Beiträge

New Retro Arcade

NewRetroArcadeV2_4Die Spielhalle daheim

Es flimmerte und blinkte, es piepste und dudelte und in der Luft lag das Odeur adrenalingeschwängerten Pubertätsschweißes – die Arcade-Spielhalle war ein wundervoller Mikrokosmos, ein Refugium. Hier wuchs sie heran, die zweite Generation der Geeks, behütet und sicher.

Ein klein wenig dieses Gefühls bringt „New Retro Arcade“ zurück – leider bisher nur auf Windows-Mühlen. Mithilfe der Unreal Engine 4 darf man sich virtuell in die funkelnde Welt einer Retro-Spielhalle aufmachen. Es ist alles da, Filmposter, Kassettenrecorder mit Tapes, ein Gameboy, ein Super Nintendo und natürlich tonnenweise Spielautomaten. Wer vom Daddeln genug hat, kann gerne auch ein paar Dartpfeile werfen oder beim Bowling eine ruhige Kugel schieben.

Das Repertoire an Spielen kann problemlos durch neue ROMs erweitert werden, denn „New Retro Arcade“ fungiert als MAME-, SNES-, NES-, Genesis- und Gameboy-Emulations-Fron-End. Wenn jetzt noch Atari, Sega, Neo Geo, CD-i und andere Perlen der Vergangenheit eingebaut werden, ziehen wir dort definitiv ein. Wer mitkommen mag, kann sich die Software hier ziehen.

Retro-Chaos mit Pacapong

PacapongPongende Pac-Invaders

Was haben „Pac-Man“, „Pong“ und „Space Invaders“ gemeinsam? Ja, wir haben in unserer Kindheit oder Jugend stunden-, tage- und wochenlang unsere Zeit damit verdaddelt. Aber jetzt können alle drei Klassiker auf einmal genossen werden … und das hat nichts mit bewusstseinserweiternden Substanzen zu tun.

In „Pacapong“ könnt ihr mit einem Pongschläger einen Pac-Man-Ball durch ein entsprechendes Labyrinth mit Pillen und Geistern schießen. Einmal abgefeuert, könnt ihr den kleinen gelben Mampfer noch leicht durch die Gänge steuern – letzten Endes eiert er aber direkt auf die andere Seite des Spielfeldes zu. Dort muss der Gegenspieler versuchen, den kleinen Fresser wieder zurückzubefördern. Das wäre ja alles viel zu einfach, wären da nicht noch ein paar Space Invaders, die sich von oben auf den eigenen Schläger herabstürzen. Diese müssen mit den eingesammelten Pillen beschossen werden, um den eigenen Exitus zu verhindern. Um das Chaos perfekt zu machen, schaut zwischendurch auch noch mal Donkey Kong vorbei und wirft mit Fässern – was auch sonst? – um sich. Alles natürlich in schickem Retro-Look und -Soundgewand.

Das Spiel könnt ihr für Linux, Mac OSX und Windows hier herunterladen.

Die Fliege

Die Fliege
(20th Century Fox)

Zum 55. Jubiläum des Science-Fiction-Horror-Klassikers „Die Fliege“ erscheint Kurt Neumanns Verfilmung einer Kurzgeschichte von George Langelaan als aufwändig restaurierte Blu-ray-Variante. Alles beginnt mit einem dubiosen Mord. Eines Nachts wird der bahnbrechende Wissenschaftler André Delambre unter einer Presse aufgefunden – sein Kopf und sein Arm sind zur Unkenntlichkeit zermatscht. Seine Frau Helene bekennt sich der schändlichen Tat für schuldig, doch ihr Schwager Francois (Vincent Price) hegt Zweifel an ihrer Missetat. Aber Inspektor Charas benötigt mehr als einfache Bedenken. In Rückblenden wird berichtet, wie es zu dem unmenschlichen Mord kam: André arbeitete wie besessen an einem Teleportationsgerät. Erste Versuche verschlangen leblose Objekte, spätere auch mal das Familienmeerschweinchen. Doch was wäre die Wissenschaft, ließe sie sich so schnell aus der Ruhe bringen? Als die Technologie ausgereift erschien, wagte der Forscher einen Selbstversuch. Leider befand sich eine Fliege im Teleporter und so wurden die genetischen Codes von Mensch und Insekt partiell vermengt. André musste fortan mit einem Fliegenkopf und -arm weiterleben und irgendwo im Garten surrte eine Fliege mit winzigem Menschenschädel herum. In dieser aufpolierten HD-Fassung macht der alte Schinken gleich doppelt Spaß, auch wenn die Tricktechnik und Erzählweise natürlich nicht annähernd zeitgemäß sind.

