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Die drei Klammeraffen und ihre 5-Minuten-Fälle

„Die drei @@@ und ihre 5-Minuten-Fälle: Die komplette erste Staffel“ (1)
(Meteor/Edel)

Die drei Fragezeichen scheinen kein Leben außerhalb ihres Detektivdaseins genießen zu können, denn wo immer sie sich rumtreiben, lümmelt gerade ein Verbrecher in der Gegend herum, den es zu überführen gilt. In den Anfangstagen arbeiteten die drei Lausebengel noch für Herrn Hitchcock, der sie per Telefon beauftragte, und auf sein Bitten hin konnte das tugendhafte Trio sich dann mit mysteriösen Fällen herumschlagen. Mit einer gehörigen Portion Humor erweisen Sascha Gutzeit und Nikolaus Hartmann den drei Oberschnüfflern alle Ehre und ziehen in zehn tatsächlich knapp fünfminütigen Episoden Justus , Peter und Bob gehörig durch die Jauchegrube. Erfreulicherweise trifft der Liebhaber auf viele alte Bekannte, die aus sämtlichen (damals noch 114)  Teilen des Originals bekannt sind – allerdings auf geniale Weise verzerrt. So stürzen sich Justin, Dieter und Rob, die drei Klammeraffen, in die hanebüchensten Fälle, die die Hörspielgeschichte vermutlich je vernommen hat, wobei Justin natürlich immer „so eine Ahnung“ hat, einen Plan schmiedet und die tumben Bösewichter – wie ihr Erzfeind Jimmy Boris – längst überführt hat, bevor diese es überhaupt begriffen haben. In den köstlichen Storys steckt so viel Liebe und Bosheit im Detail, dass alte Dreifragezeichen-Hasen bestens unterhalten werden und sich „eine halbe Stunde später“ nur noch lachend die Wampe halten können. Einziges Problem an dieser Angelegenheit: „Die drei @@@“ sind mittlerweile eine vielgesuchte und begehrte Sammlerrarität geworden, da der Hörspielverlag mittlerweile eingegangen ist.

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Stretch

„Stretch“
(Universal/Koch Media)

Stretch hatte einen Traum: er wollte Schauspieler werden. Doch anstatt champagnerschlürfend im schicken Smoking auf einer Premierenfeier in Hollywood über den roten Teppich zu schlawenzeln, kutschiert der abgehalfterte Träumer nun die Sternchen in einer Limousine von Termin zu Termin. Er hasst sein Leben, seinen Job als Chauffeur, seinen Chef … eigentlich alles. Um das Unglück zu kompensieren, fängt er an zu spielen, nimmt Drogen und säuft wie ein Loch. Eines schönen Tages – und da beginnt die äußerst pfiffige und überdrehte Action-Komödie von Joe Carnahan („The Grey – Unter Wölfen„) – übersieht die bezaubernde Candace kurz mal eine rote Ampel und brettert ungebremst in den Wagen des zugedröhnten Stretch hinein, der zwar fast das Zeitliche segnet, stattdessen aber über Umwege mit der Holden im Bett landet. Ein Jahr gönnt ihm seine Herzensdame, ein Jahr in dem er Abstand nimmt von Drogen und all den dunklen Lastern des Lebens, doch nach einer lustigen Nummer im Bett serviert sie ihn kurzerhand ab. Es gibt eben erfolgreicherer Männer als ihn …

Als wäre das nicht schon schlimm genug, gerät sein Chef in starke Bedrängnis durch die Konkurrenz und erhöht den Druck auf seine Mitarbeiter. Es müssen mehr Promis gefahren und aggressiver auf Kundenfang gegangen werden. Gleichzeitig sitzen dem Unglücksraben noch ein paar alte Bekannte im Nacken, die innerhalb der nächsten Stunden 6000 Dollar von ihm haben wollen – ansonsten droht ihm ein vorzeitiger und vermutlich auch schmerzvoller Exitus. Doch gerade als Stretchs Leben komplett in sich zusammenzubröseln droht und er nichts mehr zu verlieren hat, packt er sein Schicksal voller Wucht bei den Eiern und stürzt sich kopfüber in eine hanebüchene, verworrene und vollkommen chaotische Geschichte. Als ihm der stinkreiche und ebenso exzentrische Roger Karos quasi als Kunde zufliegt, wittert er seine Chance, die vermaledeiten Schulden abzubezahlen. Er soll einfach einen Koffer aus einer Bar holen. Was in der Theorie recht unkompliziert klingt, stellt sich in der Praxis jedoch als beinhartes Abenteuer heraus, bei dem ihm bald das FBI und ein paar der schwersten Bösewichter der Stadt im Nacken sitzen. Jetzt bekommt Stretch erstmals die Möglichkeit, seine schauspielerischen Leistungen in Extremsituationen unter Beweis zu stellen – und das klappt hin und wieder sogar besser als erwartet.

