähert“, merkt der Produzent an, „dann sein eigenes, einzigartiges Feingefühl hinzugefügt und gleichzeitig dafür gesorgt, dass sie extrem unheimlich und beängstigend bleibt.“ Die Protagonisten von „The Crazies“ geraten so in ein furchtbares Schreckensszenario, das alle Sicherheiten und Lebensziele mit einem Male zerstört und sie mit einer ungreifbaren Gefahr konfrontiert. „Die Bedrohung entsteht durch Menschen, die uns allen vertraut sind, zu denen unsere Hauptfiguren Beziehungen pflegten“, fasst der Filmemacher zusammen. „Der andere interessante Aspekt ist das Militär und wie es reagiert. Die Armee ist eine noch viel größere Bedrohung, weshalb sich unsere Helden nicht nur mit ihren wild gewordenen Nachbarn auseinander setzen müssen.“

Die Blu-ray-Variante bietet neben einem edleren Bild und sattem Master-Ton auch noch einige Extras mehr. Jedoch bleibt auch die herkömmliche DVD-Variante ein packender Horror-Trip voller ABC-Waffen, Militärgewalt und Tier gewordener Menschen.

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Cockneys vs. Zombies

Ein Zombie ging ins Altenheim

Der gemeine Haus- und Hinterhofzombie breitet sich aus wie eine Seuche. Früher geisterte er nur als glubschäugiges Voodoomonster umher, wurde dann von Altmeister Romero neu entdeckt, um im neuen Jahrtausend gehirnemampfend und sabbernd einer weiteren Erfolgswelle der Apokalypse entgegenzutaumeln. In der britischen Horrorkomödie „Cockneys Vs. Zombies“ haben es die Untoten auf das Londoner East-End abgesehen – doch da haben sie sich mit den Falschen angelegt.

Eigentlich wollten die beiden Brüder Andy und Terry nur ihrem Großvater helfen, doch der groß angelegte Rettungsplan gerät wegen unvorhergesehener Zombieaktivitäten ein wenig außer Kontrolle. Die Beiden verbindet ein enges Band mit ihrem Opa, denn nach dem unschönen Tod ihrer Eltern bei einer Schießerei mit der Polizei, zog der alte Herr die Zwei liebevoll auf und lehrte sie Anstand und Moral. Als nun aber die Stadtverwaltung sein kleines Altersheim schließen möchte, kommen die Geschwister auf die grandiose Idee, eine Bank zu überfallen. Hierzu laden sie ihre kesse Cousine Katy, einen etwas trotteligen Bekannten und einen durchgeknallten Irakveteranen ein, um das Ding durchzuziehen. Wie zu erwarten stellen sie sich nicht sonderlich klug an und werden von der Polizei mit den erbeuteten 2,5 Millionen Pfund im Geldtempel festgesetzt.

Als sich der Chaotentrupp mehr oder weniger freiwillig entscheidet Geiseln zu nehmen und die Flucht zu ergreifen, müssen sie feststellen, dass eine Horde Zombies bereits für die Beseitigung der Staatswächter gesorgt und den Straßenzug in eine Menschenfressmeile verwandelt hat.
Der wandelnden Wahrheit ins Auge blickend, fasst der planlose Haufen den Entschluss, Großvater und seine betagten Insassen aus der Seniorenbleibe zu befreien. Die rüstigen Rentner haben sich unterdessen aber ganz gut gegen das wankende Gammelfleisch zu wehren gewusst und schon so manche Zombierübe zermatscht. Denn Opi Ray hat im Zweiten Weltkrieg gelernt, wie man den bösen Nazisäcken zümftig den Garaus macht.

