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Oscar Wilde – Das Gespenst von Canterville

Oscar Wilde
„Das Gespenst von Canterville“
(Der Hörverlag)

Was die Amis mit ihrer altklugen Weltpolizeieinstellung alles zustande- und vor allem kaputtkriegen, hat Oscar Wilde bereits 1887 erahnt und in seinem „The Canterville Ghost“ niedergeschrieben. Als sein erstes Werk, mit dem er an die Öffentlichkeit ging, ist es auch bis heute eines der beliebtesten und meistgelesenen seines Fundus‘ geblieben. Mr. Hiram B. Otis ist ein amerikanischer Gesandter in England und wird beim Kauf des Schlosses Canterville bereits vor seinem jahrhundertealten Geist gewarnt, was den aufgeklärten Vertreter der Neuen Welt nicht weiter beeindruckt, und ihn nur überheblich über den Aberglauben der Altweltler schmunzeln lässt. Tatsächlich geht es nicht lange, bis sich das Schlossgespenst zeigt und der frisch eingezogenen Familie aus Übersee das Fürchten lehren will. Doch irgendwie kommt alles ganz anders. Was wie eine Gesellschaftssatire beginnt, wird im Mittelteil zu einer Burleske und endet in einer romantisch-sentimentalen Atmosphäre. Die Umsetzung ist mit ihren 65 Minuten äußerst stimmig gelungen und setzt die Vielseitigkeit der Vorlage eindrucksvoll um. Gerade auch die humorigen Einlagen, in denen die Amis dem armen Gespenst recht arg zu Leibe rücken – auch wenn dieser nicht mehr existiert -, lassen das Hörspiel auch für die Kleinen zu einem unterhaltsamen Happen für zwischendurch werden. Die etwas Reiferen dürfen von Wildes facettenreicher Sprache zehren und sich eine schöne Stunde bescheren lassen.

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Der Kopf, der weiterlebte

Meteor-Horror
„Der Kopf, der weiterlebte“ (4)
(Meteor/Edel)

Da sind sie wieder, die lustig-schlechten Schauergeschichten aus dem Hause Meteor, und mit Folge 4 verhält es sich keinesfalls anders, als mit den zuvor erschienenen Titeln. Was macht man als Wissenschaftler, wenn es die eigene Frau bei einem Autounfall zerbröselt hat und nur noch der Kopf zu gebrauchen ist? Richtig, man behält die olle Rübe und legt sie in ein hochmodernes Super-Lebenserhaltungsdingenskirchen und macht sich schnurstracks auf die Suche nach einem neuen, ansprechenden Körper. Da es diese nur äußerst selten im Aldi im Dreierpack zu ergattern gibt, muss eben eine dralle Prostituierte herhalten, deren beide großen Argumente den Weißkittel sofort zu überzeugen wissen … Klingt wie immer saublöd, und ist es uneingeschränkt auch.
Die Story kann durchaus noch einige andere lustige Nebenhandlungen vorweisen, die dann zusammen auf ein fulminantes, wie übertriebenes Ende hinauslaufen. Bis auf wenige Sprecher können die Leistungen der Stimmgeber allerhöchstens zum Schmunzeln anregen – was allerdings auch schon an den grottenschlechten Dialogen und der klischeeüberladenen Plotline liegt. Wer allerdings gerne mal zu Trash-Filmen und ähnlichem greift, der kann sich hier fürstlich amüsieren, denn Meteor schafft es einmal mehr die B-Filme des vergangenen Jahrhunderts perfekt in ein Hörspiel zu verwandeln. Und das ist fast schon Kunst!

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Die drei @@@ und ihre 5-Minuten-Fälle 2

Die drei @@@ 2

Die drei @@@ und ihre 5-Minuten-Fälle 2

Die drei @@@ und ihre 5-Minuten-Fälle
„Die komplette zweite Staffel“
(Meteor/Edel)

