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Die X-Akten sind wieder geöffnet

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

XFiles_Article_1Was einige Tage als Gerücht durch den virtuellen Äther geisterte, wurde jetzt endgültig von Fox bestätigt: „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ ist wieder da – und zwar in Originalbesetzung!

„Mulder, ich bin’s. Bist du bereit?“, twitterte Gillian Anderson. Und auch er ist es. Im Sommer sollen die Dreharbeiten für sechs neue Folgen beginnen. Neben den beiden Mimen David Duchovny als Fox Mulder und Madame Anderson als Dana Scully ist auch Serienschöpfer Chris Carter wieder mit dabei. „Für mich gab es jetzt eine Art 13 Jahre dauernde Werbepause“, flachst der X-Akten-Initiator, der mit keiner seiner Serien auch nur annähernd an den Erfolg der Mystery-Reihe anknüpfen konnte.

Die „X-Files“ wühlten sich durch etliche klassische Horrorsettings, mengten eine ordentliche Portion Verschwörungstheorie dazu, fügten ein paar Alien-Einzelteile ein und konnten das Erbe von „Twin Peaks“ auf individuelle Weise weitertragen. Von 1993 bis 2002 versuchte das Agentenduo in neun Staffeln mit insgesamt über 200 Folgen der Wahrheit auf die Schliche zu kommen. Vieles wurde aufgedeckt, doch einiges blieb stets im Dunkel. „Die gute Nachricht ist, dass die Welt viel merkwürdiger geworden ist“, erklärt Chris Carter zuversichtlich, „die perfekte Zeit, um diese sechs Geschichten zu erzählen.“

 

Silent Hill: Revelation 3D

Silent Hill: Revelation 3D
(Concorde)

Silent Hill: RevelationDie Spieleschmiede Konami legte mit „Silent Hill“ einen Meilenstein der Gänsehautgattung vor. Noch nie zuvor war das Grauen in einer virtuellen Welt so verstörend, beängstigend und greifbar umgesetzt worden wie hier. Entsprechend skeptisch waren die Fans, als es eine Verfilmung geben sollte. Doch dem französischen Filmemacher Christophe Gans gelang ein hervorragender Wurf, der sowohl Kenner als auch Neulinge überzeugte. Nun legt der Brite Michael J. Bassett einen zweiten Teil nach, der trotz einiger Glanzmomente nicht auf ganzer Linie überzeugen kann. Er strickt die Geschichte des ersten Films weiter und stützt sich dabei lose auf die Ereignisse des dritten Parts der Videospielreihe. Protagonistin ist Heather Mason, die, seit sie denken kann, mit ihrem Vater auf der Flucht ist. Ihre einzige Bezugsperson ist ihr Vater, doch auch der kann ihre schrecklichen Alpträume nicht erklären. Als er zu ihrem 18. Geburtstag verschwindet, muss sie sich auf eine schreckliche Odyssee in das verfluchte Silent Hill aufmachen und sich ihrer Vergangenheit stellen. „Revelation“ verströmt eine bedrückende Atmosphäre und weiß mit etlichen beklemmenden und abgründigen Szenerien zu gefallen. Leider kann die Geschichte und Erzählweise mit der visuellen Ästhetik nicht mithalten und wirkt teils kryptisch und stark konstruiert. Für Liebhaber der einzigartigen Geisterstadt bleibt aber auch diese Fortsetzung sehenswert, alleine schon wegen Pyramid Head …

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Life Is Strange

Das Mysterium des Erwachsenwerdens

Erwachsenwerden ist selten ein glorreicher Prozess. Gefangen zwischen zwei Welten – ungezwungene Kindlichkeit und rationale Vernunft –, taumelt der Teenager durch ein dämmriges Zwielicht undurchsichtiger Entscheidungen. So geht es auch der 18-jährigen Maxine Caulfield in dem atmosphärischen Mystery-Adventure „Life Is Strange„, das seit 30. Januar in fünf einzelnen Episoden für PC, Xbox One, Xbox 360, PlayStation 3 und 4 kapitelweise den virtuellen Äther flutet.