Cockneys Vs. Zombies“ ist nicht einfach nur eine weitere Zombiepersiflage, sondern ein kleines Meisterwerk, das dem Genre einerseits huldigt, sich zugleich ironisch über seine Standards auslässt. Dabei legt Regisseur Matthias Hoene ein fetziges Erzähltempo vor und glänzt mit einer ganzen Reihe fabelhafter Einfälle und Sprüche. Wie soll man beispielsweise einen Zombie erschießen, der aufgrund einer Kriegsverletzung eine Stahlplatte im Schädel hat? Der altbewährte Trick mit dem Schuss in die Birne bringt da wenig. Beliebt sind auch nervenaufreibende Verfolgungsjagden mit den Untoten. Hier findet sich ein aberwitziges „Wettschlurfen“ eines alten Greises mit Gehhilfe und einer strauchelnden Zombiehorde. Oder da wäre noch die Begegnung mit englischen Fußball-Hooligans, die sich sogar noch als blubbernde Wiedergänger die modrigen Fressen polieren wollen. Von zerschossenen Müttern und weggekickten Babyuntoten nicht zu reden … Ein blutiges und über Maßen freudvolles Geschnetzel mit kernigem Kultfaktor!

Die Horde

Harmagedon

Das europäische Kino etabliert sich zusehends als Gegenpol zum durchgestylten und massenkompatiblen Hollywoodeinheitsbrei. Gerade die französischen Filmemacher entdecken in letzter Zeit vermehrt die Freude am Horror für sich, wie das großartige Hinterwäldlermassaker „Frontier(s)“ als auch der eigenwillige Zombiestreifen „Mutants“ blutig vor Augen führen. Mit „Die Horde“ bricht ein weiteres Mal die Apokalypse über die Welt herein – schnell, brutal und unaufhaltsam.

Frankreich, das Land erlesener Rotweine, knuspriger Baguettes und leckerer Croissants. Doch diese Klischees haben die Macher von „Die Horde“ nicht im Sinn, ganz im Gegenteil. Sie zeigen das einst so stolze Frankreich von seiner kranken, verruchten und verdorbenen Seite. Die Städte sind vom Zerfall gezeichnet. Moral und Ethik sind längst der Selbstsucht und dem Hass zum Opfer gefallen.

So verwundert es nicht, dass Polizist Rivoallan bei seinen Ermittlungen gegen einen Verbrecherring von eben diesem auf grausame Weise hingerichtet und irgendwo im Müll der Großstadt aufgefunden wird. Seine Kollegen, ein eingeschworener Kreis, wollen diese Untat nicht hinnehmen und getreu dem Motto „Auge um Auge“ das Gesetz hinter sich lassen und Vergeltung üben. In einem kleinen Team stürmen sie maskiert und bewaffnet das desolate Hochhaus, in dem sich der Anführer und seine Gang aufhalten. Doch der Racheplan geht schon im Ansatz nach hinten los und aus den Angreifern werden Gefangene. Den korrupten Gesetzeshütern wird von den Verbrechern schwer zugesetzt und die Lage spitzt sich mehr und mehr zu.

Doch zeitgleich, anfangs noch wie ein leises Gewittergrollen in der Ferne, kündigt sich außerhalb des gewaltigen Wohnkomplexes ein noch viel größeres Unheil an. Zuerst denken die Drogenschieber, die Cops wären mit ihren Kollegen da, doch dann müssen sie feststellen, dass die gesamte Stadt brennt und die vermeintlichen Schüsse entpuppen sich als grollende Explosionen. Die Welt um das Hochhaus herum scheint in nur einem einzigen Atemzug in Trümmern zu liegen und die Schreie der Verzweifelten und Sterbenden hallen über den grauen, brüchigen Beton zu ihnen herüber.

Doch für Entsetzen und langes Überlegen bleibt dem ungleichen Haufen Menschen keine Zeit, denn schon rappelt sich der erste Leichnam auf und attackiert die Lebenden. Und „Die Horde“ geht nicht gerade zimperlich zu Werke. Blut spritzt durch die Luft, einige Untotenopfer krachen leblos zu Boden und erst ein beherzter Schrotflintenschuss beendet die erste Begegnung mit den wandelnden Toten.