Vollkommen überdrehte Protagonisten, skurrile Situationen, abstruse Handlungsverläufe und saudumme Sprüche führen den kalifornischen Regisseur zurück zu seinen Wurzeln wie „Smokin‘ Aces“ oder sogar sein Debüt „Blut, Blei, Bullen und Benzin“. Der Zuschauer spürt schnell mit wie viel Spaß Carnahan an „Stretch“ herangeht und wie genüsslich er die absurden und ausgeflippten Szenen auskostet. Über weite Strecken funktioniert das wunderbar, nur hier und da holpert und ruckelt der Plot ein wenig. Aber angesichts zahlloser kultiger wie herrlich-blöder Einfälle fallen diese kleinen Schwächen nicht weiter auf.

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Rock’n Rodeo

Von Pennerpunks und Rockgöttern

Städte errichten, Burgen verwalten, Armeen erheben, Schlachten schlagen, Intrigen schmieden, Monster töten, Schiffe versenken … all das gehört zum üblichen Brettspiel-Kanon. Ein vernünftiges Musikfestival auf die Beine zu stellen, dafür Bands zu buchen, Security anzuheuern, für genug Bier und Fressbuden zu sorgen, ganz zu schweigen von Klohäuschen, Duschen oder der Organisation des Zeltplatzes ist nicht minder fordernd, aufregend, spannend und vor allen Dingen auch lustig. In „Rock’n Rodeo“ dürfen zwei bis vier Möchtegern-Manager um den Titel des erfolgreichsten und beliebtesten Festivals streiten.

Dieser innovative Wettkampf wird über drei Jahre ausgetragen, in jedem versuchen die Eventprofis über drei Wochenendtage ein möglichst attraktives und gelungenes Musik-Highlight auf die Beine zu stellen – und auszutragen. Denn was in der Planung noch recht einfach klingt, erweist sich in der Durchführung oft als knifflige Angelegenheit. Denn die angereisten Fangruppen wollen nicht immer so, wie der Herr Manager das gerne hätte.

RockNRodeo1Jedes Jahr wird in drei Phasen unterteilt: Booking, Festival und Wertung. Zu Beginn zieht jeder Spieler eine der sieben Festivalkarten, die Bonusbedingungen für den Sieg beinhalten und darüber hinaus den Aufbau des Zeltplatzes und zwei kostenlose Attraktionen vorgeben. Danach folgt der Einkauf angesagter Bands, dessen Pool je nach Spielerzahl und Jahr unterschiedlich zusammengesetzt ist. Je weiter „Rock’n Rodeo“ fortschreitet, umso berühmtere Gruppen können für das eigene Spektakel an Land gezogen werden. Jedes Ensemble zieht eine Reihe von Fangruppen aus den Bereichen Indie, Metal, Punk und Reggae an, die in der nächsten Phase das Gelände unsicher machen. Dabei hat das Spiel 48 unterschiedliche Typen zu bieten, vom finsteren Black Metaller über Dark Waver, Hipster, Raver bis hin zu Mittelalterheinis oder Militanten Veganern. Sie alle haben unterschiedliche Vorlieben für ihre Positionierung auf dem Zeltplatz, bringen eine gewisse Menge an Kohle mit und können darüber hinaus noch mit besonderen Vor- oder Nachteilen gesegnet sein. Die Pennerpunks vom Bahnhof haben beispielsweise kein Geld, sammeln dafür aber den Müll auf dem Gelände ein. Die allseits bekannten Helga-Schreier haben zwar ordentlich Kapital zum Verjubeln, senken dafür durch ihr nerviges Gebrülle die Stimmung. Teenies sind eigentlich ganz pflegeleicht und haben außerdem ein wenig Taschengeld dabei, dürfen dafür aber noch kein Bier trinken.

