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Cinderella

Cinderella
(Disney)

Hollywood hat das Märchen wieder für sich entdeckt. Disney selbst grub in letzter Zeit mit „Maleficent“ das verschlafene Dornröschen wieder aus, verpasste dem Geschehen jedoch einen düsteren Fantasyanstrich und eine neue Perspektive. Auch Dunkelromantiker Tim Burton durfte „Alice im Wunderland“ modernisieren und zu neuen Einspielhöhen führen. Eisköniginnen, Schneewittchen und andere fantastische Berühmtheiten buhlten ebenfalls schon um die Eintrittsgelder des Publikums; in Kürze folgt noch „Die Schöne und das Biest“ und auch der Elefantenpilot Dumbo und das „Dschungelbuch“ werden generalüberholt.
Zu dieser neuen Welle des märchenhaften Familienentertainments gehört auch die Neufassung von Aschenputtels Lebensgeschichte. „Cinderella“ zielt dabei bewusst auf ein junges, weibliches Publikum ab und erfreut mit einer zielsicheren Erzählweise und farbenprächtigen Inszenierung. Die böse Stiefmutter, die Aschenputtel in Zusammenarbeit mit ihren beiden widerlichen Töchtern mehr und mehr von der ungeliebten Stieftochter zur in den Speicher verstoßenen Haussklavin macht, wird von Cate Blanchett wunderbar verkörpert. Auch die leidgeplagte und geduldige Cinderella (Lily James) macht eine durchaus gute Figur und hinterlässt einen lobenswerten Eindruck. Kleine Kniffe in der Story und eine ideenreiche Umsetzung machen die bekannten Abläufe um einen feengesponsorten Ballabend mit verlorenem Kristallschuh und Suche des Prinzen nach dessen Besitzerin wieder interessant – eine erhöhte Romantiktoleranz ist allerdings dringende Voraussetzung.

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Take Shelter

Take Shelter
(Ascot Elite)

Curtis LaForche hat alles, was das Herz begehrt: eine ihn liebende Frau, eine zauberhafte Tochter, ein Haus und einen Job. So betrachtet ist er ein richtiger Glückspilz. Doch in ihm schlummert eine zermürbende Angst. Als zehnjähriger Knirps wurde er von seiner Mutter im Auto auf einem Parkplatz „ausgesetzt“. Erst nach einer Woche konnte sie aufgespürt werden, als sie aus einer Mülltonne aß – Diagnose: paranoide Schizophrenie. Nun ist Curtis so alt, wie seine Mutter damals, als der Wahnsinn sie für immer verschlang. Auch bei ihm tauchen erste Anzeichen einer Psychose auf. Mit beunruhigenden Träumen eines gewaltigen Sturms fängt alles an, doch bald kommen Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen dazu. Aus Angst, so zu enden wie seine Mutter, begibt er sich verängstigt in psychiatrische Behandlung, auf der anderen Seite hält er seine Albträume für Visionen – eine Warnung vor einem alles zerstörenden Unwetter. Als er den Schutzkeller im Garten in großem Stile ausbauen möchte, verschuldet er sich nicht nur hoffnungslos, sondern bringt auch seine Ehe in Gefahr. Und niemand glaubt seinen unheilvollen Prophezeiungen. Zwei grandiose Schauspieler holen aus dem geschickt gestrickten Drehbuch das Letzte heraus, stilsicher geführt von einer exzellenten Regie. Ein faszinierender, ruhiger Film voller intensiver Kraft und beklemmender Spannung.

