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ATM – Tödliche Falle

ATM – Tödliche Falle
(Universum)

Irgendwo in einem kleinen Kabuff sitzt ein unerkannt bleibender Knilch und studiert akribisch ein Parkplatzgelände – seine Absichten scheinen dabei nicht ehrenhaft zu sein. Davon weiß der junge Anlagenberater David nichts, der sich gerade mit seiner von ihm verehrten Kollegin Emily von der Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers abseilen will. Aber ein weiteres Näherkommen wird durch den nervigen Mitarbeiter Corey verhindert. In der Hoffnung, ihn loszuwerden, halten die drei auf dem Heimweg an einem ATM-Häuschen, einem kleinen Bank-Container, um dort ein bisschen Geld abzuheben. Als sie bei der klirrenden Kälte den Automaten bedienen wollen, taucht ein Fremder in einem Parka vor dem Tempel des Kommerzes auf und tötet kurzerhand einen gassigehenden Passanten. Dann bleibt er demonstrativ draußen stehen und beobachtet das Trio, das in helle Panik ausbricht. Was will der Fremde? Ist er ein Irrer oder hat er mit einem von ihnen eine Rechnung offen? Unterdes erkennen die Belagerten, dass ihr Peiniger genau weiß, was er tut, und nichts dem Zufall überlässt – und er geht über Leichen, um zu bekommen, was er will. Ein über weite Strecken stimmig aufgebauter Nervenzerrer, der zwar mit einigen Schwächen zu kämpfen hat, aber dennoch eine anderthalbstündige Zitterpartie verspricht.

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Die Frau in Schwarz

Die Frau in Schwarz 
(Concorde)

Der junge Anwalt Arthur Kipps ist nach dem Tod seiner Frau psychisch schwer angeschlagen. Mit einem großen Auftrag, der ihn in das entlegene Örtchen Crythin Gifford führt, will er sein privates wie berufliches Leben wieder in Ordnung bringen. Seinen dreijährigen Sohn muss er zwar schweren Herzens bei einem Kindermädchen zurücklassen, aber dennoch sieht er dem Auftrag seiner Kanzlei wohlwollend entgegen. Vor Ort soll er den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow auflösen. Doch als er in dem hinterwäldlerischen Nest angekommen ist, reagieren die Einwohner argwöhnisch und verängstigt. Erst mit einer ordentlichen Bestechung erreicht er, dass der Kutscher ihn zu der angeblich verfluchten Villa Eel Marsh House fährt, wo er Zeuge seltsamer Erscheinungen wird. Waren da nicht Kinder im Nebel? Und stand da nicht eben eine schwarze Frau? Leider bleibt Daniel Radcliffes schauspielerische Leistung auf Harry-Potter’schem Niveau, und so gelingt es ihm nicht, der Hauptfigur Leben einzuhauchen. Dem viktorianischen Grusler mangelt es zudem an zündenden Einfällen, sodass meist nur altbekannte Standards aufgefahren werden. Im Gegensatz dazu sind die Kulissen und das gesamte Szenario als grandios zu bezeichnen. So bleibt ein netter, aber wenig innovativer Geisterfilm mit einem stets gleich belämmert dreinblickenden Protagonisten vor wundervollen Bühnenbildern.

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Hell

 

Hell 
(Paramount)

Der Mensch ist ein Meister der Zerstörung. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, Tierarten auszurotten oder die Umwelt zu vergiften, schändet er sich gerne auch selbst. Der deutsche Endzeitstreifen „Hell“ zeigt das Ende der Welt in zugleich spannenden wie niederschmetternden Bildern und kokettiert dabei sogar mit dem Horrorgenre, indem er gekonnt mit Hinterwäldler- Schlächter-Elementen spielt. Der Titel ist ein gelungenes Wortspiel, das nicht nur das destruktive Gleißen der Sonne beschreibt, sondern im Englischen unmissverständlich auf die Hölle (auf Erden) verweist. Der leuchtende Himmelskörper ist längst zu einer tödlichen Bedrohung geworden und hat mit seiner unbarmherzigen Hitze sowohl Fauna also auch Flora ausgedorrt. Wenige Augenblicke unter ihren stechenden Strahlen lassen Augen erblinden und Haut verbrennen. Die Zivilisation liegt in Trümmern, und der Mensch ringt um jeden verbleibenden Essensvorrat, vor allen Dingen aber um das seltene Gut Wasser. Phillip, Marie und ihre kleine Schwester tuckern in einem abgedunkelten Schrottwagen Richtung Gebirge, denn dort oben soll es noch Wasser geben. Auf ihrem Weg geraten sie jedoch in einen Hinterhalt und damit in die Fänge einer wahnsinnigen Familienbande, die ihre eigene, abscheuliche Weise gefunden hat, mit der Apokalypse umzugehen …

