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Fliehende Stürme – Fallen

Fliehende Stürme-CoverGedankenfluten

„Es sind schwierige Zeiten, die Zeichen stehen auf Sturm. Hineingeworfen und verstoßen, unentdeckt und entblößt“. Die Worte der Fliehenden Stürme gleichen dunklen Gedankenblitzen, formulieren schwermütige Emotionen und vermitteln niedergeschlagene Isolation. Ihr seelenwundes Album „Fallen“ aus dem Jahre 1995 ist ein wichtiger Meilenstein der Bandgeschichte und erscheint nach langem Warten endlich als remasterte Neuauflage mit zwei exklusiven Bonus-Tracks.

Mitte der Achtzigerjahre begann bei den Stuttgarter Deutschpunkern Chaos Z ein neuer Wind zu wehen. Die beiden Brüder Andreas und Thomas Löhr führten ihr kreatives Schaffen unter neuem Namen fort und wandten sich mit Fliehende Stürme dem Depro-Punk zu. Mit dem Rückenwind des Post-Punks der frühen Achtziger, vermengte das ungestüme Duo Punk, New und Dark Wave und erschuf damit ein einzigartiges Mosaik der Schwärze. Nach einer Handvoll legendärer Alben sollte schließlich „Fallen“ erscheinen, eine Platte, die unter einem finsteren Stern stand. „Thomas ging es zu der Zeit schon sehr schlecht und er war meistens im Krankenhaus“, blickt Andreas zurück. „Insofern hab ich ihm meistens Tapes mit den fertigen Songs ins Krankenhaus gebracht. Aber für die Lieder ‚Alles falsch‘, ‚Wolfsmensch‘ und ‚Springen‘ konnte er den Bass noch einspielen – und sogar bei ‚Trinkerherz‘, das dann im gleichen Jahr auf der ’45 Jahre ohne Bewährung‘ unter dem Bandnamen Chaos Z veröffentlicht wurde.“ Nach Veröffentlichung der Scheibe erlag der junge Musiker seiner schweren Erkrankung. Dementsprechend bleibt „Fallen“ ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Band und auch im Leben des zurückbleibenden Bruders. „Ich freue mich aber, dass das Album nicht einfach in der Versenkung verschwindet und in Vergessenheit gerät. Es bleibt auf diese Weise ein ewiges Andenken.“

Über Jahre hinweg war die CD vergriffen und wurde zu horrenden Preisen auf Tauschbörsen gehandelt – wie eigentlich alle Alben der Formation. So gesehen sind gute Zeiten für die Fans angebrochen, denn im Vorfeld wurden auch das Debüt „An den Ufern“ und „Hinter Masken“ auf CD neu herausgegeben und „Himmel steht still“ und „Priesthill“ gerade wieder als Vinyl gepresst – klanglich aufpoliert und mit einigen Extras versehen. So haben die beiden Songs des gesuchten „Maschinentrauma“-Samplers, „Ziellose Wege“ und „Ausgehöhlt“ ihren Weg auf die Zweitauflage von „Fallen“ gefunden.

Bei Textzeilen wie „Am Minimum der Existenz, ein grauer Traum, der Wahnsinn nagt, der Strudel saugt“ ist es verwunderlich, dass Andreas überhaupt noch am Leben ist. Mit einem lauten Lachen quittiert er diese These: „Wer mich näher kennt weiß, dass ich auch ein sehr alberner Mensch sein kann. Fliehende Stürme sind und waren für mich aber zugegebenermaßen immer eine Art Therapie und Bewältigung.“ Wie Goethe mit seinem „Werther“ kann sich der Dunkelpunk „freischreiben“ und von den eigenen Dämonen befreien. „Andererseits holen einen gewisse Gefühle und Situationen auch immer wieder ein“, merkt er an. „Manche Stücke sind ganz schön heftig, wenn wir sie auf Tour mehrfach live spielen. Dann zieht mich mein eigener Mist runter.“ Doch unterkriegen lässt er sich nicht, vielmehr folgen seinen Worten auch Taten. „Vielleicht ist dies die falsche Stadt, oder gar das falsche Land? Dieser Ort gefällt mir nicht“, heißt es bei „Alles falsch“ – dieser Feststellung folgend hat er Deutschland schon vor zehn Jahren den Rücken gekehrt. Allerdings, so wirft er nachdenklich ein, gibt es auch Dinge, vor denen man nicht fliehen kann …