Bewertung:

tentakel_7v10

 

Wolfram von Eschenbachs Parzival

Parzival_2Der rote Ritter

Bei der Frage, wer oder was Parzival ist, fällt meistens Richard Wagners Musikdrama „Parsifal“. An zweiter Stelle rangiert die ebenso richtige Zuordnung zum großen Sagenkreis um König Artus und der Suche nach dem Gral. Dass der „Parzival“ aus Wolfram von Eschenbachs Feder stammt, ein Epos mit 25.800 Versen und eine der im Mittelalter und weit darüber hinaus berühmtesten deutschen Dichtungen ist, gehört weitaus weniger zum Allgemeinwissen.

Dabei erzeugte Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ zu seinen Lebzeiten bereits großen Widerhall und sorgte für Aufsehen. Man schimpfte seine Sprache als „dunkel“ und Gottfried von Straßburg warf ihm gar vor ein „Erfinder merkwürdiger Geschichten, ein Verderber der Quelle“ zu sein. Gleichzeitig verehrte man ihn und rühmte in über Maßen. Zahlreiche Autoren schmückten sich mit seinem Namen oder versuchten seine unvollendeten Werke zu Ende zu bringen. Darüber hinaus belegen mehr als achtzig vollständige Handschriften und Fragmente, dass die Geschichten des Ritters und Sängers von Eschenbach äußerst beliebt waren. 1477 erschien der „Parzival“ gar im Druck als einziges höfisches Epos, zusammen mit dem „Jüngeren Titurel“, den man nebenbei damals fälschlicher Weise auch dem guten Wolfram zusprach. Doch auch der Autor selbst wurde zu einer Kultfigur und taucht schon im 13. Jahrhundert als clevere Sagengestalt im „Wartburgkrieg“ auf. Wer war dieser Wolfram also und was machte ihn so besonders?

Herr der Ironie

Wolfram von Eschenbachs Leben lässt sich nur in groben Zügen aus seinen eigenen Dichtungen erschließen, die immer wieder Hinweise auf historische Zusammenhänge liefern. So weiß man, dass er etwa zwischen 1170 und 1220 gelebt haben muss. Geboren und beerdigt wurde er in Franken in der Nähe von Ansbach. Er entstammt wohl einem nicht gut begüterten bayrischen Dienstadelsgeschlecht und wurde von einigen Mäzenen in seinem Schaffen unterstützt. Als Autor lässt er sich zwar, wie zu jener Zeit üblich, durch Vorlagen aus anderen Ländern inspirieren, folgt deren Vorbild aber nicht wortwörtlich, sondern verbindet die Quellen mit eigenen Gedanken und Weisheiten. Darüber hinaus arbeitet er mit voluminösen sprachlichen Bildern, einer gerissenen symbolischen Hintergründigkeit und schneidet zu jeder Zeit gleich eine ganze Reihe an Problemfeldern an. Sein Stil wird vielfach als hintergründig-humorig, spitz-ironisch oder saftig-derb bezeichnet, was ihn mit seinen Zeitgenossen hin und wieder in literarische Fehden verstrickte. Auch geizt Wolfram nicht damit, immer wieder selbst in seine Erzählungen einzugreifen, den Leser direkt anzusprechen oder das Erzählte zu hinterfragen. Dass er, wie er selbst im „Parzival“ sagt, weder lesen noch schreiben könne, darf als spitzer Angriff auf die steifen Buchgelehrten und seine quellenhörigen Kritiker angesehen werden.