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Frozen

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(Universum)

Vermutlich hat jeder Skifahrer oder Boarder schon einmal daran gedacht was passieren würde, wenn der Sessellift einfach stehenbliebe und man bei frostigen Minusgraden zum passiven Warten in luftigen Höhen verdammt wäre. Dass man daraus aber einen anderthalbstündigen Nervenhorror machen kann, ist angesichts des limitierten Szenarios und des minimalistisches Plots nur schwer vorstellbar. Aber aller Zweifel zum Trotze hat Regisseur Adam Green diesen Versuch gewagt und einen spannenden und ebenso dramatischen Überlebenskampf kreiert, bei dem die zwei besten Kumpels Dan und Joe erstmals ihren alljährlichen Skiausflug mit Damenbegleitung begehen. Als sie kurz vor Liftschließung noch eine letzte Fahrt in der Dunkelheit wagen wollen, kommt es zu einer Verkettung ungünstiger Ereignisse und sie werden mitten im Sessellift hockend vergessen. In unüberwindbarer Höhe sitzen die Drei nun fest, einsam und ohne Chance auf Rettung, denn die Piste bleibt erst einmal für einige Tage geschlossen. Verzweifelt versucht das Trio sich am Leben zu halten, auch wenn alle Versuche, der Situation zu entfliehen, zum Scheitern verdammt scheinen. Mitreißend inszeniert, durchlebt der Zuschauer das Grauen dieser furchtbaren Lage, um immer wieder von kleinen Hoffnungsschimmern gewärmt zu werden. Bewegend von Anfang bis Ende!

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Divinity: Original Sin Enhanced Edition


Experimentiere und Erforsche!

Im Sommer 2014 luden die belgischen Larian Studios mit „Divinity: Original Sin“ zur fünften Reise in die fantastische Rollenspielwelt von Rivellon ein. Die über Crowdfunding finanzierten Abenteuer waren jedoch nur auf Windows, Linux und Mac OS X spielbar. Ab 27. Oktober 2015 dürfen endlich auch Xbox One- und PlayStation 4-Besitzer das hochgelobte Computerrollenspiel genießen und sich bequem via Joypad durch die traumhaften Szenarien bewegen.

Die Belgier haben jedoch nicht nur eine simple Portierung vom Computer auf die Konsole vorgenommen, sondern das Spiel grundlegend überarbeitet, damit Konsoleros in den bestmöglichen Genuss kommen. Entsprechend heißt die Fassung nun auch „Divinity: Original Sin Enhanced Edition“ und bietet eine ganze Reihe neuer Funktionen.
Dies beginnt bei dem modifizierten Benutzerinterface, das sich auf die bequeme Bedienung per Joypad konzentriert und dennoch den kompletten Umfang an Befehlen und Eingaben verarbeiten kann. Dadurch kann das stimmungsvolle Rollenspiel nun auch von der behaglichen Couch aus gesteuert werden.
Schon bei der Computervariante vom letzten Jahr machte „Divinity“ im kooperativen Zweispielermodus besonders viel Spaß. Dabei durfte jeder Teilnehmer zwei der möglichen vier Helden aus der Gruppe übernehmen. Allerdings war bisher eine Internetanbindung nötig. Jetzt können zwei Freunde gemeinsam vor der Konsole im Couch-Koop miteinander auf Abenteuerreise und Monsterjagd gehen. Sobald sich die einzelnen Charaktere zu weit auseinanderbewegen, schaltet die „Enhanced Edition“ dynamisch auf einen geteilten Bildschirm um, so dass jeder Spieler den Überblick bewahren kann und völlige Bewegungsfreiheit genießt.