Silvester ist eine gefährliche Angelegenheit, vor der selbst die Polizei nicht sicher ist. Nicht nur, dass die Nichte von Inspektor Cotton verschwunden ist, der arme Cop wird von herumsurrenden Feuerwerkskörpern, die ihm jeden Arm einzeln zerlegen und schließlich auch noch die Glotzer wegdröhnen, bei seiner Ermittlungsarbeit – wörtlich genommen – behindert. Justin, der Oberseppel der drei Klammeraffen, folgert haarscharf, dass das Mädchen somit im All sein muss, da die Polizei schließlich schon überall auf der Erde ihre Nasen reingehängt hat. Nachdem sich das idiotische Trio aus herumfahrenden Raketen und Krachern noch schnell ein eigenes Raumschiff zusammengebastelt hat, und McGuyver damit alt aussehen lässt, machen sich die Drei zu einer mehr als bescheuerten Irrfahrt auf.
Die neuesten Abenteuer der Drei-Fragezeichen-Persiflierer zeichnen sich wieder einmal durch äußerst abstruse und brüllkomische Ideen aus, erweitern gleichzeitig das Grundkonzept. Wenn also eine Episode den Spuren von Buffys Musical-Folge hinterhertorkelt und sämtliche Protagonisten singend durch die fünf Minuten hüpfen, dann ist das nur eine der zahlreichen Seitenhiebe auf unterschiedlichste Formate. Ansonsten müssen sich die Klammeraffen noch mit einer verquerten Parallelwelt herumschlagen und einen Edelsteinschmuggel in einer Bäckerei aufdecken, dessen Besitzer allerdings ein wenig untot ist. Der zweite Teil der Ulkserie ist abermals hervorragend gelungen und dürfte all jenen Spaß bereiten, die das ein oder andere Kinder-Hörspiel ihr Eigen nennen können oder in ihrer Jugend damit malträtiert wurden.

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Helge Schneider – Aprikose, Banane, Erdbeer

Helge Schneider
„Aprikose, Banane, Erdbeer“
(Tacheles!/Indigo)

Gleich vorweggenommen: Die Konstante Schneiderschen Schaffens ist es Geschmäcker zu polarisieren – was nämlich die einen dazu verleitet, wild brüllend vor Lachen unter dem Tisch hin- und herzurollen, lässt den anderen lediglich gelangweilt das Gesicht einfrieren. Mit der ungekürzten Lesung seines fünften Romans um den bekloppten Kultkommissar Schneider, schafft Helge es ein weiteres Mal Wahn-, Un- und Blödsinn gekonnt mit künstlerischer Genialität zu paaren. Zwar wurde das Buch recht flott – natürlich von ihm höchstpersönlich – heruntergeleiert, so dass so mancher Hänger und Lesefehler zu vernehmen ist, aber gerade diese Unperfekt- und Natürlichkeit machen Herrn Schneider mitunter aus. Wer mutig genug ist, sich diesem surrealen Krimi zu stellen, der bekommt es mit der Satanskralle von Singapur zu tun, die zwar mir-nichts-dir-nichts irgendwelchen Leuten die Gedärme aus dem Leib schnetzelt, aber dennoch ein ganz netter Knuffelbär ist und eigentlich nur Schauspieler werden möchte. Gleichzeitig lernt man, auf recht abstruse Weise, wie unsere Welt entstanden ist und erhält Einblicke in begnadet-bekloppte Dimensionstheorien. Da man die verbalen Abstrusitäten, die über drei Stunden auf einen herniedergehen, aber unmöglich beschreiben kann, hier zum Abschluss noch ein kleiner Auszug zum neugierigmachen oder abschrecken: „Der Polizeipräsident saß da mit seinem Billardstock, der im Hals steckte. […] Ein Verrückter hatte ihm einen Billardstock ins Essen getan. Dieser Billardstock konnte, nachdem er ihn unbeabsichtigt heruntergeschluckt hatte, nicht mehr entfernt werden.“

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Monster Brawl

Monster Brawl
(Splendid)

Welch drolliger Unfug! Man nehme sich ein paar Kumpels und Kumpelinen, ein paar Pizzen, Popcorn und beliebige Arten und Mengen von Alkohol und lasse den Kampf der lebenden Toten und Ungeheuer beginnen. Die Grundidee von „Monster Brawl“ ist so simpel wie bescheuert: In einem Wrestlingring irgendwo auf einem verfluchten Friedhof treten acht prominente Ungetüme gegeneinander an. Da das keine vollen 90 Minuten ergeben würde, stellt man jede der Kreaturen noch ausgiebig vor – ganz wie bei den Berühmtheiten des Ringsports – und lässt ein Rudel Kommentatoren albernen Irrsinn reden – sogar der Austragungsort wird in das sinnfreie Geschehen eingebunden. So darf man denn vergnügt beobachten, wie sich Cyclops, Swamp Gut, Frankensteins Monster, ein Werwolf, Zombie-Mann, Witch Bitch, Lady Vampire und die Mumie gegenseitig in Stücke reißen. Leider ist das erste Drittel des Schlachtfestes deutlich zu zaghaft und dürfte gerne mit mehr Splatterschweinereien aufwarten; zum Glück gibt es später aber noch genügend zerstampfte Schädel und abgerissene Körperteile. Dumm und albern, aber für Trash- Freunde ein Fest.