Bei aller Depression und Einsamkeit, die in den Texten und auch der Musik der Stürme mitschwingen, tauchen auch immer wieder Hoffnungsschimmer und Rettungsanker auf, zumeist Personen, die Halt, Wärme und Schutz gewähren. „Ich war und bin immer noch eine Person mit einem sehr überschaubaren Freundes- und Bekanntenkreis. Nennt man sowas ‚Natural Born Einzelgänger‘?“, flachst er munter. „Dafür bedeuten die wenigen Menschen, die mir nahe stehen, umso mehr. Liebe und Bezugspersonen spielen wohl für jeden Menschen eine wichtige Rolle.“

Und während die Zweitauflage von „Fallen“ gerade in die Hände von Post-Punkern, Dunkelwavern und Depro-Punks wandert, arbeitet Andreas an neuer Musik für einen Sampler, bereitet sich auf eine Tour im Herbst vor und fügt die ersten Ideen für das nächste Album zusammen. „Und ich springe daraus hervor und nichts ist mehr so leer“, denn Bewegung hält am Leben und Stillstand bedeutet den Tod.

Bewertung:

tentakel_10v10

 

Polarlicht 4.1

Polarlicht 4.1Die graue Welt unterm Nordlicht

In den schwarzen Clubs donnern die immer gleichen elektronischen Tanzflächenfüller über die Massen herein, zusammengesetzt und konstruiert aus den ewig gleichen Elementen. Qualitativ hochwertige Synthetik abseits standardisierter Klangnormen findet sich leider nur selten, doch sie findet sich, wie in Form von Polarlicht 4.1. Das Projekt bemüht sich mit seinem Neuling „Famos“ zum dritten Mal den Klangkosmos zu bereichern und nicht stumpf Bekanntes wiederzukäuen.

Dabei stellt Ronny Jaschinski selbst fest, dass „Famos“ das bisher eingängigste seiner Werke geworden ist: „‚Famos‘ wirkt um einiges freundlicher und offener als sein Vorgänger. Das war aber absolut nicht geplant. Es ist einfach passiert und das Album ist wie aus einem Guss entstanden. Bei mir gedeihen viele Dinge als Zufallsprodukt aus der Klangarbeit. Es wurde auch reichlich experimentiert und ich denke, es hat sich wieder mal gelohnt …“

Dies steht im Kontrast zum Vorgänger „Drittklangträger“, der dunkel, harscher und vor allem auch sperriger war. Doch dies bedeutet noch lange nicht, dass „Famos“ glatt und simpel aufgebaut wäre, denn auch hier verbinden sich treibende Rhythmen, ambiente Trancezustände und industrielle Klangspielereien. Gerade diese Vielfalt, betont der Soundtüftler, hat man sich über all die Jahre erhalten. Auf die Frage, ob ihm eher die ruhigen oder die krachigen Momente der Scheibe zusagen antwortet Ronny lachend: „Mittlerweile eher die ruhigen. Man wird eben älter.“
Doch auch hier hat „ruhig“ nichts mit langweilig zu tun, denn Polarlicht 4.1 steht nach wie vor für ideenreiche Klangvariationen, abseits standardisierter Club-Massenware. „Ich verstehe das als Kompliment“, wirft der kreative Kern des Projektes ein. „Standardisierte Massenware für die Clubs zu liefern ist nicht mein Ding, denn kurzweilige Chartprodukte liefern schon andere. Meine Sachen sind eher etwas zum daheim hören und genießen … Für die Glücklichen, Nachdenklichen, für die Schönen und schlechten Momente im Leben.“ Auf die aktuelle Clublandschaft angesprochen, kommentiert Ronny kurz: „Manchmal kann man da echt nicht zuhören. Was so in den Clubs gespielt wird ist nur noch Mainstream und das liegt zum Großteil an den DJs selbst. Schade eigentlich.“ Als Beispiel fallen kurz darauf die Songs von Agonoize. „Sie bedienen die breite Masse“, wird da trocken zu Protokoll gegeben und weiter, „Hellectro eben. Ehrlich gesagt nicht mein Fall.“

