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Sword Of Vengeance – Schwert der Rache

Sword Of Vengeance – Schwert der Rache
(Universal Pictures)

Der romanisierte Normanne Wilhelm der Eroberer hat nach der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 den Landfrieden über England gebracht. Doch wie es Eroberungsfeldzüge und „Befriedungen“ so mit sich bringen, muss das dort lebende Volk erst einmal ordentlich verdroschen und unterdrückt werden. Inmitten jener verwüsteten und trögen Ödnis taucht zwischen den Ruinen ein fremder und namenloser Krieger auf. Als die normannischen Besatzer ihn nach seinem Wegzoll fragen, hackt er den Soldaten kurzerhand die Hände ab, durchbohrt sie mit seinen Schwertern und schneidet ihnen die Kehlen durch. Ein feiner Prolog mit umherfliegenden Gliedmaßen und meterweit spritzendem Blut in den ersten vier Minuten Laufzeit.

Das gefällt dem dortigen Landherrn Durant (Karel Roden) und seinen beiden Söhnen nicht so richtig, weshalb sie ihn suchen und töten wollen. Der fremde Brutalinski bringt aber die unterdrückten Stämme der Region gegen die Machthaber auf, einigt die Familien und zieht gemeinsam mit ihnen in den Krieg. Wie sich dann herausstellt, hat der wortkarge Superschlächter mit Durant noch eine persönliche und familiäre Rechnung offen, die nur mit Blut beglichen werden kann.

Das war bereits die gesamte Handlung on „Sword Of Vengeance„, die lose – Verzeihung: sehr lose – in den historischen Kontext des 11. Jahrhunderts eingebettet wurde. Um das blutige Rachemassaker visuell besonders eindrucksvoll zu gestalten, wählte Regisseur Jim Weedon eine monotone, nahezu schwarz-weiße Farbgebung, die den Vorteil hat, dass zwischendurch ein paar rot hervorblubbernde Gedärme für fesche Farbtupfer herhalten können. Und weil das Drehbuch und die Kampfchoreografien nur Stoff für eine Stunde hergeben, wurde einfach ein Großteil des Filmes in unterschiedlichen Zeitlupensequenzen gedreht. Wo slow-motion beispielsweise bei „Braveheart“ tatsächlich sinn- und effektvoll eingesetzt wird, um Spannung zu erzeugen, wirkt die permanente Dauerzeitlupenbombardierung zur Erhöhung der Dramatik der flachen Handlung und Coolness der Protagonisten über die gesamte Länge des Streifens eher ermüdend … und lächerlich. Um epischer, tragischer und monumentaler daherzukommen, legt das Drehbuch den handelnden Figuren ferner noch eine Reihe stumpfer „Terminator„-Phrasen in den Mund, so dass Arnold Schwarzenegger mit Conan als eloquenter Intellektueller durchgehen würde. Mit einer Reihe fetziger Kameraperspektiven und in den sehr häufig vorkommenden Gefechten mit dynamisch wackelnden Bildeinstellungen soll dann Action in die blutigen aber häufig einseitigen Gemetzel gebracht werden. „Sword Of Vengeance“ versucht die Ästhetik eines „300“ mit der Dramatik eines „Braveheart“ und der Harschness eines „Der 13. Krieger“ zu einem kultigen Ganzen zu verbinden, erreicht dabei aber nicht mehr als trashige Abgeschmacktheit. Hätte man die Optik und Stilmittel pointierter eingesetzt und den Figuren etwas mehr Tiefgang spendiert, wäre das brachiale Schlachtengetümmel durchaus schauenswert geworden. So bleibt es lediglich für absolute Genrefans interessant.