Ab diesem Moment lässt das Regie-Duo aus Benjamin Rocher und Yannick Dahan, die übrigens bereits bei „Frontier(s)“ als Aktress mitgewirkt hat, tatsächlich die Hölle los und es bleibt weder den Protagonisten noch dem Zuschauer Zeit zum Verschnaufen. Die Apokalypse kommt schnell und hart und walzt grimmig über die Menschheit hinweg. Erfreulich ist dabei der Zwist innerhalb der Gruppe, denn plötzlich werden Feinde verschiedener Fronten zu Verbündeten wider Willen. Zur Gemütserheiterung in dieser rasanten und brachialen Geschichte taucht noch ein herrlicher Charakter mit fast schon trashigem Charme auf, der mit dem Beil und wahlweise dem MG der untoten Meute versucht Einhalt zu gebieten. Doch die Franzosen lassen ihre Protagonisten nicht zur Unterhaltungskost verkommen, sondern zeichnen von vorne herein ein bitteres Ende ab.

Das einzige Manko dieses Streifens sind die Dank deutscher Sittenwächter angebrachten Schnitte, die leider ein wenig das Salz aus der Suppe oder besser gesagt das Blut aus der Matsche nehmen. Darüber hinaus ist „Die Horde“ aber großartig und vielleicht sogar ein Sinnbild für den Zerfall der menschlichen Zivilisation, ein Symbol für den sich selbst vernichtenden Homo Sapiens, der durch die Apokalypse nur bekommt, was er verdient. Denn wie schon in der Offenbarung des Johannes (sinngemäß) geschrieben steht: „Und ich sah aus dem Mund des Tieres unreine Geister von Dämonen kommen.“ Amen.

 

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Dead Set

Big Brother is matsching you

Das Fernsehen verwandelt uns mit niveaulosen Talksendungen, peinlichen Casting-Shows und anderen Formaten aus der intelligenzlosen Zone langsam in gehirntote, sabbernde Zombies. Wenn es um Charlie Brooker und seine Mini-Serie „Dead Set“ geht, dann ist es eines Tages tatsächlich soweit und all jene banalen Big-Brother-Banausen wandeln als grimmige Untote über die Erde.

Es hat lange gedauert, bis die bissige, gesellschafts- und vor allen Dingen medienkritische Miniserie „Dead Set“ endlich aus dem Vereinten Königreich in unsere Breitengrade herüberschwappte. Nun aber können sich auch deutsche Horrorjünger an der sarkastischen Abrechnung mit der Verblödung der Menschheit erfreuen und sich an einer Reihe herrlich humorvoller wie sprudelnd-splatteriger Elemente ergötzen. Dabei fängt alles so schön bunt an: Während in einer Big-Brother-Butze irgendwo in England ein paar Vollschwachmaten gegen den Rauswurf aus der begehrten wie einschaltquotenstarken Fernsehreihe ankämpfen, berichten die Nachrichten – anfangs eher noch beiläufig – von massiven Ausschreitungen in weiten Teilen Großbritanniens. Es scheint sich nicht nur um gewöhnliche Unruhen zu handeln und die Lage spitzt sich von Minute zu Minute zu. Das ist den Verantwortlichen der Deppenshow in ihrem abgelegenen Studio aber mehr als egal, zumindest so lange, wie der Sender keine Sondersendung wegen der Nachrichten einschiebt und den publikumswirksamen Rauswurf des nächsten Hausinsassen ins Aus bugsiert. Denn vor den Toren des Quarantänebunkers haben sich bereits die doofen Fans eingefunden, um diesen großen Moment zu feiern und ihren hohlen Sternchen die Hand zu schütteln.

