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Take Shelter

Take Shelter
(Ascot Elite)

Curtis LaForche hat alles, was das Herz begehrt: eine ihn liebende Frau, eine zauberhafte Tochter, ein Haus und einen Job. So betrachtet ist er ein richtiger Glückspilz. Doch in ihm schlummert eine zermürbende Angst. Als zehnjähriger Knirps wurde er von seiner Mutter im Auto auf einem Parkplatz „ausgesetzt“. Erst nach einer Woche konnte sie aufgespürt werden, als sie aus einer Mülltonne aß – Diagnose: paranoide Schizophrenie. Nun ist Curtis so alt, wie seine Mutter damals, als der Wahnsinn sie für immer verschlang. Auch bei ihm tauchen erste Anzeichen einer Psychose auf. Mit beunruhigenden Träumen eines gewaltigen Sturms fängt alles an, doch bald kommen Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen dazu. Aus Angst, so zu enden wie seine Mutter, begibt er sich verängstigt in psychiatrische Behandlung, auf der anderen Seite hält er seine Albträume für Visionen – eine Warnung vor einem alles zerstörenden Unwetter. Als er den Schutzkeller im Garten in großem Stile ausbauen möchte, verschuldet er sich nicht nur hoffnungslos, sondern bringt auch seine Ehe in Gefahr. Und niemand glaubt seinen unheilvollen Prophezeiungen. Zwei grandiose Schauspieler holen aus dem geschickt gestrickten Drehbuch das Letzte heraus, stilsicher geführt von einer exzellenten Regie. Ein faszinierender, ruhiger Film voller intensiver Kraft und beklemmender Spannung.

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ATM – Tödliche Falle

ATM – Tödliche Falle
(Universum)

Irgendwo in einem kleinen Kabuff sitzt ein unerkannt bleibender Knilch und studiert akribisch ein Parkplatzgelände – seine Absichten scheinen dabei nicht ehrenhaft zu sein. Davon weiß der junge Anlagenberater David nichts, der sich gerade mit seiner von ihm verehrten Kollegin Emily von der Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers abseilen will. Aber ein weiteres Näherkommen wird durch den nervigen Mitarbeiter Corey verhindert. In der Hoffnung, ihn loszuwerden, halten die drei auf dem Heimweg an einem ATM-Häuschen, einem kleinen Bank-Container, um dort ein bisschen Geld abzuheben. Als sie bei der klirrenden Kälte den Automaten bedienen wollen, taucht ein Fremder in einem Parka vor dem Tempel des Kommerzes auf und tötet kurzerhand einen gassigehenden Passanten. Dann bleibt er demonstrativ draußen stehen und beobachtet das Trio, das in helle Panik ausbricht. Was will der Fremde? Ist er ein Irrer oder hat er mit einem von ihnen eine Rechnung offen? Unterdes erkennen die Belagerten, dass ihr Peiniger genau weiß, was er tut, und nichts dem Zufall überlässt – und er geht über Leichen, um zu bekommen, was er will. Ein über weite Strecken stimmig aufgebauter Nervenzerrer, der zwar mit einigen Schwächen zu kämpfen hat, aber dennoch eine anderthalbstündige Zitterpartie verspricht.

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Die Frau in Schwarz

Die Frau in Schwarz 
(Concorde)

Der junge Anwalt Arthur Kipps ist nach dem Tod seiner Frau psychisch schwer angeschlagen. Mit einem großen Auftrag, der ihn in das entlegene Örtchen Crythin Gifford führt, will er sein privates wie berufliches Leben wieder in Ordnung bringen. Seinen dreijährigen Sohn muss er zwar schweren Herzens bei einem Kindermädchen zurücklassen, aber dennoch sieht er dem Auftrag seiner Kanzlei wohlwollend entgegen. Vor Ort soll er den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow auflösen. Doch als er in dem hinterwäldlerischen Nest angekommen ist, reagieren die Einwohner argwöhnisch und verängstigt. Erst mit einer ordentlichen Bestechung erreicht er, dass der Kutscher ihn zu der angeblich verfluchten Villa Eel Marsh House fährt, wo er Zeuge seltsamer Erscheinungen wird. Waren da nicht Kinder im Nebel? Und stand da nicht eben eine schwarze Frau? Leider bleibt Daniel Radcliffes schauspielerische Leistung auf Harry-Potter’schem Niveau, und so gelingt es ihm nicht, der Hauptfigur Leben einzuhauchen. Dem viktorianischen Grusler mangelt es zudem an zündenden Einfällen, sodass meist nur altbekannte Standards aufgefahren werden. Im Gegensatz dazu sind die Kulissen und das gesamte Szenario als grandios zu bezeichnen. So bleibt ein netter, aber wenig innovativer Geisterfilm mit einem stets gleich belämmert dreinblickenden Protagonisten vor wundervollen Bühnenbildern.