Freiheit, so betonen die belgischen Entwickler, ist so oder so das Zauberwort bei „Divinity: Original Sin„, denn die zahlreichen Missionen und Aufträge können auf unterschiedliche Weise absolviert werden. Der Spieler wird bewusst von den Machern ermutigt, mit den unterschiedlichen Fähigkeiten der Heldengruppe zu experimentieren. Dabei gilt es die interaktive Umgebung zu berücksichtigen, die auf unterschiedliche Arten manipuliert werden kann. Mit Hilfe von Wasserzaubern können Brände gelöscht werden. Eiszauber können Flüsse in Schlittschuhbahnen verwandeln und Blitze, die auf Wasserflächen abgefeuert werden, setzen die darin stehenden Gegner unter Strom – so reagiert jedes Element mit seiner Umwelt. Diese wurde für die Neuauflage gründlich überarbeitet, grafisch wie auch klanglich. Darüber hinaus wurden sämtliche Charaktere im Spiel nun mit hochkarätigen Sprechern besetzt, so dass etliche Dialoge vertont wurden. Die Larian Studios sind sogar so weit gegangen, die Story selbst zu verfeinern und zu erweitern. Hierbei wurden nicht nur einige Szenen ausgebessert, sondern tatsächlich vollkommen neue hinzugefügt. Auch das große Finale hat noch eine alternative Überraschung parat.

In Kombination mit einer Reihe neuer Fertigkeiten, Gestaltungsmöglichkeiten für die eigenen Helden, neuen Spielmodi und Questen ist „Divinity: Original Sin Enhanced Edition“ zu einem Pflichtspiel für Freunde komplexer Fantasy-Rollenspiele geworden. Dabei wurden die Tugenden des Originals allesamt beibehalten. Die klassische isometrische 3D-Perpektive ermöglicht eine taktische Übersicht der Ereignisse und erleichtert die Orientierung in der riesigen Welt. Die sozialen Fähigkeiten und Zauber der Gruppe können effektiv zum Einsatz gebracht werden, so dass nicht nur Haudrauf-Heroen mit dicken Waffen eine Chance haben. Sollte es dennoch einmal zum Kampf kommen, geht es nicht um schnelles und chaotisches Knopfgedrücke, sondern um Köpfchen. In rundenbasierten Zügen kann das taktische Geschick unter Beweis gestellt werden.

Die dicht verwobene Handlung spielt noch vor dem Erstling „Divine Divinity“ aus dem Jahre 2002 und führt somit zu den Wurzeln der fiktiven aber lebendigen Welt von Rivellon zurück. Die beiden Protagonisten, ein Kämpfer und eine Jägerin, sind Quelljäger, Mitglieder eines angesehenen Ordens, der gegen verbotene Magiepraktiken vorgeht. In dem lauschigen Küstenstädtchen Cyseal sollen sie den Mord an einem Magier untersuchen. Kein einfaches Unterfangen, denn für seinen Tod kommen einige Bewohner der Siedlung in Frage. Aber natürlich steckt mehr hinter der ganzen Sache, als anfangs ersichtlich ist – und wieder mal muss der Untergang der Welt verhindert werden. Mit viel Humor, frischen Ideen und einer packenden Story legen die belgischen Entwickler ein faszinierendes Kleinod von Rollenspielern für Rollenspieler vor.

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Spring – Love Is A Monster

Spring – Love Is A Monster
(Koch Media)

Evans kleine und wenig heile Welt bricht in sich zusammen. Nach dem Tod seiner kranken Mutter verliert er auch noch seinen Job als Koch in einer heruntergekommenen Bar. Nachdem selbst Alkohol und Sex nicht mehr ausreichen, um über sein marodes Leben hinwegzutäuschen, zieht er die Reisleine und verlässt die Vereinigten Staaten, um als Backpacker nach Europa zu entfliehen. Über Umwege spült es ihn schließlich in eine lauschige italienische Küstenstadt am Mittelmeer, wo er die äußerst attraktive und ebenso sonderbare Louise kennenlernt.
Nach einem etwas hakeligen Start, landen die beiden in der Kiste und es beginnt eine ebenso ungewöhnliche wie warmherzige Liebesgeschichte. Um ein Auskommen zu haben, arbeitet der frisch verliebte Evan in der ländlichen Pampa bei einem alten Olivenbauer, dessen Herz von einer einzigartigen Frau gebrochen wurde. Bald muss Evan am eigenen Leib feststellen, dass Liebe äußerst schmerzhaft sein kann – in diesem Fall sogar im wahrsten Sinne des Wortes ein Monster. Louise verbirgt ein unheimliches Geheimnis und eine bizarre wie blutige Vergangenheit. Evan begibt sich dennoch unerschrocken in große Gefahr und wird vor eine ungewöhnliche Wahl gestellt …

