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Oscar Wilde – Das Gespenst von Canterville

Oscar Wilde
„Das Gespenst von Canterville“
(Der Hörverlag)

Was die Amis mit ihrer altklugen Weltpolizeieinstellung alles zustande- und vor allem kaputtkriegen, hat Oscar Wilde bereits 1887 erahnt und in seinem „The Canterville Ghost“ niedergeschrieben. Als sein erstes Werk, mit dem er an die Öffentlichkeit ging, ist es auch bis heute eines der beliebtesten und meistgelesenen seines Fundus‘ geblieben. Mr. Hiram B. Otis ist ein amerikanischer Gesandter in England und wird beim Kauf des Schlosses Canterville bereits vor seinem jahrhundertealten Geist gewarnt, was den aufgeklärten Vertreter der Neuen Welt nicht weiter beeindruckt, und ihn nur überheblich über den Aberglauben der Altweltler schmunzeln lässt. Tatsächlich geht es nicht lange, bis sich das Schlossgespenst zeigt und der frisch eingezogenen Familie aus Übersee das Fürchten lehren will. Doch irgendwie kommt alles ganz anders. Was wie eine Gesellschaftssatire beginnt, wird im Mittelteil zu einer Burleske und endet in einer romantisch-sentimentalen Atmosphäre. Die Umsetzung ist mit ihren 65 Minuten äußerst stimmig gelungen und setzt die Vielseitigkeit der Vorlage eindrucksvoll um. Gerade auch die humorigen Einlagen, in denen die Amis dem armen Gespenst recht arg zu Leibe rücken – auch wenn dieser nicht mehr existiert -, lassen das Hörspiel auch für die Kleinen zu einem unterhaltsamen Happen für zwischendurch werden. Die etwas Reiferen dürfen von Wildes facettenreicher Sprache zehren und sich eine schöne Stunde bescheren lassen.

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Die Frau in Schwarz

Die Frau in Schwarz 
(Concorde)

Der junge Anwalt Arthur Kipps ist nach dem Tod seiner Frau psychisch schwer angeschlagen. Mit einem großen Auftrag, der ihn in das entlegene Örtchen Crythin Gifford führt, will er sein privates wie berufliches Leben wieder in Ordnung bringen. Seinen dreijährigen Sohn muss er zwar schweren Herzens bei einem Kindermädchen zurücklassen, aber dennoch sieht er dem Auftrag seiner Kanzlei wohlwollend entgegen. Vor Ort soll er den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow auflösen. Doch als er in dem hinterwäldlerischen Nest angekommen ist, reagieren die Einwohner argwöhnisch und verängstigt. Erst mit einer ordentlichen Bestechung erreicht er, dass der Kutscher ihn zu der angeblich verfluchten Villa Eel Marsh House fährt, wo er Zeuge seltsamer Erscheinungen wird. Waren da nicht Kinder im Nebel? Und stand da nicht eben eine schwarze Frau? Leider bleibt Daniel Radcliffes schauspielerische Leistung auf Harry-Potter’schem Niveau, und so gelingt es ihm nicht, der Hauptfigur Leben einzuhauchen. Dem viktorianischen Grusler mangelt es zudem an zündenden Einfällen, sodass meist nur altbekannte Standards aufgefahren werden. Im Gegensatz dazu sind die Kulissen und das gesamte Szenario als grandios zu bezeichnen. So bleibt ein netter, aber wenig innovativer Geisterfilm mit einem stets gleich belämmert dreinblickenden Protagonisten vor wundervollen Bühnenbildern.

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Altar – Das Portal zur Hölle

Altar
(Koch Media)