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Hell

 

Hell 
(Paramount)

Der Mensch ist ein Meister der Zerstörung. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, Tierarten auszurotten oder die Umwelt zu vergiften, schändet er sich gerne auch selbst. Der deutsche Endzeitstreifen „Hell“ zeigt das Ende der Welt in zugleich spannenden wie niederschmetternden Bildern und kokettiert dabei sogar mit dem Horrorgenre, indem er gekonnt mit Hinterwäldler- Schlächter-Elementen spielt. Der Titel ist ein gelungenes Wortspiel, das nicht nur das destruktive Gleißen der Sonne beschreibt, sondern im Englischen unmissverständlich auf die Hölle (auf Erden) verweist. Der leuchtende Himmelskörper ist längst zu einer tödlichen Bedrohung geworden und hat mit seiner unbarmherzigen Hitze sowohl Fauna also auch Flora ausgedorrt. Wenige Augenblicke unter ihren stechenden Strahlen lassen Augen erblinden und Haut verbrennen. Die Zivilisation liegt in Trümmern, und der Mensch ringt um jeden verbleibenden Essensvorrat, vor allen Dingen aber um das seltene Gut Wasser. Phillip, Marie und ihre kleine Schwester tuckern in einem abgedunkelten Schrottwagen Richtung Gebirge, denn dort oben soll es noch Wasser geben. Auf ihrem Weg geraten sie jedoch in einen Hinterhalt und damit in die Fänge einer wahnsinnigen Familienbande, die ihre eigene, abscheuliche Weise gefunden hat, mit der Apokalypse umzugehen …

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The Divide

 The Divide 
(Universum)

Fassungslos steht Eva da und starrt auf die in einem Flammenmeer versinkende Stadt. Ein gewaltiger Atompilz breitet sich über der Metropole aus und verschlingt alles. Panisch fliehen die Menschen wie Ratten eines sinkenden Schiffes die Treppen des riesigen Hochhauses hinunter – an Mitgefühl und Menschlichkeit denkt dabei keiner mehr. Der Zufall will es, dass die junge Frau gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe im Keller des Hausmeisters Mickey landet, der die Flüchtlinge allerdings nur ungern bei sich aufnimmt. Regisseur Xavier Gens, der bereits bei „Frontier(s)“ mit der Endzeit liebäugelte und nur zu gerne in unmenschlichen Abgründen herumwühlt, nutzt die Apokalypse nicht für reißerisches Effektkino, sondern entwickelt ein diabolisches „Herr der Fliegen„-Szenario, das mit direkter und unverminderter Härte schwere Fausthiebe in die Magengrube und das Gewissen seiner Zuschauer austeilt. Ohne zu wissen, was draußen vor sich geht, findet sich die Gruppe Überlebender in einem Kellerloch wieder, auf engstem Raum zusammengepfercht, einem sicheren Tod durch Verhungern entgegenmodernd. Hass, Misstrauen, Perversion und Sadismus finden in dieser trostlosen Dunkelheit besten Nährboden – und was sich im Großen auf der Erde abspielte, wiederholt sich im Kleinen. Erschreckend genial!