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Cooties

Cooties
(Universal Pictures)

Für das Lehrerkollegium einer amerikanischen Grundschule wird dieser Montagmorgen zum mit Abstand beschissensten Tag des Lebens. Über ekelhafte Umwege schleicht sich ein widerlicher Virus in eine Portion frittierter Fastfood-Hähnchenpampe, die über den genüsslichen Verzehr kurzerhand im Blutkreislauf eines harmlosen Schulmädchens landet. Das kleine Blondchen sitzt am nächsten Vormittag mit Fieber und Ausschlag im Klassenzimmer und fällt nach einigen Hänselungen kurzerhand seine Mitschüler an. Über Kratzen, Beißen und Spucken gelangt der „Cooties„-Erreger in neue Wirtskörper und verwandelt diese binnen weniger Minuten in gehirn- und gedärmfressende Zombies.
Die Pädagogen sind von der ungewohnten Epidemie-Situation und dem daraus resultierenden Blutbad grenzenlos überfordert bzw. so sehr mit ihren eigenen Zipperlein beschäftigt, dass sie dem Ausbruch eher tatenlos zusehen – oder ihn partiell nicht einmal bemerken. Erst als es zu spät ist und nahezu alle Schüler zombifiziert wurden und es damit dem Kollegium an den Kragen geht, müssen sich die verstörten und sichtlich gestörten Pauker zur Wehr setzen … oder besser gesagt das Weite suchen.
A003_C003_0413L8Ein Unterfangen, das für die Pädagogen nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, denn sie alle sind eher skurril als souverän, und „exaltiert“ wäre noch eine beschönigende Beschreibung für den verschrobenen Haufen. Der Sportlehrer ist ein machohafter Rambo ohne Hirn, der eigens angereiste Vertretungslehrer Clint (Elijah Wood) wäre lieber Schriftsteller, der nächste kämpft mit seiner Homosexualität, wieder eine andere hält sich für eine Politikerin und so ließe sich der Reigen des Irrsinns beliebig weiterführen. Hinzu kommt ein übergewichtiger Schulhofwachmann, der allerdings eine Handvoll Pilze eingeworfen hat und mit Giraffen auf seinem Beifahrersitz korrespondiert. Später taucht ein japanischer Sicherheitsbeamter der Bildungsstätte auf, der eine alte Legende mit einem Frosch und einer Raupe zum Besten gibt und ein paar Zombieblagen mit seinen Katanas in Streifen schnetzelt …

Cooties“ hat übrigens nichts mit den „Goonies“ zu tun, auch wenn es hier ebenfalls um eine Reihe süßer Knirpse geht. Diese bestehen aber keine spannenden Abenteuer, sondern mutieren zu sabbernden und blutrünstigen Untoten, die gerne mal mit einem Darm Seilspringen oder mit Lehrerüberresten spielen. Obskure Szenen gibt es dabei zuhauf. Ihnen gegenüber stehen die unfähigen Pädagogen, die dem Film seinen besonderen Liebreiz verleihen. Sie sind traumatisiert, verklemmt und durchweg behämmert. Alleine durch die Interaktionen und Gespräche des Kollegiums wäre „Cooties“ eine charmant-überzogene Komödie; doch der kleine Zombievirus tut sein Übriges aus dem von Elijah Wood produzierten Streifen etwas Besonderes zu machen. Ein wenig schade ist, dass außer einem knapp 15-minütigen Interview (mit Elijah Wood) keine weiteren Bonus-Materialien auf der Blu-ray und DVD vorhanden sind. Outtakes oder ein kleines Making-of wären hier wünschenswert gewesen. Dieses Versäumnis schmälert aber den Spaß an den „Cooties“ und ihren zahlreichen kernigen Sprüchen und schrägen Ideen nicht.