Die Hamiltons sind pleite. Künstlergatte Alec hatte schon zu lange keine erfolgreiche Ausstellung seiner Skulpturen mehr. Da kommt der große Sanierungs- und Restaurationsauftrag eines amerikanischen Investors für Ehefrau Meg wie gerufen. Zwar müssen die beiden Kinder der Familie in den sauren Apfel beißen und gemeinsam mit ihren Eltern ihre Heimat für ein halbes Jahr verlassen, um ins britische Hinterland zu ziehen, aber der Auftrag ist in jeder Hinsicht überlebenswichtig.
Irgendwo in Küstennähe zwischen nebligen Feldern, unheimlichen Baumskeletten und weit weg vom Schuss liegt das gespenstische Herrenhaus. Der Start verläuft jedoch alles andere als reibungslos, denn der eigentlich eingeplante Handwerker ist durch einen Unfall verhindert und so muss Meg in der Gegend nach Ersatz suchen. Keine leichte Aufgabe, da sich um das Anwesen einige unschöne Mythen ranken. So soll der entrückte Besitzer seine Frau rituell geopfert haben, dann von ihr heimgesucht worden und schließlich in Panik aus dem Fenster in den Tod gesprungen sein.
Entsprechend dauert es nicht lange, da huschen weiße Frauen vor dem Haus herum und es knarzt und knirscht überall im Gemäuer. Als dann die Tochter eines Nachts einen weniger erfreulichen Besuch von der unheimlichen Dame erhält und dabei beinahe durch einen Asthmaanfall einen kurzen Anfall von Tod erleidet, beginnt sich die Situation zuzuspitzen. Göttergatte Alec wird von neuen körperlichen Gelüsten und künstlerischer Inspiration beflügelt und verkriecht sich tage- und nächtelang im Gesindehaus. Ein vom Töchterchen herbeigerufener Geisterjäger warnt die Familie vor der okkulten Bruchbude und seiner bösen Vergangenheit, doch Meg will nicht darauf hören. Erst als die Kinder verschwinden und Alec schließlich vollkommen den Verstand verliert, will sie die Flucht antreten, aber da scheint alles schon zu spät …

Altar – Das Portal zur Hölle“ ist in jeder Hinsicht ein klassischer Gespensterhausgrusler mit umherhuschenden Schatten, unheimlichen Stimmen, Telefonanrufen von eigentlich toten Apparaten, verborgenen Opferräumen, einer ominösen Vergangenheit und kreischenden Kindern. Wer den Haunted-House-Horror bisher nur tangiert hat, der dürfte sich über diesen bunten Mix und die zahlreichen Versatzstücke aus üblichen Schauerzutaten freuen. Kennern des Genres werden jene ausgelatschten Standards aber bald ein gelangweiltes Gähnen entlocken, denn „Altar“ bedient sich zwar bewusst all jener schönen Gruselmomente, kann aber nicht mit Individualität oder gar neuen Ideen glänzen. Der besessene Ehemann ist bereits seit „Shining“ ein alter Hut und Blut als Wiederbelebungssaft wirkte auch in „Hellraiser“ schon ekelhafte Wunder … Überraschungen bleiben auch storytechnisch gänzlich aus. Bei dem zu routinierten und normierten Drehbuch schafft nicht einmal Schauspielerin Olivia Williams („The Sixth Sense„) ihrer Figur noch Tiefe zu verleihen. Schade um die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen und das wahrlich großartige viktorianische Herrenhaus.

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Until Dawn

Texas Screamsaw Descent on Friday the 13th

Das Horrorgenre ist – einem Superzombie gleich – nicht totzukriegen. Ganz im Gegenteil: Metzel-Slasher, Creature-Heimsuchungen und Untoten-Apokalypsen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Schneller, härter, blutiger und ekliger ist da meist die Devise. Die britischen Entwickler von Supermassive Games haben im Gegensatz dazu mit „Until Dawn“ exklusiv für die PlayStation 4 einen ganz besonderen Gänsehaut-Cocktail angerührt und mit der Grundmechanik eines „Heavy Rain“ verwoben.

Mit den Gefühlen anderer sollte man nicht spielen, schon gar nicht, wenn es die eigenen Kumpels sind. So wird ein dummer Streich unter Freunden zu einer fürchterlichen Tragödie. Als die empfindsame Hannah von ihrer Clique wegen ihrer Liebe zu Mike gehänselt wird, läuft sie weinend und gekränkt in den nächtlichen Wald. Ihre Schwester Beth folgt ihr – und das ist das letzte Mal, dass die acht Freunde die beiden Mädels lebend zu Gesicht bekommen. Groß angelegte Suchaktionen in dem weitläufigen Gebirgsareal bleiben erfolglos und so werden die beiden für tot erklärt.
Ein Jahr später lädt der schwer traumatisierte Bruder der beiden Verschollenen die verbliebenen Freunde in das entlegene Anwesen in den Bergen ein, um die Vergangenheit ein für alle mal ruhen zu lassen und gemeinsam eine wundervolle Zeit zu verbringen. Doch die Zusammenkunft läuft anders als geplant und wird alles andere als entspannend.