Spring – Love Is A Monster“ ist ein ungewöhnliches Kleinod, das in keine Schublade passen möchte. Was als hartes Sozialdrama beginnt und in eine Art Roadmovie mündet, verwandelt sich kurz darauf in eine charmante Romanze, die jedoch mehr und mehr in fantastische Gefilde abtaucht. Mit einem Male werden Erinnerungen an das grausige Innsmouth und generell an H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos wach – und dennoch bleibt „Spring“ eine ungewöhnliche Geschichte über die Liebe und das Leben. Poetische Bilder und Dialoge geben der Handlung Raum und Ruhe, überhöhen das Geschehen bewusst ins Philosophische. Leider deckt das Regieduo, Justin Benson und Aaron Moorhead, die Hintergrundgeschichte der unheimlichen Schönen im weiteren Verlauf der Story bis ins Detail auf und nivelliert somit die bis dahin schwelende Angst vor dem Unbekannten. Wissenschaftlich akkurat wird der Grusel in seine Schranken verwiesen, dabei stellt die Handlung aber erneut hintergründige Fragen. Was heißt es zu leben? Was macht das menschliche Dasein wertvoll?
Zu guter Letzt rundet das Drehbuch den Plot großartig ab. Denn wo der Film mit einem tragischen Tod beginnt, endet er mit einer obskuren Geburt. Ein ungewöhnlicher Horrorfilm mit zwei beachtenswerten Hautdarstellern: Nadia Hilker („Autobahn“) als Louise und Lou Tayler Pucci („Carriers“) als Evan. Sensibel, geheimnisvoll und clever.

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Monsters: Dark Continent

Monsters: Dark Continent
(Universum Film)

Mit „Monsters“ schuf Gareth Edwards 2010 einen außergewöhnlichen Indiejuwel. In einer nicht näher bestimmten Zukunft muss ein Reporter die Tochter eines einflussreichen Medienmoguls von Mexiko in die USA bringen. Leider liegt zwischen den beiden Ländern nicht mehr einfach nur eine Mauer mit Stacheldraht, sondern die „Zona Infecta“, ein Bereich, in dem seit sechs Jahren außerirdische Ungetüme ihr Unwesen treiben. Wer damals ein spaßiges, actiongeladenes Kreaturengemetzel erwartete, wurde allerdings enttäuscht, denn der britische Kleinstbudgetstreifen konzentrierte sich vorwiegend auf die beiden Protagonisten, Samantha und Andrew. Die Monster wurden Metaphern, die Menschen wurden Monster und all das in ein bewegendes wie poetisches Roadmovie verpackt.

Jetzt holt Tom Green mit „Monsters: Dark Continent“ zu einem zweiten Streich aus, baut seine Vision der monsterbeladenen Zukunft jedoch vollständig anders auf. Er bedient sich der gleichen Hintergrundgeschichte, lässt noch einmal ein paar Jahre nach der „Monsterinvasion“ verstreichen und verlagert die Geschehnisse in die Wüstenregionen des Mittleren Ostens. Dort müssen ein paar junge Soldaten der US-Streitkräfte für Ruhe und Ordnung sorgen, jedoch weniger wegen der Aliens, sondern wegen der lokalen Bevölkerung, die die Intervention der Amis weder will noch tolerieren mag. Dementsprechend wehren sich die technisch unterlegenen Einwohner mit Anschlägen und Guerillakriegsführung. So lernen die unerfahrenen Rekruten – allesamt Freunde aus einer heruntergekommen Gegend der Vereinigten Staaten – den Ernstfall in einem feindlichen Umfeld, in dem jedes Kind und jede Frau ein potentieller Feind ist. Bei ihrem ersten großen Einsatz gerät der Trupp in einen Hinterhalt und einer nach dem anderen wird von den „Aufständischen“ getötet. Die letzten drei Überlebenden werden von den Gegnern gefangen genommen. Kurz vor ihrer Exekution tauchen jedoch die gigantischen Monster auf und es bietet sich eine letzte Möglichkeit zur Flucht …

