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The House Of Usher – When Our Idols Fall

The House Of Usher
„When Our Idols Fall“
(Équinoxe/Alive)
Der Untertitel der Scheibe, „The Rare & The Obscure“, macht schnell deutlich, dass es sich bei dieser Zusammenstellung nicht um eine herkömmliche Sammlung der größten Band-Kracher handelt, sondern, dass vielmehr den Besonderheiten von The House Of Usher Tribut gezollt werden soll. So gestaltet sich der Rundling als eine gleitende Reise in die Vergangenheit der Formation, beginnend anno 2007 mit dem äußerst stimmigen Pink-Floyd-Cover „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ bis zurück zu „Evillive“ ins Jahr 1991. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf 7″-Singleauskopplungen, Raritäten und sogar bisher unveröffentlichtem Liedgut, so dass diese Scheibe vor allem für die langjährigen Fans ein Schmankerl sein dürfte. Beeindruckend ist, dass die vierzehn Stücke aus unterschiedlichen Schaffensphasen allesamt wie aus einem einzigen, düsteren Guss klingen, wodurch auch Neulinge einen tollen Einstieg in den melancholisch, wavigen Düsterrock-Kosmos der deutschen Gruppe finden können. Schwermütige Melodien verbinden sich mit sphärischen Gitarrenteppichen und mit Jörgs ausdrucksvoller, dunkler Stimme, um schon im nächsten Moment vom Schlagzeug mit Druck beseelt zu werden und sich in pochende Energie zu verwandeln, die angenehm nach Retro klingt.

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mind.in.a.box – Revelations Club Mixes

Mind In A Box

mind.in.a.box
„Revelations Club Mixes“
(Dreamweb/Alive)
Remixe bieten neue Interpretationsansätze oder definieren gänzlich neu – vor allem dann, wenn eine genrefremde Band die Regler in die Hand nimmt. Im Falle der „Club Mixes“ sind die fünf Tracks in der guten Stube geblieben und wurden von Stefan Poiss höchstselbst modifiziert. Der Titel gibt die Ausrichtung bereits vor und zeigt an, wohin mind.in.a.box mit dieser EP wollen, nämlich direkt auf die Tanzflure der Welt. Einen gelungen Auftakt macht das auf sieben Minuten angeschwollene „Control“, das mit leicht höherem Tempo und dichterem Sound direkt in die Hüftregion schießt. Herausragend auch das „verclubte“ „Remember“, die Intro des Vollzeitalbums „Revelations“. Als Club-Version hat es mächtig Fahrt aufgenommen, lässt weiterhin genug Raum für den wuchtigen Refrain des Originals mit all seiner emotionalen Schwere. Auch „Cause And Effect“, „Unknown“ und „Sanctuary“ können sich hören lassen und machen die Scheibe vor allen Dingen zur körperlichen Ertüchtigung interessant – ob daheim oder in der Diskothek.

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Joseph LoDuca – Spartacus: War Of The Damned

Spartacus-Soundtrack

 

Joseph LoDuca
„Spartacus: War Of The Damned“
(Colosseum/Varèse Sarabande)
Musikmaestro Joseph LoDuca ist seit jeher eng mit Filmlegende Sam Raimi verbunden und durfte schon 1981 in dessen „Tanz der Teufel“ für eine unheimliche Klanguntermalung sorgen. Über den Mittelalterklamauk „Armee der Finsternis“ und die beiden TV-Serien „Hercules“ und „Xena“ hat er sich schließlich auch ins Fantastische vorgewagt und dort vortreffliche Arbeit geleistet, welche bisher mit zwei Emmys geehrt wurde – völlig zurecht! Als Haus-und-Hof-Komponist von Raimi wurde ihm auch das blutige Gladiatorengemetzel „Spartacus“ anvertraut, das er seit der ersten Staffel stimmig „betont“. Mit „War Of The Damned“ geht es nunmehr in die dritte Runde, bei der sich gewaltige Umstürze ankündigen. Die rebellierenden Sklaven beschließen die römische Republik auseinanderzunehmen, während der Staat verzweifelt versucht, die Aufständischen niederzuschlagen. Mit feenhaftem Frauengesang, epischen Männerchören und einem kraftvollen Orchester lässt LoDuca die tragische Handlung erklingen. Wuchtige Donnerschläge vermengen sich mit nervenaufreibenden Streicherarrangements, um bald darauf in leidenschaftlicher Zuneigung zu versinken. Wucht, Schwere und Pathos herrschen jedoch vor – und wie!

