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The Silent House

Silent HouseSchatten der Vergangenheit

Alte Häuser in einsamer Umgebung sind ein beliebter Austragungsort für allerlei Schreckensszenarien und beherbergen häufig unangenehme Dinge. Basierend auf wahren Begebenheiten in einem uruguayischen Dorf der 1940er Jahre entfesselt der Horror-Thriller „The Silent House“ von Gustavo Hernández grauenhafte 79 Minuten in dunkler Echtzeit.

Wie bereits in der Vergangenheit häufig verwendet, nutzt der uruguayische Film für seine Schreckensvision eine dokumentarische Kameraführung, die wackelig und intim jedem der Schritte von Protagonistin Laura folgt, hin und wieder aber auch die Perspektiven leicht objektiviert. Hinzu kommt, dass der gesamte Streifen in Echtzeit abläuft, also die erzählte Zeit der geschauten entspricht. Der Zuschauer wird damit hautnah an das Geschehen herangeholt und direkter mit den unheimlichen Ereignissen im „Silent House“ konfrontiert.

Das etwas heruntergekommene Landhäuschen lässt Besitzer Nestor von seinem Kumpel Wilson ein wenig auf Vordermann bringen, da man es baldmöglichst mangels Nutzung verkaufen möchte. Wilson hat dazu seine Tochter Laura mitgebracht, die schweigsam und ein wenig abseits der Geschehnisse steht – doch es ist sie, die sich bald als Hauptfigur dieses Nervenkitzlers entpuppt und die mit diesem unheilschwangeren Ort mehr verbindet, als man zu Beginn annehmen kann.

Etwa drei Tage will man sich Zeit lassen, die Bude ordentlich zu renovieren, doch nach der anstrengenden Anreise gilt es erst einmal in dem schummrigen Haus ein Nickerchen zu machen, während der Eigentümer ein wenig Vesper besorgen möchte. Doch von erholsamem Schlaf kann nicht die Rede sein, denn kaum ist etwas Ruhe eingekehrt, kann Laura eigenartige Knarren und Knirschen vernehmen, das vom Dachboden kommt. Nachdem dieses nicht nachlässt, sondern vielmehr an Intensität zunimmt, scheucht sie ihren Vater nach oben, entgegen der Warnung von Nestor den Speicher nicht zu betreten, da dieser massiv baufällig sei. Anstelle einer beruhigenden Entwarnung hört die unten Gebliebene nur furchtbare Geräusche, die auf das Schlimmste schließen lassen – und an jener Stelle beginnt der zermürbende Alptraum, der „The Silent House“ ausmacht. Alleine, eingesperrt in einem dunklen Haus und einem unbekannten Schrecken ausgesetzt verfällt das Mädchen zusehends der paranoiden Panik.

Spätestens als der tote und aufgeschlitzte Vater wieder zusammenschnürt in seinem Sessel sitzt, regiert purer Wahnsinn das Szenario. Eine wackelige Kamera fängt das verstörende Geschehen ein, folgt Laura wenn es der Stimmung zuträglich ist hautnah oder zeigt sie schluchzend, verzweifelt und heulend am Boden sitzen. Ihr unsichtbarer Widersacher bleibt stets unerkannt, die Angst vor dem Unbekannten überträgt sich damit auch direkt auf den ahnungslosen Betrachter. Erst später taucht eine geisterhafte Mädchenerscheinung auf, bei der aber ebenso wenig ausgemacht werden kann, welche Motivationen sie vorantreiben. Schließlich gelingt Laura die Flucht aus dem verfluchten Anwesen, in just diesem Moment fährt aber Nestor vor und geleitet das Mädchen wieder zurück zum Ort des Schauderns. Erst in diesem zweiten Teil des Filmes erfährt das Publikum mehr über die Geschichte des Hauses und Laura kommt einer entsetzlichen Wahrheit näher – über sich selbst und über ihr Wilson und Nestor. Doch auch die überraschende Wendung zum Ende des Films bemüht sich ebenso nebulös zu bleiben, wie der gesamte Film, denn aus diesen vagen Andeutungen bezieht „The Silent House“ seine gruselige Kraft.