Auch Tom Green nutzt die Monster als Metapher, setzt sie jedoch gleichzeitig als eindrucksvolle CGI-Kreaturen in Szene. Sie wurden – im Vergleich zum ersten Teil – den klimatischen Veränderungen der Wüste angepasst und wirken technisch wie aus einer großen Hollywoodproduktion. Dennoch bleiben sie im Hintergrund der Handlung und überlassen dem Homo sapiens den größten Teil der Bildfläche. Leider ist die gesamte Inszenierung jedoch inkonsistent und inkohärent. Denn die erste Hälfte von „Monsters: Dark Continent“ gestaltet sich als Anti-Kriegsdrama, das nahezu losgelöst von der eigentlichen Thematik steht. Erst dann rücken die Außerirdischen ein wenig mehr in den Fokus, wobei sie als passive Feindbilder für das menschliche Unvermögen herhalten müssen. Die Verquickung aus Kriegsthematik, militärischer Intervention, Drama, Völkerverständigung und Gesellschaftskritik bleibt unausgegoren. Zwar wird die gut gemeinte Intention des Drehbuchs erkennbar, die Ausführung bleibt aber mangelhaft.

Fans des ersten Teils und Science-Fiction-Jünger sollten dennoch einen Blick riskieren – immer unter Berücksichtigung des geringen Budgets und der genannten Schwächen.

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Cooties

Cooties
(Universal Pictures)

Für das Lehrerkollegium einer amerikanischen Grundschule wird dieser Montagmorgen zum mit Abstand beschissensten Tag des Lebens. Über ekelhafte Umwege schleicht sich ein widerlicher Virus in eine Portion frittierter Fastfood-Hähnchenpampe, die über den genüsslichen Verzehr kurzerhand im Blutkreislauf eines harmlosen Schulmädchens landet. Das kleine Blondchen sitzt am nächsten Vormittag mit Fieber und Ausschlag im Klassenzimmer und fällt nach einigen Hänselungen kurzerhand seine Mitschüler an. Über Kratzen, Beißen und Spucken gelangt der „Cooties„-Erreger in neue Wirtskörper und verwandelt diese binnen weniger Minuten in gehirn- und gedärmfressende Zombies.
Die Pädagogen sind von der ungewohnten Epidemie-Situation und dem daraus resultierenden Blutbad grenzenlos überfordert bzw. so sehr mit ihren eigenen Zipperlein beschäftigt, dass sie dem Ausbruch eher tatenlos zusehen – oder ihn partiell nicht einmal bemerken. Erst als es zu spät ist und nahezu alle Schüler zombifiziert wurden und es damit dem Kollegium an den Kragen geht, müssen sich die verstörten und sichtlich gestörten Pauker zur Wehr setzen … oder besser gesagt das Weite suchen.
A003_C003_0413L8Ein Unterfangen, das für die Pädagogen nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, denn sie alle sind eher skurril als souverän, und „exaltiert“ wäre noch eine beschönigende Beschreibung für den verschrobenen Haufen. Der Sportlehrer ist ein machohafter Rambo ohne Hirn, der eigens angereiste Vertretungslehrer Clint (Elijah Wood) wäre lieber Schriftsteller, der nächste kämpft mit seiner Homosexualität, wieder eine andere hält sich für eine Politikerin und so ließe sich der Reigen des Irrsinns beliebig weiterführen. Hinzu kommt ein übergewichtiger Schulhofwachmann, der allerdings eine Handvoll Pilze eingeworfen hat und mit Giraffen auf seinem Beifahrersitz korrespondiert. Später taucht ein japanischer Sicherheitsbeamter der Bildungsstätte auf, der eine alte Legende mit einem Frosch und einer Raupe zum Besten gibt und ein paar Zombieblagen mit seinen Katanas in Streifen schnetzelt …

