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Hans Zimmer – Interstellar OST

Hans Zimmer
„Interstellar“
(Watertower Music/Sony Classical)

Der Frankfurter Komponist und Musikproduzent Hans Zimmer ist ein kleiner Gott des Wohlklangs. Für seine Soundtracks zu Filmen wie „Der schmale Grat„, „Gladiator„, „The Dark Knight“ oder „Inception“ wurde er unzählige Male für verschiedene Preise nominiert, konnte auch schon etliche Male einen Oscar, Grammy, Golden Globe oder Satellite Award abstauben. Für das epische wie metaphorische Science-Fiction-Drama „Interstellar“ unter der Regie von Düsterling Christopher Nolan durfte Zimmer ebenfalls die Noten setzen – und es wäre nicht verwunderlich, würde auch da erneut irgendeine Trophäe winken. „Interstellar“ ist für sich ein atemberaubender Streifen, viele Szenen beziehen ihre Kraft jedoch direkt aus den Kompositionen des Wahl-Hollywooders. Es ist immer wieder diese Eindringlichkeit und tiefe Emotionalität der Stücke, die den Zuhörer und -schauer wie ein schwarzes Loch ins Zentrum des Films saugt. Zarte Streicher treiben schwerelos durch das Weltall und wo vonnöten baut sich der Szenerie entsprechend symphonische Gewalt auf, um bald darauf wieder in filigrane Arrangements zu zerfließen. Und immer wieder nimmt die Kirchenorgel ihren epischen Raum ein, macht die metaphysische Ebene des Films hör- und spürbar. Hans Zimmer entfesselt mit seinem Score einen klitzekleinen Kern der Schöpfungskraft.

Wer sich jedoch die reguläre CD-Variante des Soundtracks gekauft hat, wird leider feststellen müssen, dass eines der intensivsten Stücke des Blockbusters fehlt. Als Pilot, Farmer und Familienvater Cooper sein Schiff an die rasend schnell rotierende Raumstation anzudocken versucht und keine Zeit für Vorsicht mehr bleibt, erschallt im Film „No Time For Caution“. Dieses gibt es jedoch nur in der Deluxe-Variante mit insgesamt 24 anstatt „nur“ 16 Tracks. Äußerst ärgerlich, denn gerade dieses Werk gehört zu den absoluten Höhepunkten des Albums.

Unabhängig davon ist der Soundtrack einmalig und auch abgekoppelt vom Film wunderbar zu genießen.

Geekometer (Deluxe-Version):

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Joseph LoDuca – Spartacus: War Of The Damned

Spartacus-Soundtrack

 

Joseph LoDuca
„Spartacus: War Of The Damned“
(Colosseum/Varèse Sarabande)
Musikmaestro Joseph LoDuca ist seit jeher eng mit Filmlegende Sam Raimi verbunden und durfte schon 1981 in dessen „Tanz der Teufel“ für eine unheimliche Klanguntermalung sorgen. Über den Mittelalterklamauk „Armee der Finsternis“ und die beiden TV-Serien „Hercules“ und „Xena“ hat er sich schließlich auch ins Fantastische vorgewagt und dort vortreffliche Arbeit geleistet, welche bisher mit zwei Emmys geehrt wurde – völlig zurecht! Als Haus-und-Hof-Komponist von Raimi wurde ihm auch das blutige Gladiatorengemetzel „Spartacus“ anvertraut, das er seit der ersten Staffel stimmig „betont“. Mit „War Of The Damned“ geht es nunmehr in die dritte Runde, bei der sich gewaltige Umstürze ankündigen. Die rebellierenden Sklaven beschließen die römische Republik auseinanderzunehmen, während der Staat verzweifelt versucht, die Aufständischen niederzuschlagen. Mit feenhaftem Frauengesang, epischen Männerchören und einem kraftvollen Orchester lässt LoDuca die tragische Handlung erklingen. Wuchtige Donnerschläge vermengen sich mit nervenaufreibenden Streicherarrangements, um bald darauf in leidenschaftlicher Zuneigung zu versinken. Wucht, Schwere und Pathos herrschen jedoch vor – und wie!