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Wikinger – Das Schwert von Valhalla

„Wikinger – Das Schwert von Valhalla“
(KNM/Movie Power)

Eigentlich ist Nibelungenherrscher Sigmund ein netter Kerl, dessen heilige Aufgabe es ist, den Schatz und das Schwert seiner Vorväter im Auftrag Wotans zu beschützen. Als aber eine Horde Wikinger unter der Führung des machtgierigen Hunding trotz Friedensabkommen in den Schwarzwald vorstößt, wird Sigmund zum Äußersten gezwungen. Da die Wikinger mit allerlei List und Tücke vorgehen und den Nibelungen samt unterstützenden Walküren zahlenmäßig überlegen sind, zieht sich Sigmund mit seinen Kriegern in den Steinernen Wald zurück – jenen Ort, an dem Wotan den Schatz und das magische Walhallaschwert „eingelagert“ hat –, um die raubgierigen Horden der Nordmänner zu erwarten. Der italienische Schinken aus dem Jahre 1965 vermischt vollkommen willkürlich Historie, Nibelungensage und Fantasy, was eigentlich recht interessant sein könnte, wäre da nicht schon am Anfang ein löchriges und schwaches Drehbuch. Die wirre Story wird dann noch von einem schlechten Regisseur und einem Haufen minderbegabter Mimen mit grauenvollen Kostümen, lächerlichen Flügelhelmen und bekloppten Perücken stümperhaft in den Sand gesetzt. Besonders frech ist, dass der Publisher den unschuldigen Gelegenheitskäufer mit einem schicken Cover (eines vollkommen anderen Films) und einem zielpublikumswirksamen Namen (eigentlich heißt der Streifen „Der versteinerte Wald“) zum Kauf überlisten möchte. Trashfans könnten unter ausreichendem Alkoholeinfluss dennoch ihre Freude haben …

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Monster im Mittelalter

Rudolf Simek
„Monster im Mittelalter“
(Böhlau)

„Die fantastische Welt der Wundervölker und Fabelwesen“ im Mittelalter wird ein weiteres Mal durchleuchtet. Dieses Mal macht sich der Professor für Ältere Germanistik, Rudolf Simek, auf Spurensuche und schließt diese so erfolgreich ab, dass sein „Monster im Mittelalter“ fürderhin als zeitloses Standard- und umfassendes Nachschlagewerk gelten kann. Eine Untersuchung der Geschichte europäischer Monster und eine kleine Erkundung der mittelalterlichen (Gedanken-)Welt gehen einer genauen Betrachtung voraus. Was macht ein Monster aus, welche Kriterien muss es erfüllen und welche Formen existieren? Warum glaubte man im Mittelalter überhaupt an monströse Wesen und welche Bedeutung hatten sie? Diesen Fragen geht Simek erschöpfend nach und zeigt dabei ein unglaubliches Quellenwissen. Sogar den Monstern der Neuzeit widmet er ein eigenes Kapitel und spannt damit gekonnt den Bogen in die Gegenwart. Allein diese fundierte Arbeit wäre bereits großes Lob wert, doch es folgen diesen knapp 200 Seiten noch weitere 80 Lexikonseiten, auf denen der Autor zahllose Monster alphabetisch aufführt, näher erläutert und dem Leser sogar noch Literaturhinweise an die Hand gibt. Die antiken und mittelalterlichen Quellen wie Konrad von Megenburg oder das angelsächsische „Liber Monstrorum“ werden ferner angegeben, wodurch ein vielschichtiger Einblick gewährt wird.

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Samurai Champloo

„Samurai Champloo“
(Nipponart)

Ein kleines Wunder ist geschehen: Die Suche nach dem Samurai, der nach Sonnenblumen duftet, kann endlich auch in HD-Qualität genossen werden – und das als schicke Sammleredition mit allen 26 Episoden auf vier Blu-rays verteilt. Die Anime-Serie, die später auch in einen Manga umgewandelt wurde, lief im japanischen Fernsehen bereits 2004, erregte aber auch hierzulande bei der zwei Jahre später stattfindenden Erstausstrahlung großes Aufsehen. Die grandiose und bahnbrechende Geschichte ist in der Edo-Zeit (1603-1868) angesiedelt und vermengt historische Hintergründe, japanische Mythologie und andere kulturelle Merkmale mit der Moderne. Dabei ist es nur ein großer Zufall, der die drei ungleichen Protagonisten – den aufbrausenden Schwertschwinger Mugen, den kontrollierten Bushido-Kämpfer Jin und die quirlige 15-jährige Waise Fuu – zusammenbringt und auf eine lange Queste schickt. „Samurai Champloo“ ist witzig, cool, krass, blutig und lehrreich … und sentimental, nachdenklich und sogar todtraurig. Flotte Kämpfe und rasante Action wechseln sich ab mit ruhigen Sequenzen, Charakterszenen und Tiefgang. Was wegen seines ungewöhnlichen Stils ein wenig befremdlich beginnt, wandelt sich in wenigen Sehminuten zu fesselnder Faszination, die bis zum Ende nicht mehr loslässt. Eine tolle deutsche Synchronisation (die japanische Originalfassung ist ebenfalls vorhanden) u.a. mit David Nathan als Mugen, ein informatives Booklet und einige schicke Extras tun ein Übriges, um „Samurai Champloo“ in den Anime-Himmel zu heben.

