Beiträge

Take Shelter

Take Shelter
(Ascot Elite)

Curtis LaForche hat alles, was das Herz begehrt: eine ihn liebende Frau, eine zauberhafte Tochter, ein Haus und einen Job. So betrachtet ist er ein richtiger Glückspilz. Doch in ihm schlummert eine zermürbende Angst. Als zehnjähriger Knirps wurde er von seiner Mutter im Auto auf einem Parkplatz „ausgesetzt“. Erst nach einer Woche konnte sie aufgespürt werden, als sie aus einer Mülltonne aß – Diagnose: paranoide Schizophrenie. Nun ist Curtis so alt, wie seine Mutter damals, als der Wahnsinn sie für immer verschlang. Auch bei ihm tauchen erste Anzeichen einer Psychose auf. Mit beunruhigenden Träumen eines gewaltigen Sturms fängt alles an, doch bald kommen Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen dazu. Aus Angst, so zu enden wie seine Mutter, begibt er sich verängstigt in psychiatrische Behandlung, auf der anderen Seite hält er seine Albträume für Visionen – eine Warnung vor einem alles zerstörenden Unwetter. Als er den Schutzkeller im Garten in großem Stile ausbauen möchte, verschuldet er sich nicht nur hoffnungslos, sondern bringt auch seine Ehe in Gefahr. Und niemand glaubt seinen unheilvollen Prophezeiungen. Zwei grandiose Schauspieler holen aus dem geschickt gestrickten Drehbuch das Letzte heraus, stilsicher geführt von einer exzellenten Regie. Ein faszinierender, ruhiger Film voller intensiver Kraft und beklemmender Spannung.

Geekometer:

tentakel_8v10

Strings

Strings
(3L)

Ein Marionettenfilm in Spielfilmlänge für Erwachsene ganz ohne aufwändige Computertricktechnik? „Strings“ beweist eindringlich, dass es keiner Hollywood-Dogmen und Blockbuster-Großkotzigkeit bedarf, um ein Meisterwerk zu erschaffen. Vier Jahre nach der Idee von Anders Ronnow-Klarlund war mithilfe von 115 speziell entworfenen Marionetten, 22 der besten Puppenspieler aus Europa und den USA, mehr als 150 Mitarbeitern und nicht zu vergessen 10 Kilometern Schnur der erste Marionetten-Spielfilm geboren. „Strings“ ist ein zauberhaftes Märchen und ein bitteres Drama zugleich. Da wären die liebevollen und beeindruckenden Marionetten, die mit bis zu fünf Puppenspielern bewegt werden mussten, aber auch die traumhaften Kulissen, die der hervorragend erzählten Geschichte bemerkenswerten Ausdruck verleihen. Der König des Reiches Hebalon ist des Krieges müde. Er hofft auf ein neues Zeitalter des Friedens und vermacht seinem Sohn Hal Tara sein Imperium. Doch sein listiger Bruder fädelt eine folgenschwere Verschwörung ein, die den jahrelangen Konflikt zwischen Hebalon und den Zeriths zu einem blutigen Finale bringen soll. Der junge Thronerbe verfällt den Lügen seines Onkels und macht sich in die Fremde auf, nur, um ein verfolgtes Volk vorzufinden, das ihn in die Geheimnisse des Lebens einweiht und ihm damit die Augen öffnet: Wir alle sind miteinander verbunden! Ein metaphorisches und opulentes Kunstwerk.

Geekometer:

tentakel_10v10

Melancholia

Melancholia

Melancholia
(Concorde)

