Beiträge

Conan – Der Barbar

Brian Wood/Mirko Colak/Andrea Mutti/Davide Gianfelice
„Conan – Der Barbar: Der Fluch der Teufelsbänke“ (3)
(Darkhorse/Panini)

Die einst unzerstörbare Liebe zwischen der heißblütigen Königin der Schwarzen Küste und Conan dem Cimmerier scheint erloschen. Zu tief scheint die Kluft, die die niederschmetternden Ereignisse des zweiten Bandes mit sich brachten. Durch eine todbringende Seuche hat die schöne Belit aus der Wüste Shem ihr ungeborenes Kind verloren. Der Worte beraubt, ließ sie ihr Schiff und ihren verehrten Conan zurück, der seit diesem Tage nach ihr sucht. Bei der schicksalshaften Schlacht um die Festung von Ramah En Ram geht jedoch das Gerücht um, eine wunderschöne Frau stünde dort tagtäglich bei Sonnenaufgang einsam auf den Zinnen – wie ein Geist. Der tapfere Barbar hat sich längst unter die Krieger gemischt, die die Wüstenstadt seit einer gefühlten Ewigkeit belagern und wagt einen kühnen Alleingang, um in die uneinnehmbare Festung zu gelangen. Das zweite Kapitel des dritten Conan-Bandes spielt in der verruchten Stadt Ianthe in Ophir, wo sich Conan und Belit dem Liebesspiel und dem Müßiggang hingeben. Mehr noch als das, sie nehmen die Droge Gelber Lotos ein und durchleben einige schräge wie beängstigende Abenteuerepisoden. Düster, brachial und doch belebend – und vor allen Dingen spannend!

Geekometer:

tentakel_8v10

Auf den Spuren H.P. Lovecrafts

Jan-Christoph Prüfer/Carsten Steenbergen
„Auf den Spuren H.P. Lovecrafts“ (1)
(Torsten Low)

Auf den Spuren H.P. LovecraftsH.P. Lovecraft schaffte es Zeit seines Lebens nicht über die Welt der Pulp-Magazine hinaus – und dennoch gelang ihm mit seinen verstörenden, pseudo-wissenschaftlichen Erzählungen die Erschaffung eines ganzheitlichen Kosmos‘ des Grauens. Geschöpfe wie der schlafende Cthulhu oder der uralte Wassergott Dagon haben das Horrorgenre maßgeblich beeinflusst und geformt. Seinem Erbe verpflichtet, haben nun einige Autoren ihre Kurzgeschichten in einer Anthologie namens „Metamorphosen“ versammelt. Wo es im Original noch schriftstellerische Schwächen zu bemängeln gibt, macht der hier vorliegende Pulp-Comic eine deutlich bessere Figur: „Die Schokolade des Herrn Bost“ und „Der Fluch des Zulu“ werden hier als Bildgeschichten dargeboten, in stimmungsvollem Schwarzweiß gehalten. In einem kleinen Nest sind die Einwohner wie besessen von der Schokolade von Herrn Bosts Süßwarenladen. Ein junger Journalist macht sich auf den Weg, um dem alten Knaben das Geheimrezept zu entlocken. Leider findet er dabei mehr heraus als er sich zu erträumen wagte – und die Wahrheit ist wahrlich widerlich, hat sie doch mit dem ominösen Verschwinden der Gattin des Ladenbesitzers zu tun. In „Der Fluch des Zulu“ tritt Willem Pretorius mit dem Tod seines Großvaters ein fürchterliches Familienerbe an, das eng mit den großen Alten verwoben ist. Kurzweilige Schauergeschichten für den kleinen Horrorappetit zwischendurch.