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Frozen

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(Universum)

Vermutlich hat jeder Skifahrer oder Boarder schon einmal daran gedacht was passieren würde, wenn der Sessellift einfach stehenbliebe und man bei frostigen Minusgraden zum passiven Warten in luftigen Höhen verdammt wäre. Dass man daraus aber einen anderthalbstündigen Nervenhorror machen kann, ist angesichts des limitierten Szenarios und des minimalistisches Plots nur schwer vorstellbar. Aber aller Zweifel zum Trotze hat Regisseur Adam Green diesen Versuch gewagt und einen spannenden und ebenso dramatischen Überlebenskampf kreiert, bei dem die zwei besten Kumpels Dan und Joe erstmals ihren alljährlichen Skiausflug mit Damenbegleitung begehen. Als sie kurz vor Liftschließung noch eine letzte Fahrt in der Dunkelheit wagen wollen, kommt es zu einer Verkettung ungünstiger Ereignisse und sie werden mitten im Sessellift hockend vergessen. In unüberwindbarer Höhe sitzen die Drei nun fest, einsam und ohne Chance auf Rettung, denn die Piste bleibt erst einmal für einige Tage geschlossen. Verzweifelt versucht das Trio sich am Leben zu halten, auch wenn alle Versuche, der Situation zu entfliehen, zum Scheitern verdammt scheinen. Mitreißend inszeniert, durchlebt der Zuschauer das Grauen dieser furchtbaren Lage, um immer wieder von kleinen Hoffnungsschimmern gewärmt zu werden. Bewegend von Anfang bis Ende!

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Martyrium

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(Störkanal)

Die 2010 noch junge Störkanal-Reihe gehört zu den erlesensten Sammlungen der jüngsten Filmgeschichte. Mit verstörenden und schmerzhaften Werken wie „In My Skin“ oder „7 Days“ werden gezielt Gourmets der bewegten Bilder angesprochen, die es wagen in die Abgründe des menschlichen Daseins abzutauchen und sich in einer Welt des Bizarren, des Schmerzes und des Abartigen zu verlieren. Da kann es durchaus passieren, dass der Betrachter vor die eigenen Belastungsgrenzen geführt wird, denn „Spaß“ machen die Störstreifen allesamt keinen, verstehen sich vielmehr als hochwertige Kunst abseits leichter Kost. So wandelt „Martyrium“, im französisch-sprachigen Original „Calvaire“, auf den Pfaden des Wahnsinns. Dabei wollte der smarte Alleinunterhalter Marc doch nur zu seinem nächsten Auftritt fahren, als sein kleiner Bus mitten im bewaldeten Niemandsland liegen bleibt. Dort wird er von dem vereinsamten Bartel in dessen heruntergekommener Pension aufgenommen. Doch nicht nur der Herbergsvater ist psychisch daneben, das gesamte Volk aus dem benachbarten Kuhdorf (in dem nebenbei keine Frauen leben) scheint äußerst skurril. Bevor sich Marc versieht, wird er zum Objekt der Begierde und zu einem Opfer von Irrsinn und Gewalt. Stimmungsvoll erzählter und in dräuend-finstere Bilder verpackter Hinterwaldhorror auf europäisch – jedoch einer der gewöhnlicheren Störkanal-Ableger.

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Until Dawn

Texas Screamsaw Descent on Friday the 13th

Das Horrorgenre ist – einem Superzombie gleich – nicht totzukriegen. Ganz im Gegenteil: Metzel-Slasher, Creature-Heimsuchungen und Untoten-Apokalypsen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Schneller, härter, blutiger und ekliger ist da meist die Devise. Die britischen Entwickler von Supermassive Games haben im Gegensatz dazu mit „Until Dawn“ exklusiv für die PlayStation 4 einen ganz besonderen Gänsehaut-Cocktail angerührt und mit der Grundmechanik eines „Heavy Rain“ verwoben.

Mit den Gefühlen anderer sollte man nicht spielen, schon gar nicht, wenn es die eigenen Kumpels sind. So wird ein dummer Streich unter Freunden zu einer fürchterlichen Tragödie. Als die empfindsame Hannah von ihrer Clique wegen ihrer Liebe zu Mike gehänselt wird, läuft sie weinend und gekränkt in den nächtlichen Wald. Ihre Schwester Beth folgt ihr – und das ist das letzte Mal, dass die acht Freunde die beiden Mädels lebend zu Gesicht bekommen. Groß angelegte Suchaktionen in dem weitläufigen Gebirgsareal bleiben erfolglos und so werden die beiden für tot erklärt.
Ein Jahr später lädt der schwer traumatisierte Bruder der beiden Verschollenen die verbliebenen Freunde in das entlegene Anwesen in den Bergen ein, um die Vergangenheit ein für alle mal ruhen zu lassen und gemeinsam eine wundervolle Zeit zu verbringen. Doch die Zusammenkunft läuft anders als geplant und wird alles andere als entspannend.