Der menschenscheue Lars von Trier legte mit „Antichrist“ ein metaphorisches Meisterwerk vor, das mit seiner schier unerträglichen Bildgewalt stark polarisierte. Mit „Melancholia“ beschreitet er nun gänzlich andere Wege, nutzt eher die leisen Töne und sanften Farben, um aber eine ebenso bittere Aussage zu treffen. Es scheint ein großartiger Abend zu werden. Justine und Michael fahren in einer Luxuslimousine ihrem gigantischen Hochzeitsfest entgegen, ausgerichtet auf dem pompösen Landschloss ihres Schwagers. Sie lachen und sind ausgelassen. Doch während überall Jubel und Trubel herrschen, fällt Justine mehr und mehr aus der Rolle. Ihr Lachen erscheint bald nur noch als hohle Maske und sie kapituliert schließlich gänzlich vor der heiteren Gesellschaft. Bald darauf findet sich die unter schweren Depressionen leidende Justine in jenem Herrenhaus in der Obhut ihrer Schwester wieder. Während die „Wahnsinnige“ zuvor an der Wirklichkeit der Welt scheitern musste, beginnen sich die Rollen der Figuren langsam zu vertauschen. Denn ein gewaltiger Planet namens Melancholia rast auf die Erde zu und konfrontiert alle mit einem bevorstehenden Untergang. Die „Normalen“ versuchen sich etwas vorzumachen, die Lage zu beschönigen und müssen dennoch verzweifeln. Die stetig mit dem Horror finsterster Depression gepeinigte Justine erscheint nun vielmehr als „normal“ und erwartet das unausweichliche Ende mit mutiger Gelassenheit. Poetisch und, ja, melancholisch.

Geekometer:

tentakel_9v10

Hell

 

Hell 
(Paramount)

Der Mensch ist ein Meister der Zerstörung. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, Tierarten auszurotten oder die Umwelt zu vergiften, schändet er sich gerne auch selbst. Der deutsche Endzeitstreifen „Hell“ zeigt das Ende der Welt in zugleich spannenden wie niederschmetternden Bildern und kokettiert dabei sogar mit dem Horrorgenre, indem er gekonnt mit Hinterwäldler- Schlächter-Elementen spielt. Der Titel ist ein gelungenes Wortspiel, das nicht nur das destruktive Gleißen der Sonne beschreibt, sondern im Englischen unmissverständlich auf die Hölle (auf Erden) verweist. Der leuchtende Himmelskörper ist längst zu einer tödlichen Bedrohung geworden und hat mit seiner unbarmherzigen Hitze sowohl Fauna also auch Flora ausgedorrt. Wenige Augenblicke unter ihren stechenden Strahlen lassen Augen erblinden und Haut verbrennen. Die Zivilisation liegt in Trümmern, und der Mensch ringt um jeden verbleibenden Essensvorrat, vor allen Dingen aber um das seltene Gut Wasser. Phillip, Marie und ihre kleine Schwester tuckern in einem abgedunkelten Schrottwagen Richtung Gebirge, denn dort oben soll es noch Wasser geben. Auf ihrem Weg geraten sie jedoch in einen Hinterhalt und damit in die Fänge einer wahnsinnigen Familienbande, die ihre eigene, abscheuliche Weise gefunden hat, mit der Apokalypse umzugehen …

Geekometer:

tentakel_8v10

Mary & Max

Mary&Max3Mary & Max
(MFA+)

Einer der außergewöhnlichsten und wunderschönsten Filme aus dem ausgehenden letzten Jahrzehnt kommt aus dem Land der Kängurus. Der Filmemacher Adam Elliot hat bereits mit seinen vier vorherigen Kurzfilmen bewiesen, dass er ein Meister fabelhafter Stop-Motion-Filme ist. Doch im Gegensatz zu leichtfüßigen und kindgerechten Knetanimationen wie „Wallace & Gromit“ – ohne deren Großartigkeit anzweifeln zu wollen – sind seine Arbeiten feinfühlige und schwermütige „Clayographien“ (seine persönliche Bezeichnung dieser „Biografien in Lehm“). Da gibt es die kleine australische Außenseiterin Mary, deren Mutter sich dem Alkohol verschrieben und deren Vater vor einem monotonen Leben kapituliert hat. Sie ist einsam und fühlt sich in der großen, weiten Welt verloren. Ihre kindliche Neugier kann von ihren gescheiterten Eltern nicht befriedigt werden und so bleibt sie mit ihren Fragen allein. Auf der anderen Seite der Erde, in den USA, lebt der übergewichtige, verschrobene Mittvierziger Max, der sein Unverständnis über die Abläufe der Existenz mit ausreichender Schokoladenzufuhr zu kompensieren versucht. Durch einen Zufall werden die beiden ungleichen Personen – die dennoch ihre gesellschaftliche Isolation verbindet – zu Brieffreunden, die sich gegenseitig das Sein zu erklären suchen, woraus eine eigenartige aber innige Freundschaft mit gewissen Hindernissen erwächst. Da werden philosophische Grundprobleme angesprochen und mit naiver Leichtigkeit ergründet. Und auch wenn ihre ungewöhnliche Beziehung mit schweren Rückschlägen zu kämpfen hat, da Max an einer schweren psychischen Störung leidet, so ist sie doch intensiv und für beide Seiten eine Stütze in dieser unbegreiflichen Zivilisation. Schwarzhumorig und depressiv ist diese ungewöhnliche Geschichte, schmerzlich und traurig zugleich. Und doch ist sie eine wunderschöne Ode an das Leben selbst, ein kleiner aber kräftig leuchtender Hoffnungsschimmer. Als wäre dies noch längst nicht genug, findet man im Bonus-Bereich des Bildträgers noch einen der grandiosen Kurzfilme von Adam Elliot, der ebenso unter die Haut geht und noch lange nachwirkt wie „Mary & Max“.