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Big Eyes

Big Eyes
(Studiocanal)

Margaret führt ein unglückliches Eheleben. In den 1950ern ist es jedoch nicht so weit her mit der Gleichberechtigung und es bleibt ihr schließlich nur die Flucht aus dem verblassten Liebesbund. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn sucht sie das Weite. Doch leider ist es im prüden Amerika jener Tage nicht so leicht als alleinerziehende Mutter eine Anstellung zu finden, und so versucht sie ihre eigenwilligen Bilder von Kindern mit außergewöhnlich großen Augen auf der Straße zu verkaufen. Dort lernt sie den smarten Maler Walter Keane kennen. Mit seiner einnehmenden und galanten Art wickelt er die unsichere Margaret schnell um den Finger und steckt ihr kurz darauf einen Ehering an denselben.
Obwohl er für ihre Bilder nur wenig übrig hat, versucht er sie gemeinsam mit seinen eigenen Werken in einem Club (vor den Toiletten) an den Mann zu bringen. Das Interesse ist da, aber nicht für seine Malereien, sondern für die großäugigen Knaben und Mädchen. Da er der bessere Verkäufer ist und Kunstwerke von Frauen angeblich einen schlechteren Marktwert haben, gibt er die Arbeiten für die eigenen aus und schafft es sogar – über einige Zufälle – in kürzester Zeit zum Kult zu werden. Diese Welle des Interesses nutzt er geschickt aus, um ein gut funktionierendes Marketing zu den Großaugenbildern aufzubauen.
Margaret selbst leidet zunehmend unter dem Leistungsdruck, immer neue Bilder zu produzieren, und dann namentlich unerwähnt zu bleiben. Immer tiefer und weiter wird die Kluft zwischen den beiden Eheleuten und aus anfänglich leidenschaftlicher Hingabe wird Hass und Verachtung. Erst als sich Margaret auch von Walter lossagt, traut sie sich, die Wahrheit ans Tageslicht und den geschäftstüchtigen Betrüger und Frauenheld Walter Keane vor Gericht zu bringen.

Tim Burton mit seinem Margaret-Keane-Auge, 2013

Tim Burton mit seinem Margaret-Keane-Auge, 2013

Was sich wie ein verschrobenes Drehbuch anhört ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, denn Tim Burtons „Big Eyes“ erzählt die Lebensgeschichte der amerikanischen Malerin Peggy Doris Hawkins, geboren 1927 in Nashville, Tennessee. Burton nimmt sich der skurrilen Biografie mit viel Charme an, folgt dabei aber in erster Linie den Ausführungen der schüchternen Margaret. Diese wird einfühlsam von Amy Adams verkörpert, die die unterdrückte, unsichere und zunehmend unglückliche Seite der Künstlerin gekonnt herausarbeitet. Ihr Gegenpart ist Christoph Waltz als Ehegatte Walter, der machohaft, großkotzig und selbstverliebt agiert, dabei zum Teil beinahe unwirklich wirkt. Bei der Gerichtsverhandlung scheint Walter Keane dem Irrsinn nahe und führt einen Unfug sondergleichen auf. Dies würde beinahe als absurdes Theater durchgehen, wäre da nicht das echte Gerichtsprotokoll, das Walter Keanes Verhalten im Saal tatsächlich als dem Film entsprechend beschreibt. Scheinbar mussten die Drehbuchschreiber die Ereignisse sogar noch abschwächen, um nicht zu überzogen zu wirken …
Tim Burton hält sich mit seiner gothesque-überzeichneten Stilistik angenehm zurück und lässt das Geschehen in typischen Sechziger-Pastellfarben ablaufen. Gerade das antagonistische Wechselspiel zwischen dem überdreht herumstolzierenden Christoph Waltz und der gedemütigten, unsicheren Amy Adams macht die Würze von „Big Eyes“ aus. Ein kleiner aber feiner Film, der jedoch keine tiefschürfenden Eindrücke hinterlässt.

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Der kleine Tod


Was sie schon immer über Sex wissen wollten … oder auch nicht

Komödien über Sex und Erotik sind so eine Sache. Meist kratzen sie verklemmt an der Oberfläche, ergötzen sich an schlüpfrigen Peinlichkeiten oder dienen der tumbsten Triebbefriedigung mittels großen Mengen nackter Haut. „Der kleine Tod“ des australischen Schauspielers und Autors Josh Lawson bezeichnet sich zwar selbst als „Eine Komödie über Sex„, ist aber weitaus mehr als das.