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ATM – Tödliche Falle

ATM – Tödliche Falle
(Universum)

Irgendwo in einem kleinen Kabuff sitzt ein unerkannt bleibender Knilch und studiert akribisch ein Parkplatzgelände – seine Absichten scheinen dabei nicht ehrenhaft zu sein. Davon weiß der junge Anlagenberater David nichts, der sich gerade mit seiner von ihm verehrten Kollegin Emily von der Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers abseilen will. Aber ein weiteres Näherkommen wird durch den nervigen Mitarbeiter Corey verhindert. In der Hoffnung, ihn loszuwerden, halten die drei auf dem Heimweg an einem ATM-Häuschen, einem kleinen Bank-Container, um dort ein bisschen Geld abzuheben. Als sie bei der klirrenden Kälte den Automaten bedienen wollen, taucht ein Fremder in einem Parka vor dem Tempel des Kommerzes auf und tötet kurzerhand einen gassigehenden Passanten. Dann bleibt er demonstrativ draußen stehen und beobachtet das Trio, das in helle Panik ausbricht. Was will der Fremde? Ist er ein Irrer oder hat er mit einem von ihnen eine Rechnung offen? Unterdes erkennen die Belagerten, dass ihr Peiniger genau weiß, was er tut, und nichts dem Zufall überlässt – und er geht über Leichen, um zu bekommen, was er will. Ein über weite Strecken stimmig aufgebauter Nervenzerrer, der zwar mit einigen Schwächen zu kämpfen hat, aber dennoch eine anderthalbstündige Zitterpartie verspricht.

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Strings

Strings
(3L)

Ein Marionettenfilm in Spielfilmlänge für Erwachsene ganz ohne aufwändige Computertricktechnik? „Strings“ beweist eindringlich, dass es keiner Hollywood-Dogmen und Blockbuster-Großkotzigkeit bedarf, um ein Meisterwerk zu erschaffen. Vier Jahre nach der Idee von Anders Ronnow-Klarlund war mithilfe von 115 speziell entworfenen Marionetten, 22 der besten Puppenspieler aus Europa und den USA, mehr als 150 Mitarbeitern und nicht zu vergessen 10 Kilometern Schnur der erste Marionetten-Spielfilm geboren. „Strings“ ist ein zauberhaftes Märchen und ein bitteres Drama zugleich. Da wären die liebevollen und beeindruckenden Marionetten, die mit bis zu fünf Puppenspielern bewegt werden mussten, aber auch die traumhaften Kulissen, die der hervorragend erzählten Geschichte bemerkenswerten Ausdruck verleihen. Der König des Reiches Hebalon ist des Krieges müde. Er hofft auf ein neues Zeitalter des Friedens und vermacht seinem Sohn Hal Tara sein Imperium. Doch sein listiger Bruder fädelt eine folgenschwere Verschwörung ein, die den jahrelangen Konflikt zwischen Hebalon und den Zeriths zu einem blutigen Finale bringen soll. Der junge Thronerbe verfällt den Lügen seines Onkels und macht sich in die Fremde auf, nur, um ein verfolgtes Volk vorzufinden, das ihn in die Geheimnisse des Lebens einweiht und ihm damit die Augen öffnet: Wir alle sind miteinander verbunden! Ein metaphorisches und opulentes Kunstwerk.

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Die Frau in Schwarz

Die Frau in Schwarz 
(Concorde)

Der junge Anwalt Arthur Kipps ist nach dem Tod seiner Frau psychisch schwer angeschlagen. Mit einem großen Auftrag, der ihn in das entlegene Örtchen Crythin Gifford führt, will er sein privates wie berufliches Leben wieder in Ordnung bringen. Seinen dreijährigen Sohn muss er zwar schweren Herzens bei einem Kindermädchen zurücklassen, aber dennoch sieht er dem Auftrag seiner Kanzlei wohlwollend entgegen. Vor Ort soll er den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow auflösen. Doch als er in dem hinterwäldlerischen Nest angekommen ist, reagieren die Einwohner argwöhnisch und verängstigt. Erst mit einer ordentlichen Bestechung erreicht er, dass der Kutscher ihn zu der angeblich verfluchten Villa Eel Marsh House fährt, wo er Zeuge seltsamer Erscheinungen wird. Waren da nicht Kinder im Nebel? Und stand da nicht eben eine schwarze Frau? Leider bleibt Daniel Radcliffes schauspielerische Leistung auf Harry-Potter’schem Niveau, und so gelingt es ihm nicht, der Hauptfigur Leben einzuhauchen. Dem viktorianischen Grusler mangelt es zudem an zündenden Einfällen, sodass meist nur altbekannte Standards aufgefahren werden. Im Gegensatz dazu sind die Kulissen und das gesamte Szenario als grandios zu bezeichnen. So bleibt ein netter, aber wenig innovativer Geisterfilm mit einem stets gleich belämmert dreinblickenden Protagonisten vor wundervollen Bühnenbildern.

