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Mara und der Feuerbringer

Mara und der Feuerbringer
(Constantin)

Die vierzehnjährige Mara Lorbeer ist eigentlich eine ganz gewöhnliche Jugendliche. Okay, ihre Mutter redet mit Bäumen, atmet Sonnenlicht ein und hat auch ansonsten einen an der esoterisch verquirlten Waffel, aber sie hat das Herz am rechten Fleck. In der Schule hat Mara die gleichen Sorgen wie viele andere auch, wird gemobbt und zudem als Träumerin verspottet. Letzteres nicht ganz zu unrecht, denn schon seit einiger Zeit wird sie von äußerst düsteren Visionen heimgesucht. Als ihr dann auch noch ein quasselnder Ast prophezeit (übrigens von Mattscheiben-Kritiker Oliver Kalkofe gesprochen), dass sie eine Spákona, also eine junge Seherin, ist, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Denn irgendwie vermag sie in der Geschichte umherzureisen und den mit einer Schlange an einen Felsen gebundenen Loki und dessen blondhaarige Gattin zu besuchen. Und mehr als das. Mit der Unterstützung des unkonventionellen Universitätsprofessors Dr. Reinhold Wissinger stürzt sie sich in ein Abenteuer jenseits der realen Welt, dort wo Drachentöter und Götter umhertappen – und dort wo das Ende der Welt bevorsteht. Dieses wird aber gar nicht durch die üblichen Verdächtigen eingeläutet, sondern durch einen ziemlichen heißen Typen … „Mara und der Feuerbringer“ ist eine Jugendbuchverfilmung mit starkem Fantasyeinschlag und ironischem Grundtenor. Erfreulich ist in erster Linie der saloppe Umgangston bei dem durchaus mal ein böser Gott oder ein Drachen als Bossgegner tituliert wird. Aber trotz der beachtlichen Besetzung mit Esther Schweins oder Christoph Maria Herbst bleibt der deutsche Streifen lediglich nett anzusehen, hinterlässt aber keinerlei bleibenden Eindruck.

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Take Shelter

Take Shelter
(Ascot Elite)

Curtis LaForche hat alles, was das Herz begehrt: eine ihn liebende Frau, eine zauberhafte Tochter, ein Haus und einen Job. So betrachtet ist er ein richtiger Glückspilz. Doch in ihm schlummert eine zermürbende Angst. Als zehnjähriger Knirps wurde er von seiner Mutter im Auto auf einem Parkplatz „ausgesetzt“. Erst nach einer Woche konnte sie aufgespürt werden, als sie aus einer Mülltonne aß – Diagnose: paranoide Schizophrenie. Nun ist Curtis so alt, wie seine Mutter damals, als der Wahnsinn sie für immer verschlang. Auch bei ihm tauchen erste Anzeichen einer Psychose auf. Mit beunruhigenden Träumen eines gewaltigen Sturms fängt alles an, doch bald kommen Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen dazu. Aus Angst, so zu enden wie seine Mutter, begibt er sich verängstigt in psychiatrische Behandlung, auf der anderen Seite hält er seine Albträume für Visionen – eine Warnung vor einem alles zerstörenden Unwetter. Als er den Schutzkeller im Garten in großem Stile ausbauen möchte, verschuldet er sich nicht nur hoffnungslos, sondern bringt auch seine Ehe in Gefahr. Und niemand glaubt seinen unheilvollen Prophezeiungen. Zwei grandiose Schauspieler holen aus dem geschickt gestrickten Drehbuch das Letzte heraus, stilsicher geführt von einer exzellenten Regie. Ein faszinierender, ruhiger Film voller intensiver Kraft und beklemmender Spannung.