Im Französischen ist „la petite mort„, also der kleine Tod, eine Bezeichnung für den Orgasmus – und jener ist wiederum der Angelpunkt der Sexualität. Nicht immer ist der Weg dahin leicht und viele Paare haben so ihre Probleme damit. Josh Lawson nimmt sich bei seinem Regiedebüt diesem nicht gerade einfachen Thema mit viel Fingerspitzengefühl an, ohne dabei aber im Geringsten ein Blatt vor den Mund oder in diesem Falle wohl besser vor das Geschlechtsteil zu nehmen. Fünf verschiedene Pärchen greift er in seinem Episodenfilm heraus, konzentriert sich bewusst auf deren sexuelle Vorlieben und lässt dabei genügend Freiraum für die Figuren und deren jeweilige Lebenssituationen. Wie reagiert ein treusorgender Gatte auf den geäußerten Wunsch seiner Partnerin, vergewaltigt werden zu wollen? Was tun, wenn die eigene lustvolle Ekstase nur erlangt werden kann, wenn der Partner zutiefst betrübt ist und vor Schmerz weint? Was kann ein Paar unternehmen, wenn der Ofen aus ist? Der Gang zum Therapeuten wirft einen Versuch mit Rollenspielen in den Raum, doch leider nimmt Göttergatte Dan die Sache ein wenig zu ernst und entdeckt seinen Wunschtraum Schauspieler zu werden. Der ruhige Phil leidet unterdessen an der herrischen Art seiner Maureen. Irgendwann stellt er fest, dass es ihn erregt, sie schlafen zu sehen, denn dann kann sie ihm keine Vorhaltungen machen. Und dann war da noch die putzige Monica, die bei ihrem Job als Internet-Dolmetscherin den Videotelefonie-Anruf eines Taubstummen bei einer Sex-Hotline übersetzen muss. Keine leichte Aufgabe für die schüchterne und unsichere Frau – und doch keimt am Ende des kuriosen Gesprächs so etwas wie Liebe zwischen ihr und dem Kunden auf.

Der kleine Tod“ ist ein herzenswarmer aber zugleich bitterböser Film über das komplexe Gewirr menschlicher Sexualität. Über weite Strecken zum Schreien komisch, schnürt er dem Zuschauer aber immer wieder auch genüsslich die Kehle zusammen. Erwartungshaltungen werden bewusst und genüsslich gebrochen und der gesamte Verlauf der Episoden bleibt bis zum teils bitteren Ende offen. Geschickt und symbolschwanger verbunden werden die einzelnen Kapitel durch einen zugezogenen Sexualstraftäter, der nach australischem Recht verpflichtet ist, seine Vergehen offen zu bekunden. Um dies zu überspielen, backt er den neuen Nachbarn die politisch unkorrekten Golliwogs – eine verpönte Spezialität in Australien. Wo immer er aber Kontakt aufnehmen möchte, stößt er auf kriselnde Beziehungen. Sexualität wird nicht nur als genussbringend dargestellt, sondern als äußerst komplex und fragil und in ihrer Auslebung manchmal mit erheblichen Problemen verbunden. Der Orgasmus ist als kleiner Tod somit – wie der Schlaf auch – ein naher Verwandter des Todes. Und doch strebt das Leben auf ihn zu und geht daraus hervor, wenngleich auf verschlungenen Pfaden.

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Life After Beth

Love never dies

Es hätte alles so schön sein können. Aber ein tödlicher Schlangenbiss beim Wandern reißt die junge Beth (Aubrey Plaza) urplötzlich aus ihrem Friede-Freude-Eierkuchen-Dasein. Zurück bleibt ihr niedergeschlagener Ex Zach (Dane DeHaan), der über den Tod seiner Geliebten nicht hinwegkommt. Seine distanzierten und unterkühlten Eltern sind nicht in der Lage, seine Trauer zu verstehen, geschweige denn sie zu lindern. Alleingelassen und voller Seelenpein wendet sich Zach an die Eltern der Verstorbenen. Die sind jedoch plötzlich wie ausgewechselt, denn eines Nachts steht Beth wieder vor der Haustüre als wäre nie etwas gewesen. Endlich hat Zach Zeit, seiner Herzensdame all jene Dinge zu sagen, die er schon längst mit sich herumschleppt, und er gesteht ihr seine immerwährende Liebe. Ganz zu seiner Freude wird diese von der Wiederauferstandenen erwidert und die beiden verbringen eine wunderschöne und romantische Zeit.
Doch das Geheimnis der wiedergekehrten Angebeteten wiegt schwer auf Zachs Schultern, zumal ihre Eltern ihm verbieten, dem Mädchen die Wahrheit zu sagen – nämlich, dass sie eigentlich schon tot war … oder ist? Ganz im Gegenteil hüllen ihre Erzeuger einen Mantel des Schweigens über die Realität und versuchen auf naive Art die zweite Chance mit ihrer Tochter zu genießen.
Als diese aber anfängt sich eigenartig zu verhalten, auf Smooth-Jazz zu stehen und eine etwas bedrohliche Art sexuellen Verlangens an den Tag zu legen, wird es Zach ein wenig mulmig. Die Rendezvous mit Beth werden zunehmend schräger und sie entwickelt überdies übermenschliche Kräfte und nimmt aus Zorn schon mal eine kleine Strandhütte auseinander. Zeit zu handeln und ihr die Wahrheit zu sagen. Doch dazu ist es eigentlich schon zu spät, denn längst steigen auch andere Menschen aus ihren Gräbern und wackeln putzmunter unter den Lebenden herum …