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Mouse Guard: Legenden der Wächter 2

Andreas Mergenthaler/Hardy Hellstern (Hg.)
„Mouse Guard: Legenden der Wächter 2“
(Cross Cult)

Kaum war die erste Anthologie aus den Maus-Territorien erschienen, war „Mouse Guard„-Schöpfer David Petersen klar: Es muss einen Band 2 geben. So kehren wir ins Frühjahr 1155 zur June Alley Inn nach Barkstone zurück, um den dort versammelten Mäusen bei ihrem Wettstreit um die beste Geschichte zu lauschen. Jedes kleine Abenteuer wird dabei von einem anderen Gastzeichner bzw. -autoren gestaltet. Entsprechend vielfältig ist sowohl der sprachliche als auch zeichnerische Stil – und gerade dieser bunte Mix macht den Reiz der „Legenden der Wächter“ aus. Lose verbunden sind die einzelnen Kapitel durch die Ereignisse im Gasthaus, Kern des Ganzen bleiben jedoch die unterschiedlichen Anekdoten, die die Mäuse zum Besten geben. So erfahren wir von verfluchten Geisterbäumen, in denen untote Eulen hausen, von rachsüchtigen Raubvögeln, die die Mäuse vor einem sicheren Tod durch den Fuchs bewahren, von tapferen Wächtern der Meere, aber auch von einer unerfüllten Liebe eines Mäusematrosen zu einer Seejungmaus. Manche Kapitel werden sogar in Notenform dargebracht, andere als schwarz-weiße Schraffuren, und wieder andere sind beinahe kitschig bunt. Die faszinierende Welt der Wächtermäuse – ein mittelalterliches Szenario, in dem anstelle von Menschen Mäuse die Protagonisten sind – wird so um eine Reihe frischer Perspektiven und kleiner Sagas erweitert, ohne den roten Faden des Epos zu kappen.

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Der Mönch

Der Sündenfall

Mit „Der Mönch“ verfasste der Brite Matthew Lewis Ende des 18. Jahrhunderts eine klassische Gothic-Novel zwischen Schauermär und bitterer Kritik an der Kirche. Filmemacher Dominik Moll war nach der Lektüre dermaßen von dem Stoff begeistert, dass er sogleich ein Drehbuch verfasste und sich selbst auf den Regiestuhl setzte. Für die gleichnamige Verfilmung konnte der in Frankreich lebende Künstler sogar Vincent Cassel gewinnen, der dem versuchten Mönch Ambrosio bewegendes Leben einhaucht.

Durch den Tipp einer Freundin wurde der Wahlfranzose auf den Roman aufmerksam. „Die gotische Literatur, der Schauerroman, hat mich schon immer angezogen; Edgar Allen Poe ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsautoren“, verrät Dominik Moll sein düsteres Faible. „Was mir bei der Lektüre gefallen hat ist die gotische Atmosphäre, das Übernatürliche, die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, aber auch die tragische Figur des Ambrosio.“ So wird der Protagonist der Geschichte als Kleinkind vor der Pforte eines Kapuzinerklosters in der Nähe von Madrid ausgesetzt. Seine Schulter zeichnet ein ungewöhnliches Muttermal in Form einer Hand, das viele Mönche als Zeichen des Teufels deuten. Vater Miguel nimmt den Knaben dennoch auf und zieht ihn zu einem der tugendhaftesten Diener Gottes heran. Ambrosios Glauben ist voller Kraft und Leben, seine Predigten locken Menschen aus fern und nah an, die sich mit seinen Worten Gott näher fühlen. „Satan hat nur die Macht, die man ihm zugesteht“, ist die feste Überzeugung des unfehlbaren Kapuziners. Doch „Der Mönch“ zeigt in beeindruckenden Bildern voller metaphorischer Schwere wie der reine Ambrosio mit der Versuchung in Berührung kommt und ihr so weit verfällt, dass er den Tod anderer und den Verlust seines Seelenheils in Kauf nimmt.