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Strings

Strings
(3L)

Ein Marionettenfilm in Spielfilmlänge für Erwachsene ganz ohne aufwändige Computertricktechnik? „Strings“ beweist eindringlich, dass es keiner Hollywood-Dogmen und Blockbuster-Großkotzigkeit bedarf, um ein Meisterwerk zu erschaffen. Vier Jahre nach der Idee von Anders Ronnow-Klarlund war mithilfe von 115 speziell entworfenen Marionetten, 22 der besten Puppenspieler aus Europa und den USA, mehr als 150 Mitarbeitern und nicht zu vergessen 10 Kilometern Schnur der erste Marionetten-Spielfilm geboren. „Strings“ ist ein zauberhaftes Märchen und ein bitteres Drama zugleich. Da wären die liebevollen und beeindruckenden Marionetten, die mit bis zu fünf Puppenspielern bewegt werden mussten, aber auch die traumhaften Kulissen, die der hervorragend erzählten Geschichte bemerkenswerten Ausdruck verleihen. Der König des Reiches Hebalon ist des Krieges müde. Er hofft auf ein neues Zeitalter des Friedens und vermacht seinem Sohn Hal Tara sein Imperium. Doch sein listiger Bruder fädelt eine folgenschwere Verschwörung ein, die den jahrelangen Konflikt zwischen Hebalon und den Zeriths zu einem blutigen Finale bringen soll. Der junge Thronerbe verfällt den Lügen seines Onkels und macht sich in die Fremde auf, nur, um ein verfolgtes Volk vorzufinden, das ihn in die Geheimnisse des Lebens einweiht und ihm damit die Augen öffnet: Wir alle sind miteinander verbunden! Ein metaphorisches und opulentes Kunstwerk.

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Melancholia

Melancholia

Melancholia
(Concorde)

Der menschenscheue Lars von Trier legte mit „Antichrist“ ein metaphorisches Meisterwerk vor, das mit seiner schier unerträglichen Bildgewalt stark polarisierte. Mit „Melancholia“ beschreitet er nun gänzlich andere Wege, nutzt eher die leisen Töne und sanften Farben, um aber eine ebenso bittere Aussage zu treffen. Es scheint ein großartiger Abend zu werden. Justine und Michael fahren in einer Luxuslimousine ihrem gigantischen Hochzeitsfest entgegen, ausgerichtet auf dem pompösen Landschloss ihres Schwagers. Sie lachen und sind ausgelassen. Doch während überall Jubel und Trubel herrschen, fällt Justine mehr und mehr aus der Rolle. Ihr Lachen erscheint bald nur noch als hohle Maske und sie kapituliert schließlich gänzlich vor der heiteren Gesellschaft. Bald darauf findet sich die unter schweren Depressionen leidende Justine in jenem Herrenhaus in der Obhut ihrer Schwester wieder. Während die „Wahnsinnige“ zuvor an der Wirklichkeit der Welt scheitern musste, beginnen sich die Rollen der Figuren langsam zu vertauschen. Denn ein gewaltiger Planet namens Melancholia rast auf die Erde zu und konfrontiert alle mit einem bevorstehenden Untergang. Die „Normalen“ versuchen sich etwas vorzumachen, die Lage zu beschönigen und müssen dennoch verzweifeln. Die stetig mit dem Horror finsterster Depression gepeinigte Justine erscheint nun vielmehr als „normal“ und erwartet das unausweichliche Ende mit mutiger Gelassenheit. Poetisch und, ja, melancholisch.

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Space Pirate Captain Harlock

„Space Pirate Captain Harlock“
(Toei Animation/Universum)

Die Abenteuer des fantastischen Weltraumpiraten Captain Harlock“ faszinieren seit den Siebzigern Manga-, Anime- und Science-Fiction-Fans. 1977 hob das Freibeuterschiff Arcadia erstmals auf Papier ab, um seither immer wieder in unterschiedlichen Formaten die Leinwände zu entern. Die aufwändige, computeranimierte 3D-Neuauflage von Shinji Aramaki führt die Abenteuer des verwegenen „Allräubers“ in eine völlig neue Dimension und besticht mit einem fantastischen Look und einer ebenso fetzigen Inszenierung.