Muot, êre und Mitgefühl

Der „Parzival“ handelt an sich nicht nur von seinem Namensgeber selbst, sondern beschreibt darüber hinaus auch die Abenteuer des edlen Ritters Gawan, der so manche Lanze zerbricht. Um die Herkunft und somit wichtige familiäre Zusammenhänge in Parzivals Leben zu klären, handeln die ersten zwei der insgesamt sechzehn Kapitel von seinem Vater Gahmuret. Dieser hat im Orient die schwarze Königin Belkane geehelicht, lässt sie jedoch mit ihrem gemeinsamen Sohn, dem schwarz-weiß gescheckten Feirefiz zurück, um im Westen Herzeloyde zur Frau zu nehmen. Doch auch sie lässt er mit dem Wunsch nach neuen Abenteuern zurück, wo er dann auch seinen Tod findet. Seinen Sohn Parzival hat er niemals kennengelernt. Dieser wächst bei seiner Mutter im Wald auf, denn sie möchte ihn fern der Welt aufziehen, um zu vermeiden, dass er ebenso wie sein Vater auf der Suche nach Ruhm sein Leben verliert.

Doch die Zurückgezogenheit endet bald, als Parzival einer Gruppe von Rittern begegnet. In ihm wird ein Feuer und der Wunsch entfacht selbst Ritter zu werden. Absichtlich kleidet ihn seine Mutter als Narr, damit er am Hof keine Chancen haben wird. Sein Scheiden bricht ihr jedoch das Herz und bringt ihr den Tod. Unterdessen erschlägt der tumbe Tor, Parzival, ohne sein Wissen, den eigenen Bruder, um an seine Rüstung zu kommen und wird schließlich dennoch in den Kreis der Ritter aufgenommen und in deren Lehren eingeweiht. Es folgt eine Heirat mit der schönen Condwiramurs, deren Land er befreit hat. Doch wie sein Vater treibt ihn die Abenteuerlust voran und er gelangt schließlich zur Gralsburg, muss aber trotz oder sogar wegen seiner ritterlichen Tugenden scheitern. Es folgen Jahre des Umherirrens im stetigen Streit mit Gott auf der Suche nach seinem Weib und dem Gral. Als er jedoch von seinem Oheim Trevrizent die Augen über seine eigenen Verfehlungen geöffnet bekommt, erfährt er eine Läuterung. Letztendlich gelingt es Parzival, der sein Mitgefühl über die höfischen Regeln stellt, mit den Worten „Oheim, was fehlt dir?“ den Gral zu erlangen. Damit erlöst er endlich den dahinsiechenden Gralskönig Anfortas und wird auch mit seiner Gattin, die ihm mittlerweile zwei Söhne geboren hat, von denen Loherangrin (Lohengrin) auch wieder eine eigene Oper von Wagner spendiert bekommen wird.

Âventiure für eine bessere Welt

Ging es in der frühhöfischen Epik primär um die individuelle Selbstvervollkommnung des Helden, der für sein eigenes Anliegen streitet, so dehnt Wolfram von Eschenbach diese Ziele weitgehend aus. Das Artusepos wurde dabei durch den französischen Dichter Chrétien de Troyes in die europäische Welt gebracht, basierend auf ursprünglich keltischen Sagen. Schon Hartman von Aue ließ in seinem „Erec“ und „Iwein“ die Artusritter auf zahlreiche Abenteuer los und seine Helden an den ihnen gestellten Aufgaben zu tugendhaften Idealrittern reifen. Aber Wolfram von Eschenbach geht reflektorischer vor und stellt in seinen Schilderungen sogar das Idealbild des Ritters in Frage. Dieses verwirft er zwar nicht, zeigt aber, dass der vorbildliche Artusritter noch eine Stufe weiter „wachsen“ kann, nämlich zum Gralsritter. Dieser strebt nicht nach der eigenen Entfaltung, sondern ordnet sich einem höheren Gemeinschaftsbewusstsein unter, indem er für Gerechtigkeit und Frieden streitet.