Bewertung:

tentakel_6v10

 

Zeit des Bösen: Apokalypse

Luis Royo/Romulo Royo
„Zeit des Bösen: Apokalypse“
(Cross Cult)

Zeit des BösenDer spanische Zeichner Luis Royo hat mit seinem Endzeit-Romantik-Stil bereits etliche Medien beflügelt. Zahlreiche Cover von Büchern, Videospielen, Filmen oder Magazinen stammen aus seiner Feder, seine Bildbände verkaufen sich wie warme Semmeln und nahezu jedes Versandhaus im Bereich Gothic hat seine Poster im Sortiment. Der Weltuntergang und die Frauen sind dabei stets Konstanten seines Schaffens gewesen, grelle Farben sind ihm fremd, vielmehr hält er sich an Grau- und Brauntöne. Gemeinsam mit seinem Sohn Romulo bringt er nun den ersten Teil der „Zeit des Bösen„-Trilogie heraus, die sich als Verbindung aus Artbook und Grafiknovelle entpuppt. Der edle Hardcoverband bietet auf 128 Seiten eine enge Verknüpfung von Story und sagenhaften Bildern, wobei vor allen Dingen der visuelle Aspekt im Vordergrund steht. Im Jahr 2038 ist die Apokalypse über die Welt hereingebrochen und der Mensch vegetiert nur noch im Untergrund dahin. Auf der Oberfläche haben geflügelte Wesen die Kontrolle übernommen und fordern die Unterwerfung der Menschheit. Interessant an diesem Konzept ist jedoch, dass die „Zeit des Bösen“ auf mehrere Medien übergreift. So liegt dem Buch eine Multimedia-DVD mit Interviews, Making-Of-Szenen und exklusiven Metaltracks bei. Darüber hinaus ist gleichzeitig der Manga „Soum“ von Kenny Ruiz erschienen, der ebenfalls in Royos Endzeitsetting spielt. Die Essenz der „Apokalypse“ bleiben jedoch die bildgewaltigen Zeichnungen.

Bewertung:

tentakel_7v10

The Walking Dead: Grenzen

The Walking Dead 18Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn
„The Walking Dead: Grenzen“ (18)
(Image/Cross Cult)

The Walking Dead“ hat sich zu einem beachtlichen Selbstläufer entwickelt. Was im Oktober 2003 als Schwarzweiß-Comic seinen Anfang nahm, gelangte spätestens mit dem Start der TV-Serie zu Halloween 2010 zu großem Ruhm. Seither hat sich der bittere Überlebenskampf von Rick Grimes und seinen „Schutzbefohlenen“ auch ins Brettspiel- und Videospiellager ausgebreitet. Bei allem Trubel bleibt die Comicvorlage jedoch nach wie vor unerreicht. Hierzulande ist endlich auch der 18. Band „Grenzen“ erschienen, der das Schicksal von Ricks Siedlung und deren Bewohner weiterspinnt. Waren die letzten Bände von Hoffnung geprägt, von dem Traum einer besseren und sicheren Zukunft, so macht der skrupellose Bandenführer Negan all jene Erwartungen zunichte. Er erpresst das vermeintlich sichere Lager um Lebensmittel, Medikamente, Munition und andere essentielle Vorräte und verzichtet dafür darauf, das mühevoll errichtete Dorf mit seinen Knechten niederzumachen. Rick beugt sich vor seinen Bedingungen, ganz zum Entsetzen seiner Freunde. Doch der alte Bulle hat einen Plan und versucht lediglich Zeit zu gewinnen. Dumm nur, dass sein Sohn ausbüxt und alles und vor allem sich selbst in Gefahr bringt … „Grenzen“ ist nicht der Höhepunkt der Reihe, ermöglicht aber den Blick hinter den Schutzwall des Tyrannen Negan und führt zugleich einen neuen Verbündeten ein. Eine gute Vorbereitung auf den nächsten Teil, der vermutlich eine extrem spannende Abrechnung bringen wird.