Selbstverständlich bekommt niemand – weder die oberflächlichen Macher, noch die grenzdebilen Anhänger – mit, dass sich überall im Land ein Virus ausbreitet, der seine Opfer in kürzester Zeit in einen herkömmlichen Zombie verwandelt, der fortan nur noch eines im Sinn hat, nämlich das Fressen und damit infizieren anderer Menschen. Ein einziger Biss genügt und der Angeknabberte verwandelt sich selbst in einen ekligen Wiedergänger. Im Gegensatz zur ersten Generation von Untoten, wie wir sie von Urvater George A. Romero kennen, handelt es sich aber um höchst agile „24-Days-Later“-Exemplare, die sich rasend schnell umherbewegen können. Entsprechend dauert es nicht lange, bis das gesamte Gelände überrannt wird und nur noch ein kleines Grüppchen von Vollpfosten ums Überleben kämpfen muss.

Dead Set“ mag sich zwar gewöhnlicher Zombies bedienen, ist aber durch seinen bissigen Unterton und derben Humor alles andere als übliche Horrorkost. Denn während die Fanmassen von einigen Infizierten niedergefressen werden ist das einzige Anliegen der Big-Brother-Bewohner „Heißt das, wir sind nicht mehr in der Glotze?“ Die polemische Betrachtung des Homo sapiens wird aber auch an anderen Punkten auf die Spitze getrieben. Als die letzten Flüchtenden einen der Leichenfresser in einem Swimmingpool beobachten, wie er orientierungslos und panisch herumzappelt, ohne dabei an Land zu kommen, erkennt einer der Insassen in trockenem Tonfall: „Die sind dumm wie Scheiße … das ist die britische Bevölkerung!“

Dead Set“ lebt aber nicht nur von markigen Sprüchen, sondern auch von seinen schrägen Charakteren. Da wäre die Protagonistin Kelly, die als Runnerin bei der Produktion mitwirkte. Sie hat gerade ihren Freund betrogen und scheinbar keine Lust damit aufzuhören, auch wenn der dort draußen irgendwo in der Pampa herumirrt. Nicht unbedingt eine sympathische Hauptfigur. Auch mit dem arroganten Produzenten Patrick, der nur an sich selbst denkt, hat die Mini-Serie ein großartiges Arschloch in der Charakterriege, der mehrfach für breites Grinsen sorgt. Und da wären noch ein strohdoofes Blondchen, eine empfindliche Transe, ein aufgeblasener Macho, ein feiger Pseudo-Intellektueller und allerlei Futter für die Zombies. Eklige Blut-und-Gedärm-Einlagen runden das Spektakel gebührlich ab und Charlie Brooker führt die Annahme von Heldin Kelly, „So lange wir atmen sind wir klüger als sie, deswegen werden wir sie besiegen“, auf süffisante Weise ad absurdum.

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Death Valley

Death Valley
(Paramount)

Death Valley

Death Valley: Staffel 1 – unzensiert

Keiner weiß woher sie kamen oder warum sie hier sind – und eigentlich ist es völlig egal. Vor einem Jahr fielen plötzlich Zombies, Werwölfe und Vampire im San Fernando Valley ein, und seitdem müssen sich die Menschen dort mit den ungewöhnlichen Besuchern herumschlagen. Da infektiöse, herumlungernde Untote genauso wie außer Kontrolle geratene Blutsauger oder auf die Schiefe Bahn geratene Werwölfe ein öffentliches Ärgernis und Sicherheitsrisiko darstellen, wurde eigens die Undead Task Force (UTF) gegründet, die sich um die ungeheuerlichen Gäste kümmern muss. Die nicht ganz unblutige Arbeit der Cops wird von einem Reality-Show-Filmteam festgehalten, von dem hin und wieder mal beiläufig einer den Löffel abgeben muss. Ob es dabei um Werwölfe im Pornogeschäft, Vampirprostitution oder nervige Zombiehorden auf dem Spielplatz geht ist eigentlich egal, denn „Death Valley“ kombiniert Sarkasmus und Splatter so gekonnt, dass jede der nur etwa 20-minütigen Folgen einem Freudenfest gleichkommt. Die sechs Hauptcharaktere sind zudem schön schräg und geben dem makabren Durcheinander die nötige Würze. Zwölf haarsträubende und durch und durch begnadete Einsätze in einer Staffel – und ein absoluter Geheimtipp!

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