Beiträge

Monster Brawl

Monster Brawl
(Splendid)

Welch drolliger Unfug! Man nehme sich ein paar Kumpels und Kumpelinen, ein paar Pizzen, Popcorn und beliebige Arten und Mengen von Alkohol und lasse den Kampf der lebenden Toten und Ungeheuer beginnen. Die Grundidee von „Monster Brawl“ ist so simpel wie bescheuert: In einem Wrestlingring irgendwo auf einem verfluchten Friedhof treten acht prominente Ungetüme gegeneinander an. Da das keine vollen 90 Minuten ergeben würde, stellt man jede der Kreaturen noch ausgiebig vor – ganz wie bei den Berühmtheiten des Ringsports – und lässt ein Rudel Kommentatoren albernen Irrsinn reden – sogar der Austragungsort wird in das sinnfreie Geschehen eingebunden. So darf man denn vergnügt beobachten, wie sich Cyclops, Swamp Gut, Frankensteins Monster, ein Werwolf, Zombie-Mann, Witch Bitch, Lady Vampire und die Mumie gegenseitig in Stücke reißen. Leider ist das erste Drittel des Schlachtfestes deutlich zu zaghaft und dürfte gerne mit mehr Splatterschweinereien aufwarten; zum Glück gibt es später aber noch genügend zerstampfte Schädel und abgerissene Körperteile. Dumm und albern, aber für Trash- Freunde ein Fest.

Geekometer:

tentakel_6v10

The Divide

 The Divide 
(Universum)

Fassungslos steht Eva da und starrt auf die in einem Flammenmeer versinkende Stadt. Ein gewaltiger Atompilz breitet sich über der Metropole aus und verschlingt alles. Panisch fliehen die Menschen wie Ratten eines sinkenden Schiffes die Treppen des riesigen Hochhauses hinunter – an Mitgefühl und Menschlichkeit denkt dabei keiner mehr. Der Zufall will es, dass die junge Frau gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe im Keller des Hausmeisters Mickey landet, der die Flüchtlinge allerdings nur ungern bei sich aufnimmt. Regisseur Xavier Gens, der bereits bei „Frontier(s)“ mit der Endzeit liebäugelte und nur zu gerne in unmenschlichen Abgründen herumwühlt, nutzt die Apokalypse nicht für reißerisches Effektkino, sondern entwickelt ein diabolisches „Herr der Fliegen„-Szenario, das mit direkter und unverminderter Härte schwere Fausthiebe in die Magengrube und das Gewissen seiner Zuschauer austeilt. Ohne zu wissen, was draußen vor sich geht, findet sich die Gruppe Überlebender in einem Kellerloch wieder, auf engstem Raum zusammengepfercht, einem sicheren Tod durch Verhungern entgegenmodernd. Hass, Misstrauen, Perversion und Sadismus finden in dieser trostlosen Dunkelheit besten Nährboden – und was sich im Großen auf der Erde abspielte, wiederholt sich im Kleinen. Erschreckend genial!

Geekometer:

tentakel_8v10

Shadow

Shadow
(Koch Media)

David sucht in den einsamen Bergen die Ruhe nach dem Sturm. Erst kürzlich ist er aus dem Irak-Krieg heimgekehrt und probiert nun mit einer Mountainbike-Tour durch die idyllische Waldlandschaft die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Dass er der attraktiven Angeline in einer entlegenen Berghütte zwei rüpelhafte Wilderer vom Leib hält und mit ihr gemeinsam deren Jagderfolg sabotiert, erweist sich als bösartiger Bumerang. Denn die beiden Amis scheinen nicht nur Spaß daran zu haben, Tieren eine Kugel zu verpassen. Panisch fliehen David und Angeline durch die bewaldete Gebirgsgegend vor den beiden Killern, um schließlich in einem sagenumwobenen Landstrich vom Backwood-Slasher-Regen in die Gruseltraufe zu geraten. Hier werden Jäger und Gejagte schließlich zur Beute eines viel größeren und unmenschlicheren Bösen, das in einer alten Bunkeranlage haust. Unausweichlich geraten sie allesamt in die Fänge des abartigen Mortis, ein Überbleibsel von Hitlers Drittem Reich, der seine drei männlichen Opfer furchtbarer Folter aussetzt. Doch es kommt anders als gedacht und der italienische Regisseur hat noch eine kleine Überraschung parat, die die bisherigen Ungereimtheiten am Rande letztlich auflöst. Mit 75 Minuten Spielzeit ein kurzer aber dennoch intensiver Trip, dem es jedoch an Individualität mangelt.