„In dem Roman gibt es zwei Erzählstränge: die Geschichte des Ambrosio in Spanien und die der Agnes in Deutschland“, berichtet der Dominik Moll von seiner Arbeit am Drehbuch. „Ich wollte mich von Anfang an auf Ambrosio konzentrieren und habe den deutschen Teil gestrichen. Die Veränderungen betreffen ansonsten vor allem den Aufbau der Figuren. Im Roman sind sie alle sehr überzogen, weil Matthew Lewis sie benutzt, um mit dem Katholizismus abzurechnen. Ambrosio ist ein Heuchler, ein Feigling und sein Glaube ist nicht sehr standfest. Ich fand es interessanter, jemanden zu zeigen, der wirklich von seinem Glauben überzeugt ist, damit auch sein Gewissenskonflikt interessanter wird. Dadurch erhält der Film wahrscheinlich einen etwas ernsteren Charakter als das Buch.“

Dieser hinzugewonnene Tiefgang seiner Protagonisten nutzt der Filmemacher, um sich verstärkt auf die Antagonisten Sünde/Schuld und Reinheit/Vergebung zu konzentrieren. Dabei lässt „Der Mönch“ bewusst offen, ob eine wirkliche Versuchung durch den Teufel stattfindet oder aber die angedeuteten magischen Elemente der Fantasie der Hauptfigur entsprungen sind. „Das Medium Film eignet sich besonders gut, um Gratwanderungen zwischen Einbildung und Wirklichkeit darzustellen. Das habe ich auch schon in meinen bisherigen Filmen erforscht“, erklärt der Cineast die Vieldeutigkeit des Werkes.

Tragende Elemente in „Der Mönch“ sind auch Träume und unheilvolle Visionen. „Prophezeiungen und Vorahnungen gehören zur Palette des gotischen Ambientes. Für mich war vor allem der Traum wichtig, in dem Ambrosio Antonia in ihrem roten Kleid sieht. Dieser Traum ist nicht im Roman. Ich habe ihn hinzugefügt um klarzumachen, dass es mit Antonia etwas besonderes an sich hat, dass sie nicht nur ein neues Opfer für Ambrosios Begierde ist. Als er sie dann in der Wirklichkeit sieht, als der Traum zur Realität wird, da weiß er, dass dieses Mädchen eine besondere Bedeutung für ihn hat.“

So verfällt er der jungen Antonia und stürzt sich und sie in einen unheilvollen Abgrund. „Der Mönch“ ist eine Parabel über den Glauben und die Sünde, eine finstere Gruselgeschichte und ein faustscher Thriller zugleich, vor allem aber faszinierend erzählt und großartig inszeniert.

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Role Play Convention 2015

RPC-logoGrenzenlose Spielwelten

Seit 2007 gehört die jährlich stattfindende Role Play Convention zu den Höhepunkten der Spielwelt. Die Nerdonomicon-Crew war vor Ort, um den Zauber der fantastischen Zusammenkunft zu ergründen.