Die Menschheit hat die Erde längst verlassen, war aufgebrochen, das Universum zu besiedeln. Wie eine Flut wogte der Homo sapiens durch den Kosmos, aber dann setzte die Ebbe ein und die Erdenbewohner wollten zurück zu ihrer Heimat. Die gewaltige Zahl von 500 Milliarden Siedlern konnte der Blaue Planet jedoch nicht fassen. So entbrannte ein Streit um Mutter Erde, der Heimatkrieg. Um die Menschheit vor einem sicheren Niedergang zu bewahren, wurde die Gaia Sanction gegründet, die die Erde für heilig erklärte und eine Neubesiedelung verbot. Die Erdenkinder sollten fortan auf ihren Kolonien verweilen, fernab von ihrer Heimat, verdammt und verlassen.

Dieses oberste Gebot der neuen Ordnung will Harlock, einst ein Diener der Machthaber, nicht akzeptieren. Mit seinem unbesiegbaren Schiff, der Arcadia, zieht der melancholische und unsterbliche Antiheld durch die endlose Leere, um an 100 verschiedenen Punkten spezielle Bomben zu zünden, um das Raum-Zeit-Gefüge aus den Angeln zu heben und der Menschheit einen Neuanfang zu bescheren. Die Gaia Sanction weiß von dem Unterfangen des berüchtigten Kaperfahrers und schleust einen fähigen Spion auf die Arcadia ein, um die Zündung der Sprengköpfe zu verhindern und Harlock unschädlich zu machen. Doch der Maulwurf, Yama, tut nicht wirklich was er soll, sondern erkennt die hehren Ziele Harlocks und schließt sich dem Depri-Freibeuter an. Als der jedoch einen letzten Sprengsatz auf der Erde platzieren will, mobilisiert die Gaia Sanction nicht nur ihre ganze Flotte, sondern auch noch eine uralte Superwaffe …

Die Handlung von „Space Pirate Captain Harlock“ folgt keinen europäischen oder amerikanischen Mustern, sondern ist zutiefst der japanischen Erzähltradition verpflichtet. So müssen hier und da Verstand und Logik aus- und der Bauch eingeschaltet werden. Hinterfragen ist nicht angebracht, vielmehr muss sich der Zuschauer einfach von der Story mitnehmen lassen und akzeptieren, dass es hier und da ein wenig holpert und manchmal sogar der Plot hinter der edlen und anspruchsvollen Bildästhetik zurücktreten muss. Dafür fegt „Space Pirate Captain Harlock“ seine Betrachter um, glänzt mit imposanten Bild-Ton-Arrangements, wuchtigen Action-Sequenzen und griffigen Szenarien irgendwo zwischen Endzeit, Steampunk und High-SciFi. „Star Trek„- und „Star Wars„-Jünger finden sogar die ein oder andere Reminiszenz …

Leider merkt man dem eindrucksvollen Anime aber an, dass versucht wurde, möglichst viel „Harlock„-Stoff in knapp zwei Stunden Film zu pressen, weshalb wichtige Hintergrundinformationen zu kurz geraten oder die Charaktere eben doch nur archetypischen Mustern folgen. Spaß machen die Abenteuer mit Captain Harlock aber allemal! Und stylish sind die obendrein.

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Jupiter Ascending

Jupiter Ascending-CoverJupiter Ascending
(Warner Bros)

Heilige Scheiße! Die Wachowski-Geschwister haben mit der „Matrix“-Trilogie zweifellos Filmgeschichte geschrieben, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. In der Zwischenzeit hatten sie ihre Fingerchen auch in einigen grandiosen Projekten wie „Cloud Atlas“ oder „V wie Vendetta“ drin. Was sie allerdings mit ihrer Science-Fiction-Oper „Jupiter Ascending“ erreichen wollten, bleibt eher nebulös. SciFi-Action für Teenies? Eine massentaugliche Synthese aus „Star Wars“, „Twilight“ und „Matrix“? Oder sollte einfach in möglichst kurzer Zeit so viel Kohle wie möglich für Spezialeffekte verpulvert werden?