Anstelle von Klischees und Schlagwörtern geht „Famos“ einen ganz anderen Weg: „Es ist das persönlichste Album der Bandgeschichte. Es geht um Gefühle und Empfindungen aus der Zeit, in der das Album entstanden ist. Es ist wie eine Sammlung meiner Gefühlszustände und deshalb ist es auch ein sehr persönliches Werk geworden. Zudem hat sich der Stil mehr in Richtung Electronica gewandelt. Das ist das Neue und Unvorhersehbare an der Scheibe. Außerdem habe ich bisher alle Alben selbst produziert und vermarktet. ‚Famos‘ erscheint nun aber auf Funkwelten. Ich habe mit ihnen endlich einen Partner gefunden, der mir viel Arbeit abnimmt und zudem bessere Werbemöglichkeiten hat.“ Über den Plattenvertrag und die stilistischen Neuerungen hinaus gibt es aber auch inhaltliche Veränderungen: „Auf ‚Drittklangträger‘ habe ich schon versucht, eine Message zu überbringen. Die CD galt und gilt noch heute dem Weltfrieden. Bei ‚Famos‘ ist es nun jedoch so geworden, dass die CD meine vergangenen und momentanen Gefühle widerspiegelt. Und Spaß macht das Ganze natürlich auch; aber ich mache Musik nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern nutze Musik vielmehr als Art, mich auszudrücken und verarbeite in ihr Gefühle und Erlebnisse der oftmals grauen Welt.“

Dieser Verarbeitungsprozess zeigt sich auch in den benutzen Samples, die auf „Famos“ immer wieder kehren. „Sie stammen überwiegend aus einem Film, den ich sehr bewegend fand“, klärt Ronny auf. „Natürlich stehen sie unmittelbar im Zusammenhang mit den jeweiligen Tracks.“ So wird bereits bei dem Opener „My Life Without Me“ diese direkt Verbindung aus Sample und Song augenscheinlich, denn die eingeflochtenen Sprachfetzen stammen aus dem Streifen „Mein Leben ohne mich“. „Ein Film“, wie Ronny weiter ausholt, „der sehr gut zu meiner damaligen Gefühlslage passte. Deshalb hat er quasi stellvertretend einen Platz auf ‚Famos‘ erhalten.“
Das Drama „Mein Leben Ohne Mich“, das sich hauptsächlich dem Umgang der Menschen mit dem Tod widmet, steht dabei im Gegensatz zu den Liveauftritten des Projektes: „Wir versuchen so viel wie möglich live zu spielen und untermalen unsere Shows durch liebevoll gestaltete Videosequenzen. Das Wichtigste an den Liveshows ist, dass der Funke zwischen uns und dem Publikum überspringt und die Leute Spaß haben an der Musik.“ Eben ein Polarlicht im grauen Alltag.

Bewertung:

tentakel_7v10

 

Steve Jablonsky – Ender’s Game

Steve Jablonsky
„Ender’s Game“
(Colosseum/Varèse Sarabande/Alive)

Ender's GameEine epische Geschichte bedarf eines epischen Soundtracks – und Steve Jablonsky lässt mit seinen Kompositionen das ganze Weltenall erzittern. Schon die Ouvertüre „Ender’s War“ macht in kaum dreieinhalb Minuten auf bewegende Weise deutlich, worauf sich der Hörer in den nächsten 71 Minuten einstellen darf. Sanfte Streicher bauen eine dichte Stimmung auf, nehmen Takt um Takt an Dynamik zu, werden schließlich von einer druckvollen Bläserwalze unterstützt und zu einem gänsehauttreibenden Crescendo-Klimax emporgehoben. Hernach löst sich die kraftvolle Wucht in einem gefühlvollen Ausklang auf. Und so ist es bei den insgesamt 21 Tracks von Anfang bis Ende: ein harmonischer Taumel durch Höhen und Tiefen, durch Pianissimo und Fortissimo, durch Verletzlichkeit und Pathos, Grusel und Leuchtkraft. Es würde kaum verwundern, wenn der vielseitige Klangschaffende für diese Scheibe seinen siebten BMI Award bekommen würde, denn u.a. hat er bereits für das Remake zu „The Texas Chainsaw Massacre“ und zwei „Transformers„-Teile den begehrten Preis eingestrichen. Bedrückende Spannung und gewaltige Inbrunst begleiten diesen Science-Fiction-Streifen stimmungsvoll und sind vor allem auch ohne visuelle Komponente zutiefst berührend.