Am Samstag, den 16. Mai öffnete die Koelnmesse ihre Pforten für ein buntes und gespannt wartendes Völkchen, das nicht nur aus weiten Teilen Deutschlands, sondern auch aus den umliegenden Ländern angereist war. Leibhaftige Elfen und andere Fantasy-Vertreter gehörten ebenso dazu, wie Star-Wars-Persönlichkeiten, Manga-Charaktere, Comic-Helden, mittelalterlich Gewandete, Metal-Fans, bebrillte Vollnerds oder gewöhnliche Otto-Normal-Spieler. Sie alle sollten für das komplette Wochenende in Halle 10 ein vielseitiges An- und Aufgebot vorfinden, das Workshops, Turniere, Bandauftritte, Probespielrunden, Präsentationen, Lesungen, Filmvorführungen und vieles mehr beinhaltete und in seiner Gänze unmöglich vollständig wahrzunehmen war. Liebhaber komplexer Tabletop-Spiele kamen ebenso auf ihre Kosten wie Rollenspieler, LARPer oder auch Fans unterhaltsamer Brett- oder Kartenspiele. In kleinen Gruppen konnten Interessierte in einzelne Titel wie „Earthdawn„, „Pathfinder“ oder „Iron Kingdoms“ hineinschnuppern, durften sich in fordernden Partien (wie „Mage Wars„) bekämpfen, sich beim Kartenklopfen mit „Smash Up“ schieflachen oder aber sich sogar in die Geheimnisse des LARP einführen lassen. Besonders beeindruckend war die Präsentation des ursprünglich über Crowdfunding finanzierten Strategiespiels „Golem Arcana„. Auf variablen Schlachtfeldern und mit unterschiedlichen Missionsaufgaben müssen sich hier zwei Kontrahenten mit ihren detailliert designten Spielfiguren bekämpfen. Ihre Golems sind mit einer App auf dem Handy oder Tablet gekoppelt, das nicht nur das gesamte Spielgeschehen überwacht, sondern auch alle Regelmechanismen und die anfallenden „Buchhalteraufgaben“ übernimmt. Das Durchackern ellenlanger Regelwerke bleibt dem Golemlenker damit erspart und auch beim Gefecht bedarf es keiner schwierigen Berechnungen mehr – der Computer springt bei diesen Punkten zuverlässig ein. Bisher sind hierzulande zwei Erweiterungen über Pegasus erhältlich – in den USA gibt es jedoch schon deutlich mehr Material zum Nachlegen.

Aber auch Liebhaber rasanter Pixelwelten konnten sich über einige Höhepunkte freuen. Das brachiale Fantasy-Football-Gebolze „Blood Bowl 2“ konnte weltexklusiv auf Sonys PlayStation 4 angezockt werden – und machte schon im Beta-Stadium eine kernige Figur. Sehr imposant war auch der „Diablo„-ähnliche Actionkracher „Victor Vran“ vor schicker Steampunk-Kulisse, bei dem der Spieler aber auch über die Springentaste höhergelegene Levelbereiche erreichen oder kleine Hindernisse überwinden kann. Ungeschlagen war jedoch der neue Mehrspielermodus von „Giana Sisters Twisted Dreams“ bei dem die Entwickler von Black Forest Games ganze Arbeit geleistet haben. Bis zu vier Spieler dürfen sich in verschiedenen Levels eine pfiffige Jum’n’Run-Hetzjagd liefern. Dabei spielt sich das flotte Gehopse wie eine großartige Mischung aus „Mario Kart„, „Micro Machines“ und „Sonic„. Freudentränen und Zornesflüche sind hier vorprogrammiert.

Wer ein wenig den vom Knobeln überforderten Kopf oder die vom Daddeln überanspruchten Finger ausruhen wollte, konnte sich als Manga-Figur oder Zombie zeichnen lassen, über den angrenzenden Mittelaltermarkt im Freien schlendern oder aber bei einer Reihe von Bands der Musik frönen. Die Mittelalter-Crossover-Pioniere von Tanzwut waren ebenso vor Ort wie Harpyie, Tibetréa, Ye Banished Privateers, MacPiet oder Xandria. Und selbstverständlich gab es tonnenweise Zeugs zu kaufen, seien es nerdige Klamotten, Sammlerfiguren, Spiele, Bücher, Würfel, LARP-Zubehör oder ausreichend Leckereien für das leibliche Wohl. Wir sind auf jeden Fall auch 2016 wieder mit an Bord!

The Witcher 3: Wild Hunt

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The Witcher III – Wild Hunt

Geralts grande finale

Im Herbst 2007 durfte der Monsterjäger Geralt von Riva, entsprungen aus den Fantasy-Romanen des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski, erstmals virtuellen PC-Boden erobern. Vier Jahre später folgte mit „Assassins Of Kings“ eine großartige Fortsetzung des gelungenen Debüts, die erstmals auch Konsoleros in die sagenhafte Spielwelt entführte. Nach langen Aufschüben wird es am 19. Mai endlich so weit sein und „The Witcher 3: Wild Hunt“ wird die Trilogie komplettieren.