Der erste Teil darf dabei als Pilotfolge angesehen werden, die das Setting und seine Charaktere stimmungsvoll einführt und parallel dazu die Spielmechanik erklärt. Anfängliche Assoziationen mit den Telltale Games-Abenteuern à la „The Walking Dead“ oder „Game Of Thrones“ lösen sich im Verlauf des melancholischen und zugleich rätselhaften Geschehens auf, und „Life Is Strange“ emanzipiert sich zum eigenständigen und mutigen Adventure.

Life Is Strange 4Maxine Caulfield kehrt nach fünf Jahren in ihre Heimatstadt Arcadia Bay zurück, um an der renommierten Blackwell Academy Fotokunst zu studieren. Damals ließ der pubertierende und introvertierte Teenager seine beste Freundin Chloe zurück und musste sich in Seattle einer ganz neuen Umgebung stellen. Viel einfacher fällt Maxine aber auch ihre Rückkehr nicht. Sie hat Schwierigkeiten sich in den Seminaren durchzusetzen und auch mit den Freunden will es nicht so recht klappen. Lediglich ein nerdiger Außenseiter gibt sich mit der schüchternen „Neuen“ ab.
Wie aus dem Nichts taucht Chloe plötzlich wieder auf, doch das Mädchen hat sich verändert. Sie leidet unter ihrem kontrollsüchtigen Stiefvater, steckt voller Zorn und Zweifel – und sie hasst das verschlafene Kaff Arcadia Bay. Sie sehnt sich danach, diesen Fesseln zu entfliehen und alles hinter sich zu lassen.
Als die beiden Freundinnen von einst sich langsam wieder annähern, erfährt Maxine vom rätselhaften Verschwinden ihrer Mitschülerin Rachel Amber. Sie und Chloe waren viele Jahre wie ein Herz und eine Seele, und auch an der Schule und in der Stadt war Rachel mehr als beliebt. Von heute auf morgen war sie weg. Von Zuhause ausgerissen, sagen die meisten, doch Chloe traut der Sache nicht. Irgendwas scheint da faul und sie hat sich zum Ziel gesetzt, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Life Is Strange 7Doch da ist noch so viel mehr in „Life Is Strange„. Seit Maxine wieder in Arcada Bay ist, wird sie von düsteren Visionen heimgesucht. In ihnen sieht sie einen gewaltigen Sturm heraufziehen, der die Stadt zu verschlingen droht. Dem nicht genug, stellt sie während des Unterrichts fest, dass sie in der Lage ist die Zeit zu manipulieren. Wenn sie möchte, kann sie einige Sekunden oder auch Minuten in die Vergangenheit zurückspringen (was per Tastendruck gesteuert wird) und die eben erlebte Situation erneut angehen. Dabei kann sie völlig andere Entscheidungen treffen oder andere Dinge äußern (also Dialogoptionen wählen), behält aber alles Wissen und sämtliche gesammelte Gegenstände für sich. Durch diese Gabe kann sie per trial and error Informationen aus ihren Gesprächspartnern herauskitzeln oder misslungene Handlungen rückgängig machen – und zwar beliebig oft. Dies ist natürlich nicht in jeder Lage und Szene des Spiels verfügbar, sondern nur dann, wenn es erforderlich ist. Dabei gibt es keinen schweißtreibenden Zeitdruck und keine fordernden Quick-Time-Events – und doch ist jede Entscheidung eine schwere, denn Aktionen ziehen unweigerlich Reaktionen nach sich. Nicht immer – auch nach mehrmaligem „Zurückspulen“ – lässt sich abschätzen, welche Folgen eine Handlung oder ein gesagter Satz haben werden. Und wenn nicht in der ersten Episode, dann vielleicht in einer der weiteren? Aber Rätsel können damit hervorragend gelöst werden, denn im Endeffekt kann Maxine in die Zukunft sehen – wenn auch nur eine kurze Zeitspanne.