RockNRodeo4Haben alle Spieler jeweils eine Band für Freitag, Samstag und Sonntag gebucht, können noch zusätzliche Attraktionen, Upgrades und Wixi-Klos erstanden und der Aufbau des Zeltplatzes geplant werden. Wer vom (vor allen Dingen im ersten Jahr) knappen Budget noch etwas übrig hat, der kann hier Billiges Bandmerch, Überteuertes Markenbier, Raffas Tattoos und andere kultige Stände auf das eigene Gelände packen. Darüber hinaus können die Duschen, die Security, das Müllpfand und der Einlass „upgegraded“ werden, was spezielle Vorteile im Ablauf bringt. Denn wer sich eine Horde besoffener Metaller oder Punks einhandelt, der sollte seine Sicherheitsleute gut im Griff und in ausreichender Zahl vor Ort haben. Vor allen Dingen die Indies legen ferner Wert auf Sauberkeit und werden im wahrsten Sinne des Wortes stinkig, wenn keine Duschen oder ausreichend Hygiene vorhanden ist. Die genaue Anzahl der Aufgestellten Wixi-Klos ist davon abgesehen eine knifflige Sache, denn diese sind teuer, können in zu geringer Anzahl aber auch die Festivalstimmung zum „Überlaufen“ bringen …

Dann kann es endlich losgehen. In der Festivalphase werden die drei Bands auf Freitag, Samstag und Sonntag gesetzt und danach die einzelnen zufällig gezogenen Fangruppen auf das Wochenende verteilt. Die Fans müssen dabei zuerst geschickt auf dem Zeltplatz und danach auf dem Gelände positioniert werden. Schon beim Campen kann es zu ersten Unstimmigkeiten kommen, denn viele Punks wollen nicht neben den Indies sitzen, die Metaller nur bei den Metallern und die Reggae-Liebhaber wollen auf jeden Fall im Grünen ihre Zelte aufschlagen. Der Platz ist dabei aber beschränkt und meist sind die individuellen Wünsche der Scharen nicht zu erfüllen – lange Gesichter und eine gesenkte Stimmung ist die Folge.

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In einem zweiten Schritt stürmen die just angereisten Festivalisten das Areal und müssen taktisch klug vor der Bühne, am Bierstand, in der Dusche oder bei den anderen Attraktionen verteilt werden. Hierdurch lassen sich Stimmungspunkte und Geld erwirtschaften, wobei das eigene Chaoslevel und die Hygiene im Auge behalten werden muss. Wer hier klug agiert, erhält in der letzten Phase nicht nur am meisten Geld (mit dem im nächsten Jahr neue Bands und Attraktionen gekauft werden), sondern auch zahlreiche Siegpunkte.

Zusätzlicher Nervenkitzel kommt durch die vier Ereigniskarten auf, die jeder Spieler zu Beginn erhält. Hiermit kann das eigene Festival leicht bezuschusst oder gesichert werden, es lassen sich aber auch gemeine Anschläge auf die Mitspieler verüben. Ein gewaltsam umgeworfenes Wixi-Klo oder eine spontane Müllschlacht können ein ganzes Festival ruinieren, ebenso wie ein unangekündigter Besuch von einem Rudel Faschisten.

Rock’n Rodeo“ ist ein kluges und vielseitiges Spiel, das mehrere Elemente harmonisch eint und mit einer Menge Humor punktet. Festivalgänger können blind zuschlagen. Aber selbst Musikverweigerer werden sicherlich ihren Spaß mit dem taktischen Management aus dem Mantikore Verlag haben.

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Cockneys vs. Zombies

Ein Zombie ging ins Altenheim

Der gemeine Haus- und Hinterhofzombie breitet sich aus wie eine Seuche. Früher geisterte er nur als glubschäugiges Voodoomonster umher, wurde dann von Altmeister Romero neu entdeckt, um im neuen Jahrtausend gehirnemampfend und sabbernd einer weiteren Erfolgswelle der Apokalypse entgegenzutaumeln. In der britischen Horrorkomödie „Cockneys Vs. Zombies“ haben es die Untoten auf das Londoner East-End abgesehen – doch da haben sie sich mit den Falschen angelegt.