Geekometer:

tentakel_8v10

Tarot: Die dunkle Spirale

Jim Balent
„Tarot: Die dunkle Spirale“ (12)
(Broadsword Comics/Panini)

Madeleine Le Roy

Tarot, die laszive Hexe der Schwarzen Rose, bewegt sich auf gefährlichem Terrain. Eine Fee des düsteren Hofes legt dem chronisch spärlich bekleideten Busenwunder einen Hinterhalt, um eine uralte Rechnung zu begleichen. Vor etlichen Jahren, als die rothaarige Schönheit noch in der Babykrippe lag, wurde jenes Elfenwesen nämlich entsandt, um den mit magischer Kraft gesegneten Säugling zu entführen. Denn Tarot ist nicht einfach nur ein Menschenkind, sondern der Sprössling zweier Hexen und damit überaus mächtig. Das Feenvolk aber brauchte indes neues Blut, um die eigenen Linien zu stärken. Doch die Entführung wurde zu einem Debakel für das noch unerfahrene Mythenwesen – und nun ist der Zeitpunkt gekommen, um Wiedergutmachung zu fordern. So entbrennt ein handgreiflicher Zweikampf zwischen den beiden Schönheiten, bei dem nicht nur die Fetzen fliegen, sondern auch die Hüllen fallen. Mit allerlei List, Tücke und natürlich Zauberei rücken sich die beiden Kontrahentinnen auf die wohlgeformten Leiber. Gerade als Tarot die Oberhand gewinnt, mischt sich jedoch das dunkle Feenvolk ein, übertölpelt die geschwächte Hexe und zerrt sie in ihr schattiges Reich.

Tarot_1Unterdessen streift Tarots Schwester, Raven Hex, durch einen Elfenwald auf der Suche nach den seltenen Totenkopf-Pilzen für ein extravagantes Ritual. Einem anmaßenden Satyr erteilt sie beiläufig eine Lektion in gutem Benehmen, stolpert dabei aber unbedacht in eine tödliche Falle der Untoten. Lord Thornwic, der Schwertmann des gehörnten Gottes, taucht im rechten Moment auf, um die – übrigens mittlerweile komplett nackte – Magierin aus dieser misslichen Lage zu befreien. Gleichwohl tut der Grüngewandete dies nicht ohne Hintergedanken: er will sich mit den Hexen der Schwarzen Rose verbünden, um einen Stamm der Finsterfeen zu vernichten – eben jenen, der Tarot in seinen Krallen hat. Schließlich ist er es, der das Gleichgewicht zwischen Magie und Mensch erhalten soll. Die widerspenstige Raven Hex unterwirft sich allerdings nicht jedem dahergelaufenen Halbgott und heizt ihrem Retter gehörig mit zuckenden Blitzen und beißenden Worten ein. Letzten Endes zieht sie aber doch mit Lord Thornwic los, um sich weitere Verbündete für die gemeinsame Sache zu suchen …

Für Anhänger der Formationen Dracul und Umbra Et Imago mag von Interesse sein, dass Madeleine Le Roy das Vorbild für die „sexy Hexy“ Raven Hex war und von Bildkünstler Jim Balent eigens für diese Rolle vorgesehen wurde.Tarot_2 Dabei ergab sich die Zusammenarbeit der Sängerin, DJane und Modelkoryphäe mit dem amerikanischen Comiczeichner durch einen glücklichen Zufall. Als Jim Balent vor zwei Jahren in Deutschland zu Gast war, konnte Steffen Volkmer vom Panini-Verlag Madeleine Le Roy ins Gespräch bringen. Denn Mister Balent suchte ein geeignetes Model für seinen Charakter Raven Hex und siehe da, in Frau Roy fand er die optimale Besetzung. So zog Steffen Volkmer mit seiner Kamera bewaffnet los, um die Gothic-Diva in über 70 Posen aus bis zu drei Perspektiven abzulichten. Jim Balent nutzte diese Aufnahmen, um Raven Hex Gestalt zu geben und ihre Geschichte zu erzählen. Tatsächlich hat die dunkle Magierin auch einige Charakterzüge der Umbra-Dame abbekommen, wie findige Leser schnell feststellen dürften.

Selbstverständlich hat Jim Balent, seinem Fetisch für großbusige Damen entsprechend, Raven Roy noch „ein wenig“ aufgeblasen, damit sie sich harmonisch in den Reigen seiner titanischen Oberweiten einreiht. So gibt es in bester „Tarot„-Tradition neben der spaßigen Story allerlei nackte Haut und etliche explizite Geschlechtsteildarstellungen zu sehen. Ein kecker Fantasy-Porno in Doppel-D!