Life Is Strange 1Abseits dieser interessanten und gut umgesetzten Idee, punktet das erste Kapitel von „Life Is Strange“ vor allem durch seine herausragende Stimmung und die glaubwürdigen Protagonisten. Hier und da arbeiten die Entwickler von Dontnod zwar mit Klischeeversatzstücken des Coming-Of-Age-Genres, das tut der gesamten Story und seiner erzählerischen Dichte aber keinen Abbruch. „Life Is Strange“ fesselt mit seinen düsteren Andeutungen, mit dem eigenwilligen Geheimnis der verschwundenen Rachel und mit dem nachdenklichen, ja, fast schon schwermütigen Grundtenor. Der Spieler findet sich in einem einzigartigen Kosmos wieder, irgendwo zwischen Lynchs „Twin Peaks„, dem geisterhaften „The Returned“ (orig. „Les Revenants„) und Stephen Kings „Stand By Me„. Drama und Mystery umweben sich eng, werden umflossen von Alltäglichkeiten wie Drogenhandel an Schulen, Mobbing und der Schwierigkeit neue Freunde oder gar sich selbst zu finden. Und über alledem wabert eine schwarze Wolke, wie ein Damoklesschwert …

Am 24. März geht es mit Episode 2 „Out Of Time“ weiter.

 

 

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Maps To The Stars

Maps To The Stars-CoverHollywood lässt die Hosen runter

David Cronenberg gehört zu den wenigen visionären Filmemachern der Gegenwart. Trends, Zielgruppen, Marktanalysen und Mainstream gehen ihm seit jeher im hohen Bogen am Allerwertesten vorbei. Umso verwunderlicher ist es, dass er erstmals in seiner langjährigen Geschichte als Regisseur Hollywoods vermeintlich schillernden Boden betritt. Aber er hat ein Motiv. Und sein Grinsen ist genüsslich, vielleicht sogar ein klein wenig hämisch. „Maps To The Stars“ zerlegt die glitzernde, glamouröse Welt der Sternchen – akribisch, kühl und bissig.

„Ich fühlte mich zu diesem provokativen Drehbuch hingezogen, in dem der Autor Bruce Wagner seine Metapher von Hollywood als Stadt der toten Götter erneut aufgreift“, begründet der Schöpfer solch einmaliger Werke wie „Spider„, „Naked Lunch“ oder „eXistenZ“ seine ersten Aufnahmen auf US-Boden. „In einem halben Dutzend Bücher, angefangen mit ‚Force Majeure‘, bis hin zu seiner gefeierten Fernsehserie ‚Wild Palms‚, hat er dieses Motiv wie kein anderer Autor geprägt. Wir finden uns in einem postmodernen ‚Boulevard der Dämmerung‘ wieder, in dem Hollywoodstars, die für immer auf Film verewigt sind, sich inzestuös vermehren wie die alten Pharaonen.“ Es war eben dieses einmalige Drehbuch, das nicht nur den kanadischen Filmemacher augenblicklich überzeugte, sondern auch eine beeindruckende Schar an Schauspielern wie Julianne Moore, John Cusack oder Robert Pattinson anlockte – und das, obwohl sie dort seziert und bloßgestellt werden.

Jede Szene, jeder Charakter in „Maps To The Stars“ ist ein Sinnbild, eine Metapher. Alles hat neben einer oberflächlichen Ebene auch eine tiefere zweite Bedeutungsschicht. Kein Wort ist beliebig, alles sitzt wie eine Eins. Und alles dient dem großen Ziel, die High Society, die Celebritys und die Verehrung falscher Götter bloßzustellen, schmunzelnd hinter die saubere und edle Fassade zu blicken. Da verwundert es nicht, dass Julianne Moore – die für ihre Rolle als zerrütteter Filmstar Havana in Cannes gleich als Beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde – furzend auf dem Klo sitzt und sich über ihre eigenen Ausdünstungen beschwert. Ja, hier stinkt es gewaltig und es ist auch einiges faul.