Geekometer:

tentakel_9v10

The Road

The_Road_Amaray_DVD_Standard_886978575197_2D.300dpiThe Road
(Senator/Universum)

Schon oft wurde versucht, die Apokalypse filmreif zu machen, meist aber mit mäßigem Erfolg. Entweder mutierte das Ende der Welt zu actionreichem „Mad Max“-Trash, scheiterte an salbungsvollen Heilsbotschaften oder wurde von Hollywooddogmen in die Knie gezwungen – schließlich muss ein Film ja unterhalten. „The Road“ nimmt hingegen seine Zuschauer mit in eine bittere, feindliche und tote Welt. Nur noch einige Insekten krabbeln über das verdorrte Land, Pflanzen und Tiere gibt es schon lange keine mehr. Auch der Homo sapiens hat den alles vernichtenden Blitz kaum überstanden und wurde bald zu seinem eigenen Schlächter, denn der Mensch ist die einzig verbliebende Nahrungsquelle. Doch irgendwo kämpfen sich – übrigens zum Soundtrack von Nick Cave – zwei Figuren durch die Ruinen der Zivilisation, ein Vater (Viggo Mortensen) und sein Sohn (Kodi Smit-McPhee). Wo nur Neid, Hunger, Krankheit und der Tod regieren, wandern die beiden ermattet und niedergeschlagen gen Süden und versuchen dabei, das Feuer der Menschlichkeit zu bewahren. Besser, als es John Hillcoat hier getan hat, kann man den grandiosen gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy nicht umsetzen. Auch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller sind nicht zu überbieten und die Kulissen schlichtweg atemberaubend – wodurch der Zuschauer unvermittelt am Geschehen teilhaben „muss“. Und obwohl es keinerlei Erlösung zu geben scheint und sich immer wieder Klumpen in der Bauchgegend und im Hals zusammenballen, bleibt ein kleiner Funken Hoffnung zurück. Ein Meisterwerk!

Geekometer:

tentakel_10v10

Spring – Love Is A Monster

Spring – Love Is A Monster
(Koch Media)

Evans kleine und wenig heile Welt bricht in sich zusammen. Nach dem Tod seiner kranken Mutter verliert er auch noch seinen Job als Koch in einer heruntergekommenen Bar. Nachdem selbst Alkohol und Sex nicht mehr ausreichen, um über sein marodes Leben hinwegzutäuschen, zieht er die Reisleine und verlässt die Vereinigten Staaten, um als Backpacker nach Europa zu entfliehen. Über Umwege spült es ihn schließlich in eine lauschige italienische Küstenstadt am Mittelmeer, wo er die äußerst attraktive und ebenso sonderbare Louise kennenlernt.
Nach einem etwas hakeligen Start, landen die beiden in der Kiste und es beginnt eine ebenso ungewöhnliche wie warmherzige Liebesgeschichte. Um ein Auskommen zu haben, arbeitet der frisch verliebte Evan in der ländlichen Pampa bei einem alten Olivenbauer, dessen Herz von einer einzigartigen Frau gebrochen wurde. Bald muss Evan am eigenen Leib feststellen, dass Liebe äußerst schmerzhaft sein kann – in diesem Fall sogar im wahrsten Sinne des Wortes ein Monster. Louise verbirgt ein unheimliches Geheimnis und eine bizarre wie blutige Vergangenheit. Evan begibt sich dennoch unerschrocken in große Gefahr und wird vor eine ungewöhnliche Wahl gestellt …