Geekometer:

tentakel_8v10

300: Rise Of An Empire

300 – Rise Of An Empire

„300 – Rise Of An Empire“
(Warner)

300: Rise Of An Empire

300: Rise Of An Empire

In der Schlacht von Marathon musste  der junge Königssohn Xerxes mit ansehen, wie sein Vater Dareios von einem griechischen Pfeil durchbohrt wurde. Seit jenem Tag ist er nur noch von dem Wunsch beseelt, Griechenland zu demütigen und zu vernichten. Als übermenschlicher Rachegott kehrt der achämenidische Großkönig Jahre später mit einem unvorstellbar großen Heer zurück, um die Hellenen das Fürchten zu lehren. Während der erste Teil von „300“ auf dem gleichnamigen Comic des Kultkünstlers Frank Miller beruhte und den sagenumwobenen Kampf der 300 Spartiaten gegen eine gewaltige Überzahl persischer Krieger thematisierte, handelt „Rise Of An Empire“ von der Seeschlacht von Salamis, in der sich der griechische Recke Themistokles der macht- und rachelüsternen Kriegsherrin Artemisia gegenüberstellt. Sein Ziel ist es, die Flotte von Xerxes so lange hinzuhalten, bis die Königin Gorgo von Sparta ein Einsehen hat und ganz Griechenland vereint gegen den gemeinsamen Feind führt. Mehr Handlung gibt und braucht es nicht, denn die Fortsetzung, die beide Handlungsstränge – zu Land und zu Wasser – geschickt zusammenführt, lebt einzig und allein von ihren bombastischen und epischen Gefechtsdarstellungen. Dabei bedient sich das nur lose an die Historie angelehnte Gemetzel einer überhöhten, düsteren Gewaltästhetik und hektoliterweise digitalen Blutes. Eine gelungene Synthese aus Comic und Videospiel – entzückend überladen und charmant pulpig.

Geekometer:

tentakel_8v10

Hellboy – Die goldene Armee

Hellboy: Die Goldene ArmeeAuge um Auge, Zahn um Zahn

Das Gute ist zumeist edelmütig, gepflegt, heldenhaft und von leuchtender Gestalt – nicht aber Hellboy. Der mürrische und sarkastische Comicheld erblickte erstmals 1994 die Papierseiten eines Dark Horse Comics und schaffte es schnell eine ausgewählte und stets wachsende Anhängerschaft um sich zu scharen. Mehr Dämon als Ritter, mehr Krawallmacher als Heroe, ist das rote Ungetüm mit den abgesägten Teufelshörnern immer wieder die einzige Waffe, um den Kräften der Finsternis Einhalt zu gebieten – oder ihnen vielmehr die Fresse zu polieren. So auch im zweiten Filmableger „Hellboy – Die goldene Armee„.

Bereits vor vier Jahren ließ Meisterregisseur Guillermo del Toro („Pan’s Labyrinth„) den roten Brocken das erste Mal auf die Kinoleinwände los und verhalf der Kreatur zu ungeahntem Ruhm. Dabei begann dessen Hingabe zu dem Brachialungetüm schon viel früher, denn als Comicliebhaber verfolgte del Toro jeden Schritt Hellboys. Sein Schöpfer, Mike Mignola, suchte dabei schon Anfang der Neunziger Jahre nach einem Helden ganz nach seinem Geschmack, irgendwo zwischen Mystery und Horror. Seinem expressiven aber auch reduzierten Zeichenstil entsprang schließlich die Kreatur Hellboy, die in kurzen Adaptionen von Legenden, Sagen und Mythen ebenso gegen das Böse bestehen musste, wie in klassischen Horrorgeschichten. Aber im Gegensatz zu seinen Kollegen ist Hellboy ein zumeist wenig engagierter Zeitgenosse, der mit Sarkasmus und seinem mächtigen Hammerarm seinen Feinden ordentlich den Hintern versohlt. Denn obwohl er in den Flammen der Hölle geboren wurde, kam er als Kleinkind auf die Erde und entrann nur knapp der gierigen Hand der Nazis. „Ich war schon immer ein Fan von Mike Mignola“, erklärt del Toro seine Hingabe. „Ich mag die düstere und grüblerische Atmosphäre in seinen Arbeiten. Als ich 1997 ‚Mimic‚ drehte, freute ich mich immer auf meine Besuche im Comic-Laden, um nach weiteren ‚Hellboy‚-Ausgaben zu stöbern. Damals hatte ich das Gefühl, dass sich diese Geschichten in eine Richtung entwickeln, die für einen Film taugen.“ Dabei wollte der Filmemacher den Helden genauso ungewöhnlich erscheinen lassen, wie es der Autor in den Comics vorgab: „Er ist wie ein Handwerker, ein Klempner oder Elektriker, der mit seinem Werkzeugkasten kommt, nach dem Leck fragt und es sofort repariert. Allerdings ist er ein abgestumpfter, widerwilliger Ermittler. Seine Methode besteht darin, das Monster grün und blau zu prügeln.“