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Lorne Balfe – Ironclad

Lorne Balfe
„Ironclad“
(Varèse Sarabande)
Ironclad“ ist ein brachialer Historienschinken in dem es blutig zur Sache geht. Ein kleiner Haufen englischer Widerständler stellt sich dem Rachefeldzug King Johns entgegen – ein Aufbegehren, das die Helden mit den nordischen Söldnern des Tyrannen in Konflikt bringt. Schwerter zerhacken Menschen, Bliden bringen ganze Türme zum Einsturz. Wer könnte für eine packende Vertonung der Geschehnisse besser geeignet sein als der schottische Komponist Lorne Balfe, der schon längst zur rechten Hand Hans Zimmers geworden ist und an „Pirates Of The Carribean“ und anderen Hits mitgearbeitet hat. Ihm gelingt ein atmosphärisches Tonwerk, das sich zwischen unerträglicher Spannung vor einer Schlacht und epischer Weite bewegt. Doch neben martialischem Aufmarschieren gibt es auch Momente der Schönheit – alles ideenreich und sensibel zusammengefügt. Dem Setting entsprechend finden auch einige Uilleann Pipes und Low Whistles Verwendung, neben einem großartigen Orchester und mitreißenden Chören. Und Corvus Corax haben ebenfalls ihre Finger im Spiel.

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Steve Jablonsky – Ender’s Game

Steve Jablonsky
„Ender’s Game“
(Colosseum/Varèse Sarabande/Alive)

Ender's GameEine epische Geschichte bedarf eines epischen Soundtracks – und Steve Jablonsky lässt mit seinen Kompositionen das ganze Weltenall erzittern. Schon die Ouvertüre „Ender’s War“ macht in kaum dreieinhalb Minuten auf bewegende Weise deutlich, worauf sich der Hörer in den nächsten 71 Minuten einstellen darf. Sanfte Streicher bauen eine dichte Stimmung auf, nehmen Takt um Takt an Dynamik zu, werden schließlich von einer druckvollen Bläserwalze unterstützt und zu einem gänsehauttreibenden Crescendo-Klimax emporgehoben. Hernach löst sich die kraftvolle Wucht in einem gefühlvollen Ausklang auf. Und so ist es bei den insgesamt 21 Tracks von Anfang bis Ende: ein harmonischer Taumel durch Höhen und Tiefen, durch Pianissimo und Fortissimo, durch Verletzlichkeit und Pathos, Grusel und Leuchtkraft. Es würde kaum verwundern, wenn der vielseitige Klangschaffende für diese Scheibe seinen siebten BMI Award bekommen würde, denn u.a. hat er bereits für das Remake zu „The Texas Chainsaw Massacre“ und zwei „Transformers„-Teile den begehrten Preis eingestrichen. Bedrückende Spannung und gewaltige Inbrunst begleiten diesen Science-Fiction-Streifen stimmungsvoll und sind vor allem auch ohne visuelle Komponente zutiefst berührend.

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Ramin Djawadi – Game Of Thrones: Season 4

Game Of  Thrones (OST)Ramin Djawadi
„Game Of Thrones: Season 4“
(Watertower/Sony)
Während zahllose Fantasy-Fans hierzulande noch immer angespannt auf die Veröffentlichung der vierten Staffel der Erfolgsserie „Game Of Thrones“ warten, hat der Soundtrack zur Nummer 4 schon den deutschen Markt erobert. Ramin Djawadi hat das tschechische Filmorchester und seinen Chor ein weiteres Mal in ungeahnte Höhen geführt und macht auch diese Scheibe zu einem wundervollen Ohrenschmaus und Gefühlsritt. Die emotionale Bandbreite ist ungebrochen groß. Der Lauschende wird immer wieder von melancholischen Einbrüchen in bittere Abgründe gerissen, um bald darauf von epischer Wucht niedergewalzt zu werden. Da wäre das brachial donnernde „Let’s Kill Some Crows„, ein martialisches Kriegsunwetter, das unweigerlich Schlachtengemälde im Kopf entstehen lässt. Im krassen Gegensatz dazu steht das filigrane „I’m Sorry For Today„. Hier herrschen innere Einkehr, tiefgreifende Trauer und Verletzlichkeit. Unvergleichlich ist auch die Sigur-Rós-Version von „The Rains Of Castamere“ – die Gänsehaut bleibt auch nach dem Hören zurück.