Geekometer:

tentakel_6v10

Martyrium

7days_dig_NEUi.inddMartyrium
(Störkanal)

Die 2010 noch junge Störkanal-Reihe gehört zu den erlesensten Sammlungen der jüngsten Filmgeschichte. Mit verstörenden und schmerzhaften Werken wie „In My Skin“ oder „7 Days“ werden gezielt Gourmets der bewegten Bilder angesprochen, die es wagen in die Abgründe des menschlichen Daseins abzutauchen und sich in einer Welt des Bizarren, des Schmerzes und des Abartigen zu verlieren. Da kann es durchaus passieren, dass der Betrachter vor die eigenen Belastungsgrenzen geführt wird, denn „Spaß“ machen die Störstreifen allesamt keinen, verstehen sich vielmehr als hochwertige Kunst abseits leichter Kost. So wandelt „Martyrium“, im französisch-sprachigen Original „Calvaire“, auf den Pfaden des Wahnsinns. Dabei wollte der smarte Alleinunterhalter Marc doch nur zu seinem nächsten Auftritt fahren, als sein kleiner Bus mitten im bewaldeten Niemandsland liegen bleibt. Dort wird er von dem vereinsamten Bartel in dessen heruntergekommener Pension aufgenommen. Doch nicht nur der Herbergsvater ist psychisch daneben, das gesamte Volk aus dem benachbarten Kuhdorf (in dem nebenbei keine Frauen leben) scheint äußerst skurril. Bevor sich Marc versieht, wird er zum Objekt der Begierde und zu einem Opfer von Irrsinn und Gewalt. Stimmungsvoll erzählter und in dräuend-finstere Bilder verpackter Hinterwaldhorror auf europäisch – jedoch einer der gewöhnlicheren Störkanal-Ableger.

Geekometer:

tentakel_8v10

Sword Of Vengeance – Schwert der Rache

Sword Of Vengeance – Schwert der Rache
(Universal Pictures)

Der romanisierte Normanne Wilhelm der Eroberer hat nach der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 den Landfrieden über England gebracht. Doch wie es Eroberungsfeldzüge und „Befriedungen“ so mit sich bringen, muss das dort lebende Volk erst einmal ordentlich verdroschen und unterdrückt werden. Inmitten jener verwüsteten und trögen Ödnis taucht zwischen den Ruinen ein fremder und namenloser Krieger auf. Als die normannischen Besatzer ihn nach seinem Wegzoll fragen, hackt er den Soldaten kurzerhand die Hände ab, durchbohrt sie mit seinen Schwertern und schneidet ihnen die Kehlen durch. Ein feiner Prolog mit umherfliegenden Gliedmaßen und meterweit spritzendem Blut in den ersten vier Minuten Laufzeit.

Das gefällt dem dortigen Landherrn Durant (Karel Roden) und seinen beiden Söhnen nicht so richtig, weshalb sie ihn suchen und töten wollen. Der fremde Brutalinski bringt aber die unterdrückten Stämme der Region gegen die Machthaber auf, einigt die Familien und zieht gemeinsam mit ihnen in den Krieg. Wie sich dann herausstellt, hat der wortkarge Superschlächter mit Durant noch eine persönliche und familiäre Rechnung offen, die nur mit Blut beglichen werden kann.