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Die Qual der Wahl

Die Macher bedienen sich bewusst für ihre stimmungsvoll umgesetzte Story bei namhaften Filmvorbildern wie „Scream„, „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast„, „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Saw“ und mischen noch eine gehörige Portion Geistergrusel unter. Slasher-Elemente und Genrestandards werden geschickt eingesetzt, um sowohl eine dichte und bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, als auch Schrecken und Angst zu verbreiten. Immer wieder wird der Spieler mit gekonnt inszenierten Schockmomenten malträtiert und muss dabei unter teils massivem Zeitdruck herausfordernde Actioneinlagen meistern. So werden Verfolgungsjagden, Kletterpartien und andere spannende Szenen durch Quick-Time-Events umgesetzt, das heißt der Joypadhalter muss in kurzer Zeit eine Abfolge von vom Spiel geforderten Knöpfen drücken. Wird zu spät reagiert droht ein Sturz von einer Klippe oder der fliehende Protagonist stolpert in ein Hindernis hinein. Während Quick-Time-Events häufig sinnfrei zum Einsatz kommen, transportieren sie hier eben genau jenen Stress, der in typischen Horrorfilm-Situationen entsteht. Es bleiben nur Sekundenbruchteile um zu reagieren und um folgenschwere Entscheidungen zu fällen. Und genau das ist die eigentliche Essenz von „Until Dawn„: die zahlreichen Entscheidungen, die ein Spieler häufig unter massivem Zeitdruck fällen muss und die ihn nicht selten vor ein moralisches Dilemma stellen. Wird der eigene Charakter gerade von einem axtschwingenden und selbstverständlich maskierten Irren verfolgt, bleibt nur für wenige Augenblicke die Wahl zwischen einem Versteck im Schrank und der Flucht durch ein Fenster. Die Konsequenzen sind – wie in der Realität – nicht erkennbar und offenbaren sich erst Sekunden oder manchmal auch erst einige Spielstunden später. Schlimmer ist aber noch, wenn bewusst über Leben und Tod der insgesamt acht spielbaren Charaktere entschieden werden muss. Erschießt man die „infizierte“ Emily, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten oder lässt man es darauf ankommen und schlägt sich später mit den unbekannten Folgen der Infizierung herum? Lässt man die eigene Freundin in die Tiefe stürzen, um die eigene Haut zu retten oder wagt man gemeinsam mit der Herzensdame in den Tod gerissen zu werden? Solche Momente gibt es in „Until Dawn“ am laufenden Band – und sie machen das Spiel so fesselnd, da die Wirkung des eigenen Handelns nicht voraussehbar ist und häufig das gesamte Geschehen verändert.

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Schießen oder Nichtschießen, das ist hier die Frage

Neben schwerwiegenden Entscheidungen und Panik-Knopfdrück-Massakern gibt es auch noch eine weitere Actioneinlage, nämlich der gezielte Angriff. Hier muss der Until-Dawner in vorgegebener Zeit mit dem Joypad einen vorgegeben Zielpunkt anvisieren und eine entsprechende Aktionstaste drücken. Hierdurch werden Gewehrpatronen auf Feinde gelenkt, Schlösser aufgeschossen oder mit der Faust zugeschlagen. Häufig gibt es mehrere mögliche Ziele und der Spieler muss blitzschnell wählen, welches er anvisieren möchte. Manchmal ist es sogar besser nicht anzugreifen und die Füße stillzuhalten. Aber auch hier ist nie sicher, welche Reaktionen die Aktionen mit sich bringen.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Szenen, in denen der Zocker zum Zuschauer wird und gebannt der Handlung folgen kann. Diese dienen aber weniger der Entspannung, denn meist bringen sie neue Gruselmomente mit sich oder die grauenvolle Vergangenheit ans Licht. Außerdem dürfen die Hauptfiguren abwechselnd durch die detailliert gestalteten Szenerien gesteuert werden, müssen dabei einige Sammelobjekte aufspüren und kleine Aufgaben erledigen.