David_CronenbergAls nämlich die von Brandnarben übersäte Agatha nach Hollywood kommt, um mit ihrer berühmten Familie wieder ins Reine zu kommen, bringt sie gleich eine ganze Reihe der vielen, wackligen Konstrukte einer schönen, reichen und heilen Hollywoodwelt zum Einsturz. Sie ist es, die das inzestuöse Verhältnis ihrer Eltern durchschaut und damit die Wahrheit hinter all dem flippigen Treiben erkannt hat. Damals wollte sie ihren Bruder und sich vor dem unausweichlichen Niedergang durch Dekadenz und Größenwahn mit einem reinigenden Feuer retten, doch ihr Plan schlug fehl und sie landete für viele Jahre in einer psychiatrischen Anstalt. Ohne ihre Hilfe ist der dreizehnjährige Benjie zu einem verkommenen Arschloch mutiert, der mit neun Jahren bereits mehr Kohle gescheffelt hat, als so mancher Fußballvollprofi und bald darauf vom Sog des Erfolgs in einen Drogentaumel gestürzt wurde. Liebe gibt es in seinem Elternhaus nicht, aber den Zwang des Erfolges, um das leere aber großkotzige Dasein finanzieren und füllen zu können. Repräsentieren, das ist es, worauf es ankommt. Auf Partys führen die Jungstars bereits Gespräche, die an Entartung nicht zu überbieten sind. Man ist satt, übersatt und versucht die eigene Übelkeit mit Drogen, Alkohol und Sex hinunterzuspülen.

Während der junge Benjie seinem unerbittlichen Absturz entgegentorkelt, verkörpert Havana das andere Ende der Starstange. Sie leidet unter dem Erfolg ihrer längst verstorbenen Mutter, dabei gehört sie selbst schon zum alten Schauspielereisen. Um das eigene zerrüttete Ego aufzubauen, bedarf es nicht nur esoterischen Geschwafels und motivierender Ich-bin-die-Beste-Massagen, sondern vor allen Dingen Anerkennung. Diese schwindet zusehends und das fehlende Rampenlicht wird mit Medikamenten, teuren Einkäufen und dem Niedermachen noch ärmerer Schweine wie Agatha kompensiert.

Bevor aber diese gewaltige, übelriechende Blase platzen kann, darf der Zuschauer sich daran ergötzen, den Protagonisten bei ihrem qualvollen Überlebenskampf über die Schulter zu schauen. Ruhig und gelassen zerlegt David Cronenberg seine Sternchen, lässt sie sich völlig entblößen. Er arrangiert seine eigene Freakshow der Schönen und Reichen. Pervers und ekelhaft ist es, was Cronenberg so stoisch serviert und gleichermaßen erheiternd und sogar unglaublich komisch. Doch das Lachen bleibt einem immer wieder im Halse stecken und verklumpt zu einem schmerzenden Kloß. „Maps To The Stars“ ist bitter und schwarzhumorig zugleich, widerlich und anziehend, schrill und introvertiert. Ein echter Cronenberg eben.

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Grimm

Grimm
(Universal)

GrimmDie Gebrüder Grimm sind vor allen Dingen durch ihre Kinder- und Hausmärchen berühmt geworden, haben sie doch unzählige Geschichten aus der ganzen Welt zusammengetragen und für die Nachwelt erhalten. Glaubt man der US-Serie „Grimm„, dann hatte die Familie durchaus einen höheren Grund sich mit kinderfressenden Wölfen, Geistern und anderen unheimlichen Begebenheiten zu beschäftigen, denn sie waren die Vorfahren der „Ghostbusters„. Entsprechend haben sich die Grimms einen berüchtigten Ruf bei den monströsen Horden erarbeitet, die unbemerkt unter den gewöhnlichen Menschen leben. Nick Burkhardt wollte eigentlich nur Polizist werden und arbeitet bei der Mordkommission in Portland. Seit längerem wird er jedoch von seltsamen Visionen geplagt und nach einem widerlichen Mord an einer Joggerin offenbart sich schließlich sein Schicksal. Als Nachfahre der Grimms ist er mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet, um den wehrlosen Homo sapiens vor den abstrusen Ungeheuern zu beschützen. Zum Glück bekommt er Hilfe von einem kauzigen Wolfsmenschen, der ihm bei der Lösung ungewöhnlicher Kriminalfälle mit Bärenmenschen, Ziegendämonen, Rattenfängern oder Bienenköniginnen unterstützt. Alle 22 Episoden der ersten Staffel finden sich in einer Box, die zwar wenig Tiefgang und Innovationen bietet, dafür aber kurzweilige Finstermärchenunterhaltung.