Das war bereits die gesamte Handlung on „Sword Of Vengeance„, die lose – Verzeihung: sehr lose – in den historischen Kontext des 11. Jahrhunderts eingebettet wurde. Um das blutige Rachemassaker visuell besonders eindrucksvoll zu gestalten, wählte Regisseur Jim Weedon eine monotone, nahezu schwarz-weiße Farbgebung, die den Vorteil hat, dass zwischendurch ein paar rot hervorblubbernde Gedärme für fesche Farbtupfer herhalten können. Und weil das Drehbuch und die Kampfchoreografien nur Stoff für eine Stunde hergeben, wurde einfach ein Großteil des Filmes in unterschiedlichen Zeitlupensequenzen gedreht. Wo slow-motion beispielsweise bei „Braveheart“ tatsächlich sinn- und effektvoll eingesetzt wird, um Spannung zu erzeugen, wirkt die permanente Dauerzeitlupenbombardierung zur Erhöhung der Dramatik der flachen Handlung und Coolness der Protagonisten über die gesamte Länge des Streifens eher ermüdend … und lächerlich. Um epischer, tragischer und monumentaler daherzukommen, legt das Drehbuch den handelnden Figuren ferner noch eine Reihe stumpfer „Terminator„-Phrasen in den Mund, so dass Arnold Schwarzenegger mit Conan als eloquenter Intellektueller durchgehen würde. Mit einer Reihe fetziger Kameraperspektiven und in den sehr häufig vorkommenden Gefechten mit dynamisch wackelnden Bildeinstellungen soll dann Action in die blutigen aber häufig einseitigen Gemetzel gebracht werden. „Sword Of Vengeance“ versucht die Ästhetik eines „300“ mit der Dramatik eines „Braveheart“ und der Harschness eines „Der 13. Krieger“ zu einem kultigen Ganzen zu verbinden, erreicht dabei aber nicht mehr als trashige Abgeschmacktheit. Hätte man die Optik und Stilmittel pointierter eingesetzt und den Figuren etwas mehr Tiefgang spendiert, wäre das brachiale Schlachtengetümmel durchaus schauenswert geworden. So bleibt es lediglich für absolute Genrefans interessant.

Geekometer:

tentakel_5v10

Until Dawn

Texas Screamsaw Descent on Friday the 13th

Das Horrorgenre ist – einem Superzombie gleich – nicht totzukriegen. Ganz im Gegenteil: Metzel-Slasher, Creature-Heimsuchungen und Untoten-Apokalypsen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Schneller, härter, blutiger und ekliger ist da meist die Devise. Die britischen Entwickler von Supermassive Games haben im Gegensatz dazu mit „Until Dawn“ exklusiv für die PlayStation 4 einen ganz besonderen Gänsehaut-Cocktail angerührt und mit der Grundmechanik eines „Heavy Rain“ verwoben.

Mit den Gefühlen anderer sollte man nicht spielen, schon gar nicht, wenn es die eigenen Kumpels sind. So wird ein dummer Streich unter Freunden zu einer fürchterlichen Tragödie. Als die empfindsame Hannah von ihrer Clique wegen ihrer Liebe zu Mike gehänselt wird, läuft sie weinend und gekränkt in den nächtlichen Wald. Ihre Schwester Beth folgt ihr – und das ist das letzte Mal, dass die acht Freunde die beiden Mädels lebend zu Gesicht bekommen. Groß angelegte Suchaktionen in dem weitläufigen Gebirgsareal bleiben erfolglos und so werden die beiden für tot erklärt.
Ein Jahr später lädt der schwer traumatisierte Bruder der beiden Verschollenen die verbliebenen Freunde in das entlegene Anwesen in den Bergen ein, um die Vergangenheit ein für alle mal ruhen zu lassen und gemeinsam eine wundervolle Zeit zu verbringen. Doch die Zusammenkunft läuft anders als geplant und wird alles andere als entspannend.