Spring – Love Is A Monster“ ist ein ungewöhnliches Kleinod, das in keine Schublade passen möchte. Was als hartes Sozialdrama beginnt und in eine Art Roadmovie mündet, verwandelt sich kurz darauf in eine charmante Romanze, die jedoch mehr und mehr in fantastische Gefilde abtaucht. Mit einem Male werden Erinnerungen an das grausige Innsmouth und generell an H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos wach – und dennoch bleibt „Spring“ eine ungewöhnliche Geschichte über die Liebe und das Leben. Poetische Bilder und Dialoge geben der Handlung Raum und Ruhe, überhöhen das Geschehen bewusst ins Philosophische. Leider deckt das Regieduo, Justin Benson und Aaron Moorhead, die Hintergrundgeschichte der unheimlichen Schönen im weiteren Verlauf der Story bis ins Detail auf und nivelliert somit die bis dahin schwelende Angst vor dem Unbekannten. Wissenschaftlich akkurat wird der Grusel in seine Schranken verwiesen, dabei stellt die Handlung aber erneut hintergründige Fragen. Was heißt es zu leben? Was macht das menschliche Dasein wertvoll?
Zu guter Letzt rundet das Drehbuch den Plot großartig ab. Denn wo der Film mit einem tragischen Tod beginnt, endet er mit einer obskuren Geburt. Ein ungewöhnlicher Horrorfilm mit zwei beachtenswerten Hautdarstellern: Nadia Hilker („Autobahn“) als Louise und Lou Tayler Pucci („Carriers“) als Evan. Sensibel, geheimnisvoll und clever.

Geekometer:

tentakel_8v10

Monsters: Dark Continent

Monsters: Dark Continent
(Universum Film)

Mit „Monsters“ schuf Gareth Edwards 2010 einen außergewöhnlichen Indiejuwel. In einer nicht näher bestimmten Zukunft muss ein Reporter die Tochter eines einflussreichen Medienmoguls von Mexiko in die USA bringen. Leider liegt zwischen den beiden Ländern nicht mehr einfach nur eine Mauer mit Stacheldraht, sondern die „Zona Infecta“, ein Bereich, in dem seit sechs Jahren außerirdische Ungetüme ihr Unwesen treiben. Wer damals ein spaßiges, actiongeladenes Kreaturengemetzel erwartete, wurde allerdings enttäuscht, denn der britische Kleinstbudgetstreifen konzentrierte sich vorwiegend auf die beiden Protagonisten, Samantha und Andrew. Die Monster wurden Metaphern, die Menschen wurden Monster und all das in ein bewegendes wie poetisches Roadmovie verpackt.

Jetzt holt Tom Green mit „Monsters: Dark Continent“ zu einem zweiten Streich aus, baut seine Vision der monsterbeladenen Zukunft jedoch vollständig anders auf. Er bedient sich der gleichen Hintergrundgeschichte, lässt noch einmal ein paar Jahre nach der „Monsterinvasion“ verstreichen und verlagert die Geschehnisse in die Wüstenregionen des Mittleren Ostens. Dort müssen ein paar junge Soldaten der US-Streitkräfte für Ruhe und Ordnung sorgen, jedoch weniger wegen der Aliens, sondern wegen der lokalen Bevölkerung, die die Intervention der Amis weder will noch tolerieren mag. Dementsprechend wehren sich die technisch unterlegenen Einwohner mit Anschlägen und Guerillakriegsführung. So lernen die unerfahrenen Rekruten – allesamt Freunde aus einer heruntergekommen Gegend der Vereinigten Staaten – den Ernstfall in einem feindlichen Umfeld, in dem jedes Kind und jede Frau ein potentieller Feind ist. Bei ihrem ersten großen Einsatz gerät der Trupp in einen Hinterhalt und einer nach dem anderen wird von den „Aufständischen“ getötet. Die letzten drei Überlebenden werden von den Gegnern gefangen genommen. Kurz vor ihrer Exekution tauchen jedoch die gigantischen Monster auf und es bietet sich eine letzte Möglichkeit zur Flucht …