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Ich bin der Geist, der stets erscheint

Das Verhalten der Figuren ist stellenweise zwar ein wenig fragwürdig – warum zum Teufel müssen sich die Protagonisten in den blödesten Augenblicken trennen? –, aber das gehört wohl zum guten Ton des Genres und ist im Lauf der vielverzweigten und stets mitreißenden Handlung verschmerzbar. Denn es ist der Fortlauf der Geschichte und das Enträtseln der Vergangenheit, die „Until Dawn“ so fesselnd machen. Was ist mit den beiden Schwestern, Beth und Hannah, wirklich passiert? Wer jagt im Haus der Familie Washington die acht Freunde? Und was hat es mit der alten Mine und ihrer unheimlichen Vergangenheit auf sich? Sogar eine alte Klinik steht auf einem der Gipfel. Treibt sich dort ein kürzlich entlassener Straftäter herum, der sich an der wohlhabenden und einflussreichen Filmemacher-Familie rächen möchte? „Until Dawn“ spielt ganz bewusst mit den Standards des Horrorgenres. Da gibt es eine Séance mit einem Ouija (Hexenbrett), deutliche Anleihen bei Folter-Pornos und Klassikereinlagen Marke Stephen King. Doch was in den ersten Spielstunden als normierte aber gut zusammengefügte Symbiose typischer Klischees erscheint, wird im Lauf der Handlung zu einem wichtigen und (mehr oder weniger) logischen Plotpart. Aber Supermassive Games haben es sich nicht nehmen lassen, einen erschreckenden und überraschenden Umbruch einzubauen, der das Geschehen vom Teenie-Slasher zum indianischen „Descent“-Grauen macht …

Kurzum ist „Until Dawn“ ein hervorragend arrangiertes interaktives Horrorspiel, das mit einer bombastischen Präsentation schnell in die mysteriösen und später auch blutigen Ereignisse abtauchen lässt. Hervorzuheben sind auch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller, die den Figuren glaubwürdiges Leben einhauchen. Allen voran ist hier Kultmime Peter Stormare („Hänsel und Gretel: Hexenjäger„, „Das Kabinett des Dr. Parnassus„, “ The Big Lebowski“ u.v.m.) zu nennen, der als Seelenklempner Dr. Hill einige Therapiesitzungen mit einer anfangs unbekannten Person und indirekt auch mit dem Spieler selbst durchführt.
Nicht zuletzt bleibt der extrem hohe Wiederspielwert ein Argument, „Until Dawn“ in die eigene Spielesammlung einzureihen, denn durch die zahllosen unwägbaren Wege, die in dem Gruselschocker eingeschlagen werden können, ist ein mehrfaches Durchspielen fast schon Pflicht. Da kommt einem die mit etwa 9 Stunden angegebene kurze Spieldauer sogar positiv entgegen.

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Fürst der Dämonen


Fürst der Dämonen
(Tiberius)

Der junge Jonathan Green hat eine Vision: er will die gesamte Erde vermessen und dabei vernünftiges Kartenmaterial erstellen. Ein Unterfangen das im frühen 18. Jahrhundert nicht unbedingt einfach zu bewerkstelligen ist. So muss er leider seine Geliebte im sicheren England zurücklassen und sein gesamtes Hab und Gut auf eine Karte setzen. Als ihn sein Weg in die dunkeln Wälder Osteuropas jenseits Transsylvaniens führt, wird sein wissenschaftlicher Verstand jedoch auf eine harte Probe gestellt. Dort liegt ein finsterer Fluch auf einem kleinen Dorf, dem sich der Brite mit all seinem Charme und seiner Finesse entgegenstellen muss. Eine untote Hexe sorgt für allerlei Wirbel und der Kartograph muss sich einiger hässlicher Dämonen erwehren, um nicht seinen Verstand und sein Leben zu verlieren. Das russische Kino folgt anderen Erzählmustern als das amerikanische oder europäische – und genau dies ist an „Fürst der Dämonen“ so erfrischend. Dabei basiert der Streifen auf dem phantastischen Roman „Der Wij“ (1835) von Nikolai Gogol. Erwartungshaltungen werden gebrochen, Fantasy und Historie, Mythen und Legenden gehen hier munter Hand in Hand und schaffen so eine erquickende russische Variante von „A Chinese Ghost Story„, die mit einer Reihe schräger Einfälle und Figuren punktet.