Aber fangen wir vorne an. Die nicht unbedingt hässliche Jupiter Jones ist ein Kind großer Liebe. Dumm nur, dass ihr Vater noch vor ihrer Geburt ermordet wurde und sie nun bei ihrer etwas schrulligen russischen Familienbande aufwächst. Ihr Leben als Putze ist nicht unbedingt sonderlich erfüllend, jeder Tag der gleiche Trott. Als aber eines Tages der muskulöse Schönling Caine, eine Art menschlicher Wachhund auf zwei Beinen, auftaucht und ihr davon erzählt, dass die Erdenbewohner alles andere als alleine im Weltall sind, wird für die junge Frau ein Traum wahr. Mehr noch als das, denn sie erfährt von einem Verbündeten Caines, dass sie eine Königin und Alleinerbin der Erde ist. Flugs macht sie sich ins All auf, um ihre Ansprüche auf den Thron zu erheben – wenngleich ein wenig skeptisch und zögerlich. Dort läuft aber alles anders als gedacht und wenig geschmiert, denn die Mächtigsten der Reichen haben es ebenfalls auf den Blauen Planeten abgesehen. Nicht weil der so schön im Dunkeln leuchtet, sondern weil dort vor ein paar Jahrtausenden die Menschen als Erntegut angebaut wurden. Die aus 100 Homo sapiens gewonnene Lebensenergie reicht nämlich aus, um ein paar adligen Herrschern die ewige Jugend zu schenken. Dumm nur, dass die naive Jupiter auch auf jeden doofen Plan hereinfällt und ihr der gute Caine immer wieder aus der Patsche helfen muss. Natürlich verliebt sich das treudoofe Girlie in ihren humanoiden Leibwächter und der darf noch einen Haufen heldenhafter Ruhmestaten vollbringen, bis nach über zwei Stunden Spielzeit das ganze Spektakel zu Ende ist.

Was der geneigte Zuschauer in dieser Zeit zu Gesicht bekommt ist rein optisch atemberaubend schön und eindrucksvoll, denn die unterschiedlichen Schauplätze sind fantasievoll und detailliert in Szene gesetzt worden. Da gibt es gewaltige Raumschiffe, grandiose Planetenoberflächen, flotte Actioneinlagen, ein paar fulminante Ballereien und ähnliches. Was dem Film jedoch fehlt sind tolle Charaktere, ein sinnvoller Plot, generell ein gutes Drehbuch und eine homogene Verbindung von alledem. Aber Pustekuchen. „Jupiter Ascending“ trieft vor gähnenden Klischees, platten Handlungsbögen, oberflächlicher Spannungserzeugung oder tumben Konversationen. Auch die Idee, dass Menschen als Nahrungsgrundlage oder Energieerzeuger genutzt werden ist spätestens seit „Matrix“ nicht mehr spannend. Was damals aber noch knackig und clever konstruiert war, entpuppt sich hier als schales Hollywood-Konstrukt ohne jede Seele, publikumswirksam auf dem Reißbrett entworfen und dann x-beliebig zusammengefummelt. Was an Inhalt fehlt, wird mit dicken Effekten überstrichen – es bleibt am Schluss jedoch eine Geschichte, die George Lucas nicht kitschiger und schlechter hätte erzählen könnte.

Einst standen die Wachowskis für Innovation und Einfallsreichtun, hier gibt es ein Effektfeuerwerk ohne Sinn und Verstand. Ein hirnloser Grafikoverkill!

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Total War Warhammer

Total War WarhammerRule the world

Segas „Total War“-Reihe gehört zur Speerspitze der Strategie- und Taktikgefechte. Auf clevere Weise kombinieren die Macher Echtzeitaction, Rundengeknobel, Diplomatie, Aufbau und Wirtschaft zu einem schlüssigen Ganzen und nicht zuletzt auch zu einem durch und durch packenden Erlebnis.