14_1407757549

Die Qual der Wahl

Die Macher bedienen sich bewusst für ihre stimmungsvoll umgesetzte Story bei namhaften Filmvorbildern wie „Scream„, „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast„, „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Saw“ und mischen noch eine gehörige Portion Geistergrusel unter. Slasher-Elemente und Genrestandards werden geschickt eingesetzt, um sowohl eine dichte und bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen, als auch Schrecken und Angst zu verbreiten. Immer wieder wird der Spieler mit gekonnt inszenierten Schockmomenten malträtiert und muss dabei unter teils massivem Zeitdruck herausfordernde Actioneinlagen meistern. So werden Verfolgungsjagden, Kletterpartien und andere spannende Szenen durch Quick-Time-Events umgesetzt, das heißt der Joypadhalter muss in kurzer Zeit eine Abfolge von vom Spiel geforderten Knöpfen drücken. Wird zu spät reagiert droht ein Sturz von einer Klippe oder der fliehende Protagonist stolpert in ein Hindernis hinein. Während Quick-Time-Events häufig sinnfrei zum Einsatz kommen, transportieren sie hier eben genau jenen Stress, der in typischen Horrorfilm-Situationen entsteht. Es bleiben nur Sekundenbruchteile um zu reagieren und um folgenschwere Entscheidungen zu fällen. Und genau das ist die eigentliche Essenz von „Until Dawn„: die zahlreichen Entscheidungen, die ein Spieler häufig unter massivem Zeitdruck fällen muss und die ihn nicht selten vor ein moralisches Dilemma stellen. Wird der eigene Charakter gerade von einem axtschwingenden und selbstverständlich maskierten Irren verfolgt, bleibt nur für wenige Augenblicke die Wahl zwischen einem Versteck im Schrank und der Flucht durch ein Fenster. Die Konsequenzen sind – wie in der Realität – nicht erkennbar und offenbaren sich erst Sekunden oder manchmal auch erst einige Spielstunden später. Schlimmer ist aber noch, wenn bewusst über Leben und Tod der insgesamt acht spielbaren Charaktere entschieden werden muss. Erschießt man die „infizierte“ Emily, um die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten oder lässt man es darauf ankommen und schlägt sich später mit den unbekannten Folgen der Infizierung herum? Lässt man die eigene Freundin in die Tiefe stürzen, um die eigene Haut zu retten oder wagt man gemeinsam mit der Herzensdame in den Tod gerissen zu werden? Solche Momente gibt es in „Until Dawn“ am laufenden Band – und sie machen das Spiel so fesselnd, da die Wirkung des eigenen Handelns nicht voraussehbar ist und häufig das gesamte Geschehen verändert.

13_1417869920

Schießen oder Nichtschießen, das ist hier die Frage

Neben schwerwiegenden Entscheidungen und Panik-Knopfdrück-Massakern gibt es auch noch eine weitere Actioneinlage, nämlich der gezielte Angriff. Hier muss der Until-Dawner in vorgegebener Zeit mit dem Joypad einen vorgegeben Zielpunkt anvisieren und eine entsprechende Aktionstaste drücken. Hierdurch werden Gewehrpatronen auf Feinde gelenkt, Schlösser aufgeschossen oder mit der Faust zugeschlagen. Häufig gibt es mehrere mögliche Ziele und der Spieler muss blitzschnell wählen, welches er anvisieren möchte. Manchmal ist es sogar besser nicht anzugreifen und die Füße stillzuhalten. Aber auch hier ist nie sicher, welche Reaktionen die Aktionen mit sich bringen.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Szenen, in denen der Zocker zum Zuschauer wird und gebannt der Handlung folgen kann. Diese dienen aber weniger der Entspannung, denn meist bringen sie neue Gruselmomente mit sich oder die grauenvolle Vergangenheit ans Licht. Außerdem dürfen die Hauptfiguren abwechselnd durch die detailliert gestalteten Szenerien gesteuert werden, müssen dabei einige Sammelobjekte aufspüren und kleine Aufgaben erledigen.