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tentakel_8v10

Ramin Djawadi – Game Of Thrones: Season 4

Game Of  Thrones (OST)Ramin Djawadi
„Game Of Thrones: Season 4“
(Watertower/Sony)
Während zahllose Fantasy-Fans hierzulande noch immer angespannt auf die Veröffentlichung der vierten Staffel der Erfolgsserie „Game Of Thrones“ warten, hat der Soundtrack zur Nummer 4 schon den deutschen Markt erobert. Ramin Djawadi hat das tschechische Filmorchester und seinen Chor ein weiteres Mal in ungeahnte Höhen geführt und macht auch diese Scheibe zu einem wundervollen Ohrenschmaus und Gefühlsritt. Die emotionale Bandbreite ist ungebrochen groß. Der Lauschende wird immer wieder von melancholischen Einbrüchen in bittere Abgründe gerissen, um bald darauf von epischer Wucht niedergewalzt zu werden. Da wäre das brachial donnernde „Let’s Kill Some Crows„, ein martialisches Kriegsunwetter, das unweigerlich Schlachtengemälde im Kopf entstehen lässt. Im krassen Gegensatz dazu steht das filigrane „I’m Sorry For Today„. Hier herrschen innere Einkehr, tiefgreifende Trauer und Verletzlichkeit. Unvergleichlich ist auch die Sigur-Rós-Version von „The Rains Of Castamere“ – die Gänsehaut bleibt auch nach dem Hören zurück.

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tentakel_9v10

 

Wardruna – Runaljod – Gap Var

Wardruna

Wardruna
„Runaljod – Gap Var“
(Indie Recordings)
Ihr könnt noch einen Plattenspieler euer Eigen nennen? Dann habt ihr Glück gehabt, denn die norwegischen Runenmagier  Wardruna haben ihre Debütscheibe aus dem Jahre 2009 als limitierte Picture-LP und in gewöhnlichem, schwarzem Vinyl neu aufgelegt. Ihre einzigartigen, beschwörerischen und atmosphärischen Klangzaubereien machen im analogen Tonformat einiges her. Auf alten Instrumenten, unter Zuhilfenahme von Naturgeräuschen und ausdrucksstarkem Gesang hat Einar Kvitrafn etwas Außergewöhnliches geschaffen, das mehr ist  einfach nur Musik – nicht umsonst wurden einige Stücke auch in der Wikinger-Serie „Vikings“ eingesetzt. „Gap Var Ginnunga“ ist eine Anrufung der alten heidnischen Götter, eine Ode an die skandinavische Kultur und ein aufwühlendes emotionales Ritual. Jedes Album der „Runaljod„-Trilogie widmet sich dabei acht der alten Futhark-Runen – der Abschluss des Zyklus (nach dem zweiten Part „Yggdrasil„) darf mit Spannung erwartet werden. Bis dahin gilt es, in den zwölf Stücken dieser Platte zu versinken und sich ganz der Anmut des Nordens hinzugeben.