Cooties“ hat übrigens nichts mit den „Goonies“ zu tun, auch wenn es hier ebenfalls um eine Reihe süßer Knirpse geht. Diese bestehen aber keine spannenden Abenteuer, sondern mutieren zu sabbernden und blutrünstigen Untoten, die gerne mal mit einem Darm Seilspringen oder mit Lehrerüberresten spielen. Obskure Szenen gibt es dabei zuhauf. Ihnen gegenüber stehen die unfähigen Pädagogen, die dem Film seinen besonderen Liebreiz verleihen. Sie sind traumatisiert, verklemmt und durchweg behämmert. Alleine durch die Interaktionen und Gespräche des Kollegiums wäre „Cooties“ eine charmant-überzogene Komödie; doch der kleine Zombievirus tut sein Übriges aus dem von Elijah Wood produzierten Streifen etwas Besonderes zu machen. Ein wenig schade ist, dass außer einem knapp 15-minütigen Interview (mit Elijah Wood) keine weiteren Bonus-Materialien auf der Blu-ray und DVD vorhanden sind. Outtakes oder ein kleines Making-of wären hier wünschenswert gewesen. Dieses Versäumnis schmälert aber den Spaß an den „Cooties“ und ihren zahlreichen kernigen Sprüchen und schrägen Ideen nicht.

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Altar – Das Portal zur Hölle

Altar
(Koch Media)

Die Hamiltons sind pleite. Künstlergatte Alec hatte schon zu lange keine erfolgreiche Ausstellung seiner Skulpturen mehr. Da kommt der große Sanierungs- und Restaurationsauftrag eines amerikanischen Investors für Ehefrau Meg wie gerufen. Zwar müssen die beiden Kinder der Familie in den sauren Apfel beißen und gemeinsam mit ihren Eltern ihre Heimat für ein halbes Jahr verlassen, um ins britische Hinterland zu ziehen, aber der Auftrag ist in jeder Hinsicht überlebenswichtig.
Irgendwo in Küstennähe zwischen nebligen Feldern, unheimlichen Baumskeletten und weit weg vom Schuss liegt das gespenstische Herrenhaus. Der Start verläuft jedoch alles andere als reibungslos, denn der eigentlich eingeplante Handwerker ist durch einen Unfall verhindert und so muss Meg in der Gegend nach Ersatz suchen. Keine leichte Aufgabe, da sich um das Anwesen einige unschöne Mythen ranken. So soll der entrückte Besitzer seine Frau rituell geopfert haben, dann von ihr heimgesucht worden und schließlich in Panik aus dem Fenster in den Tod gesprungen sein.
Entsprechend dauert es nicht lange, da huschen weiße Frauen vor dem Haus herum und es knarzt und knirscht überall im Gemäuer. Als dann die Tochter eines Nachts einen weniger erfreulichen Besuch von der unheimlichen Dame erhält und dabei beinahe durch einen Asthmaanfall einen kurzen Anfall von Tod erleidet, beginnt sich die Situation zuzuspitzen. Göttergatte Alec wird von neuen körperlichen Gelüsten und künstlerischer Inspiration beflügelt und verkriecht sich tage- und nächtelang im Gesindehaus. Ein vom Töchterchen herbeigerufener Geisterjäger warnt die Familie vor der okkulten Bruchbude und seiner bösen Vergangenheit, doch Meg will nicht darauf hören. Erst als die Kinder verschwinden und Alec schließlich vollkommen den Verstand verliert, will sie die Flucht antreten, aber da scheint alles schon zu spät …

Altar – Das Portal zur Hölle“ ist in jeder Hinsicht ein klassischer Gespensterhausgrusler mit umherhuschenden Schatten, unheimlichen Stimmen, Telefonanrufen von eigentlich toten Apparaten, verborgenen Opferräumen, einer ominösen Vergangenheit und kreischenden Kindern. Wer den Haunted-House-Horror bisher nur tangiert hat, der dürfte sich über diesen bunten Mix und die zahlreichen Versatzstücke aus üblichen Schauerzutaten freuen. Kennern des Genres werden jene ausgelatschten Standards aber bald ein gelangweiltes Gähnen entlocken, denn „Altar“ bedient sich zwar bewusst all jener schönen Gruselmomente, kann aber nicht mit Individualität oder gar neuen Ideen glänzen. Der besessene Ehemann ist bereits seit „Shining“ ein alter Hut und Blut als Wiederbelebungssaft wirkte auch in „Hellraiser“ schon ekelhafte Wunder … Überraschungen bleiben auch storytechnisch gänzlich aus. Bei dem zu routinierten und normierten Drehbuch schafft nicht einmal Schauspielerin Olivia Williams („The Sixth Sense„) ihrer Figur noch Tiefe zu verleihen. Schade um die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen und das wahrlich großartige viktorianische Herrenhaus.