Besonders die Blu-ray besticht durch ein gestochen scharfes Bild, das aber dennoch stets in Dunkelheit getaucht ist. Überhaupt ist die technische Brillanz hier nicht in klarem Ton oder hochauflösenden Bildern zu suchen, sondern in dem Ansinnen, die Geschichte in scheinbar nur einem Take und damit in „Real-Time“ zu erzählen. Auch wenn dies bereits von Hitchcock zelebriert wurde, so macht dies den Reiz des Thrillers aus. Die Angst von Laura manifestiert sich visuell, wird durch ihre Hysterie, manchmal auch durch ihre Gelähmtheit erfahrbar. Und obwohl „The Silent House“ (dem Titel folgend) kaum Dialoge kennt, wird umso mehr durch seine stillen Momente erzählt.

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Resident Evil: Revelations 2

Die Hose ist wieder voll

Resident Evil - Revelations 2Als der Verfasser dieser Zeilen 1996 erstmals in einem lokalen Zockertempel die japanische Variante von „Resident Evil„, also „Biohazard„, auf einer ebenso fernöstlichen Playstation 1 antestete war klar, dass es nicht nur bei einem Sega Saturn bleiben konnte, um an das plattformexklusive Kleinod zu kommen. Und spätestens als das viel zu kleine Joypad beim überraschenden Angriff zweier zombifizierter Killerhunde nur knapp dem Tod durch panisches Wegwerfen entging, entbrannte eine tiefe, innige Liebe. Nein, „Resident Evil“ war nicht das erste Survival-Horror-Spiel, aber es war bis dato das beste! Die Nachfolger konnten leider an die Größe des Originals nicht heranreichen, einige Ableger drohten sogar den Gruselkönig gänzlich vom blutigen Thron zu stürzen. Doch mit „Resident Evil: Revelations 2“ wandelt Entwickler Capcom wieder auf erfreulichen Pfaden – und das in mehrfacher Hinsicht.

Der Titel erscheint einerseits als wöchentliche Online-Serie in vier Kapiteln (wobei Kapitel 1 bis 3 bereits erschienen sind und der vierte Part am 18. März nachrücken wird), wird allerdings auch ab dem 20. März auf regulärem Wege in den Regalen der Spieltempel zu finden sein (für PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox One, Xbox 360 und Windows-PC via Steam). Gerade aber die Online-Variante mit ihren vier einzelnen Episoden zu je 5,99 Euro eignet sich hervorragend für Neugierige und Unentschlossene, da hier für wenig Geld in einen beachtlichen Teil des Spiels hineingeschnuppert werden kann. Dabei ist Skepsis eigentlich fehl am Platze, denn „Revelations 2“ ist ein bis auf wenige Schwächen grandioses Gänsehauterlebnis geworden, das nervenzerrende Momente und endlich auch wieder volle Hosen garantiert.

Dualer Schrecken

Mit einer lauschigen Feier bei der Anti-Bioterrorismus-Organisation Terra Save fängt alles an. Zombieviren-Bekämpfungsveteranin Claire Redfield und ihr junger Schützling Moira Burton – ja, genau, die Tochter von Urgestein Barry Burton – wollten eigentlich einen gemütlichen Abend mit ein paar Drinks, netten Smalltalk und ein wenig Fingerfood verbringen, da stürmt kurzerhand ein unbekannter Brutaltrupp das Firmengebäude. Wenig später wachen die beiden Mädels in muffigen Gefängniszellen auf, mit einem neuen, modischen Accessoire am Handgelenk. Ohne zu begreifen von wem und aus welchem Grund sie gefangengenommen wurden, machen sich die beiden aus dem Staub, um Hilfe zu suchen. Leider müssen sie bald feststellen, dass sie auf einer entlegenen Insel festsitzen und Versuchskaninchen eines wahnsinnigen Experimentes sind – natürlich mit ekelhaften Erregern, die bei ihren Probanden für äußerst widerliche Nebenwirkungen sorgen.