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Die Qual der Wahl

Die Macher bedienen sich bewusst für ihre stimmungsvoll umgesetzte Story bei namhaften Filmvorbildern wie „Scream„, „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast„, „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Saw“ und mischen noch eine gehörige Portion Geistergrusel unter. Slasher-Elemente und Genrestandards werden geschickt eingesetzt, um sowohl eine dichte und bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, als auch Schrecken und Angst zu verbreiten. Immer wieder wird der Spieler mit gekonnt inszenierten Schockmomenten malträtiert und muss dabei unter teils massivem Zeitdruck herausfordernde Actioneinlagen meistern. So werden Verfolgungsjagden, Kletterpartien und andere spannende Szenen durch Quick-Time-Events umgesetzt, das heißt der Joypadhalter muss in kurzer Zeit eine Abfolge von vom Spiel geforderten Knöpfen drücken. Wird zu spät reagiert droht ein Sturz von einer Klippe oder der fliehende Protagonist stolpert in ein Hindernis hinein. Während Quick-Time-Events häufig sinnfrei zum Einsatz kommen, transportieren sie hier eben genau jenen Stress, der in typischen Horrorfilm-Situationen entsteht. Es bleiben nur Sekundenbruchteile um zu reagieren und um folgenschwere Entscheidungen zu fällen. Und genau das ist die eigentliche Essenz von „Until Dawn„: die zahlreichen Entscheidungen, die ein Spieler häufig unter massivem Zeitdruck fällen muss und die ihn nicht selten vor ein moralisches Dilemma stellen. Wird der eigene Charakter gerade von einem axtschwingenden und selbstverständlich maskierten Irren verfolgt, bleibt nur für wenige Augenblicke die Wahl zwischen einem Versteck im Schrank und der Flucht durch ein Fenster. Die Konsequenzen sind – wie in der Realität – nicht erkennbar und offenbaren sich erst Sekunden oder manchmal auch erst einige Spielstunden später. Schlimmer ist aber noch, wenn bewusst über Leben und Tod der insgesamt acht spielbaren Charaktere entschieden werden muss. Erschießt man die „infizierte“ Emily, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten oder lässt man es darauf ankommen und schlägt sich später mit den unbekannten Folgen der Infizierung herum? Lässt man die eigene Freundin in die Tiefe stürzen, um die eigene Haut zu retten oder wagt man gemeinsam mit der Herzensdame in den Tod gerissen zu werden? Solche Momente gibt es in „Until Dawn“ am laufenden Band – und sie machen das Spiel so fesselnd, da die Wirkung des eigenen Handelns nicht voraussehbar ist und häufig das gesamte Geschehen verändert.

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Schießen oder Nichtschießen, das ist hier die Frage

Neben schwerwiegenden Entscheidungen und Panik-Knopfdrück-Massakern gibt es auch noch eine weitere Actioneinlage, nämlich der gezielte Angriff. Hier muss der Until-Dawner in vorgegebener Zeit mit dem Joypad einen vorgegeben Zielpunkt anvisieren und eine entsprechende Aktionstaste drücken. Hierdurch werden Gewehrpatronen auf Feinde gelenkt, Schlösser aufgeschossen oder mit der Faust zugeschlagen. Häufig gibt es mehrere mögliche Ziele und der Spieler muss blitzschnell wählen, welches er anvisieren möchte. Manchmal ist es sogar besser nicht anzugreifen und die Füße stillzuhalten. Aber auch hier ist nie sicher, welche Reaktionen die Aktionen mit sich bringen.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Szenen, in denen der Zocker zum Zuschauer wird und gebannt der Handlung folgen kann. Diese dienen aber weniger der Entspannung, denn meist bringen sie neue Gruselmomente mit sich oder die grauenvolle Vergangenheit ans Licht. Außerdem dürfen die Hauptfiguren abwechselnd durch die detailliert gestalteten Szenerien gesteuert werden, müssen dabei einige Sammelobjekte aufspüren und kleine Aufgaben erledigen.