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Der kleine Tod


Was sie schon immer über Sex wissen wollten … oder auch nicht

Komödien über Sex und Erotik sind so eine Sache. Meist kratzen sie verklemmt an der Oberfläche, ergötzen sich an schlüpfrigen Peinlichkeiten oder dienen der tumbsten Triebbefriedigung mittels großen Mengen nackter Haut. „Der kleine Tod“ des australischen Schauspielers und Autors Josh Lawson bezeichnet sich zwar selbst als „Eine Komödie über Sex„, ist aber weitaus mehr als das.

Im Französischen ist „la petite mort„, also der kleine Tod, eine Bezeichnung für den Orgasmus – und jener ist wiederum der Angelpunkt der Sexualität. Nicht immer ist der Weg dahin leicht und viele Paare haben so ihre Probleme damit. Josh Lawson nimmt sich bei seinem Regiedebüt diesem nicht gerade einfachen Thema mit viel Fingerspitzengefühl an, ohne dabei aber im Geringsten ein Blatt vor den Mund oder in diesem Falle wohl besser vor das Geschlechtsteil zu nehmen. Fünf verschiedene Pärchen greift er in seinem Episodenfilm heraus, konzentriert sich bewusst auf deren sexuelle Vorlieben und lässt dabei genügend Freiraum für die Figuren und deren jeweilige Lebenssituationen. Wie reagiert ein treusorgender Gatte auf den geäußerten Wunsch seiner Partnerin, vergewaltigt werden zu wollen? Was tun, wenn die eigene lustvolle Ekstase nur erlangt werden kann, wenn der Partner zutiefst betrübt ist und vor Schmerz weint? Was kann ein Paar unternehmen, wenn der Ofen aus ist? Der Gang zum Therapeuten wirft einen Versuch mit Rollenspielen in den Raum, doch leider nimmt Göttergatte Dan die Sache ein wenig zu ernst und entdeckt seinen Wunschtraum Schauspieler zu werden. Der ruhige Phil leidet unterdessen an der herrischen Art seiner Maureen. Irgendwann stellt er fest, dass es ihn erregt, sie schlafen zu sehen, denn dann kann sie ihm keine Vorhaltungen machen. Und dann war da noch die putzige Monica, die bei ihrem Job als Internet-Dolmetscherin den Videotelefonie-Anruf eines Taubstummen bei einer Sex-Hotline übersetzen muss. Keine leichte Aufgabe für die schüchterne und unsichere Frau – und doch keimt am Ende des kuriosen Gesprächs so etwas wie Liebe zwischen ihr und dem Kunden auf.

Der kleine Tod“ ist ein herzenswarmer aber zugleich bitterböser Film über das komplexe Gewirr menschlicher Sexualität. Über weite Strecken zum Schreien komisch, schnürt er dem Zuschauer aber immer wieder auch genüsslich die Kehle zusammen. Erwartungshaltungen werden bewusst und genüsslich gebrochen und der gesamte Verlauf der Episoden bleibt bis zum teils bitteren Ende offen. Geschickt und symbolschwanger verbunden werden die einzelnen Kapitel durch einen zugezogenen Sexualstraftäter, der nach australischem Recht verpflichtet ist, seine Vergehen offen zu bekunden. Um dies zu überspielen, backt er den neuen Nachbarn die politisch unkorrekten Golliwogs – eine verpönte Spezialität in Australien. Wo immer er aber Kontakt aufnehmen möchte, stößt er auf kriselnde Beziehungen. Sexualität wird nicht nur als genussbringend dargestellt, sondern als äußerst komplex und fragil und in ihrer Auslebung manchmal mit erheblichen Problemen verbunden. Der Orgasmus ist als kleiner Tod somit – wie der Schlaf auch – ein naher Verwandter des Todes. Und doch strebt das Leben auf ihn zu und geht daraus hervor, wenngleich auf verschlungenen Pfaden.

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