Dies ist umso verständlicher, als Wolfram in einer Zeit groß wurde, in der sich das Heilige Römische Reich unter Heinrich VI. zusehends in Rivalitätskämpfen zwischen Territorialfürsten verzettelte, die dem Land keine Einigkeit sondern eine kräftezehrende Kleinstaaterei bescherten. Hinzu kam die zunehmende Verweltlichung der Kirche, die mehr und mehr nach politischer Macht strebte. Dies machte Wolframs „Parzival“ zu einem zielgerichteten Gegenentwurf und einer humanistischen Gesellschaftsutopie. Denn auch das von der Kirche über Jahrhunderte gepflegte Feindbild des bösartig-unkultivierten Heiden begann spätestens mit dem von Friedrich I. angeführten Dritten Kreuzzug mächtig zu wanken. Tatsächlich fand man in den Ländern der Ungläubigen eine ungeahnt hoch entwickelte Kultur vor. Auch diesen Zwiespalt greift Wolfram auf und lässt ihn im Zweikampf zwischen Parzival und seinem heidnischen Bruder Feirefiz gipfeln. Dieser ist es nämlich, der sich weitaus christlicher und ehrenhafter verhält als der getaufte Parzival. Somit ist Wolframs „Parzival“ nicht nur der spannende Entwurf einer perfekten Gesellschaft, sondern zugleich – lange vor Lessings Ringparabel in „Nathan der Weise“ – ein Plädoyer für Toleranz und gegenseitige Achtung verschiedener Kulturkreise.

Bewertung:

tentakel_10v10

 

Die Wichtelreise

Denys Watkins-Pitchford
„Die Wichtelreise“
(Urachhaus)

Der Kunstlehrer Denys Watkins-Pitchford schuf mit seinem Kinderbuch „Die Wichtelreise“ 1942 einen zeitlosen Klassiker für Zwerge ab 5 Jahren. Seine zauberhaften Zeilen und Einfälle wurden nun von der Münchner Illustratorin Daniela Drescher mit einer Reihe farbiger Zeichnungen bereichert, dann gebunden und neu aufgelegt. Sie versteht es gekonnt, die Visionen des Autors mit Pinselstrichen einzufangen und den kleinen Lesern oder solchen, die sich noch vorlesen lassen, die Figuren und Szenerien vor Augen zu führen. Doch Watkins-Pitchfords Sprache und Stil sind auch ohne Visualisierung so farbenreich und fantastisch, dass dieses Buch keinerlei Längen oder Schwächen kennt. Die tiefe Naturverbundenheit und -kenntnis zeigt sich in all seinen Beschreibungen – und diese Faszination überträgt der Autor auch direkt auf sein Auditorium. Die abenteuerliche Reise dreier Wichtel beginnt im Frühling, als diese entschließen, ihren Bruder Wolkennase zu suchen, der vor langer Zeit auszog, um die Silberquelle zu finden. Für den weißbärtigen Schlucker, den bartlosen Nießerich und den einbeinigen Zirbel kein leichtes Unterfangen, müssen sie doch durch den finsteren Krähenwald oder dem Großen Grum trotzen. Ein wahrlich wunderschönes Kinderbuch!

Geekometer:

tentakel_8v10

From Dusk Till Dawn Trilogy

From Dusk Till Dawn TrilogyMister 44er, Sex Machine und die platzenden Vampire

„Hereinspaziert Pussy-Freunde! Im Titty Twister gibt’s Pussys, dass euch die Augen übergehen. Die beste Auswahl an Pussys jenseits des Ural“, schrie einst der Grenzwächter des Titty Twisters – und seine Worte wurden Kult, wie so vieles aus Robert Rodriguez‘ „From Dusk Till Dawn„. Zu Halloween 2013 lassen die Filmvernarrten von Studiocanal gleich die ganze Trilogie in einer Box auf die Menschheit los.

Die Zusammenarbeit von Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl und Quentin Tarantino am Drehbuchschreibpult ist zu einem der abgefahrensten und schrägsten Road-Splatter-Trash-Knallern der Neunziger geworden. Der erste Teil der Saga, „From Dusk Till Dawn„, vereint morbides Road-Movie und knallige Horrorschlachtplatte, kommt dabei auf einen so hohen Kultspruchanteil, dass man aus dem Staunen und Lachen gar nicht mehr herauskommt.