Capcom wählte bewusst zwei Protagonistinnen, denn „Revelations 2“ darf wie einige der vorherigen Titel im kooperativen Zweiermodus gespielt werden. Beschränkte sich das bisher aber lediglich auf das geschickt kombinierte Ballern auf wankende Virusträger, haben sich die Entwickler jetzt bemüht, den Charakteren verschiedene Fähigkeiten angedeihen zu lassen. So ist Claire Redfield für die Firepower des Teams verantwortlich und darf im Laufe der Geschichte immer mehr Waffen einsammeln und mit speziellen Objekten auch aufrüsten und optimieren. Ihre jüngere Begleiterin Moira selbst kann keine Feuerwaffen nutzen, hat dafür aber die überlebenswichtige Taschenlampe im Handgepäck, mit der einerseits versteckte Gegenstände gefunden, im Kampf aber auch die zahlreichen mutierten Unholde geblendet werden können. Die fauligen und eitrigen Gegner werden durch die direkte Beleuchtung nicht nur langsamer, weil sie ihre Augen schützen müssen, im besten Falle werden sie auch für einige Sekunden benommen und können dann von Claire mit einem eleganten Kick auf die Bretter geschickt werden. Nun kommt Moiras zweites Werkzeug zum Einsatz: ein Brecheisen. Damit kann sie eine Folgeattacke auf die am Boden liegende Monstrosität ausführen, die meist zum sofortigen Exitus führt, bei größeren Gegnern aber immerhin noch eine Menge Schaden anrichtet. Überdies kann das Brecheisen aber auch für gewöhnliche Handgemengeattacken und zum Aufbrechen von Vorratskisten genutzt werden.

Aber das ist noch nicht alles, denn „Revelations 2“ hält eine zweite Storyebene parat. Ein halbes Jahr nach der Entführung von Claire und Moira erreicht Papa Barry Burton die Insel, um seine Tochter aus dem Schlammassel zu ziehen. Das mittlerweile bärtige Special Tactics and Rescue Service-Mitglied bleibt aber ebenfalls nicht lange alleine auf dem unheimlichen Eiland. Die kleine Natalia, ein entflohenes Versuchsopfer, stößt lediglich mit einem Nachthemd bewehrt zu ihm dazu. Während Barry beim zweiten Duo die Rolle von Claire und damit das grobe Geballer übernimmt, spielt Natalia eine modifizierte Rolle von Moira. Sie kann einerseits besondere Kisten öffnen, aufgrund ihrer winzigen Fingerchen, kann aber wegen ihrer medialen Fähigkeiten Monster durch Wände erspüren und sogar unsichtbare Kreaturen entdecken. Auch versteckte Schätze bleiben vor ihr nicht lange verborgen. Besonders nützlich ist die Kleine aber, wenn es um das Erkennen gegnerischer Schwächen geht. Sie kann die verletzlichsten Stellen der Ungetüme ausmachen, die Barry dann gezielt unter Beschuss nehmen kann. Im Notfall kann Natalia aber auch Steine vom Boden aufheben, um sie den Befallenen an die Rübe zu werfen oder damit um sich zu schlagen.

Schweißtreibende Balance

Die letzten Teile der „Resident Evil„-Reihe krankten an überbordender Action. Vom ersten Moment an ballerte sich der Spieler durch die Levelabschnitte – Zeit zum Gruseln blieb kaum. „Revelations 2“ gelingt es in den ersten drei Episoden aber wieder, die Balance zwischen Atmosphäre, Story, Erkundung und Action zu halten. Egal, ob man durch neblige Wälder schleicht, alte Ruinen eines Fischerdorfes durchkämmt oder in der Kanalisation umhertappt, man hört stets das bedrohliche Surren des schwingenden Damoklesschwertes über der eigenen Schädeldecke. Hinter jeder Ecke und aus jedem Schatten können die nächsten Zombifizierten herausspringen oder torkeln. Häufig trügt der Schein und ganze Levelbereiche können „in Ruhe“ durchforstet werden, aber genau dann, wenn der Spieler es am wenigsten erwartet, kracht eine Tür auf und ein Rudel Infizierter stürzt sich auf die Spielerfiguren. Auch bei der Gegnerzusammensetzung hat Capcom gute Arbeit geleistet, so dass Bossgegner, Standard-Zombies und schwere Brecher angenehm gemischt auftreten. Hier und da bleibt Barry und Claire sogar die Zeit, sich klammheimlich an die Feinde heranzupirschen und diese mit einer mächtigen Schleichattacke in die ewigen Monsterjagdgründe zu schicken.