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Larry Brent: Killervirus aus der Hölle

„Larry Brent: Killervirus aus der Hölle“ (19)
(Europa/BMG)

Ein Schreckensszenario, in dem wahnsinnige Wissenschaftler die Welt mit neuen Killerviren und anderen lustigen chemischen und biologischen Kampfstoffen zerkrümeln wollen, mag zwar für einen packenden Thriller ausreichen, aber noch lange nicht für den Herren „Röntgenstrahl 3“, alias X-Ray 3 oder besser bekannt als Larry Brent, der smarte Oberbösewichtbekämpfer mit den bondschen, lockeren Sprüchen auf der Zunge. Denn poplige Krankheitserreger sind kein Gegner für die geheimste Geheimorganisation aller Geheimorganisationen. In diesen 70 Minuten bekommt es der Schlaumeier mit Killerviren aus der Hölle zu tun, die über mächtige Psi-Kräfte zu gigantischen Riesenmutanten herangewachsen sind, um eine fröhliche Apokalypse einzuleiten. Dass ihr Ziehvater dabei bereits tot ist und sein satanisches Werk sozusagen aus der Hölle weiterführt, ist für Kenner der Groschenheftchen und der Hörspielreihe keine Besonderheit mehr; denn je abstruser, desto lustiger! Mit einer sehr stark an triviale Schundliteratur angelehnten Sprache schlängeln sich die klischeehaften Charaktere munter durch die haarsträubende Geschichte, um ebenso geartete Abenteuer zu bestehen. Die Sprecher, Musikuntermalung und die gesamte Produktion setzen diese leichte Kost für Zwischendurch perfekt um und garantieren einen ungetrübten Hörgenuss.

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Der Cthulhu Mythos

„Der Cthulhu Mythos – Horrorgeschichten von H.P. Lovecraft u.a.“
(LPL Records/AudioLübbe)

Der gute Lovecraft schrieb und schuf in seinem Leben nicht einfach nur Horrorgeschichten, sondern einen ganzen Kosmos des Schreckens, der nicht nur etliche Leser begeisterte, sondern auch bald viele Autoren in seinen Bann zog und animierte, selbst an diesem Mythos weiterzuarbeiten. So orientieren sich auch diese 275 kurzweiligen Minuten an Lovecrafts cthulhoidem Wahnsinn und stellen sechs Geschichten von und aus seinem Umfeld vor – darunter „Der Ruf des Cthulhu“ und „Dagon“ aus des Meisters eigener Hand, „Der Schwarze Stein“ von Conan-Erfinder Robert E. Howard, Lin Carters „Die Glocke im Turm“, D.R. Smiths „Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel“ und schließlich noch Christian von Asters „Ein Porträt Torquemadas“. Keine der unheil- und geheimnisvollen Erzählungen kann als Füllmaterial eingestuft werden, überzeugen doch alle durch ihren ganz eigenen, beklemmenden Stil. David Nathan, unter anderem Synchronsprecher von Johnny Depp, schlüpft in die Rolle von Lovecraft selbst, um in einer Art Autobiographie, Einblicke und Reflexionen zu den einzelnen Werken zu verkünden und gleichzeitig mit dem Irrglauben um das „Necronomicon“ aufzuräumen. Hörspielkoryphäe Joachim Kerzel zeichnet für das stimmungsvolle Verlesen der einzelnen ungekürzten Geschichten verantwortlich und kann damit, wie immer, brillieren. Nicht umsonst bekam diese dicke Box den deutschen Phantastik-Preis 2003 als bestes Hörbuch verliehen.