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Ich bin der Geist, der stets erscheint

Das Verhalten der Figuren ist stellenweise zwar ein wenig fragwürdig – warum zum Teufel müssen sich die Protagonisten in den blödesten Augenblicken trennen? –, aber das gehört wohl zum guten Ton des Genres und ist im Lauf der vielverzweigten und stets mitreißenden Handlung verschmerzbar. Denn es ist der Fortlauf der Geschichte und das Enträtseln der Vergangenheit, die „Until Dawn“ so fesselnd machen. Was ist mit den beiden Schwestern, Beth und Hannah, wirklich passiert? Wer jagt im Haus der Familie Washington die acht Freunde? Und was hat es mit der alten Mine und ihrer unheimlichen Vergangenheit auf sich? Sogar eine alte Klinik steht auf einem der Gipfel. Treibt sich dort ein kürzlich entlassener Straftäter herum, der sich an der wohlhabenden und einflussreichen Filmemacher-Familie rächen möchte? „Until Dawn“ spielt ganz bewusst mit den Standards des Horrorgenres. Da gibt es eine Séance mit einem Ouija (Hexenbrett), deutliche Anleihen bei Folter-Pornos und Klassikereinlagen Marke Stephen King. Doch was in den ersten Spielstunden als normierte aber gut zusammengefügte Symbiose typischer Klischees erscheint, wird im Lauf der Handlung zu einem wichtigen und (mehr oder weniger) logischen Plotpart. Aber Supermassive Games haben es sich nicht nehmen lassen, einen erschreckenden und überraschenden Umbruch einzubauen, der das Geschehen vom Teenie-Slasher zum indianischen „Descent“-Grauen macht …

Kurzum ist „Until Dawn“ ein hervorragend arrangiertes interaktives Horrorspiel, das mit einer bombastischen Präsentation schnell in die mysteriösen und später auch blutigen Ereignisse abtauchen lässt. Hervorzuheben sind auch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller, die den Figuren glaubwürdiges Leben einhauchen. Allen voran ist hier Kultmime Peter Stormare („Hänsel und Gretel: Hexenjäger„, „Das Kabinett des Dr. Parnassus„, “ The Big Lebowski“ u.v.m.) zu nennen, der als Seelenklempner Dr. Hill einige Therapiesitzungen mit einer anfangs unbekannten Person und indirekt auch mit dem Spieler selbst durchführt.
Nicht zuletzt bleibt der extrem hohe Wiederspielwert ein Argument, „Until Dawn“ in die eigene Spielesammlung einzureihen, denn durch die zahllosen unwägbaren Wege, die in dem Gruselschocker eingeschlagen werden können, ist ein mehrfaches Durchspielen fast schon Pflicht. Da kommt einem die mit etwa 9 Stunden angegebene kurze Spieldauer sogar positiv entgegen.

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Twixt

Lyncheskes Nimmermehr

Francis Ford Coppola hat sich einst mit Meisterwerken wie „Der Pate“ oder „Apocalypse Now“ in den Olymp der Filmgötter aufgeschwungen. Jahre später taumelte er mit lieblosen Auftragsarbeiten durch die Mittelmäßigkeit, kehrt nun aber mit dem von den Hollywood-Fesseln befreiten Mystery-Goth-Märchen „Twixt“ zu eigener Stärke zurück.

Hall Baltimore (Val Kilmer) ist in vielfacher Weise am Ende. Der Tod seiner Tochter hat den Autoren aus der Bahn geworfen, seelisch wie beruflich. Einst hatte er große Pläne, doch mittlerweile ist er zu einem Stephen King für Arme verkommen und hält sich mit drittklassigen Hexenromanen über Wasser. Auch seine Ehe ist zu einer quälenden Zweckgemeinschaft geworden, bei der Liebe schon längst keine Rolle mehr spielt.