„Shogun: Total War“ legte anno 2000 den Grundstein für die Erfolgssaga und in regelmäßigen Abständen legten die Kreativköpfe bei The Creative Assembly Erweiterungen oder Fortsetzungen nach. So ließ sich in verschiedenen Epochen und Kulturen um die Weltherrschaft streiten. Nach all diesen historisch weitestgehend fundierten Ausflügen in die Vergangenheit, macht sich das Tochterunternehmen mit dem nächsten Teil der Serie in neue Gefilde auf: ins fantastische „Warhammer“-Setting. Und der neue E3-Trailer fasst diesen Wechsel gekonnt und bewegend zusammen. Jetzt heißt es nur noch warten …

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“
(Warnerbros)

Es ist viel geschimpft worden über Peter Jacksons „Der Hobbit„-Adaption fürs Kino. Der erste Teil sei zu langweilig, der zweite zu actionlastig und der dritte würde ja gar nicht zum Original gehören. Peter Jackson und sein Drehbuchkompagnon Guillermo del Toro hätten zu viele Figuren erfunden, zu viel hinzugedichtet, sich zu weit aus der Hobbithöhle gelehnt. Gut, Quotenelfenschönling Legolas hat hier tatsächlich nichts verloren und kann mit seinem nervigen Rumgehopse den Elfenbogen durchaus überspannen, aber in allen anderen Fällen hat das Schöpfer-Duo etwas Einmaliges geleistet. „Der Hobbit“ taugt als Roman nicht für eine familienkompatible Leinwandadaption mit millionenschwerem Budget. Zu märchenhaft und kindlich ist sein Grundtenor. Deshalb kamen die zwei Verantwortlichen auf die Idee, einige Nebenfiguren – die über weite Strecken im Buch vorkommen oder zumindest erwähnt werden (so auch der Istari Radagast) – bewusst in die Handlung einzubeziehen, ebenso wie Nebenschauplätze und sekundäre Handlungsstränge. Vielfach wurde der ursprüngliche Hobbit-Stoff mit den geschichtlichen Begebenheiten des „Silmarillions“ abgeglichen und angereichert und so das Geschehen in einen gesamtheitlichen Tolkien-Hintergrund eingebettet.

Die Schlacht der fünf Heere“ behandelt eigentlich nur die letzten Seiten des Buches und ist als Abschluss der Kino-Trilogie doch zum gewaltigen Zweieinhalb-Stunden-Brecher geworden. Schwerpunkt der Geschehnisse ist ein riesiges Gefecht im Jahre 2941 D.Z. auf den Hängen des Erebor zwischen den Menschen von Esgaroth und Thal, den Elben des nördlichen Düsterwaldes und den Zwergen von Erebor und der Eisenberge auf der einen und einer riesigen Armee der Orks mit Unterstützung von zahlreichen Trollen auf der anderen Seite. Zum Glück greift Beorn mit den Adlern des Nebelgebirges ein, ebenso wie Radagast, um dem unausweichlichen Untergang entgegenzusteuern.

Vieles ist zwar frei eingefügt worden, doch die Eckdaten entsprechen Tolkiens Vorstellungen. Ein wenig unentschlossen wirkt das gewaltige Schlachtengemälde allerdings doch. Auf der einen Seite versucht „Der Hobbit“ Familienfilm zu bleiben, ist aber andererseits um beinharte Action und fetzige Kampfszenen bemüht. Hinzu gesellen sich ein paar unglückliche Abenteuerfilmanleihen, die sich ebenfalls nicht so ganz harmonisch in das epische Gesamtbild einfügen wollen. Diese unhomogene Stilistik macht der dritte Teil indessen mit einer atemberaubenden Optik und zahlreichen interessanten Einfällen wieder wett. Mit dem Zwergenkrieger Dáin Eisenfuß hat Peter Jackson sogar einen Bilderbuch-Warhammer-Zwerg aus dem Ärmel geschüttelt – und auch Thranduil ist zu einem vielschichtigen Charakter geformt worden. Bilbo Beutlin muss angesichts der zahlreichen Kämpfe deutlich in den Hintergrund rücken, vollbringt aber nichtsdestotrotz einige heldenhafte Taten und hilft seinem Zwergenfreund Thorin II. Eichenschild nach dem Rausch des Goldes wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzufinden. Ein sehenswertes aber stilistisch etwas wankelmütiges Finale Grande.