Eigentlich wollten die beiden Brüder Andy und Terry nur ihrem Großvater helfen, doch der groß angelegte Rettungsplan gerät wegen unvorhergesehener Zombieaktivitäten ein wenig außer Kontrolle. Die Beiden verbindet ein enges Band mit ihrem Opa, denn nach dem unschönen Tod ihrer Eltern bei einer Schießerei mit der Polizei, zog der alte Herr die Zwei liebevoll auf und lehrte sie Anstand und Moral. Als nun aber die Stadtverwaltung sein kleines Altersheim schließen möchte, kommen die Geschwister auf die grandiose Idee, eine Bank zu überfallen. Hierzu laden sie ihre kesse Cousine Katy, einen etwas trotteligen Bekannten und einen durchgeknallten Irakveteranen ein, um das Ding durchzuziehen. Wie zu erwarten stellen sie sich nicht sonderlich klug an und werden von der Polizei mit den erbeuteten 2,5 Millionen Pfund im Geldtempel festgesetzt.

Als sich der Chaotentrupp mehr oder weniger freiwillig entscheidet Geiseln zu nehmen und die Flucht zu ergreifen, müssen sie feststellen, dass eine Horde Zombies bereits für die Beseitigung der Staatswächter gesorgt und den Straßenzug in eine Menschenfressmeile verwandelt hat.
Der wandelnden Wahrheit ins Auge blickend, fasst der planlose Haufen den Entschluss, Großvater und seine betagten Insassen aus der Seniorenbleibe zu befreien. Die rüstigen Rentner haben sich unterdessen aber ganz gut gegen das wankende Gammelfleisch zu wehren gewusst und schon so manche Zombierübe zermatscht. Denn Opi Ray hat im Zweiten Weltkrieg gelernt, wie man den bösen Nazisäcken zümftig den Garaus macht.

Cockneys Vs. Zombies“ ist nicht einfach nur eine weitere Zombiepersiflage, sondern ein kleines Meisterwerk, das dem Genre einerseits huldigt, sich zugleich ironisch über seine Standards auslässt. Dabei legt Regisseur Matthias Hoene ein fetziges Erzähltempo vor und glänzt mit einer ganzen Reihe fabelhafter Einfälle und Sprüche. Wie soll man beispielsweise einen Zombie erschießen, der aufgrund einer Kriegsverletzung eine Stahlplatte im Schädel hat? Der altbewährte Trick mit dem Schuss in die Birne bringt da wenig. Beliebt sind auch nervenaufreibende Verfolgungsjagden mit den Untoten. Hier findet sich ein aberwitziges „Wettschlurfen“ eines alten Greises mit Gehhilfe und einer strauchelnden Zombiehorde. Oder da wäre noch die Begegnung mit englischen Fußball-Hooligans, die sich sogar noch als blubbernde Wiedergänger die modrigen Fressen polieren wollen. Von zerschossenen Müttern und weggekickten Babyuntoten nicht zu reden … Ein blutiges und über Maßen freudvolles Geschnetzel mit kernigem Kultfaktor!

Robocroc

Robocroc
(Concorde)

So was Dummes aber auch. Das amerikanische Militär kann wieder mal nicht auf seine ultrageheimen Superwaffen aufpassen und verliert über bewohntem Gebiet eine hochbrisante Rakete. Diese macht nicht einfach „bumm“, sondern ist mit einem Haufen stinkwütender Nanoroboter beladen, die aus ihrem aufgeplatzten Behältnis quellen, um allesamt in den nächstbesten Wirt zu krabbeln. Da das Weltraumvehikel ausgerechnet über einem Zoo für besonders unfreundliche Raubtiere abgeschmiert ist, ist der eher unfreiwillige Proband ein knapp acht Meter langes Salzwasserkrokodil. Kaum haben sich die kleinen Nanoblechkameraden in der gefräßigen Riesenhandtasche breit gemacht, verwandeln sie diese in eine Cyberkillermaschine. In bester Terminator- oder Predator-Manier erfasst das durch die Naniten bereitgestellte HUD-Display des Robocrocs sämtliche potentiellen Ziele in der Nähe und schon wuselt das gepanzerte Ungetüm los, um Tod und Verderben über die Menschheit zu bringen.

Aber zum Glück gibt es den mutigen und ebenso smarten Krokodilexperten Jim Duffy, der gemeinsam mit seiner neuen Kollegin, der paarungsbereiten Biologin Jane Spencer, zur Jagd bläst. Das Militär ist jedoch schneller vor Ort als gedacht und stellt seine eigenen Regeln auf: das befallene „Objekt“ darf nicht getötet, sondern soll untersucht werden. Selbst als die robotisierte Fressmaschine den nahegelegenen Freizeitwasserpark angreift und binnen 10 Minuten in ein Blutbad verwandelt, soll die Bionikbestie noch geschützt werden. Die verantwortlichen Armeechefs verhalten sich dabei so strunzdumm, dass es kein Wunder ist, dass die Superwaffe verlorengegangen ist … oder zum Feldversuch abgeworfen wurde?