So schlug und maulte sich der rote Kraftprotz erstmals 2004 in die Herzen des erstaunten und begeisterten Kinopublikums. „Hellboy ist nicht der traditionelle Superheld“, erläutert Produzent Mike Richardson den Erfolg. „Die Figur trägt ein Horn und einen Schwanz und sieht aus wie der Teufel – auch wenn er sein Horn abschleift, um so menschlich wie möglich zu erscheinen. Er ist ein Held von unten, der einer von uns sein möchte.“
Doch das Böse ist bekanntlich immer und überall, weshalb der Teufelskerl nicht viel Zeit hat, um sein Leben gemeinsam mit seiner feuerbeherrschenden Freundin Liz und den Katzen zu genießen. Denn seine Eigenschaft als Kämpfer für die geheime B.U.A.P., die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, bringt ihn ein weiteres Mal in die missliche Lage, einem Schurken das Handwerk legen zu müssen. Denn der unbarmherzige Prinz Nuada hat den Waffenstillstand zwischen der Menschheit und den Söhnen der Erde satt und will jene Horde aus Kreaturen zum Leben erwecken, die als Goldene Armee berühmtberüchtigt ist. Sein Ziel ist es dabei alle Kreaturen der magischen Welt zu befreien, wozu er sich einer Reihe von Verbündeten bedient. Um dieses Unterfangen wörtlich zu zerschlagen rückt auch Hellboy nicht alleine an, sondern nimmt die wahrlich feurige Liz, den Tiefsee-Empathen Abe und den Protoplasma-Seher Johann mit. Es entbrennt ein actiongeladenes, humorvolles und düsteres Gefecht zwischen Gut und Böse – Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Geekometer:

tentakel_8v10

 

Kick-Ass 2

Kick-Ass 2
(Universal)


kick_ass_n02_fr_xp_br_webMit Comicverfilmungen ist es ähnlich wie mit Verleinwandungen von Romanen – selten kommt das Ergebnis an das Original heran. Dass „Kick-Ass“ ein deftiger Kinospaß (vor allem für die Uneingeweihten) war, ist unbestritten, aber die Wort-Bild-Vorlage von Mark Millar bleibt unerreicht. So ist es auch beim zweiten Kinoteil, der die Wucht und den Ideenreichtum des Comics nicht 1:1 übertragen kann, aber dennoch ein äußerst kurzweiliges Action-Spektakel abgibt, das mächtig Dampf ablässt und gleich eine ganze Reihe peppiger Gags parat hält. Gemeinsam haben der selbsternannten Superheld Kick-Ass und die hochtrainierte Killerzwergin Hit-Girl dem organisierten Verbrechen in den Hintern getreten, da macht sich der Nachwuchs des Mafiabösewichts auf einen beleidigten Rachefeldzug. Als Motherfucker (zuvor Red Mist) sammelt er eine Schar von Superschurken um sich, um Kick-Ass und alle anderen Wohltäter ins Jenseits zu befördern. Besonders herrlich ist dabei der Versuch von Hit-Girl am gewöhnlichen College-Alltag teilzuhaben, um dem Superheldentum abzuschwören. Doch obgleich sie mit einem Finger einen Menschen töten kann, erscheinen ihr die Tussis aus der Klasse als unbezwingbar. Schräg, schrill, (pixel)blutig und doch ein bisschen weise.