Life After Beth“ ist weder eine übliche Zombiekomödie, noch eine schnulzige Untotenromanze à la „Warm Bodies„. Irgendwo zwischen der französischen Mystery-Serie „The Returned“ und „Harald & Maude“ pendelt sich der ruhige und melancholische Streifen ein, glänzt mit skurrilen Ideen, überforderten Charakteren und einer eigenwilligen wie liebevollen Inszenierung. Erwartungshaltungen werden gebrochen, die oberflächliche Erwachsenenwelt demaskiert und hemmungslos über den Tod hinaus geliebt. Platz für Kitsch bleibt nicht, denn dieser wird in schwarz-humorigem Sarkasmus ertränkt. Wo „Warm Bodies“ seinem jungen Publikum zu sehr gefallen möchte, bleibt „Life After Beth“ herrlich verschroben und damit mehr als liebenswert. Und wo hat man schon einmal eine Romanze zwischen einem verstörten jungen Mann und einer Zombiedame mit einem Herd auf dem Rücken gesehen?

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Minions

Sadie Chesterfield
„Minions“
(Der Hörverlag)

Sie sind schon seit Jahren die eigentlichen Superstars der beiden Kinofilme „Ich – Einfach unverbesserlich„, Teil 1 und 2, und lassen den gar nicht so bösen Superschurken Gru und seine Mädels an Charme und Witz glatt hinter sich: die Minions. Die kleinen gelben Überraschungsei-förmigen Brillen- und Latzhosenträger bekommen jetzt mit „Minions“ ein eigenes Leinwandspektakel, das tief in die Vergangenheit zurückreicht und die lustige Geschichte des ungewöhnlichen Völkchens erzählt. Dabei mussten die gelben Kartoffelknilche so manche Gefahr bestehen, sich foltern lassen und sogar zu den Rettern Englands werden. Dabei wollen sie doch einfach nur einem bösen Meister dienen. Doch so ein rechter Bösewicht ist gar nicht so leicht zu finden.

Oliver Rohrbeck, besser bekannt als die Stimme von Justus Jonas von „Die drei ???„, erzählt die turbulenten Abenteuer dermaßen lebendig, dass es eine wahre Freude ist. Dabei nutzt er sein ganzes Stimmpotential, um den Banana-Knirpsen chaotisches Leben einzuhauchen. Das ist auch bitter nötig, denn bei den gelben Helden geht es drunter und drüber. Nachdem den Minions schon der ein oder andere Bösling abhanden gekommen bzw. eher unfreiwillig aus dem Leben geschieden ist – ganz gleich ob Vampirlord oder Tyrannosaurus –, machen sich Kevin, Stuart und Bob auf, um den ultimativen Boss des Grauens zu finden. Über Umwege landen sie auf der Fachkonferenz für Superschurken, der Villain-Con und geraten da an eine wahrlich infernale Superfrau. Leider überflügelt das Dreikäsehochtrio die kühnsten Erwartungen ihrer neuen Auftraggeberin und werden zu den Monarchen Großbritanniens. Dafür müssen sie aus dem Weg geräumt werden, doch die Minions sind nicht nur drollig, sondern auch nahezu unkaputtbar.

Minions“ macht in der Hörbuchfassung eine Menge Spaß. Dennoch fehlt es den Protagonisten an der großartigen Animationsarbeit der Kinovorlage, denn die Minirecken leben von ihrer putzigen Mimik und Gestik. Dieses Manko versuchen die zwei CDs über eine pfiffige Erzählweise wieder wett zu machen, dennoch bleiben sie hinter dem Filmerlebnis zurück. Für unterwegs ist die Erzählung aber bestens geeignet und weiß dank Oliver Rohrbeck auch bestens zu erfreuen!

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