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Friedhof der Kuscheltiere

Stephen King
„Friedhof der Kuscheltiere“
(Hörverlag)

Was als gewöhnliche Erzählung über eine amerikanische Familie, die aus der Großstadt in das Nest Ludlow zieht, beginnt und sich anfangs in banalen Nebensächlichkeiten erschöpft, windet sich langsam und kreisend um einen immer schwärzer werdenden Höhepunkt des Grauens. Anfangs bewundern die Creeds noch das schnuckelige Landhäuschen, inmitten einer traumhaften Landschaft gelegen, umgeben von endlosen Wäldern, doch bald beginnt ein unabwendbarer schrecklicher Untergang der trauten Glückseligkeit. Schuld daran ist der vielbefahrene Highway, der direkt vor dem Grundstück des Universitätsarztes vorbeiläuft und schon in der Vergangenheit für einen Haufen Matsch unter den Haustieren sorgte. Als die Katze der Tochter ebenfalls plattgewalzt wird, beerdigt der Familienvater sie auf dem nahegelegenen, unheimlichen Indianerfriedhof – am nächsten Tag ist sie zurück, aber in einer bösartigen, teuflischen Form. Als schließlich auch noch der kleine Sohn unter die Räder gerät, kann sich der aufmerksame Leser bzw. Zuhörer schon vorstellen, welch schreckliches Ende diese Geschichte nehmen muss. Mit einer stimmungsvollen musikalischen Untermalung, einer gelungenen Geräuschkulisse und einer ganzen Reihe hochkarätiger Sprecher wird dieses Hörspiel zu einem wirklich genussvollen Alptraum. Während sich die erste CD noch gemäßigt gestaltet, wird der dritte Tonträger zu einem echten Höllentrip in den Wahnsinn. Über Rückblenden und innere Monologe wird eine so dichte Atmosphäre geschaffen, dass sogar bekennende Stephen-King-Verachter (wie der Verfasser dieser Zeilen) nach kurzer Zeit die Hosen gestrichen voll haben. Ist also der King-typisch zähe Einstieg überstanden, können die drei Stunden ohne Reue genossen werden.

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Twixt

Lyncheskes Nimmermehr

Francis Ford Coppola hat sich einst mit Meisterwerken wie „Der Pate“ oder „Apocalypse Now“ in den Olymp der Filmgötter aufgeschwungen. Jahre später taumelte er mit lieblosen Auftragsarbeiten durch die Mittelmäßigkeit, kehrt nun aber mit dem von den Hollywood-Fesseln befreiten Mystery-Goth-Märchen „Twixt“ zu eigener Stärke zurück.

Hall Baltimore (Val Kilmer) ist in vielfacher Weise am Ende. Der Tod seiner Tochter hat den Autoren aus der Bahn geworfen, seelisch wie beruflich. Einst hatte er große Pläne, doch mittlerweile ist er zu einem Stephen King für Arme verkommen und hält sich mit drittklassigen Hexenromanen über Wasser. Auch seine Ehe ist zu einer quälenden Zweckgemeinschaft geworden, bei der Liebe schon längst keine Rolle mehr spielt.

Als er auf seiner Promotour für sein neuestes Buch in dem kleinen Kaff Swann Valley vorbeikommt, stößt er auf wenig Interesse seitens der Einwohner. Nur der kauzige Sheriff und Hobbybastler Bobby LaGrange (Bruce Dern) lässt sich eines seiner Machwerke signieren – nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn er selbst hat eine zündende Idee für einen Roman, den er gemeinsam mit dem „Hexenmeister“ verfassen möchte. „The Vampire Executions“ soll das gute Stück heißen und die Leute aus ihren Sesseln fegen. Beflügelt von den euphorischen Worten des Gesetzeshüters, kündigt Hall bei seinem Agenten ein neues Buch an und versucht sich von der mysteriösen Kleinstadt beflügeln zu lassen, die mehr als nur eine modrige Leiche im Keller hat. Der örtliche Glockenturm mit seinen sieben verschiedenen Uhren soll angeblich vom Teufel bewohnt sein, in einem nahegelegenen Hotel am Waldrand hat sich ein grauenhafter Massenmord an unschuldigen Kindern abgespielt und überhaupt gilt die ganze Gegend als verflucht. Hinzu kommt, dass der Sheriff gerade ein Mordopfer in der Leichenhalle liegen hat, das seltsamerweise mit einem Pfahl getötet wurde. Ein ungewöhnlicher Zufall, könnte man meinen. Aber es wird noch bizarrer: Von Alkohol benebelt, durchwandert der Schreiber in seinen Träumen die Umgebung von Swann Valley, trifft dabei das Geistermädchen V., das ihn zu dem verfluchten Haus der Kindsmorde führt.