Die beiden ungleichen Gecko-Brüder sind nach einem Banküberfall auf der Flucht. Der komplett übergeschnappte Richard (Quentin Tarantino) verübt dabei noch einige Greueltaten mehr und bringt seinen Blutsverwandten Seth (George Clooney) damit in größte Schwierigkeiten. Es bleibt nur noch das Entrinnen über die Grenze nach Mexiko, wo sie sich in einer abgelegenen Spelunke mit einem mächtigen Unterweltboss treffen und Asyl beantragen wollen.

Doch so weit kommen sie gar nicht. Als sie die Biker- und Trucker-Bar mit dem klangvollen Namen Titty Twister erreicht haben, bricht nach einem erfreulichen Vorspiel die Hölle über die Jungs und ihre unfreiwilligen Begleiter herein. Denn in der Bar spielen nicht nur Tito und Tarantula ihr grandioses „After Dark“ auf abgetrennten Leichenteilen und Salma Hayek schwingt ein unvergesslich erotisch-laszives Tanzbein, nein, die vermeintlichen Besucher und Angestellten des schummrigen Etablissements entpuppen sich partiell als bitterböse Blutsauger. So werden aus den Verbrechern und ihren Geiseln schnell notgedrungene Vampirjäger aus Leidenschaft, die sich mit allerlei abstrusen Utensilien die hässlichen Ungetüme vom Leibe halten müssen. Dabei fliegen im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen, denn was wäre ein richtiger Tarantino oder Rodriguez ohne ergötzend überzogene Blutbäder, trashige Grindhouse-Ästhetik und schlüpfrige Exploitation-Einlagen?

From Dusk Till Dawn“ schlug 1996 ein wie eine Arschbombe in einem Meer aus Blut und provozierte mit seinem offenen Ende geradezu eine Fortsetzung. Die folgte 1999 mit „From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money„, bei der vier Ganoven einen Überfall auf die mexikanische Nationalbank planen. Dabei kommen ihnen jedoch einige Stammgäste des Titty Twisters in die Quere. Eigentlich sollten erneut Seth und Richard Gecko auftauchen, doch Quentin Tarantino sträubte sich, seine im ersten Teil verstorbene Figur wiederzubeleben. So musste „Texas Blood Money“ ohne das Brüderpaar auskommen, konnte überdies auch nicht an die Qualitäten des ersten Teils herankommen. Ein Jahr später folgte schließlich der Abschluss der Trilogie.

From Dusk Till Dawn 3: The Hangman’s Daughter“ erzählt die Vorgeschichte des Titty Twisters, als der Schuppen noch La Tetilla Del Diablo hieß. Im Jahre 1913 will sich der amerikanische Journalist und Schreiber Ambrose Pierce dem Revolutionär Pancho Villa anschließen und wird dabei in unglaubliche Ereignisse verwickelt. Das Prequel greift bewusst auf die Strukturen des Originals zurück, fügt diesen jedoch eine gehörige Portion Western hinzu. Gleichzeitig wird das aztekische Erbe des Titty Twisters und der Vampir-Königin Quixtla näher beleuchtet und so die Verbindung zu Teil 1 hergestellt.

Als schicke Dreierbox findet sich die Trilogie nun erstmals in gebündelter Stärke vereint auf Blu-ray wieder, um mit einer gesamten Lauflänge von 289 Minuten Splatterspaß vom Feinsten zu entfesseln. Neben dem 5.1-HD-Masterton und dem scharfen 1080er-Bild lohnt sich für Fans vor allem auch der Audiokommentar von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino. Halloween hätte schöner nicht werden können!

Bewertung:

tentakel_8v10

 

 

Alien

AlienDer Tod aus dem All

Mit „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ landete Ridley Scott nicht nur einen Kassenerfolg, er brachte dem kunterbunten Science-Fiction-Genre auch seine Ernsthaftigkeit zurück. Und mehr als das: Der Schrecken erhielt Einzug in den unendlichen Weiten des Kosmos. Dieser schlug so überzeugend ein, dass die grauenvolle Spezies in drei Fortsetzungen für geweitete Augen und aufgestellte Nackenhaare sorgte. Jetzt gibt es alle vier Teile erstmals einzeln in schmucker HD-Qualität.