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The Silent House

Silent HouseSchatten der Vergangenheit

Alte Häuser in einsamer Umgebung sind ein beliebter Austragungsort für allerlei Schreckensszenarien und beherbergen häufig unangenehme Dinge. Basierend auf wahren Begebenheiten in einem uruguayischen Dorf der 1940er Jahre entfesselt der Horror-Thriller „The Silent House“ von Gustavo Hernández grauenhafte 79 Minuten in dunkler Echtzeit.

Wie bereits in der Vergangenheit häufig verwendet, nutzt der uruguayische Film für seine Schreckensvision eine dokumentarische Kameraführung, die wackelig und intim jedem der Schritte von Protagonistin Laura folgt, hin und wieder aber auch die Perspektiven leicht objektiviert. Hinzu kommt, dass der gesamte Streifen in Echtzeit abläuft, also die erzählte Zeit der geschauten entspricht. Der Zuschauer wird damit hautnah an das Geschehen herangeholt und direkter mit den unheimlichen Ereignissen im „Silent House“ konfrontiert.

Das etwas heruntergekommene Landhäuschen lässt Besitzer Nestor von seinem Kumpel Wilson ein wenig auf Vordermann bringen, da man es baldmöglichst mangels Nutzung verkaufen möchte. Wilson hat dazu seine Tochter Laura mitgebracht, die schweigsam und ein wenig abseits der Geschehnisse steht – doch es ist sie, die sich bald als Hauptfigur dieses Nervenkitzlers entpuppt und die mit diesem unheilschwangeren Ort mehr verbindet, als man zu Beginn annehmen kann.

Etwa drei Tage will man sich Zeit lassen, die Bude ordentlich zu renovieren, doch nach der anstrengenden Anreise gilt es erst einmal in dem schummrigen Haus ein Nickerchen zu machen, während der Eigentümer ein wenig Vesper besorgen möchte. Doch von erholsamem Schlaf kann nicht die Rede sein, denn kaum ist etwas Ruhe eingekehrt, kann Laura eigenartige Knarren und Knirschen vernehmen, das vom Dachboden kommt. Nachdem dieses nicht nachlässt, sondern vielmehr an Intensität zunimmt, scheucht sie ihren Vater nach oben, entgegen der Warnung von Nestor den Speicher nicht zu betreten, da dieser massiv baufällig sei. Anstelle einer beruhigenden Entwarnung hört die unten Gebliebene nur furchtbare Geräusche, die auf das Schlimmste schließen lassen – und an jener Stelle beginnt der zermürbende Alptraum, der „The Silent House“ ausmacht. Alleine, eingesperrt in einem dunklen Haus und einem unbekannten Schrecken ausgesetzt verfällt das Mädchen zusehends der paranoiden Panik.