Doch es bleibt nicht bei einer kuriosen Traumsequenz. Immer öfter stürzt sich der lebensmüde Protagonist in das Reich des Schlafes, begegnet Mördern, Gespenstern und schließlich seinen eigenen Dämonen. Horrorlegende Edgar Allan Poe begegnet ihm schließlich persönlich (und wird in etlichen Anspielungen gewürdigt), gibt ihm Tipps für sein schöpferisches Schaffen, erklärt ihm die Geheimnisse einer guten Geschichte, die im Tod des Schönen gipfelt. Stück um Stück nähert sich Mr. Baltimore seiner eigenen Befreiung …

Francis Ford Coppola gelingt mit „Twixt“ ein verschrobenes, skurriles und ironisches Kleinod, das mit leisen Tönen und einnehmenden Bildern zu fesseln weiß. Geschickt werden Traum und Realität verwoben, bis der Zuschauer selbst nicht mehr sicher sein kann, was noch Wahrheit ist oder was dem Wahn entspringt. Mit lynchesker Düsternis und einem verschmitzten Lächeln erzählt Coppola so abseits standardisierter Mainstreampfade eine unheimlich-schöne Schauermär.

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Skin Trade: In der Haut des Wolfes

George R.R. Martin
„Skin Trade: In der Haut des Wolfes“
(Avatar/Panini)

Der bärtige Bestsellerautor George R.R. Martin dürfte den meisten durch sein gigantisches Fantasyepos „Das Lied von Eis und Feuer“ oder zumindest durch die entsprechende TV-Adaption „Game Of Thrones“ ein Begriff sein. Aber der zauselige Comicfan hat sich schon Jahre zuvor im Science-Fiction- und Horrorgenre seine Sporen verdient und einige Preise verliehen bekommen.

In der 1989 erschienenen Anthologie „Nightvisions“ brillierte Martin neben Stephen King und Dan Simmons mit seiner Kurzgeschichte „Skin Trade: In der Haut des Wolfes“ und wurde dafür mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet. Daniel Abraham, der bereits für Martins „Game Of Thrones„-Comic-Umsetzung zuständig ist, hat sich nun dieser ungewöhnlichen Werwolf-Story angenommen und diese gemeinsam mit Zeichner Mike Wolfer („Lady Death“, „Stitched“ u.a.) in packende Panels verwandelt – mit Erfolg.
Geschichten über Lykanthropie gibt es wie Deppen auf einem Onkelz-Konzert, aber diese hier ist erfrischend anders. Ein grauenvoller Mord, bei dem das im Rollstuhl sitzende Opfer angekettet und lebendig gehäutet wurde, weckt bei der jungen Privatdetektivin Randi Wade böse Erinnerungen. Vor mehr als zwanzig Jahren wurde ihr eigener Vater, ein ehrenvoller Polizist, von einem wilden Tier zerfleischt – und er war nicht der einzige in der Stadt. Wieso verschweigt ihr Freund Willie ihr einige wichtige Details und weshalb lügt der Polizeiinformant und ehemalige Kollege ihres Vaters? Ist der Täter ein vor kurzem aus der Anstalt entlassener Irrer und doch einer der Mächtigen vor Ort?

Skin Trade“ setzt nicht auf oberflächliche Gore-Blubbereien, sondern lebt von seinem spannend erzählten Plot, der immer wieder neue Verdachtsmomente offeriert, aber fast bis zum Schluss alle essentiellen Geheimnisse für sich behält. Die Zeichnungen sind ansprechend, aber nicht weltbewegend, vermitteln dennoch eine dräuende Atmosphäre und fangen die Protagonisten glaubwürdig ein. Die in sich abgeschlossene Story ist für Mystery- und Horrorfans mit Comicfaible durchaus empfehlenswert.

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