27_1407757551

Ich bin der Geist, der stets erscheint

Das Verhalten der Figuren ist stellenweise zwar ein wenig fragwürdig – warum zum Teufel müssen sich die Protagonisten in den blödesten Augenblicken trennen? –, aber das gehört wohl zum guten Ton des Genres und ist im Lauf der vielverzweigten und stets mitreißenden Handlung verschmerzbar. Denn es ist der Fortlauf der Geschichte und das Enträtseln der Vergangenheit, die „Until Dawn“ so fesselnd machen. Was ist mit den beiden Schwestern, Beth und Hannah, wirklich passiert? Wer jagt im Haus der Familie Washington die acht Freunde? Und was hat es mit der alten Mine und ihrer unheimlichen Vergangenheit auf sich? Sogar eine alte Klinik steht auf einem der Gipfel. Treibt sich dort ein kürzlich entlassener Straftäter herum, der sich an der wohlhabenden und einflussreichen Filmemacher-Familie rächen möchte? „Until Dawn“ spielt ganz bewusst mit den Standards des Horrorgenres. Da gibt es eine Séance mit einem Ouija (Hexenbrett), deutliche Anleihen bei Folter-Pornos und Klassikereinlagen Marke Stephen King. Doch was in den ersten Spielstunden als normierte aber gut zusammengefügte Symbiose typischer Klischees erscheint, wird im Lauf der Handlung zu einem wichtigen und (mehr oder weniger) logischen Plotpart. Aber Supermassive Games haben es sich nicht nehmen lassen, einen erschreckenden und überraschenden Umbruch einzubauen, der das Geschehen vom Teenie-Slasher zum indianischen „Descent“-Grauen macht …

Kurzum ist „Until Dawn“ ein hervorragend arrangiertes interaktives Horrorspiel, das mit einer bombastischen Präsentation schnell in die mysteriösen und später auch blutigen Ereignisse abtauchen lässt. Hervorzuheben sind auch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller, die den Figuren glaubwürdiges Leben einhauchen. Allen voran ist hier Kultmime Peter Stormare („Hänsel und Gretel: Hexenjäger„, „Das Kabinett des Dr. Parnassus„, “ The Big Lebowski“ u.v.m.) zu nennen, der als Seelenklempner Dr. Hill einige Therapiesitzungen mit einer anfangs unbekannten Person und indirekt auch mit dem Spieler selbst durchführt.
Nicht zuletzt bleibt der extrem hohe Wiederspielwert ein Argument, „Until Dawn“ in die eigene Spielesammlung einzureihen, denn durch die zahllosen unwägbaren Wege, die in dem Gruselschocker eingeschlagen werden können, ist ein mehrfaches Durchspielen fast schon Pflicht. Da kommt einem die mit etwa 9 Stunden angegebene kurze Spieldauer sogar positiv entgegen.

Geekometer:

tentakel_8v10

Die Horde

Harmagedon

Das europäische Kino etabliert sich zusehends als Gegenpol zum durchgestylten und massenkompatiblen Hollywoodeinheitsbrei. Gerade die französischen Filmemacher entdecken in letzter Zeit vermehrt die Freude am Horror für sich, wie das großartige Hinterwäldlermassaker „Frontier(s)“ als auch der eigenwillige Zombiestreifen „Mutants“ blutig vor Augen führen. Mit „Die Horde“ bricht ein weiteres Mal die Apokalypse über die Welt herein – schnell, brutal und unaufhaltsam.

Frankreich, das Land erlesener Rotweine, knuspriger Baguettes und leckerer Croissants. Doch diese Klischees haben die Macher von „Die Horde“ nicht im Sinn, ganz im Gegenteil. Sie zeigen das einst so stolze Frankreich von seiner kranken, verruchten und verdorbenen Seite. Die Städte sind vom Zerfall gezeichnet. Moral und Ethik sind längst der Selbstsucht und dem Hass zum Opfer gefallen.

So verwundert es nicht, dass Polizist Rivoallan bei seinen Ermittlungen gegen einen Verbrecherring von eben diesem auf grausame Weise hingerichtet und irgendwo im Müll der Großstadt aufgefunden wird. Seine Kollegen, ein eingeschworener Kreis, wollen diese Untat nicht hinnehmen und getreu dem Motto „Auge um Auge“ das Gesetz hinter sich lassen und Vergeltung üben. In einem kleinen Team stürmen sie maskiert und bewaffnet das desolate Hochhaus, in dem sich der Anführer und seine Gang aufhalten. Doch der Racheplan geht schon im Ansatz nach hinten los und aus den Angreifern werden Gefangene. Den korrupten Gesetzeshütern wird von den Verbrechern schwer zugesetzt und die Lage spitzt sich mehr und mehr zu.