Auch Tom Green nutzt die Monster als Metapher, setzt sie jedoch gleichzeitig als eindrucksvolle CGI-Kreaturen in Szene. Sie wurden – im Vergleich zum ersten Teil – den klimatischen Veränderungen der Wüste angepasst und wirken technisch wie aus einer großen Hollywoodproduktion. Dennoch bleiben sie im Hintergrund der Handlung und überlassen dem Homo sapiens den größten Teil der Bildfläche. Leider ist die gesamte Inszenierung jedoch inkonsistent und inkohärent. Denn die erste Hälfte von „Monsters: Dark Continent“ gestaltet sich als Anti-Kriegsdrama, das nahezu losgelöst von der eigentlichen Thematik steht. Erst dann rücken die Außerirdischen ein wenig mehr in den Fokus, wobei sie als passive Feindbilder für das menschliche Unvermögen herhalten müssen. Die Verquickung aus Kriegsthematik, militärischer Intervention, Drama, Völkerverständigung und Gesellschaftskritik bleibt unausgegoren. Zwar wird die gut gemeinte Intention des Drehbuchs erkennbar, die Ausführung bleibt aber mangelhaft.

Fans des ersten Teils und Science-Fiction-Jünger sollten dennoch einen Blick riskieren – immer unter Berücksichtigung des geringen Budgets und der genannten Schwächen.

Geekometer:

tentakel_5v10

Altar – Das Portal zur Hölle

Altar
(Koch Media)

Die Hamiltons sind pleite. Künstlergatte Alec hatte schon zu lange keine erfolgreiche Ausstellung seiner Skulpturen mehr. Da kommt der große Sanierungs- und Restaurationsauftrag eines amerikanischen Investors für Ehefrau Meg wie gerufen. Zwar müssen die beiden Kinder der Familie in den sauren Apfel beißen und gemeinsam mit ihren Eltern ihre Heimat für ein halbes Jahr verlassen, um ins britische Hinterland zu ziehen, aber der Auftrag ist in jeder Hinsicht überlebenswichtig.
Irgendwo in Küstennähe zwischen nebligen Feldern, unheimlichen Baumskeletten und weit weg vom Schuss liegt das gespenstische Herrenhaus. Der Start verläuft jedoch alles andere als reibungslos, denn der eigentlich eingeplante Handwerker ist durch einen Unfall verhindert und so muss Meg in der Gegend nach Ersatz suchen. Keine leichte Aufgabe, da sich um das Anwesen einige unschöne Mythen ranken. So soll der entrückte Besitzer seine Frau rituell geopfert haben, dann von ihr heimgesucht worden und schließlich in Panik aus dem Fenster in den Tod gesprungen sein.
Entsprechend dauert es nicht lange, da huschen weiße Frauen vor dem Haus herum und es knarzt und knirscht überall im Gemäuer. Als dann die Tochter eines Nachts einen weniger erfreulichen Besuch von der unheimlichen Dame erhält und dabei beinahe durch einen Asthmaanfall einen kurzen Anfall von Tod erleidet, beginnt sich die Situation zuzuspitzen. Göttergatte Alec wird von neuen körperlichen Gelüsten und künstlerischer Inspiration beflügelt und verkriecht sich tage- und nächtelang im Gesindehaus. Ein vom Töchterchen herbeigerufener Geisterjäger warnt die Familie vor der okkulten Bruchbude und seiner bösen Vergangenheit, doch Meg will nicht darauf hören. Erst als die Kinder verschwinden und Alec schließlich vollkommen den Verstand verliert, will sie die Flucht antreten, aber da scheint alles schon zu spät …

Altar – Das Portal zur Hölle“ ist in jeder Hinsicht ein klassischer Gespensterhausgrusler mit umherhuschenden Schatten, unheimlichen Stimmen, Telefonanrufen von eigentlich toten Apparaten, verborgenen Opferräumen, einer ominösen Vergangenheit und kreischenden Kindern. Wer den Haunted-House-Horror bisher nur tangiert hat, der dürfte sich über diesen bunten Mix und die zahlreichen Versatzstücke aus üblichen Schauerzutaten freuen. Kennern des Genres werden jene ausgelatschten Standards aber bald ein gelangweiltes Gähnen entlocken, denn „Altar“ bedient sich zwar bewusst all jener schönen Gruselmomente, kann aber nicht mit Individualität oder gar neuen Ideen glänzen. Der besessene Ehemann ist bereits seit „Shining“ ein alter Hut und Blut als Wiederbelebungssaft wirkte auch in „Hellraiser“ schon ekelhafte Wunder … Überraschungen bleiben auch storytechnisch gänzlich aus. Bei dem zu routinierten und normierten Drehbuch schafft nicht einmal Schauspielerin Olivia Williams („The Sixth Sense„) ihrer Figur noch Tiefe zu verleihen. Schade um die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen und das wahrlich großartige viktorianische Herrenhaus.