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Monster Brawl

Monster Brawl
(Splendid)

Welch drolliger Unfug! Man nehme sich ein paar Kumpels und Kumpelinen, ein paar Pizzen, Popcorn und beliebige Arten und Mengen von Alkohol und lasse den Kampf der lebenden Toten und Ungeheuer beginnen. Die Grundidee von „Monster Brawl“ ist so simpel wie bescheuert: In einem Wrestlingring irgendwo auf einem verfluchten Friedhof treten acht prominente Ungetüme gegeneinander an. Da das keine vollen 90 Minuten ergeben würde, stellt man jede der Kreaturen noch ausgiebig vor – ganz wie bei den Berühmtheiten des Ringsports – und lässt ein Rudel Kommentatoren albernen Irrsinn reden – sogar der Austragungsort wird in das sinnfreie Geschehen eingebunden. So darf man denn vergnügt beobachten, wie sich Cyclops, Swamp Gut, Frankensteins Monster, ein Werwolf, Zombie-Mann, Witch Bitch, Lady Vampire und die Mumie gegenseitig in Stücke reißen. Leider ist das erste Drittel des Schlachtfestes deutlich zu zaghaft und dürfte gerne mit mehr Splatterschweinereien aufwarten; zum Glück gibt es später aber noch genügend zerstampfte Schädel und abgerissene Körperteile. Dumm und albern, aber für Trash- Freunde ein Fest.

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Melancholia

Melancholia

Melancholia
(Concorde)

Der menschenscheue Lars von Trier legte mit „Antichrist“ ein metaphorisches Meisterwerk vor, das mit seiner schier unerträglichen Bildgewalt stark polarisierte. Mit „Melancholia“ beschreitet er nun gänzlich andere Wege, nutzt eher die leisen Töne und sanften Farben, um aber eine ebenso bittere Aussage zu treffen. Es scheint ein großartiger Abend zu werden. Justine und Michael fahren in einer Luxuslimousine ihrem gigantischen Hochzeitsfest entgegen, ausgerichtet auf dem pompösen Landschloss ihres Schwagers. Sie lachen und sind ausgelassen. Doch während überall Jubel und Trubel herrschen, fällt Justine mehr und mehr aus der Rolle. Ihr Lachen erscheint bald nur noch als hohle Maske und sie kapituliert schließlich gänzlich vor der heiteren Gesellschaft. Bald darauf findet sich die unter schweren Depressionen leidende Justine in jenem Herrenhaus in der Obhut ihrer Schwester wieder. Während die „Wahnsinnige“ zuvor an der Wirklichkeit der Welt scheitern musste, beginnen sich die Rollen der Figuren langsam zu vertauschen. Denn ein gewaltiger Planet namens Melancholia rast auf die Erde zu und konfrontiert alle mit einem bevorstehenden Untergang. Die „Normalen“ versuchen sich etwas vorzumachen, die Lage zu beschönigen und müssen dennoch verzweifeln. Die stetig mit dem Horror finsterster Depression gepeinigte Justine erscheint nun vielmehr als „normal“ und erwartet das unausweichliche Ende mit mutiger Gelassenheit. Poetisch und, ja, melancholisch.