Doch zeitgleich, anfangs noch wie ein leises Gewittergrollen in der Ferne, kündigt sich außerhalb des gewaltigen Wohnkomplexes ein noch viel größeres Unheil an. Zuerst denken die Drogenschieber, die Cops wären mit ihren Kollegen da, doch dann müssen sie feststellen, dass die gesamte Stadt brennt und die vermeintlichen Schüsse entpuppen sich als grollende Explosionen. Die Welt um das Hochhaus herum scheint in nur einem einzigen Atemzug in Trümmern zu liegen und die Schreie der Verzweifelten und Sterbenden hallen über den grauen, brüchigen Beton zu ihnen herüber.

Doch für Entsetzen und langes Überlegen bleibt dem ungleichen Haufen Menschen keine Zeit, denn schon rappelt sich der erste Leichnam auf und attackiert die Lebenden. Und „Die Horde“ geht nicht gerade zimperlich zu Werke. Blut spritzt durch die Luft, einige Untotenopfer krachen leblos zu Boden und erst ein beherzter Schrotflintenschuss beendet die erste Begegnung mit den wandelnden Toten.

Ab diesem Moment lässt das Regie-Duo aus Benjamin Rocher und Yannick Dahan, die übrigens bereits bei „Frontier(s)“ als Aktress mitgewirkt hat, tatsächlich die Hölle los und es bleibt weder den Protagonisten noch dem Zuschauer Zeit zum Verschnaufen. Die Apokalypse kommt schnell und hart und walzt grimmig über die Menschheit hinweg. Erfreulich ist dabei der Zwist innerhalb der Gruppe, denn plötzlich werden Feinde verschiedener Fronten zu Verbündeten wider Willen. Zur Gemütserheiterung in dieser rasanten und brachialen Geschichte taucht noch ein herrlicher Charakter mit fast schon trashigem Charme auf, der mit dem Beil und wahlweise dem MG der untoten Meute versucht Einhalt zu gebieten. Doch die Franzosen lassen ihre Protagonisten nicht zur Unterhaltungskost verkommen, sondern zeichnen von vorne herein ein bitteres Ende ab.

Das einzige Manko dieses Streifens sind die Dank deutscher Sittenwächter angebrachten Schnitte, die leider ein wenig das Salz aus der Suppe oder besser gesagt das Blut aus der Matsche nehmen. Darüber hinaus ist „Die Horde“ aber großartig und vielleicht sogar ein Sinnbild für den Zerfall der menschlichen Zivilisation, ein Symbol für den sich selbst vernichtenden Homo Sapiens, der durch die Apokalypse nur bekommt, was er verdient. Denn wie schon in der Offenbarung des Johannes (sinngemäß) geschrieben steht: „Und ich sah aus dem Mund des Tieres unreine Geister von Dämonen kommen.“ Amen.

 

Geekometer:

tentakel_9v10

Deus Ex: Mankind Divided

DXMD_Key_Art_-_ONLINE_-_wLogo_1434566402Es wird dystopisch

Anfang April hat Publisher Square Enix bereits erste Infos zu dem dystopischen Cyberspace-Actioner „Deus Es: Mankind Divided“ (wir berichteten) herausgegeben, jetzt haben sie zur E3 einen neuen Gameplay-Trailer veröffentlicht, den wir euch nicht vorenthalten wollen.

Bisher gehörte „Half Life“ zur Krönung der finsteren Science-Fiction-Settings, aber mit dem neuen „Deus Ex“ wird die Legende wohl endgültig den Platz räumen müssen. „Mankind Divided“ sieht nicht nur fantastisch aus, der Trailer offenbart auch, wie viel Liebe schon jetzt in dem Spiel steckt. William Gibsons „Neuromancer“ wird hier ebenso lebendig wie George Orwells „1984“. Beklemmung, Überwachung, Hoffnungslosigkeit, Gewalt … der Kanon düsterer Bauelemente ließe sich beliebig fortsetzen.