Aber nicht tragisch, denn alle anderen Charaktere handeln gleichermaßen blöd oder auf klischeebehafteten Archetypspuren. Und natürlich ist der feuchtfröhliche Freizeitpark – der übrigens unterirdisch direkt mit dem Zoo verbunden ist (is klar, ne?) – angefüllt mit knackigen Mädels und Knaben, die nur darauf warten, sich von Robocroc fressen zu lassen. Oder eher nicht. Denn da das computergenerierte Krokodil tricktechnisch in etwa auf dem Stand der „Moorhuhnjagd“ von 1999 ist, hat man sich gorige Massensplattereien im wahrsten Sinne des Wortes gespart. So liegen nach dem geschickt ausgelassenen Massaker einfach ein paar Statisten planlos in der Gegend herum. Bisswunden? Abgetrennte Körperteile? Gedärme? Gehirn? Keine Spur! Lediglich ein wenig rote Farbe haben die Toten spendiert bekommen, mal am Knie oder am Arm oder einfach an irgendwelchen Wänden. Das war’s auch schon.

Ist vielleicht auch besser so, denn die sonstigen Kampfhandlungen und Aktionen des Robocroc sehen so dermaßen armselig aus, dass der Zuschauer beinahe schon Mitleid mit dem Special-Effects-Fritzen haben muss. Und mit dem Drehbuchschreiber erst recht. Denn der Plot erreicht nicht mal die Güte eines Disney Taschencomics und muss wohl von einem Hirnlosen oder aber im Vollsuff verfasst worden sein. Die Schauspieler sind über weite Strecken lediglich körperlich anwesend und haben wohl verzweifelt die Zeit bis zur Gage durchgekämpft. Und der Regisseur … aber lassen wir das.

Robocroc“ will ein lustiges Creature-Feature sein, versagt jedoch in allen Bereichen kläglich. Die Verantwortlichen sind um nackte Haut bemüht, bleiben jedoch spießig bedeckt, wollen blutigen Metzelspaß zeigen, bleiben aber auf Familienniveau hängen, sind bemüht um kecke Sprüche, sondern aber lediglich flache Plattitüden ab. Selbst Trash-Fans dürften im Rudel ihre Probleme bekommen, dafür ist „Robocroc“ einfach nicht kultig genug.

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Enterprise vs. Miley Cyrus

Raumschiff_Enterprise_LogoDer Menschraum. Unendliche Blödheit.

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

Ja, so die Theorie. Was aber wenn die Besatzung der Enterprise sich nicht nur mit feindseligen Aliens, sondern mit kackblöden Erdenbewohnern herumschlagen muss? Da nützen all die Jahre Spezialtraining nichts, denn gegen die Dekadenz und Oberflächlichkeit der Popkultur ist auch das „Star Trek“-Team machtlos …

Wir geben zu, der hier gezeigte Videoclip ist nicht mehr der neuste, aber er ist auch nach Monaten noch äußerst unterhaltsam.

Samurai Champloo

„Samurai Champloo“
(Nipponart)

Ein kleines Wunder ist geschehen: Die Suche nach dem Samurai, der nach Sonnenblumen duftet, kann endlich auch in HD-Qualität genossen werden – und das als schicke Sammleredition mit allen 26 Episoden auf vier Blu-rays verteilt. Die Anime-Serie, die später auch in einen Manga umgewandelt wurde, lief im japanischen Fernsehen bereits 2004, erregte aber auch hierzulande bei der zwei Jahre später stattfindenden Erstausstrahlung großes Aufsehen. Die grandiose und bahnbrechende Geschichte ist in der Edo-Zeit (1603-1868) angesiedelt und vermengt historische Hintergründe, japanische Mythologie und andere kulturelle Merkmale mit der Moderne. Dabei ist es nur ein großer Zufall, der die drei ungleichen Protagonisten – den aufbrausenden Schwertschwinger Mugen, den kontrollierten Bushido-Kämpfer Jin und die quirlige 15-jährige Waise Fuu – zusammenbringt und auf eine lange Queste schickt. „Samurai Champloo“ ist witzig, cool, krass, blutig und lehrreich … und sentimental, nachdenklich und sogar todtraurig. Flotte Kämpfe und rasante Action wechseln sich ab mit ruhigen Sequenzen, Charakterszenen und Tiefgang. Was wegen seines ungewöhnlichen Stils ein wenig befremdlich beginnt, wandelt sich in wenigen Sehminuten zu fesselnder Faszination, die bis zum Ende nicht mehr loslässt. Eine tolle deutsche Synchronisation (die japanische Originalfassung ist ebenfalls vorhanden) u.a. mit David Nathan als Mugen, ein informatives Booklet und einige schicke Extras tun ein Übriges, um „Samurai Champloo“ in den Anime-Himmel zu heben.