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Hell

 

Hell 
(Paramount)

Der Mensch ist ein Meister der Zerstörung. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, Tierarten auszurotten oder die Umwelt zu vergiften, schändet er sich gerne auch selbst. Der deutsche Endzeitstreifen „Hell“ zeigt das Ende der Welt in zugleich spannenden wie niederschmetternden Bildern und kokettiert dabei sogar mit dem Horrorgenre, indem er gekonnt mit Hinterwäldler- Schlächter-Elementen spielt. Der Titel ist ein gelungenes Wortspiel, das nicht nur das destruktive Gleißen der Sonne beschreibt, sondern im Englischen unmissverständlich auf die Hölle (auf Erden) verweist. Der leuchtende Himmelskörper ist längst zu einer tödlichen Bedrohung geworden und hat mit seiner unbarmherzigen Hitze sowohl Fauna also auch Flora ausgedorrt. Wenige Augenblicke unter ihren stechenden Strahlen lassen Augen erblinden und Haut verbrennen. Die Zivilisation liegt in Trümmern, und der Mensch ringt um jeden verbleibenden Essensvorrat, vor allen Dingen aber um das seltene Gut Wasser. Phillip, Marie und ihre kleine Schwester tuckern in einem abgedunkelten Schrottwagen Richtung Gebirge, denn dort oben soll es noch Wasser geben. Auf ihrem Weg geraten sie jedoch in einen Hinterhalt und damit in die Fänge einer wahnsinnigen Familienbande, die ihre eigene, abscheuliche Weise gefunden hat, mit der Apokalypse umzugehen …

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The Divide

 The Divide 
(Universum)

Fassungslos steht Eva da und starrt auf die in einem Flammenmeer versinkende Stadt. Ein gewaltiger Atompilz breitet sich über der Metropole aus und verschlingt alles. Panisch fliehen die Menschen wie Ratten eines sinkenden Schiffes die Treppen des riesigen Hochhauses hinunter – an Mitgefühl und Menschlichkeit denkt dabei keiner mehr. Der Zufall will es, dass die junge Frau gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe im Keller des Hausmeisters Mickey landet, der die Flüchtlinge allerdings nur ungern bei sich aufnimmt. Regisseur Xavier Gens, der bereits bei „Frontier(s)“ mit der Endzeit liebäugelte und nur zu gerne in unmenschlichen Abgründen herumwühlt, nutzt die Apokalypse nicht für reißerisches Effektkino, sondern entwickelt ein diabolisches „Herr der Fliegen„-Szenario, das mit direkter und unverminderter Härte schwere Fausthiebe in die Magengrube und das Gewissen seiner Zuschauer austeilt. Ohne zu wissen, was draußen vor sich geht, findet sich die Gruppe Überlebender in einem Kellerloch wieder, auf engstem Raum zusammengepfercht, einem sicheren Tod durch Verhungern entgegenmodernd. Hass, Misstrauen, Perversion und Sadismus finden in dieser trostlosen Dunkelheit besten Nährboden – und was sich im Großen auf der Erde abspielte, wiederholt sich im Kleinen. Erschreckend genial!

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Shadow

Shadow
(Koch Media)

David sucht in den einsamen Bergen die Ruhe nach dem Sturm. Erst kürzlich ist er aus dem Irak-Krieg heimgekehrt und probiert nun mit einer Mountainbike-Tour durch die idyllische Waldlandschaft die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Dass er der attraktiven Angeline in einer entlegenen Berghütte zwei rüpelhafte Wilderer vom Leib hält und mit ihr gemeinsam deren Jagderfolg sabotiert, erweist sich als bösartiger Bumerang. Denn die beiden Amis scheinen nicht nur Spaß daran zu haben, Tieren eine Kugel zu verpassen. Panisch fliehen David und Angeline durch die bewaldete Gebirgsgegend vor den beiden Killern, um schließlich in einem sagenumwobenen Landstrich vom Backwood-Slasher-Regen in die Gruseltraufe zu geraten. Hier werden Jäger und Gejagte schließlich zur Beute eines viel größeren und unmenschlicheren Bösen, das in einer alten Bunkeranlage haust. Unausweichlich geraten sie allesamt in die Fänge des abartigen Mortis, ein Überbleibsel von Hitlers Drittem Reich, der seine drei männlichen Opfer furchtbarer Folter aussetzt. Doch es kommt anders als gedacht und der italienische Regisseur hat noch eine kleine Überraschung parat, die die bisherigen Ungereimtheiten am Rande letztlich auflöst. Mit 75 Minuten Spielzeit ein kurzer aber dennoch intensiver Trip, dem es jedoch an Individualität mangelt.

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