Motivierend sind auch die zahlreichen versteckten Objekte, die von Moira und Natalia aufgespürt werden können. Hierzu gehören nicht nur verschiedene Munitionstypen, Waffenmodifikatoren, grüne und rote Kräuter, die zum Wiederherstellen der eigenen Gesundheit eingesetzt werden können, sondern auch verschiedene Rohstoffe, die zum Herstellen von Brandsätzen, Verbandsmaterial, Rauchbomben und dergleichen genutzt werden können. Außerdem gibt es noch Edelsteine zu ergattern, die dem heroischen Vierergespann das Kaufen oder Verbessern von Fähigkeiten erlauben. Ausweichmanöver werden damit erfolgreicher, Taschenlampen heller, Kräuter wirkungsvoller oder neue Angriffsmöglichkeiten und -kombinationen möglich.

Deutlich zu kurz kommen allerdings Rätsel. Hier wären ein paar Kopfnüsse mehr wünschenswert gewesen. Dieses Manko macht „Revelations 2“ aber mit seiner spannenden Story locker wieder wett, die im Laufe der Episoden mehr und mehr an Tiefgang bekommt und sogar noch einige alte Bekannte ins Geschehen katapultiert …

Ein Horror-Snickers zwischendurch

Um die Wartezeit auf die neuen Episoden ein wenig zu versüßen, bietet „Revelations 2“ noch einen Raid-Modus, bei dem sich der Spieler mit verschiedenen freispielbaren Charakteren durch verschiedene Missionen kämpfen muss – ebenfalls im Alleingang oder nach Belieben auch kooperativ mit einem Freund. Hier wird das Geschehen allerdings auf pure Balleraction reduziert, die mal unter Zeitdruck, mal in Wellen, mal mit mehr und mal mit weniger taktischer Umgebung absolviert werden muss. Vor allem zu zweit macht das Geholze mächtig Laune, vor allem, weil die eigenen Recken Erfahrungspunkte sammeln und damit wie im Kampagnenmodus ihre Fähigkeiten ausbauen können. Auch lassen sich neue Waffen oder Knarrenverbesserungen aus Kisten bergen und so ganz individuelle Schießeisenkombinationen erstellen. Auch hier muss der eigene Munitionsvorrat argwöhnisch im Auge behalten werden, denn sonst kann es vorkommen, dass der eigene Charakter plötzlich mit leeren Händen vor duzenden Mutantenviechern steht und dadurch einen unerwarteten Anfall von Tod erleidet.

Kurzum, „Resident Evil: Revelations 2“ darf sich wieder zu den Höhepunkten der Reihe zählen, auch wenn es grafisch noch Luft nach oben gibt. Aber das neue Episodenmodell ermöglicht angenehm gesplittete Spielzeiten von jeweils drei oder vier Stunden, und die Gratwanderung aus Grusel- und Actionsequenzen ist hervorragend gelungen. Lediglich für Alleinspielende bleibt die teilweise nervige KI des computergesteuerten Teammitgliedes als fader Beigeschmack zurück. So kommt es hin und wieder vor, dass Barry nicht auf entdeckte Feinde schießt, Claire einen mühsam geblendeten Gegner liebevoll anstarrt ohne ihn umzutreten oder ein sorgsam eingeleiteter Schleichangriff von der Begleitung im Keim erstickt wird. Aber auch das sorgt für volle Hosen …