Aliens 2Das Popcorn hatte die Science-Fiction fest im Griff. Werke wie Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ waren längst vergessen und infantile Jedi-Ritter hopsten unter atemberaubenden Spezialeffekten durch monumentale Sternenkreuzer. Doch 1979 lehrte eine einzige Kreatur den familientauglichen Weltraumabenteurern das Fürchten. Es schlüpft als spinnenartiger Facehugger aus seinem Kokon und legt über einen Rüssel Eier in seine menschlichen Wirtskörper. Dort reift nun ein Ungetüm heran, das eines Tages aus dem Brustkorb seines unfreiwilligen Vermieters hervorbrechen wird, um binnen kürzester Zeit zu einer übermannsgroßen Killermaschine zu werden. Ausgerüstet mit einem langen beweglichen Schwanz, vermag es seine Feinde in Stücke zu schlagen oder wie Schaschlik aufzuspießen.

Alien 3Ein beweglicher Kiefer gibt bei Bedarf ein messerscharfes Kauwerkzeug frei, das ohne Probleme Helmvisiere zerschlagen kann – von menschlichen Knochen gar nicht zu sprechen. Und sollte es seiner Beute tatsächlich gelingen, den stahlharten Körperpanzer zu durchdringen, sorgt das Alien-Blut aus hochkonzentrierter Säure meist für das schnelle Ableben des Angreifers. Androide Ash drückt es treffend aus: „Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld oder Wahnvorstellungen ethischer Art.“

Alien 4Als der Erzfrachter Nostromo auf seinem Rückweg zur Erde ein Funksignal auffängt, ändert er den Kurs und weckt die Besatzung aus dem wohlverdienten Kälteschlaf. Den interstellaren Gesetzen folgend, landet man auf dem Planetoiden LV-426, um dort erstmals auf das „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ zu stoßen. Zu spät erkennt man, dass das vermeintliche Notsignal eine Warnung war … Als erste weibliche Filmheldin wird Ellen Ripley (Sigourney Weaver) zur Rivalin der vom Schweizer Neo-Surrealisten H. R. Giger entworfenen Weltraumbestien. Sie ist es auch, die in James Cameron actiongeladenem zweiten Teil „Aliens – Die Rückkehr“ der Alienkönigin die Stirn bietet, im klaustrohobisch-düsteren „Alien 3“ auf dem Gefängnisplaneten Fiorina 161 gar eine unheilige Verbindung mit den Außerirdischen eingeht, um in „Alien – Die Wiedergeburt“ als Klonin ein weiteres Mal gegen ihre Erzfeinde bestehen zu müssen.

Bisher konnte man die Aliens nur als gebündelte Vierer-Blu-ray-Box erwerben; seit Mitte März 2012 stehen alle vier Teile endlich auch als Einzel-Scheiben (auch auf DVD) zur Verfügung und erlauben somit den gezielten Zugriff auf die persönlichen Höhepunkte der „Alien„-Saga.

Bewertung:

tentakel_9v10

Der blutige Pfad Gottes

Der blutige Pfad Gottes
(Capelight)

Der Blutige Pfad GottesKult ist zeitlos und einzigartig, Eigenschaften, die auf die „Boondock Saints“ allemal zutreffen. Leider fiel der Streifen hierzulande den staatlichen Sittenwächtern zum Opfer und verschwand über elf Jahre in der staubigen Indizierungskiste. Nun hat die Bundesprüfstelle den Streifen noch einmal bis zum Schluss angeschaut, ihre Meinung revidiert und in ungeschnittener Form auch für den mündigen Deutschen freigegeben. Das Feinschmeckerteam von Capelight hat zu diesem feierlichen Anlass eine neue Steelbook-Edition auf den Markt gebracht, die mit einer glänzenden HD-Abtastung aufgewertet und mit ordentlichem 5.1-Master-Sound versehen wurde. Gleichzeitig spendierte man der Box die 80-minütige Doku „Overnight“ zum Film, entfallene Szenen, Outtakes und Audiokommentare. Die beiden irischen MacManus-Zwillinge glauben an die Gerechtigkeit Gottes und daran, dass sie das heilige Gesetz in die eigene Hand nehmen müssen, um den Willen des Herrn auf Erden zu vollstrecken. Als die russische Mafia nämlich ihre Stammkneipe dichtmachen will, schreiten die Zwei zur Selbstjustiz und räumen innerhalb des organisierten Verbrechens ordentlich auf. Regisseur Troy Duffy serviert einen sarkastischen, klugen und mit viel Feingefühl und gleichermaßen abstruser Hammerhärte in Szene gesetzten Kracher mit schrägen Charakteren und einem überdies grandiosen Willem Dafoe.