Geekometer:

tentakel_8v10

Various Horror Visions – Erzählungen vom alltäglichen Grauen

Santipérez
„Various Horror Visions – Erzählungen vom alltäglichen Grauen“
(Diabolo Comics)
"Various Horror Visions – Erzählungen vom alltäglichen Grauen"Mit unheimlichem Charme vereint diese Anthologie des Grauens sechs unterschiedliche Comic-Kurzgeschichten, die vor skurrilem Einfallsreichtum nur so strotzen und gleichsam auch alte Meister des Genres ehren. Sowohl auf Erzähl- als auch auf Bildebene bleiben keine Wünsche offen, vielmehr gelingt es Santiago Pérez Dominguez in jeder der Geschichten eine ganz eigene unheimliche Stimmung aufzubauen, die entfernt an alte „Twilight Zone„-Tugenden erinnert. Da wäre in „Trockenfleisch“ ein vermodernder Zombie, der wie viele andere „Betroffene“ versucht in der menschlichen Gesellschaft zu „funktionieren“. In „Die zweite Phase“ verwandelt sich der neue Beruf Johanns in einen fürchterlichen Alptraum, der ihm im wahrsten Sinne des Wortes das Leben aussaugt. „Herbert West“ ist wiederum eine Hommage an den guten alten „Re-Animator“ und schildert das tragische Schicksal eines traumatisierten Arztes, dessen ekelerregende Vergangenheit ihn einfach nicht mehr loslassen will. Eine Abart der Körperfresser kommt in „Die Invasion der Urzeitinsekten“ zur Entfaltung, während „Jack der Schuldner“ ein armes Schwein in Feuer und Rauch aufgehen lässt. Eine besorgniserregende Geisterbahnfahrt gibt es schließlich im „Horror House“. Lovecraftscher Wahn trifft auf gesellschaftskritische Partikel, dargebracht in bemerkenswerten grafischen Erzählungen.

Geekometer:

tentakel_7v10

Whaligoe: Die Ankunft (1)

Yann & Virginie Augustin
„Whaligoe: Die Ankunft“ (1)
(Piredda)
"Whaligoe: Die Ankunft" (1)In rasantem Tempo donnert eine Kutsche durch die schottischen Highlands. Seit drei Tagen hat der Kutscher seinen Pferden keine Ruhe mehr gegönnt, aber nun wird es Zeit für eine Pause. Im Inneren des vom Regen gepeitschten Wagens sitzen Lord Douglas Dogson und seine verblasste Muse Speranza, auf der Flucht vor der eigenen Verzweiflung und Leere. Einst durfte sich Lord Dogson ein berühmter Schriftsteller nennen, doch schon lange sind ihm die Ideen ausgegangen und er sucht verzagt nach Inspiration. Zudem hat der hochverschuldete Dandy sein inneres Vakuum mit einer minderjährigen Schönheit zu füllen versucht – höchste Zeit für ihn in London das Feld zu räumen. Doch in dem abgelegenen Dörfchen Whaligoe wird der lebensmüde Poet mit einer seltsamen Geistererscheinung konfrontiert als auch mit dem rätselhaften Lyriker Ellis Bell, der vor einigen Jahren mit „Schneehuhn im Heidekraut“ einen großen Erfolg bei der britischen Aristokratie in London feiern konnte. Als seine Muse jedoch von einem flegelhaften Landherren bedrängt wird, wollen die beiden schleunigst die Heimreise antreten; doch erst wird der Kutscher tot aufgefunden, dann gibt es auch noch einen „geplanten“ Unfall … Anspruchsvolle Gothic-Grafiknovelle, angesiedelt im frühen 19. Jahrhundert, beseelt durch dichterische Leichtigkeit und eine mysteriöse Grundstimmung.

Geekometer:

tentakel_7v10