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Das Waisenhaus

Geister der Vergangenheit

91DjRchda7L._SL1500_Das Waisenhaus“ gehört zu den erfolgreichsten Filmen der iberischen Halbinsel und wurde mit Auszeichnungen geradezu überhäuft – und das zu Recht. Denn obwohl dieser Mystery-Thriller mit einem Gruselmoment nach dem anderen aufwartet und gänzlich ohne bombastische Spezialeffekte blankes Entsetzen erzeugt, ist er doch voller emotionaler Anmut und anspruchsvoller Tiefgründigkeit. Nicht verwunderlich, denn Guillermo del Toro, bekannt durch namhafte Erfolge wie „Pan’s Labyrinth„, „Blade 2“ oder „Hellboy“ zeichnet sich für die Produktion des Streifens verantwortlich, der nun auf DVD und Bluray Einzug ins gemütliche Heimkino hält.

Dabei griff der spanische Filmschaffende auf einen alten Freund zurück, der mit „Das Waisenhaus“ sein überaus gelungenes Spielfilmdebüt ablegt. „Ich verfolge schon seit einigen Jahren die Arbeit von Juan Antonio Bayona“, erklärt del Toro, „sein Talent schrie geradezu danach, ihn bei einem abendfüllenden Spielfilm Regie führen zu lassen. Und angesichts des fertigen Films kann ich nur sagen, dass sich die Mühe gelohnt hat.“ Auch Bayona selbst ist zufrieden mit seinem Erstling und war vom ersten Moment an, als er das Drehbuch in die Finger bekam, begeistert von dem Projekt: „Es war einfach die Vielzahl der Möglichkeiten, die mir das Drehbuch bot – deswegen wollte ich diesen Film machen. Ich konnte Zeit und Raum manipulieren, wie ich wollte, um Einstellungen zu bekommen, die eine unmittelbare Wirkung auf den Zuschauer haben. Aber was den Film dann wirklich zum Leben erweckt, sind die Dinge, die über die Grenzen des Genres hinausgehen: all das, was unter der Oberfläche liegt, die Wahrhaftigkeit der Darstellung, wie sehr man als Filmemacher emotional an dem beteiligt ist, was man erzählt.“

Und eben dieses Grenzüberschreitende macht „Das Waisenhaus“ zu einem außergewöhnlichen cineastischen Kleinod, wie der Regisseur weiter erklärt: „Am Anfang findet der Zuschauer noch alle Elemente eines klassischen Gruselfilms vor. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, umso mehr entfernen wir uns vom Genre. Die Auflösung ist am Ende erstaunlich simpel, dadurch aber umso entsetzlicher. Wir wollten die Geschichte möglichst klar erzählen, z. B. nicht zu viele Charaktere auf einmal einführen. Das gilt auch für den Sound: Wir haben viel mit Stille gearbeitet. Die furchterregendsten Szenen am Ende sind weder mit Musik noch mit Soundeffekten unterlegt. Für mich ist Stille das gruseligste Element überhaupt beim Sounddesign.“
So entführen del Toro und Bayona ihre Zuschauer in ein altes Waisenhaus am Meer. Nach 30 Jahren kehrt Laura mit ihrem Ehemann Carlos und ihrem Sohn Simón dorthin zurück, um ein Heim für behindert Kinder einzurichten. Doch der kleine Simón fürchtet das einsame Gemäuer und beginnt bald mit unsichtbaren Freunden zu reden und zu spielen. Die Eltern halten dies anfänglich noch für normal, doch der Umgang mit seinen Spielkameraden wird immer beängstigender. Bis der Junge eines Tages schließlich verschwindet und die Eltern in tiefe Verzweiflung stürzt. Gibt es für alles eine natürlich Erklärung oder haben Geister den Knaben in ihr Reich mitgenommen? Eine nervliche Zerreisprobe für die Eltern – und für den Zuschauer zugleich!