Spätestens als der tote und aufgeschlitzte Vater wieder zusammenschnürt in seinem Sessel sitzt, regiert purer Wahnsinn das Szenario. Eine wackelige Kamera fängt das verstörende Geschehen ein, folgt Laura wenn es der Stimmung zuträglich ist hautnah oder zeigt sie schluchzend, verzweifelt und heulend am Boden sitzen. Ihr unsichtbarer Widersacher bleibt stets unerkannt, die Angst vor dem Unbekannten überträgt sich damit auch direkt auf den ahnungslosen Betrachter. Erst später taucht eine geisterhafte Mädchenerscheinung auf, bei der aber ebenso wenig ausgemacht werden kann, welche Motivationen sie vorantreiben. Schließlich gelingt Laura die Flucht aus dem verfluchten Anwesen, in just diesem Moment fährt aber Nestor vor und geleitet das Mädchen wieder zurück zum Ort des Schauderns. Erst in diesem zweiten Teil des Filmes erfährt das Publikum mehr über die Geschichte des Hauses und Laura kommt einer entsetzlichen Wahrheit näher – über sich selbst und über ihr Wilson und Nestor. Doch auch die überraschende Wendung zum Ende des Films bemüht sich ebenso nebulös zu bleiben, wie der gesamte Film, denn aus diesen vagen Andeutungen bezieht „The Silent House“ seine gruselige Kraft.

Besonders die Blu-ray besticht durch ein gestochen scharfes Bild, das aber dennoch stets in Dunkelheit getaucht ist. Überhaupt ist die technische Brillanz hier nicht in klarem Ton oder hochauflösenden Bildern zu suchen, sondern in dem Ansinnen, die Geschichte in scheinbar nur einem Take und damit in „Real-Time“ zu erzählen. Auch wenn dies bereits von Hitchcock zelebriert wurde, so macht dies den Reiz des Thrillers aus. Die Angst von Laura manifestiert sich visuell, wird durch ihre Hysterie, manchmal auch durch ihre Gelähmtheit erfahrbar. Und obwohl „The Silent House“ (dem Titel folgend) kaum Dialoge kennt, wird umso mehr durch seine stillen Momente erzählt.

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Auf den Spuren H.P. Lovecrafts

Jan-Christoph Prüfer/Carsten Steenbergen
„Auf den Spuren H.P. Lovecrafts“ (1)
(Torsten Low)

Auf den Spuren H.P. LovecraftsH.P. Lovecraft schaffte es Zeit seines Lebens nicht über die Welt der Pulp-Magazine hinaus – und dennoch gelang ihm mit seinen verstörenden, pseudo-wissenschaftlichen Erzählungen die Erschaffung eines ganzheitlichen Kosmos‘ des Grauens. Geschöpfe wie der schlafende Cthulhu oder der uralte Wassergott Dagon haben das Horrorgenre maßgeblich beeinflusst und geformt. Seinem Erbe verpflichtet, haben nun einige Autoren ihre Kurzgeschichten in einer Anthologie namens „Metamorphosen“ versammelt. Wo es im Original noch schriftstellerische Schwächen zu bemängeln gibt, macht der hier vorliegende Pulp-Comic eine deutlich bessere Figur: „Die Schokolade des Herrn Bost“ und „Der Fluch des Zulu“ werden hier als Bildgeschichten dargeboten, in stimmungsvollem Schwarzweiß gehalten. In einem kleinen Nest sind die Einwohner wie besessen von der Schokolade von Herrn Bosts Süßwarenladen. Ein junger Journalist macht sich auf den Weg, um dem alten Knaben das Geheimrezept zu entlocken. Leider findet er dabei mehr heraus als er sich zu erträumen wagte – und die Wahrheit ist wahrlich widerlich, hat sie doch mit dem ominösen Verschwinden der Gattin des Ladenbesitzers zu tun. In „Der Fluch des Zulu“ tritt Willem Pretorius mit dem Tod seines Großvaters ein fürchterliches Familienerbe an, das eng mit den großen Alten verwoben ist. Kurzweilige Schauergeschichten für den kleinen Horrorappetit zwischendurch.

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Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

German AngstDiese berühmte Zeile stammt aus Paul Celans „Todesfuge“ und soll exemplarisch für den neuen Mystery-Horror-Episodenfilm „German Angst“ stehen. Die drei Horroronkel Jörg Buttgereit, Andreas Marschall und Michal Kosakowski, die teils verstörende Werke wie „Nekromantik„, „Masks“ oder „Zero Killed“ erschaffen haben, wollen „ein Schreckensbild deutscher Urängste“ zeichnen, auf dass den Germanen die Augen überquellen mögen. Dabei will das Trio Infernale an die Horrortradition der Zwanziger Jahre anknüpfen und drei urbane Alpträume miteinander verweben.