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Dark Shadows

Schatten über Collinsport


Wenn Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Danny Elfman zusammentreffen, ist Filmvisionär Tim Burton nicht weit. Wie kaum ein anderer Regisseur steht er für düster-romantische Schauermären mit Hang zu verträumter Melancholie und bittersüßer Ironie. Kein Wunder, dass Kinogigant Warner ihn erwählte, die Gothic-Seifenoper „Dark Shadows“ aus den Sechzigern und Siebzigern wiederzubeleben und als skurril-humorige Gruselkomödie auf die großen Leinwände zu zaubern.

Im Herbst 2012 erstand der Geist der Familie Collins neu auf, liebevoll in Szene gesetzt und mit einer beachtlichen Schauspielerriege ausgestattet. So hat das Kreativteam neben Johnny Depp und Tim Burtons Herzensdame, Helena Bonham Carter, auch Weltstar Michelle Pfeiffer gewinnen können, ebenso wie Eva Green aus „Königreich der Himmel“ oder „Der Goldene Kompass“ als auch Jonny Lee Miller von „Trainspotting„, um nur einige zu nennen. Gleichsam traumhaft ist die Crew hinter den Kulissen. John August schrieb die Story zu der Neuverfilmung und ist seit langem ein treuer Weggefährte von Tim Burton. Die beiden arbeiten im Augenblick übrigens an einer Neuverfilmung von Burtons Frühwerk „Frankenweenie“ aus dem Jahre 1984, das als edles 3D-Stoptrick-Werk im Herbst das Licht des Mondes erblicken soll. Mit Rick Heinrichs hat sich der Meister der gothesquen Gruselkost einen der originellsten und innovativsten Produktionsdesigner ins Geisterschloss geholt. Der hat nicht nur schon den ein oder anderen Oscar eingeheimst und an großen Blockbustern wie „Fluch der Karibik“ mitgewirkt, sondern unterstützt Burton bereits seit seinen ersten Filmversuchen in den frühen Achtzigern. Man erinnere sich da an den Poe’schen Trauerknaben „Vincent„, vorgetragen von niemand geringerem als Obervampir Christopher Lee.

So darf es nicht verwundern, dass „Dark Shadows“ anno 2012 ein fulminanter Augenschmaus wird, der nicht nur mit hochkarätigen Mimen besetzt wurde, sondern in schummrig schöne Kulissen verpackt wurde. Was wäre aber ein echter Burton ohne einen grandiosen Soundtrack? Wie eingangs schon verraten, hat Danny Elfman erneut epische, tragische wie schaurig-schöne Töne zu angemessene Melodien geformt, um der prachtvollen Bilderflut eine angemessene akustische Begleitung zur Seite zu stellen. Sein Feingefühl für typisch Burton’sche Themen hat der mehrfach Oscar-, Emmy- und Golden Globe-nominierte Klangkünstler mitunter aus seiner sechsjährigen Tätigkeit bei einem surrealistischen Musical-Kabarett und ist nicht umsonst seit „The Nightmare Before Christmas“ Tim Burtons Haus- und Hof-Komponist.

Dark Shadows“ wurde erstmals 1966 als düster angehauchte Seifenoper in den USA ausgestrahlt und mauserte sich schnell zu einem Zuschauermagnet. Schon damals spielte sich das Geschehen in dem kleinen Fischerstädtchen Collinsport im Bundesstaat Maine ab, wo ein neues Kindermädchen im Herrenhaus der Familie Collins ihren dienst antrat. Innerhalb kurzer Zeit kamen jedoch übernatürliche Elemente zur Serie hinzu und verbanden das Anwesen der illustren Sippe mit allerlei Spukgestalten und Fantastischem. Schon damals spielte sich vor allem der 175-jährige Vampir Barnabas Collins in die Herzen der Serienfans, der schließlich auch in einer Reihe von Romanen sein Unwesen treiben durfte und sogar als Comicgestalt seine Beisserchen bleckte. Die Serie brachte es in den fünf Jahren ihrer Ausstrahlung auf sagenhafte 1225 Episoden, die ebenfalls im Mai in einer limitierten Sargboxedition mit 131 DVDs den Liebhabern des Originals die Freudentränen in die Augen treiben dürfte.

