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Saria: Die drei Schlüssel (1)

Jean Dufaux/Paolo Serpieri
„Saria: Die drei Schlüssel“ (1)
(Splitter)
Saria: Die drei SchlüsselEs ist schon ein paar Jährchen her, da der italienische Zeichengott Paolo Serpieri die Welt der Comics mit seinem einzigartigen Stil in Wallungen versetzte. Damals sorgte die wohlgerundete Druuna in einem dystopischen und endzeitlichen SciFi-Setting für mehr als eine Million begeisterte Leser – und in Deutschland für weniger euphorische Sittenwächter. In seinem neuesten Werk lässt es Serpieri ein wenig gezügelter vonstatten gehen, sowohl was Gewalt- als auch erotische Darstellungen betrifft. Die Geschichte der jungen Adligen Saria stammt von Jean Dufaux (u.a. „Saga Valta“ oder „Conquistador„), dessen Erzählstil hervorragend mit dem Bildwerk von Serpieri harmoniert. Irgendwann in einer finsteren Zukunft vermacht der Fürst von Venedig auf dem Sterbebett seiner unehelichen Tochter Saria eine geheimnisvolle Box mit drei Schlüsseln; der eine führt in die Hölle, der zweite ins Paradies und der dritte ins Nichts. Da aber sowohl der Engel Galadriel als auch der verkommene und entmenschlichte Doge nach dem mächtigen Artefakt suchen, muss die Hübsche erst einmal einige Jahre untertauchen – immer auf der Suche nach der sagenumwobenen Engelspforte, um den Eingang zum Paradies zu finden … Ein dichtes und fesselndes Szenario breiten die beiden Künstler hier aus, das bevölkert wird von fabelhaften skurrilen Charakteren und genialen technomorphen Kulissen des Zerfalls. Magie, Technik und Niedergang verbinden sich zu einer brillierenden Story in drei Akten.

Bewertung:

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Long John Silver: Guyanacapac (4)

Xavier Dorsion/Mathieu Lauffray
„Long John Silver: Guyanacapac“ (4)
(Carlsen Comics)
Long John Silver
Der große Pirat Long John Silver steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Sein edles Schiff, die Neptune, wurde gekapert, seine Mannschaft entführt und der Traum des sagenhaften Goldschatzes von Guyanacapac scheint wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Stattdessen watet er mit den letzten drei Überlebenden durch den Sumpf des Amazonas, stets im Kielwasser seines Kahns. Und tatsächlich behält die Seeräuberlegende Recht: inmitten des von riesigen Waranen heimgesuchten Dschungels ragt eine Pyramide in den Himmel auf, ein beängstigendes Mahnmal der Macht einer verblichenen Kultur, der in der Vergangenheit auch die plündernden und raubenden Spanier nicht habhaft werden konnten. Im Inneren des titanischen Bauwerkes stoßen die Seeräuber auf einen uralten Kult fanatischer Diener der Göttin Xibalba, die mithilfe etlicher Menschenopfer auf die Erde zurückkehren soll. Dunkle Gewölbe, wahnsinnige Opferriten, monströse Ungetüme und heroische Kämpfe – das Finale der abenteuerlichen Schatzsuche hat es wahrlich in sich. Atemberaubende Spannung und beeindrucke Atmosphäre machen diesen Band zu einem süchtigmachenden Seitenblätterer. Ein großartiger Comic, der durch seine Erzählweise als auch durch seine stimmungsvolle Bildkunst besticht.

Bewertung:

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Crossed: Badlands (4)

Garth Ennis/Jamie Delano/Jacen Burrows/Leandro Rizzo
„Crossed: Badlands“ (4)
(Avatar/Panini)
Crossed42008 erleuchtete Garth Ennis den Comickosmos mit einem neuen Meisterwerk … vielmehr besudelte er ihn genießerisch mit Blut, Gedärmen, Schweinskram und exzessiver Brutalität. Seine bittere Endzeitvision „Crossed“ bediente sich des üblichen Zombie-Survival-Horrors, katapultierte dieses jedoch in eine neue Dimension des Schreckens. Seine wandelnden Ungeheuer waren keine torkelnden Moderhaufen, sondern agile Infizierte, Gefirmte genannt, die nur noch Morden, Vergewaltigen und die Erfüllung fleischlicher Perversionen im Kopf hatten. Der typische Zombiewahnsinn erscheint fast wie ein buntes Kindermärchen im Vergleich zur skrupellosen Apokalypse des irischen Comickünstlers. Nachdem er die Reihe in andere Hände legte, kehrt er nun mit der grandiosen Episode „Badlands“ zurück, die von Jacen Burrows („Wormwood„) visuell umgesetzt wurde. Ein kleiner und zusammengewürfelter Tross Überlebender kämpft sich durch die schottischen Highlands, da hier die wenigsten Gefirmten überleben können. Gezeichnet von den schrecklichen Ereignissen des Weltuntergangs, hat jeder der Gruppenmitglieder sein Traumabündel zu tragen. Heldenmut ist passé, es geht nur noch darum, den nächsten Tag zu erleben – auch wenn man dafür Menschen zurücklassen muss … Ähnlich finster und niederschmetternd ist auch die zweite Episode „Homo Superior“ aus Jamie Delanos Feder, die leider optisch nicht immer überzeugen kann, dafür aber haarsträubendes Grauen verbreitet. Sex und Gewalt lagen noch nie so nah und widerlich beisammen – großartig!

Bewertung:

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