Bewertung:

tentakel_9v10

 

Der Exorzist

William Peter Blatty
„Der Exorzist“
(LübbeAudio)

Der ExorzistWie kaum ein anderer Film hat William Friedkins „Der Exorzist“ das Genre des Geisteraustreibungshorrors geprägt. Der Regisseur griff dabei auf eine überaus erfolgreiche gleichnamige Romanvorlage aus dem Jahre 1971 zurück, die vom Autor William Peter Blatty für die Verfilmung selbst adaptiert wurde. Max von Sydow brillierte als Pater Lancaster Merrin und Mike Oldfields gespenstisches „Tubular Bells“ unterstrich auf gespenstische Weise die einzigartige Atmosphäre des Streifens. Als „bearbeitete und inszenierte Fassung“ lässt Joachim Kerzel den Roman nun als Hörbuch mit Soundeffekten und Musik neu auferstehen und verleiht dem dämonischen Treiben unheiliges Leben. Als die pubertierende Regan einige Verhaltensauffälligkeiten wie Gespräche mit ihrem imaginären Freund Captain Howdy zeigt, denkt sich ihre Mutter noch nichts Böses. Doch recht bald schlägt ihr Gebaren ins Obszöne und Bedrohliche um und es scheint, als sei die Zwölfjährige vom Teufel besessen. Genauer gesagt vom babylonischen bzw. assyrischen Dämon Pazuzu. Der hinzugezogene Jesuitenpater Damien Karras hat so seine Probleme mit dem Exorzismus, ist sein Glaube an Gott doch alles andere als gefestigt – und wer an den Teufel glaubt, muss auch an den Einen glauben. So holt er sich den gealterten Experten Pater Lancaster Merrin zur Seite und gemeinsam steuern sie auf eine Katastrophe zu. Pflicht!

Bewertung:

tentakel_8v10

 

Texas Chainsaw 3D (Blu-ray)

Texas Chainsaw 3D

Texas Chainsaw 3D
(Constantin)

Texas Chainsaw 3D (Blu-ray)

Texas Chainsaw 3D (Blu-ray)

„Die Legende ist zurück“, prangt in großen Lettern auf der Hülle der x-ten Fortsetzung bzw. Neuauflage des texanischen Kettensägen-Geschnetzels. Nun hat man einmal mehr den guten alten Leatherface aus der Monstermottenkiste hervorgekramt, um vor allen Dingen die noch jungen Jünger des Schreckens an die Massaker-Reihe heranzuführen. Dabei knüpfen die Filmemacher nahtlos an Tobe Hoopers ersten Teil von 1974 an und führen die Geschehnisse nach den abscheulichen Ereignissen gekonnt fort. Denn viele Jahre später erbt die attraktive Heather ein entlegenes Anwesen in einem texanischen Kaff, von einer Großmutter von deren Existenz sie nicht einmal wusste. Sie nimmt ihre besten Freunde mit auf die lange Fahrt, um das Erbe gebührend zu feiern (schließlich braucht man ja genug Abschlachtopfer). Dummerweise liest sie vor lauter Freude über die noble Villa nicht den Brief, den ihr der Nachlassverwalter überreicht hat und durch einen unglücklichen Zufall wird ihr mordlüsterner Vorfahre aus seiner Zelle befreit. Dem nicht genug, wird damit eine jahrzehntealte Feindschaft zwischen zwei Familien wiederbelebt und es kommt zur einen oder anderen netten Überraschung. Nicht wirklich innovativ, aber doch mit einigen netten Ideen garniert.

Geekometer:

tentakel_7v10