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Edgar Allan Poe – Der Bericht des Arthur Gordon Pym

Der Bericht des Arthur Gordon PymEdgar Allan Poe
„Der Bericht des Arthur Gordon Pym“
(Der Hörverlag/SPV)
Wer Poe noch nie gelesen oder, wie in diesem Falle, gehört hat, der sollte mit Herrn Pym beginnen und sich knapp zwei Stunden Zeit für dieses abenteuerliche Schauerspiel nehmen. Was anfänglich wie ein gewöhnlicher, zu dieser Zeit (1838) üblicher Seefahrerroman beginnt, wird bald durch poe-typischen Horror angereichert: Lebendig-Begraben-Sein, Menschenfresserei und allerlei Leckereien mehr. Gegen Ende des Berichtes sticht um so deutlicher hervor, weshalb sich H.P. Lovecraft so sehr zu den Werken Poes hingezogen fühlte, denn aus der Erzählung dringt eine kriechende Furcht vor dem unbekannten Grauen, vor einem nicht näher erklärten Bösen. So begleitet man auf diesen beiden CDs den zu Beginn sechzehnjährigen Protagonisten Pym, der seine Heimat verlässt, um als blinder Passagier auf dem Walfangschiff Grampus mitzufahren – aus reiner Lust am Abenteuer. Versteckt wird er dort in einem finsteren Loch, bis es auf dem Schiff des Vaters seines Freundes Augustus zu einer Meuterei kommt. Doch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf die Handlung eingehen, kann aber im voraus jeden Hörer vertrösten, der bei dem überraschenden letzten Kapitel verwirrt in sich hineinstarrt. Denn wie bei David Lynch-Filmen ist das Ende vielseitig deutbar und lässt den Poe-Fan mit einer Reihe furchterregender, ungeklärter Fragen zurück. Aber genau das macht die Angst vor dem Ungewissen aus! Die Sprecher, sowie die hervorragend gelungene musikalische Untermalung und atmosphärische Soundkulisse tun ihr übriges, um die pym’schen Abenteuer zu einem spannenden und unheimlichen Hörerlebnis zu machen.

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Gruselmärchen – Mit Alptraumgarantie

GruselmärchenVA
„Gruselmärchen – Mit Alptraumgarantie“
(LPL Records)
Was da in einer schlichten und ziemlich hässlich anmutenden Verpackung steckt, hat mit seinem layoutarmen Äußeren zum Glück rein gar nichts gemein. Ganz im Gegenteil handelt es sich bei diesen abwechslungsreichen sieben Geschichten um eines der wahrlich gruseligsten Schauermärchen im Erzählspielbereich. Wer bei Märchen gleich an krüppelige Hexen, dicke Knaben und übertugendhafte Prinzen denkt, der greift bei diesen Fassungen tief ins Klo. Dennoch fußen diese Geschichten allesamt in Erzählungen der Gebrüder Grimm, sind allerdings mit einer modernen Dosis Poe und Lovecraft angereichert worden und definitiv nichts für Kinder. In der Tat waren viele Grimm-Märchen alles andere als brave Gute-Nacht-Storys zum Einschlafen. So inspiriert, schrieben die Autoren Lars Peter Lueg und Stephen B. Tayler ihre eigenen Visionen von Gruselmärchen – und das auf überzeugende und überraschende Weise. Der Erzähler Stéphane Bitoun verleiht den äußerst atmosphärischen und teils auch beklemmenden Texten ein spürbar schauerliches Eigenleben – egal ob es sich um die mystische Gespenstergeschichte „Bruder Lukas“ handelt, den Psychohorror „Furcht“ oder das grausame Treiben einer zum unsterblichen Monstrum gewordenen Prinzessin, wie in „Der Trank“. Die Geräusche, Musik und Effekte werden sparsam eingesetzt und lassen der bildreichen Sprache genügend Raum zur Entfaltung. Nur hin und wieder klingen gerade diese Untermalungen ein wenig dünn, ändern aber nichts an den insgesamt fantastischen Hörgenuss.

Bewertung:

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