Als er auf seiner Promotour für sein neuestes Buch in dem kleinen Kaff Swann Valley vorbeikommt, stößt er auf wenig Interesse seitens der Einwohner. Nur der kauzige Sheriff und Hobbybastler Bobby LaGrange (Bruce Dern) lässt sich eines seiner Machwerke signieren – nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn er selbst hat eine zündende Idee für einen Roman, den er gemeinsam mit dem „Hexenmeister“ verfassen möchte. „The Vampire Executions“ soll das gute Stück heißen und die Leute aus ihren Sesseln fegen. Beflügelt von den euphorischen Worten des Gesetzeshüters, kündigt Hall bei seinem Agenten ein neues Buch an und versucht sich von der mysteriösen Kleinstadt beflügeln zu lassen, die mehr als nur eine modrige Leiche im Keller hat. Der örtliche Glockenturm mit seinen sieben verschiedenen Uhren soll angeblich vom Teufel bewohnt sein, in einem nahegelegenen Hotel am Waldrand hat sich ein grauenhafter Massenmord an unschuldigen Kindern abgespielt und überhaupt gilt die ganze Gegend als verflucht. Hinzu kommt, dass der Sheriff gerade ein Mordopfer in der Leichenhalle liegen hat, das seltsamerweise mit einem Pfahl getötet wurde. Ein ungewöhnlicher Zufall, könnte man meinen. Aber es wird noch bizarrer: Von Alkohol benebelt, durchwandert der Schreiber in seinen Träumen die Umgebung von Swann Valley, trifft dabei das Geistermädchen V., das ihn zu dem verfluchten Haus der Kindsmorde führt.

Doch es bleibt nicht bei einer kuriosen Traumsequenz. Immer öfter stürzt sich der lebensmüde Protagonist in das Reich des Schlafes, begegnet Mördern, Gespenstern und schließlich seinen eigenen Dämonen. Horrorlegende Edgar Allan Poe begegnet ihm schließlich persönlich (und wird in etlichen Anspielungen gewürdigt), gibt ihm Tipps für sein schöpferisches Schaffen, erklärt ihm die Geheimnisse einer guten Geschichte, die im Tod des Schönen gipfelt. Stück um Stück nähert sich Mr. Baltimore seiner eigenen Befreiung …

Francis Ford Coppola gelingt mit „Twixt“ ein verschrobenes, skurriles und ironisches Kleinod, das mit leisen Tönen und einnehmenden Bildern zu fesseln weiß. Geschickt werden Traum und Realität verwoben, bis der Zuschauer selbst nicht mehr sicher sein kann, was noch Wahrheit ist oder was dem Wahn entspringt. Mit lynchesker Düsternis und einem verschmitzten Lächeln erzählt Coppola so abseits standardisierter Mainstreampfade eine unheimlich-schöne Schauermär.

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The Strangers

Das gesichtslose Grauen

Maskierte Killer gehören seit Urzeiten zu den Hauptfiguren des Horrorkinos. Ebenso ist das entlegene Landhaus, als Austragungsort grauenhafter Ereignisse, ein beliebter Spielplatz des Genres. Auf den ersten Blick bietet das Erstlingswerk „The Strangers“ von Bryan Bertino, das sich beider Elemente bedient, nichts wirklich Neues. Doch der Schein trügt, denn sowohl das Drehbuch als auch die gesamte Inszenierung machen die Bluray und DVD des am 08. Mai erscheinenden Psycho-Thrillers zu einem nervenzerreißenden und beklemmenden Trip in die Abgründe menschlicher Urängste.

Der Mann auf dem Regiestuhl hat dabei nicht nur das Zepter bei der Realisierung der Story in der Hand gehabt, sondern auch das Drehbuch selbst ersonnen. Seine Ideen haben schon im Vorfeld hohe Wellen geschlagen und Liv Tyler auf Anhieb begeistert: „Ich konnte das Drehbuch einfach nicht aus der Hand legen. Es war das erste Skript seit Jahren, von dem ich genau wusste, dass ich beim Dreh unbedingt dabei sein will“, erinnert sich die Schauspielerin. „Ich sah gleichzeitig eine Lovestory, ein Drama und eine Horrorgeschichte – drei ganz unterschiedliche Genre, die hier unkonventionell zusammengebracht wurden. Ich mag die Art, wie es Bryan gelingt, sehr viel zu sagen, aber nicht alles zu verraten.“ Auch ihr Partner Scott Speedman, den man zuvor in den „Underworld„-Filmen erleben konnte, schwärmt in höchsten Tönen: „Bryan steigt bei seinem Skript nicht gleich ins Horrorszenario ein, er gibt den Zuschauern die Möglichkeit, mit den Charakteren zu atmen.“
Und doch schickt er, einer bösen Vorahnung gleich, einige Fakten über reale Gewaltverbrechen in den USA voraus, offenbart dem Zuschauer zugleich, dass das nun Folgende eine jener realen Gräueltaten ist, die niemals ganz aufgeklärt werden konnten. Dann schweift der Blick wie eine dunkle Vision auf das bittere Ende der Geschichte, als zwei verstörte Kinder einen grässlichen Tatort entdecken. Schon hier punktet Bertino durch das geschickte Hantieren mit dem Schrecken. Denn im Gegensatz zu angesagten Slasher- und Folterstreifen, benötigt er keine überzogenen Gewaltdarstellungen, sondern schürt bewusst die Angst vor dem Unbekannten, vor etwas nicht Greifbarem.