In diesem Zusammenhang möchte der Kult-Publisher Pierrot le Fou die Fans über das endgültige Cover entscheiden lassen. Der geneigte Metzelmöger darf über den folgenden Link seinen Favoriten aus sechs Entwürfen auswählen, der dann zur Veröffentlichung am 15. Mai die Plakate zieren soll:

https://de-de.facebook.com/pierrotlefou.filme

 

John Dies At The End

John Dies At The End
(Pandastorm)

John Dies At The EndSchon einmal mit einem Hotdog in Geistersphären telefoniert? Nein? Dann wird es höchste Zeit! Mit dem durchgeknallten Horror-Blödsinn „John Dies At The End“ legt Regisseur Don Coscarelli („Bubba Ho-Tep„) wieder einmal einen absurd-verqueren Zwerchfellkitzler vor, der dermaßen genüsslich über die Stränge schlägt, dass es eine wahre Freude ist. Die beiden verpeilten Loser Dave und John sind per Zufall in eine Verschwörung intergalaktischer Ausmaße verwickelt worden. Auf einer Party kommen sie mit der extradimensionalen Droge „Sojasoße“ in Berührung, die ihre Konsumenten zwar mit übernatürlichen Fähigkeiten ausstattet, aber gleichzeitig zu Überträgern außerweltlicher Ungetüme macht. Nachdem das planlose Duo erst einmal Ghostbuster-Blut geleckt hat, schwingen sie sich zu heimlichen Weltenrettern auf – mehr oder weniger. Dabei bekommen sie es mit fliegenden Kampfschnurrbärten, Wurstmonstern und anderen Widerlichkeiten zu tun – dem Ulk werden hier bewusst keine Grenzen gesetzt. Zwar holpert die Geschichte hier und da ein wenig, aber diese Schwächen bügelt „John Dies At The End“ problemlos durch wahnsinnigen Irrwitz wieder aus. Schön blöd und schön bunt!

Bewertung:

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Der Exorzist

William Peter Blatty
„Der Exorzist“
(LübbeAudio)

Der ExorzistWie kaum ein anderer Film hat William Friedkins „Der Exorzist“ das Genre des Geisteraustreibungshorrors geprägt. Der Regisseur griff dabei auf eine überaus erfolgreiche gleichnamige Romanvorlage aus dem Jahre 1971 zurück, die vom Autor William Peter Blatty für die Verfilmung selbst adaptiert wurde. Max von Sydow brillierte als Pater Lancaster Merrin und Mike Oldfields gespenstisches „Tubular Bells“ unterstrich auf gespenstische Weise die einzigartige Atmosphäre des Streifens. Als „bearbeitete und inszenierte Fassung“ lässt Joachim Kerzel den Roman nun als Hörbuch mit Soundeffekten und Musik neu auferstehen und verleiht dem dämonischen Treiben unheiliges Leben. Als die pubertierende Regan einige Verhaltensauffälligkeiten wie Gespräche mit ihrem imaginären Freund Captain Howdy zeigt, denkt sich ihre Mutter noch nichts Böses. Doch recht bald schlägt ihr Gebaren ins Obszöne und Bedrohliche um und es scheint, als sei die Zwölfjährige vom Teufel besessen. Genauer gesagt vom babylonischen bzw. assyrischen Dämon Pazuzu. Der hinzugezogene Jesuitenpater Damien Karras hat so seine Probleme mit dem Exorzismus, ist sein Glaube an Gott doch alles andere als gefestigt – und wer an den Teufel glaubt, muss auch an den Einen glauben. So holt er sich den gealterten Experten Pater Lancaster Merrin zur Seite und gemeinsam steuern sie auf eine Katastrophe zu. Pflicht!

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