Tim Burtons „Dark Shadows“ konzentriert sich bewusst auf die Figur des verfluchten Vampirs Barnabas (Johnny Depp), der im Jahre 1772 einen folgenschweren Fehler begeht. Damals herrschte er noch über das sagenumwobene Collinwood Manor und genoss Reichtum und Macht in ganzen Zügen. Vor allem aber tat er sich als schlitzohriger Frauenheld hervor, vergriff sich jedoch irgendwann an der falschen Frau. Als er nämlich das Herz der schönen Angelique brach, legte er sich mit einer wahrhaftigen Hexe an, die ihn dummerweise mit einem finsteren Fluch belegte und ihn in einen Vampir verwandelte und kurzerhand lebedig begraben ließ. Zweihundert Jahre später buddelt man den Schürzenjäger zufällig aus, der sich fortan in den knallbunten Siebzigern durchs untote Leben schlagen muss. Vom Glanze seines einst prunkvollen Anwesens ist nicht mehr viel übrig und auch seine munstereske Familie darf gelinde ausgedrückt als zerrüttet bezeichnet werden und hat so manche Leiche im Keller. Was aber eine richtige Hexe ist, lässt sich nicht vom Zahn der Zeit zernagen und es scheint, als würde manche Liebe eben doch für immer währen …

Nicht nur für Johnny-Depp- und Tim-Burton-Anhänger eine fledermausige Empfehlung, denn „Dark Shadows“ gelingt es, den Charme des Originals mit neuer kreativer Kraft zu befruchten und eine gruftig-lustige Gothicstory zu erzählen.

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Sightseers

Sightseers
(MFA+)

Das Leben von Tina ist alles andere als ereignisreich. Die graumausige Mittvierzigerin lebt noch immer bei ihrer herrschsüchtigen Mutter, die ihren Zögling vollständig unter der Fuchtel hat. Tinas einzige Höhepunkte sind das Häkeln und ihr kleiner Köter. Der hat sich allerdings vor kurzem bei einem ungelenken Sprung aufs Sofa in eine Häkelnadel gestürzt und damit endgültig verabschiedet. Nach diesem Malheur bahnt sich aber endlich die ersehnte Erlösung in ihrem Dasein an: ein Urlaub mit ihrem neuen Freund Chris. Mit einem Wohnmobil machen sich die Zwei auf einen wildromantischen Trip durch England, um einerseits solch spannende Kuriositäten wie ein Bleistiftmuseum zu erkunden, andererseits die intimen Körperöffnungen des Partners. Doch leider ist Chris genau der Typ Mann, vor dem alle Mütter ihre Töchter warnen. Als es bei einer der Sehenswürdigkeiten zu einer Auseinandersetzung mit einem rücksichtslosen Zeitgenossen kommt, lässt Chris kurzerhand das schwergewichtige Campinggefährt zur vollstreckenden Waffe werden und walzt den Übeltäter mit Genugtuung nieder. Tina ist anfangs ein klein wenig entsetzt, doch schnell passt sie sich dem cholerischen Irren an und beide beginnen eine blutige Spur durch die englische Idylle zu ziehen. Morbid-makabre britische Komödie mit Kultcharakter.

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Magicka 2

Zauber dir einen

Es ist wieder Zeit seine Kameraden zu grillen. Wahlweise mit einem ordentlichen Feuerball oder vielleicht mit einem arkanen Blitzgewitter? Im Januar 2011 ließ das von acht schwedischen Studenten entwickelte „Magicka“ die Herzen Hunderttausender Möchtegern-Zauberer höher schlagen. Jetzt legt Entwickler Paradox nach und holt zu einem zweiten Streich aus.