Mit diesem Kloß im Hals, taucht der Zuschauer nun in die Geschehnisse des Abends vor dem Grauen ein. Doch „gut“ ist hier bei weitem nichts. Ein missglückter Heiratsantrag hat eine tiefe Kluft zwischen Kristen McKay und James Hoyt getrieben. Es herrscht bedrückendes Schweigen. Den Abend hatte sich James durchaus anders vorgestellt; Rosenblätter und Champagner sind nun nur noch schmerzende Zier im Landhaus seiner Eltern. Die romantische Idylle wird zum beengenden Beziehungsdrama.
Als dennoch ein versöhnlicher Moment erkeimt, wird das Paar durch ein Klopfen aus der Zweisamkeit gerissen. Eine Fremde fragt nach einer Tamara. Es dauert nicht lange, bis das Pochen bedrohlicher, fordernder wird. Auch hier lässt Bertino dem Schrecken Zeit zur Entfaltung. Aus dem einfachen Klopfen macht er nach und nach eine Kakophonie des Terrors. Immer mehr verdichtet sich das Gefühl des Unbehagens zu bloßer Angst, bis sich die beiden Hauptfiguren von drei maskierten Unbekannten bedroht sehen, die längst auch die schützende Barriere der eigenen Haustüre überwunden haben. Anfänglich ängstigen sie durch ihre bloße Anwesenheit, doch bald werden ihre Absichten eindeutig: „Ihr werdet sterben!“

Auch wenn sich der Regisseur einiger bekannter Elemente des Gruselkinos bedient, wie der obligatorische verstauchte Knöchel, so fügt er all dies meisterlich zusammen und schafft eine furchteinflößende Atmosphäre, die nicht nur die beiden Opfer vor eine nervliche Zerreißprobe stellt, sondern auch den Zuschauer mit pochendem Herzen in die heimische Couch presst. Der gesehene Terror bleibt auf dem Boden des Realen, es gibt keine übertriebenen Killer oder gar Monster. Hier werden Alpträume war. „Der erste Teil der Geschichte“, so verrät Bertino, „stammt aus den Erinnerungen an meine frühe Kindheit. Als Kind lebte ich in einem Haus mitten im Nirgendwo. Eines Nachts, meine Eltern waren weg, klopfte jemand an die Haustür und meine Schwester öffnete. Da standen dann Leute, die nach irgendjemandem fragten, der angeblich in unserem Haus wohne. Später hörten wir dann, dass es sich um Einbrecher handelte, die auf diese Weise herausfinden wollten, ob jemand zuhause sei. Bei ‚The Strangers‚ nun stört die Eindringlinge nicht, dass jemand zuhause ist. Im Gegenteil, es spornt sie an.“
Der nervlichen Zerreißprobe kann nun auf Bluray und DVD beigewohnt werden, wobei man drei Kurzinterviews, zwei geschnittene Szenen, Trailer, eine Fotogalerie und eine Featurette zusätzlich geboten bekommt. Die Bonusinhalte beider Medien sind identisch, wobei die Bluray mit einem hochauflösenden Edelbild und einem satten Master-HD-Ton auftrumpft. Wer mehr wert auf Stimmung denn auf sinnlose Metzeleien legt, dürfte mit „The Strangers“ einen grauenhaft-schönen Filmabend erleben.

Geekometer:

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