Geekometer:

tentakel_5v10

Big Eyes

Big Eyes
(Studiocanal)

Margaret führt ein unglückliches Eheleben. In den 1950ern ist es jedoch nicht so weit her mit der Gleichberechtigung und es bleibt ihr schließlich nur die Flucht aus dem verblassten Liebesbund. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn sucht sie das Weite. Doch leider ist es im prüden Amerika jener Tage nicht so leicht als alleinerziehende Mutter eine Anstellung zu finden, und so versucht sie ihre eigenwilligen Bilder von Kindern mit außergewöhnlich großen Augen auf der Straße zu verkaufen. Dort lernt sie den smarten Maler Walter Keane kennen. Mit seiner einnehmenden und galanten Art wickelt er die unsichere Margaret schnell um den Finger und steckt ihr kurz darauf einen Ehering an denselben.
Obwohl er für ihre Bilder nur wenig übrig hat, versucht er sie gemeinsam mit seinen eigenen Werken in einem Club (vor den Toiletten) an den Mann zu bringen. Das Interesse ist da, aber nicht für seine Malereien, sondern für die großäugigen Knaben und Mädchen. Da er der bessere Verkäufer ist und Kunstwerke von Frauen angeblich einen schlechteren Marktwert haben, gibt er die Arbeiten für die eigenen aus und schafft es sogar – über einige Zufälle – in kürzester Zeit zum Kult zu werden. Diese Welle des Interesses nutzt er geschickt aus, um ein gut funktionierendes Marketing zu den Großaugenbildern aufzubauen.
Margaret selbst leidet zunehmend unter dem Leistungsdruck, immer neue Bilder zu produzieren, und dann namentlich unerwähnt zu bleiben. Immer tiefer und weiter wird die Kluft zwischen den beiden Eheleuten und aus anfänglich leidenschaftlicher Hingabe wird Hass und Verachtung. Erst als sich Margaret auch von Walter lossagt, traut sie sich, die Wahrheit ans Tageslicht und den geschäftstüchtigen Betrüger und Frauenheld Walter Keane vor Gericht zu bringen.

Tim Burton mit seinem Margaret-Keane-Auge, 2013

Tim Burton mit seinem Margaret-Keane-Auge, 2013

Was sich wie ein verschrobenes Drehbuch anhört ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, denn Tim Burtons „Big Eyes“ erzählt die Lebensgeschichte der amerikanischen Malerin Peggy Doris Hawkins, geboren 1927 in Nashville, Tennessee. Burton nimmt sich der skurrilen Biografie mit viel Charme an, folgt dabei aber in erster Linie den Ausführungen der schüchternen Margaret. Diese wird einfühlsam von Amy Adams verkörpert, die die unterdrückte, unsichere und zunehmend unglückliche Seite der Künstlerin gekonnt herausarbeitet. Ihr Gegenpart ist Christoph Waltz als Ehegatte Walter, der machohaft, großkotzig und selbstverliebt agiert, dabei zum Teil beinahe unwirklich wirkt. Bei der Gerichtsverhandlung scheint Walter Keane dem Irrsinn nahe und führt einen Unfug sondergleichen auf. Dies würde beinahe als absurdes Theater durchgehen, wäre da nicht das echte Gerichtsprotokoll, das Walter Keanes Verhalten im Saal tatsächlich als dem Film entsprechend beschreibt. Scheinbar mussten die Drehbuchschreiber die Ereignisse sogar noch abschwächen, um nicht zu überzogen zu wirken …
Tim Burton hält sich mit seiner gothesque-überzeichneten Stilistik angenehm zurück und lässt das Geschehen in typischen Sechziger-Pastellfarben ablaufen. Gerade das antagonistische Wechselspiel zwischen dem überdreht herumstolzierenden Christoph Waltz und der gedemütigten, unsicheren Amy Adams macht die Würze von „Big Eyes“ aus. Ein kleiner aber feiner Film, der jedoch keine tiefschürfenden Eindrücke hinterlässt.

Geekometer:

tentakel_7v10