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tentakel_10v10

Trevor Morris – Vikings

Vikings-OST_1Trevor Morris
„Vikings“
(Sony)
Nein, die Fernsehserie „Vikings“ ist keine historisch akkurate Aufarbeitung der Wikingerkultur, sondern eine Verfilmung der nordischen Sagas und somit entsprechend fantastisch. Dennoch oder gerade deswegen haben die zwei bisher ausgestrahlten Staffeln einen besonderen Charme und bleiben dabei dennoch in der Nähe der geschichtlichen Gegebenheiten. Der Komponist Trevor Morris hat die Härte und Erbarmungslosigkeit der einzelnen Folgen hervorragend mit seinem Score eingefangen und glänzt vor allen Dingen in den epischen, tragischen und mystischen Momenten. Eben noch wird der Hörer Zeuge einer blutigen Schlacht, schon wird er von geheimnisvollen, bedrohlichen Nebeln eingehüllt, um im  Moment das Auge über die prächtige skandinavische Natur schweifen zu lassen. Der auch weit über die Serie hinaus bekannte Titelsong „If I Had A Heart“ von Fever Ray sticht dabei aus dem ansonsten klassischen Klanggeschehen. Beide Scheiben – sowohl die zur ersten als auch die zur zweiten Staffel – glänzen mit Vikings-OST_2zahlreichen Hochmomenten und sind Liebhabern der Serie uneingeschränkt zu empfehlen. Wer daran zweifelt, sollte sich einmal das kernige und beachtlich arrangierte „Vikings Attacked“ anhören …

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tentakel_8v10

 

Viking Skull – Doom Gloom Heartache And Whiskey

Viking Skull
„Doom Gloom Heartache And Whiskey“
(Powerage Records/Soulfood)
Viking_SkullWer bei diesem Bandnamen pathetische Keyboardflächen, epische Wikingerchöre und schwülstige Germanenpropaganda erwartet, wird bereits beim ersten Song enttäuscht, denn die Mannen von Viking Skull bewegen sich irgendwo zwischen Motörhead, Black Sabbath und einem vollgesoffenen Biker. Entsprechend kommt der Titel der dritten Scheibe nicht von ungefähr, außer, dass „Whiskey“ eigentlich an erster Stelle stehen müsste. Denn hier gibt es dreckigen, rohen, direkten und schnörkellosen Metal der alten Schule. Komplexe Kompositionen, durchdachte Texte oder individuelle Arrangements sucht man vergebens, vielmehr hauen einem die neun Songs frontal auf die Glocken. Schon beim Eingang „Start A War“ kann man ziemlich schnell das Hirn auf Durchzug schalten, dafür aber mächtig die Rübe schütteln. Der rotzig-raue Gesang tut sein übriges, um die richtige Sex, Drugs und Rock’n’Roll-Stimmung heraufzubeschwören. Immer wieder lassen sich die alten Meister deutlich herauslauschen, mal mit Stoner-Touch, mal wuchtig fordernd. Eine Scheibe, die fernab jeglicher Innovation existiert, sich vielmehr einen dicken Pflatscher Kuhdung darum schert. „Doom Gloom Heartache And Whiskey“ lässt es schlichtweg ordentlich krachen – und das mit Erfolg.

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tentakel_7v10

Meteor-Horror – Hexenkarussell (5)

Hexenkarussell Folge 5Meteor-Horror
Hexenkarussell“ (5)
(Meteor/Edel)
Während die Hörspiele aus dem Hause Europa in aller Munde und vor allem in aller CD-Spieler sind, gelten die Serien von Meteor eher noch als Geheimtipp – und das obwohl die Reihe „Sieben Siegel“ von Kai Meyer bereits 2002 zum besten Hörspiel auserkoren wurde. Aus dem selben Studio stammt die Horror-Staffel, die in jeder Folge neue Charaktere vor wechselnden Schauplätzen präsentiert. Mit dem fünften Teil, dem „Hexenkarussell„, wird die Geschichte grausamer Ritualmorde erzählt, denen zwei Journalisten auf die Schliche kommen. Bald führen die Spuren zu der geheimnisvollen Hexe Mara und von da an beginnt ein Höllentrip für die beiden. Mit etwa 55 Minuten Spielzeit kann man diese CD in aller Ruhe als kleinen Horror-Happen zwischendurch genießen. Von der Aufmachung her orientiert man sich sehr stark an den schon bekannten Horror-Spektakeln und deren Inhalten. Rein sprachlich wird recht tief in die Metapherkiste gegriffen, recht deutlich von herumfliegenden Innereien gesprochen und versucht jegliches Klischee des Genres einzusetzen – dann und wann wird auch mal eine kleine Brise Erotik eingestreut. Während nicht alle Sprecher für wirkliche Begeisterungsstürme sorgen können, wirken auch einige Dialoge sehr gestellt und künstlich. Auch der Spannungsbogen kann nicht so richtig überzeugen, und was eigentlich als überraschendes Ende gedacht ist, zeichnet sich schon viel zu früh deutlich ab. Dennoch macht das „Hexenkarussell“ Spaß, wenngleich an vielen Stellen Verbesserungen nötig wären. Somit bleibt diese Folge nur etwas für Hörspielfanatiker, aber schon in der nächsten Ausgabe werden wir sehen, dass Meteor es besser kann.