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Blob – Schrecken ohne Namen

Blob – Schrecken ohne Namen
(Capelight/Alive)

Es darf wieder gewabbelt werden. Die Filmfeinschmecker von Capelight Pictures haben den guten alten „Blob“ aus dem Jahre 1958 hochgewürgt und im edlen Mediabook formschön ausgerotzt. Damit ist die kultige Trashperle aus frühen Kinotagen sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray (wieder) verfügbar – und in dieser schicken Edition mit 24-seitigem Booklet vor allem für Sammler ein echtes Juwel. In dem ausgiebig bebilderten Heftchen findet der Cineast zahlreiche Infos zur Entstehungs- sowie Evolutionsgeschichte des schleimigen Kotzbrockens aus dem Weltall. Auch die Schauspieler und der Regiestuhl werden unter die Lupe genommen, vor allen Dingen aber auch die zahlreichen Ableger, die der „Blob“ nach sich zog. Drei wirklich hörenswerte Audiokommentare geben tiefere Einblicke in das Machwerk, bei dem der noch junge Steve McQueen in der Hauptrolle zu sehen ist. Außerdem wurden Ton und Bild eigens für diese Ausgabe restauriert – die Handlung bleibt allerdings genau so saublöd und unterhaltsam wie eh und je. In irgendeiner verschlafenen Kleinstadt in Pennsylvania brettert ein kleiner Meteorit in ein entlegenes Waldstück. Dort lebt ein alter Zausel, der nichts besseres zu tun hat, als mit einem alten Stöckchen in dem außerirdischen Klumpen herumzuwühlen. Dabei kommt er mit der schleimigen Aliensoße in Berührung, die sich prompt über seine Hand stülpt und dem neugierigen Rentner „ein wenig“ Unbehagen bereitet. Zum Glück rennt er aber schnurstracks dem anbändelnden Pärchen Steve Andrews und Jane Martin vors Auto, die den strubbeligen Alten zum nächsten Onkel Doktor fahren. Der ist von der klebrigen Gallertpampe überfordert und ruft seine Arzthelferin herbei, um dem Wachstum des Glibbers durch Amputation der befallenen Gliedmaßen entgegenzutreten. Doch der Blob hat sich schon an seinem ersten Wirtskörper satt geschlabbert und ist beträchtlich gewachsen. Mit jedem neuen Opfer, das er vollschleimen kann, wird er beängstigend größer – und so beginnt sein widerwärtiger Angriff auf die gesamte Menschheit …

Der „Blob“ – dargestellt durch eine klebrige Silikonmasse – ist ein in jeder Hinsicht ergötzend schlechter Streifen, dem es an haarsträubenden Dialogen und entzückenden Logiklöchern nicht mangelt. Unglaublich zähe aber spaßige Plot-Einschübe gehören zum guten Ton, ebenso wie (aus heutiger Sicht) lächerliche Handlungsweisen der Protagonisten. Ob der „Blob – Schrecken ohne Namen“ tatsächlich als Sinnbild für den Kommunismus gesehen werden kann oder den Generationenkonflikt der Fünfziger aufarbeiten soll ist bei diesem delikaten Monstermurks eigentlich egal. Hier wird feinste Pulp-Kost serviert, bei dem das Gehirn durchaus 83 Minuten auf Standby geschaltet werden kann.

Übrigens ist im Augenblick ein weiteres Remake im Anmarsch. Wer darüber hinaus ein paar Blicke auf die Neuauflage von 1988 werfen will, der erfreue sich am erfreulich ekligen Videozusammenschnitt ganz unten.

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Blackguards Bundle

Blackguards 2 Blackguards 1Doppelt gemoppelt

Wer auf klassische Rundentaktik steht, ist bei „Blackguards“ nicht schlecht aufgehoben. Wer darüber hinaus auch noch „Das Schwarze Auge“-Rollenspieler ist, fühlt sich in dem in Aventurien angesiedelten Setting gleich doppelt wohl.

Noch bis zum 29. April um 18:00 Uhr gibt es das Doppelpaket aus „Blackguards 1“ und „Blackguards 2“ inklusive dem Download-Content „Untold Legends“ mit über 105 Stunden Gesamtspielzeit bei Steam zum Killerpreis von 12,50 Euro. Das ist viel zocken, knobeln und kämpfen für wenig Geld.