Doch „Deus Ex: Mankind Divided“ wird nicht nur mit einem unglaublich einnehmenden Setting überzeugen, sondern macht auch vom Gameplay her schon jetzt eine unglaublich gute Figur. Egal ob die Levels schleichend bestritten werden sollen der wild um sich ballernd – der Spieler hat stets die Wahl und die einzelnen Missionen bieten etliche Lösungsansätze. Wir zählen weiterhin die Tage …

 

Shadow Warrior 2

Shadow Warrior 2Lecker Monsterhack

Ego-Shooter sind zu einer komplizierten und komplexen Angelegenheit geworden. Aufträge und die damit verknüpften Level können auf unterschiedliche Weise angegangen und gelöst werden. Die Fertigkeiten des virtuellen Alter Egos können in rollenspielartiger Manier ausgebaut und gesteigert werden. Und sogar die eigenen Schießeisen lassen sich mannigfaltig aufrüsten. Das Remake des ursprünglich 1997 für MS DOS und Mac OS erschienene Ballerspiel „Shadow Warrior“ aus dem Hause 3D Realms („Duke Nukem“) macht einen weiten Bogen um diesen Firlefanz und serviert feinste Old-Shool-Action Marke Hirn-aus-Knarre-raus. Mit Katana und dickem Waffenarsenal bestückt, darf sich der Spieler durch eine spaßige Kampagne kämpfen und ganze Gegnerhorden in blutigen Pixelmatsch verwandeln. Dumme Sprüche gibt es zur heiteren Hackerei kostenlos dazu.

Nun haben die polnischen Entwickler Flying Wild Hog, die bereits für den gelungenen und ironischen Reboot verantwortlich zeichnen, einen neuen Teil angekündigt, der noch mehr Geschnetzel, noch mehr Monster und noch mehr Spieler ankündigt. „Shadow Warrior 2“ wird sich tatsächlich im kooperativen 4-Spieler-Modus gemeinsam bestreiten lassen – da bleibt zu hoffen, dass sich die Osteuropäer der Konsolentugenden erinnern und zumindest einen 2-Spieler-Splitscreen liefern.

Wer den ersten Teil noch nicht gespielt hat, der kann hier noch einmal einen Blick auf den Trailer zum Debüt werfen:

Es ist schwer, ein Gott zu sein

Gott_PosterEin Monster von einem Film

Die ersten Rückmeldungen zu Aleksei Germans finsterer Dystopie „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ klingen mehr als nur vielversprechend. „Im Vergleich zu Aleksei Germans Obsessionen wirken die Filme Quentin Tarantinos zweifellos wie Märchenfilme von Walt Disney“, tönt Wissenschaftler und Autor Umberto Eco. Und auch Kino-zeit.de lobt: „Man kann Alexei Germans Opus Magnum als nichts anderes bezeichnen als ein visionäres Meisterwerk.“ Wirft man einen Blick auf den Trailer zu dieser einnehmenden Romanverfilmung, die mit expressiven Schwarz-Weiß-Bildern besticht, kann die Faszination der Rezensenten nur im Ansatz erahnt werden.

Die Story des Streifens beruht auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Roman „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ von Arkadi und Boris Strugatzki und wird am 03. September 2015 in die deutschen Kinos kommen – selbstverständlich nur in ausgewählte Lichtspielhäuser. Die Geschichte erzählt der deutsche Feinschmeckerverleih Bildstörung wie folgt:

„Eine Gruppe Historiker wurde auf einen fremden Planeten entsandt, der in seiner Entwicklung 800 Jahre hinter der Erde zurückliegt. In der Hoffnung, in dieser mittelalterlichen Zivilisation die Geburt einer Renaissance hautnah miterleben zu können, mischen sich die Forscher unbemerkt als adlige Nachkommen lokaler Gottheiten unters Volk, um die dortigen Ereignisse aufzuzeichnen und zur Erde zu übertragen. Ihre oberste Direktive dabei lautet: Bleibe unerkannt und neutral, greife niemals in das Geschehen ein und töte unter keinen Umständen einen Planetenbewohner. So weit, so gut. Doch als in der Stadt Arkanar graue Truppen plötzlich ein blutiges Pogrom gegen Gelehrte und Bücherfreunde starten, nimmt die Geschichte unvermittelt einen völlig anderen Verlauf. Don Rumata, der vor Ort das Treiben hilflos mit ansehen muss, fällt es dabei zunehmend schwerer, dem brutalen Gemetzel einfach tatenlos zuzuschauen. Doch was tun als ein Gott, dem die Hände gebunden sind?“