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Trevor Morris – Vikings

Vikings-OST_1Trevor Morris
„Vikings“
(Sony)
Nein, die Fernsehserie „Vikings“ ist keine historisch akkurate Aufarbeitung der Wikingerkultur, sondern eine Verfilmung der nordischen Sagas und somit entsprechend fantastisch. Dennoch oder gerade deswegen haben die zwei bisher ausgestrahlten Staffeln einen besonderen Charme und bleiben dabei dennoch in der Nähe der geschichtlichen Gegebenheiten. Der Komponist Trevor Morris hat die Härte und Erbarmungslosigkeit der einzelnen Folgen hervorragend mit seinem Score eingefangen und glänzt vor allen Dingen in den epischen, tragischen und mystischen Momenten. Eben noch wird der Hörer Zeuge einer blutigen Schlacht, schon wird er von geheimnisvollen, bedrohlichen Nebeln eingehüllt, um im  Moment das Auge über die prächtige skandinavische Natur schweifen zu lassen. Der auch weit über die Serie hinaus bekannte Titelsong „If I Had A Heart“ von Fever Ray sticht dabei aus dem ansonsten klassischen Klanggeschehen. Beide Scheiben – sowohl die zur ersten als auch die zur zweiten Staffel – glänzen mit Vikings-OST_2zahlreichen Hochmomenten und sind Liebhabern der Serie uneingeschränkt zu empfehlen. Wer daran zweifelt, sollte sich einmal das kernige und beachtlich arrangierte „Vikings Attacked“ anhören …

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Benjamin Wallfisch – Hours

HoursBenjamin Wallfisch
Hours
(Varèse Sarabande/Colloseum)
Filmmusik darf sich dann als herausragend bezeichnen, wenn es ihr gelingt – auch bei einem Kino-unkundigen Hörer – eine Geschichte zu erzählen, die Atmosphäre der Leinwandvorlage zu transportieren und Bilder vor dem inneren Auge zu erschaffen. Benjamin Wallfisch hat ein besonderes Talent für ausgefeilte Stimmungen und vermag immer wieder in die verschiedensten Drehbücher hineinzuschlüpfen und deren Essenz zum Klingen zu bringen. Seine Scores wurden mehrfach nominiert, ganz gleich ob er sich einem Werk Lars von Triers, Terry Gilliams oder Joe Wrights angenommen hat. Für den emotional aufreibenden Thriller „Hours“ zaubert er ein eindringliches, feinfühliges und fragiles Notengerüst, das von seinen zarten Melodiebögen und einer in sich gekehrten Gemütslage lebt. Erzählt wird das Schicksal von Paul Walker, der durch die vorzeitige Geburt seiner Tochter seine Frau Abigail verliert. Zurück bleibt er mit einem lebensunfähigen Winzling, der für zwei Tage durchweg an Maschinen angeschlossen werden muss. Als wäre dieser Schlag nicht schon hart genug, braust auch noch der Hurrikan Katrina auf die Stadt zu und zwingt den Vater selbst für Strom zu sorgen und das evakuierte Hospital gegen Plünderer zu verteidigen. Diese Verzweiflung, diese tiefgründige Emotionalität findet in den zwölf wundervoll arrangierten Stücken bewegenden Ausdruck.

Bewertung:

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