Bewertung:

tentakel_6v10

Edgar Allan Poe – Der Bericht des Arthur Gordon Pym

Der Bericht des Arthur Gordon PymEdgar Allan Poe
„Der Bericht des Arthur Gordon Pym“
(Der Hörverlag/SPV)
Wer Poe noch nie gelesen oder, wie in diesem Falle, gehört hat, der sollte mit Herrn Pym beginnen und sich knapp zwei Stunden Zeit für dieses abenteuerliche Schauerspiel nehmen. Was anfänglich wie ein gewöhnlicher, zu dieser Zeit (1838) üblicher Seefahrerroman beginnt, wird bald durch poe-typischen Horror angereichert: Lebendig-Begraben-Sein, Menschenfresserei und allerlei Leckereien mehr. Gegen Ende des Berichtes sticht um so deutlicher hervor, weshalb sich H.P. Lovecraft so sehr zu den Werken Poes hingezogen fühlte, denn aus der Erzählung dringt eine kriechende Furcht vor dem unbekannten Grauen, vor einem nicht näher erklärten Bösen. So begleitet man auf diesen beiden CDs den zu Beginn sechzehnjährigen Protagonisten Pym, der seine Heimat verlässt, um als blinder Passagier auf dem Walfangschiff Grampus mitzufahren – aus reiner Lust am Abenteuer. Versteckt wird er dort in einem finsteren Loch, bis es auf dem Schiff des Vaters seines Freundes Augustus zu einer Meuterei kommt. Doch möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf die Handlung eingehen, kann aber im voraus jeden Hörer vertrösten, der bei dem überraschenden letzten Kapitel verwirrt in sich hineinstarrt. Denn wie bei David Lynch-Filmen ist das Ende vielseitig deutbar und lässt den Poe-Fan mit einer Reihe furchterregender, ungeklärter Fragen zurück. Aber genau das macht die Angst vor dem Ungewissen aus! Die Sprecher, sowie die hervorragend gelungene musikalische Untermalung und atmosphärische Soundkulisse tun ihr übriges, um die pym’schen Abenteuer zu einem spannenden und unheimlichen Hörerlebnis zu machen.

Bewertung:

tentakel_9v10

Die drei ??? – Die Villa der Toten (114)

Drei ??? 114Die drei ???
„Die Villa der Toten“ (114)
Europa/BMG
Ausnahmsweise müssen die ewig jung gebliebenen Schlaumeier aus Rocky Beach mal nicht ein Problem mit Gespenstern lösen, sondern werden engagiert, weil es in der noblen Villa einer verstorbenen Operndiva nicht spukt. „Mal was Neues“, wird da so manch einer denken, aber recht bald entwickelt sich die Plotline zu einem der üblichen Fälle der drei Fragezeichen, dessen Ausgang und Lösung sich für Fans der Serie schon bald im Verlauf der Geschichte andeutet. Nichts desto trotz verströmt auch die 114 den einzigartigen Charme der Jungdetektive, baut auf einer kurzweiligen und äußerst unterhaltsamen Story auf, bei der man auch problemlos nebenher das Zimmer aufräumen, Wäsche bügeln oder andere sportliche Betätigungen unternehmen kann, ohne gleich den Faden zu verlieren. Besonders schön ist, dass Tante Mathilda bei der Aufklärung des Spuks als Medium zum Einsatz kommt und auch Morton wieder ein wenig stärker in die Geschehnisse eingreift. Somit bleibt die neueste Folge eine nette Weiterführung bekannter Elemente, ist aber aufgrund der fehlenden Gruselmomente nicht zu den Spitzentiteln zu zählen.

Bewertung:

tentakel_7v10