In Aldrheimto hat der große Krieg der Zauberer deutliche Spuren hinterlassen: Die wenigen Überlebenden sind verrückt oder feindselig geworden, das Böse liegt wie ein Fluch auf der schrulligen Fantasiewelt. Um die Dunkelheit zu bezwingen und ein sagenumwobenes Kind zu finden, übernehmen Spieler die Kontrolle eines Zauberers und verbünden sich mit anderen Magiebegabten.
Indem die Beteiligten ihre individuellen Zauberkräfte kombinieren, befreien sie die an die nordische Mythologie angelehnte Kulisse nach und nach von dem Bösen. Aber Vorsicht: Der Schuss kann auch nach hinten losgehen! Teilnehmer sind nämlich nicht vor den Angriffen ihrer Freunde geschützt – eine „Magicka 2„-Eigenheit, die vor allem in Gesellschaft für herrlich abstruse Situationen sorgt, lassen sich sämtliche Levels und Modi doch mit bis zu vier Benutzern spielen. Schadenfreude ist also vorprogrammiert, wenn sich Team-Mitglieder dank der stets aktiven Friendly-Fire-Funktion „rein zufällig“ gegenseitig niederstrecken. Gerade der Mehrspielerpart ist das Herzstück des Zauberspaßes und bietet eine ganze Reihe an Annehmlichkeiten und Modi.
„Millionen von Menschen haben das erste ‚Magicka‚ geliebt, sogar nachdem ihre Freunde sie mit einem ‚versehentlichen‘ Feuerstrahl in die Luft gejagt haben“, schwärmt Fredrik Wester, Geschäftsführer von Paradox. „Das neue Kapitel in der ‚Magicka‚-Saga bietet Neuerungen im Gameplay und Personalisierungsoptionen, wunderschön präsentiert und animiert für den PC. Unsere Spieler werden ihre Zauberer kontrollieren wie sie möchten, vorausgesetzt ihre Kameraden leben so lange.“
Magie ist, wie der Name bereits andeutet, das zentrale Element des Spiels. Denn die acht Elemente Wasser, Leben, Schild, Kälte, Blitz, Arkan, Erde und Feuer können vom Spieler nahezu beliebig kombiniert und damit zu einzelnen Sprüchen geformt werden. Nicht immer entsteht aus einer Verbindung verschiedener Elemente ein sinnvoller Effekt, aber mit viel Ausprobieren und Übung lassen sich so die verrücktesten Hexereien basteln.
Logisch müssen auch ein paar Rätsel gelöst und tonnenweise Monster aus dem Weg geräumt werden. Damit Trolle, Goblins, Ghoule, Baumgeister, Totenbeschwörer, Elementwesen und anderes Geschmeiß die Gemeinschaft der lustigen Magiere nicht zu schnell in Stücke hauen, dürfen sich die Zipfelmützenträger mit einer großen Auswahl an Roben, Stäben und Waffen ausstaffieren. Denn die Magier wurden nicht nur im Wirken von Magie unterwiesen, sie können sich durchaus auch mit den handelsüblichen Fantasywaffen zur Wehr setzen – und diese sogar noch mit den eigenen Kräften verstärken. Ein Feuerschwert oder eine Eisklinge macht doch mehr her als ein primitiver Stahlprügel. Wer sich die schicke Boxversion aus dem Hause Koch Media zulegt, bekommt gegenüber der reinen Steam-Variante noch die drei exklusiven Ingame-Items des Kriegsfürsten geschenkt: eine galante Robe, ein fetziger Stab und ein schnittiges Schwert.
Glitzernde Schilde, Kältebolzen, Erdwälle oder flammende Explosionen müssen natürlich knackig dargestellt werden. Um das fulminante Geschehen optisch eindrucksvoll präsentieren zu können, hat Paradox eigens eine neue Engine entwickelt, die „Magicka 2“ ordentlich funkeln lässt. „Das Feuer brennt heißer, Todesstrahlen glühen stärker und am wichtigsten ist natürlich, dass man sich jederzeit schnell und einfach mit seinen Freunden vereinen und flotter Unheil über Midgard bringen kann“, schwärmt der Entwickler. Bei alledem nimmt sich „Magicka 2“ – wie sein Vorgänger – selbst nicht allzu ernst und schafft so ein willkommenes Gegengewicht zu der im Hack’n’Slay- und Action-Rollenspiel-Bereich vorherrschenden Humorlosigkeit. Da ist beispielsweise der im ersten Teil als Erzähler fungierende Vlad, der gar nicht oft genug betonen kann kein Vampir zu sein, obwohl seine Zugehörigkeit zu den Blutsaugern offensichtlich ist. Kurzweiliges Fantasygeschnetzel!

Geekometer (im Mehrspielermodus):
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