Andrzej Sapkowski schuf mit dem Protagonisten Geralt von Riva einen einzigartigen und ungewöhnlichen Heroen. Bereits in den frühen Neunzigern ließ der Autor den weißhaarigen Hexer erstmals auf eine komplexe und erwachsene Fantasywelt los und legte nach dem durchschlagenden Erfolg sechs dicke Romane nach (der sechste Band „Zeit des Sturms“ ist Anfang April auch in Deutschland erschienen).

Geboren wurde der Recke als Sohn der Zauberin Visenna, die ihn nach seiner Geburt in die Feste der Hexer, nach Kaer Morhen, brachte. Dort wurde er in den Künsten des Kampfes, der Monsterjagd und der Magie unterrichtet. Um ihren monströsen Gegnern gewachsen zu sein, bedienen sich die Ungetümjäger einer besonderen Form der Alchemie, die es ihnen erlaubt, effektive Tränke und Waffentinkturen herzustellen. Zur Ausbildung gehört auch die sogenannte Kräuterprobe, die nur wenige Probanden überleben. Ihr hat Geralt sein weißes Haar, die unheimlich geschlitzten Augen und die Pigmentstörungen zu verdanken – aber auch etliche übernatürliche psychische wie physische Fähigkeiten. Nach seiner Ausbildung zog der kühne Recke als professioneller Ungetiervernichter durch die Lande und verdiente damit seine Brötchen.

Zu seinem Arbeitswerkzeug gehören neben zahllosen Gebräuen seine beiden Schwerter, eines aus Silber, um Ungeheuer zu zerlegen, und eines aus Stahl, das zur Bekämpfung menschlicher und niederer Feinde dient. Denn die Welt in der Gwynbleidd (zu Deutsch der weiße Wolf) – so nannten ihn einst die Dryaden – lebt, ist kein kitschig-kunterbuntes Märchenreich, sondern ein grimmer, düsterer Ort. Kriege und Krankheiten zeichnen die Ländereien, Habgier und Missgunst prangen wie klebrige Narben an den Nationen. Überall drohen soziale Spannungen ganze Familien und Völker auszumerzen, denn die Menschen kommen nicht besonders gut klar mit den Anderlingen, jenen nicht-menschlichen Völkern. So hat auch Geralt immer wieder mit Vorurteilen und offenem Hass zu kämpfen, doch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten helfen ihm ein ums andere Mal aus der Patsche.

Nachdem er im zweiten Teil der Videospielreihe, „The Witcher 2: Assassins Of Kings„, seine eigene Unschuld am Tod des Königs beweisen musste, wird er auch im dritten Teil erneut in politische Konflikte verwickelt. Das Kaiserreich Nilfgaard überfällt mit seiner Armee die nördlichen Königreiche und stürzt damit alles in Chaos. Doch hinter diesen weltlichen Bedrohungen erhebt sich ein noch viel größerer Schatten, dem sich der Hexer stellen muss.

The Witcher 3: Wild Hunt“ erzählt dabei zwar die Geschichte des mächtigen Antihelden weiter, ermöglicht aber auch Neulingen einen problemlosen Einstieg. Dafür wurde extra ein aufwändiger Prolog inszeniert, der die Spieler in das Geschehen und die Spielmechanik einführt. Das ist auch bitter nötig, denn die erkundbare Welt von „Wild Hunt“ ist 30 mal größer als noch beim Vorgänger und nahezu beliebig erforschbar. Überall lauern Gefahren, Aufträge und Schätze auf den Weißen Wolf und ermöglichen wochen-, ja, sogar monatelangen Spielspaß in einer atemberaubend präsentierten mittelalterlich angehauchten Fantasywelt. Die Grafik ist umwerfend und nur selten gab es so wunderschön gestaltete Städte und Siedlungen, düstere Höhlensysteme, bedrohliche Wälder, morastige Sümpfe oder raue Hügelländer zu sehen. Dabei haben die polnischen Entwickler von CD Projekt den einzelnen Regionen nicht nur erkennbare kulturelle Eigenheiten verpasst, sondern auch ein eigenständiges Leben eingehaucht, basierend auf den Romanen von Andrzej Sapkowski.

Gleichsam traumhaft ist die Rollenspielerfahrung selbst, denn zahllose Aktionen des Spielers hinterlassen deutliche Spuren in der virtuellen Welt. Hinzu kommt ein überholtes Kampfsystem (das anstatt mit 20 Animationen wie beim zweiten Teil nun mit beachtlichen 96 aufwartet), das durch die magischen Fähigkeiten, eine fesche Armbrust mit variablen Bolzen, aufwertbaren Waffen, einem alchemistischen Sammelsurium sowie einem besonderen Jägersinn, der Spuren entdeckt und besondere Fähigkeiten und Nachteile der Monster erkennen lässt, variantenreich ergänzt wird. Der Spieler hat dadurch eine Vielzahl an Möglichkeiten, die schier endlosen Abenteuer zu bestehen. Ein wahrlich bombastisches Trilogiefinale. Wir zählen schon die Tage.

Geekgunst:

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Humble Might & Magic Bundle

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Gerade erst hat Ubisoft einen Trailer zu „Might & Magic Heroes VII„, das im September 2015 erscheinen soll, rausgerückt, da legen die Humble-Bundle-Jungs ein dickes Paket zum „Might & Magic“-Kosmos nach. Das „Humble Might & Magic Bundle“ dürfte jedem Fantasy-affinen Rollenspieler und Strategiefan multiple Orgasmen bescheren.

Spiele im Gesamtwert von 168$ wandern hier für einen beliebig festlegbaren Preis über die virtuelle Ladentheke. Dazu gehört die grandiose „Might & Magic Collection“ in der die Teile 1 bis 6 des Old-School-RPGs vereint sind. Hinzu kommt das „Might & Magic Heroes Online – Angel Starter Pack“, das in massive Mehrspielerwelten entführt und die beiden „Heroes of M&M“-Teile 2 und 4.

Wer mehr als den Durchschnitt aller Gebote spendet, bekommt darüber hinaus noch vier weitere Titel um die Ohren gehauen: „Dark Messiah“, „Heroes“ 5 und 6 und das eher vernachlässigbare „Clash Of Heroes“. Im Laufe der Aktion können noch einige Titel aus dem fiktiven Spielekosmos hinzukommen.

Zahlt der geneigte Zocker sogar mehr als 15$, gibt es noch „Might & Magic X -Legacy“, „Heroes 3“ als HD-Edition, das „Duel Of Champions – Starter Pack“ und ein paar Zusatzinhalte obendrauf.

Einige Titel kommen über Steam, einige über Ubisofts eigene Plattform Uplay und ein paar sind komplett DRM-free. Leider wird aber nur Windows unterstützt.

The Witcher 2: Assassins Of Kings

The Witcher II - Cover

The Witcher II

The Witcher 2: Assassins Of Kings
(Namco Bandai)

Nicht umsonst wurde die „Enhanced Edition“ des polnischen Fantasy-Rollenspiels bereits etliche Male für Preise nominiert und ausgezeichnet, denn die Geschichte des weißhaarigen Hexers Geralt von Riva darf sich gleich in mehreren Belangen zur Elite des Genres zählen. Basierend auf den Romanen des Schriftstellers Andrzej Sapkowski darf man einem sagenhaften Epos mit historischem Anstrich folgen, das sich angenehm von den funkelnden Glitzerwelten japanischer und auch amerikanischer Produktionen abhebt. „The Witcher 2“ ist dreckig, derb, brachial und sarkastisch. Hier wird nicht nur Monsterblut über die schönen Landschaften verteilt, nein, Geralt hat durchaus auch beachtliche Vorlieben für allerlei andere Körperflüssigkeiten … Doch leider hat er sich in eine dumme Sache verstricken lassen und steht nun unter Verdacht, König Foltest ermordet zu haben. So macht sich der zauberkundige Bestienjäger auf, um seinen Namen reinzuwaschen, muss dabei noch das Geheimnis der Wilden Horde lüften, seine Herzensdame freien und so manchen Kampf bestehen. Denn der Tod des Königs löst nebenbei noch politische Spannungen aus, die sich flugs auf dem Schlachtfeld entladen. Und was machen eigentlich diese seltsamen Magierinnen, die sich scheinbar überall einmischen? Das düstere und häufig auch gesellschaftskritische Setting tut sein übriges, dass der Spieler in der Welt von Geralt völlig aufgehen und sich an einigen lustigen Seitenhieben auf die Konkurrenz ergötzen kann. Eines der zehn besten Computerrollenspiele aller Zeiten.

Geekometer:

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