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The Moon And The Nightspirit – Mohalepte

The Moon And The Nightspirit

The Moon And The Nightspirit
„Mohalepte“
www.themoonandthenightspirit.com
Bereits zum vierten Mal gelingt es den beiden ungarischen Folk-Künstlern Ágnes und Mihály ein Werk zu erschaffen, das bis in die Tiefen der Seele vorzudringen vermag und ganz und gar verzaubert und berührt. Zarte, weibliche Gesänge steigern sich unter treibenden Rhythmen in eine schamanische Ekstase, zerfließen in einem Anrufen der fernen Götter, einem Bitten und Sehnen, hier und da kontrastiert oder verstärkt durch ein erdiges Männerorgan. Zerbrechliche Eingekehrtheit, die sich nur vorsichtig und leise durch ein Elfenreich tastet, wird durch einen wilden Tanz wundersamer Feenwesen aufgebrochen – Magie durchströmt jedes einzelne der acht Stücke. Und obwohl das Duo in der Muttersprache singt und der genaue Inhalt damit auf rationaler Ebene verschlossen bleibt, offenbaren sich durch ihre feinsinnigen und emotionalen Kompositionen dennoch Stimmungen, entfesseln schillernde Assoziationen. The Moon And The Nightspirit sind im Bereich des düster-mystischen Folks der Geheimtipp schlechthin und haben die Großen längst hinter sich gelassen.

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Folk Noir – Songs From Home

Folk Noir
„Songs From Home“
(www.folk-noir.com)
Bewegend und zutiefst ergreifend schleichen sich die fünf Lieder dieser Debüt-Scheibe durch die Gehörgänge in die eigene Seele, durchfluten jede Nervenfaser mit zartem Liebreiz und einem leisen Zauber. Folk Noir, dahinter verbirgt sich Oberfaun Oliver S.Tyr, der gemeinsam mit seiner Herzensdame Kaat Geevers in intimer Atmosphäre eine Handvoll wunderschöner Kleinode geschaffen hat. Das überwiegend selbst komponierte und gedichtete Liedgut erinnert in seiner verträumten Stimmung an die ersten „Zaubersprüche“ von Faun und vermag in der Tat auch wahre Wunder zu wirken. Die minimalistische Instrumentierung aus überwiegend Gitarre, Nyckelharpa und teils improvisierten Rhythmusgebern, verwoben mit den Stimmen der beiden, konzentriert sich auf die Essenz der Klangkunst und erzeugt dabei von der ersten Note an wohliges Schaudern. Freunde dunkel-mystischen Folks sollten schnell zuschlagen, denn den Silberling gibt es nur auf den Konzerten von Faun und in geringer Stückzahl im Internet. VonFolk Noir wird man in Zukunft sicher noch mehr hören!

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Lorne Balfe – Ironclad

Lorne Balfe
„Ironclad“
(Varèse Sarabande)
Ironclad“ ist ein brachialer Historienschinken in dem es blutig zur Sache geht. Ein kleiner Haufen englischer Widerständler stellt sich dem Rachefeldzug King Johns entgegen – ein Aufbegehren, das die Helden mit den nordischen Söldnern des Tyrannen in Konflikt bringt. Schwerter zerhacken Menschen, Bliden bringen ganze Türme zum Einsturz. Wer könnte für eine packende Vertonung der Geschehnisse besser geeignet sein als der schottische Komponist Lorne Balfe, der schon längst zur rechten Hand Hans Zimmers geworden ist und an „Pirates Of The Carribean“ und anderen Hits mitgearbeitet hat. Ihm gelingt ein atmosphärisches Tonwerk, das sich zwischen unerträglicher Spannung vor einer Schlacht und epischer Weite bewegt. Doch neben martialischem Aufmarschieren gibt es auch Momente der Schönheit – alles ideenreich und sensibel zusammengefügt. Dem Setting entsprechend finden auch einige Uilleann Pipes und Low Whistles Verwendung, neben einem großartigen Orchester und mitreißenden Chören. Und Corvus Corax haben ebenfalls ihre Finger im Spiel.

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Paradise Lost bringen die Pest

Die Seuche im Innern

Paradise Lost "The Plague Within"Am 1. Juni ist es soweit: Paradise Lost, die Großväter des Gothic-Metals, werden ihr nunmehr 14. Opus, „The Plague Within“, veröffentlichen. Letzte Woche haben sie bereits ihr schickes Coverartwork unters Volk gebracht, das wir euch hier nicht vorenthalten wollen.

Produzent Jaime Gomez Arellano, der bereits für Größen wie Ulver oder Cathedral an den Reglern saß, soll dem Werk einen äußerst organischen Sound verpasst haben. Nick Holmes Gesang voller bittersüßer Euphorie soll von grollenden Gitarrenriffen umspült werden, in stetem Taumel zwischen melodischen Höhenflügen und eisigem Röhren begriffen. Die Songs werden von der menschlichen Verzweiflung getrieben, in einer Welt gefangen zu sein, die längst von Dämonen überrannt wurde … Wenn der Kurs der letzten zwei Alben konsequent fortgesetzt wird, könnte etwas Großes auf uns zudonnern.

Erste Tourdaten sind übrigens auch schon bekannt:
29/05/2015 – Rockavaria, München, Deutschland
30/05/2015 – Der Ring, Grüne Hölle Rock, Nürnberg, Deutschland
18/07/2015 – Castle Party Festival, Bolkow, Polen
15/08/2015 – Summer Breeze, Dinkelsbühl, Deutschland

mind.in.a.box – Memories

mindinabox-memories_Cover_800x800_sRGBmind.in.a.box
„Memories“
(Dreamweb Music/Alive)

Die beiden Elektroniktüftler, Stefan Poiss und Markus Hadwiger, wagen mit ihrem neuesten Album „Memories“ die fünfte Reise ins „Dreamweb“ – ihre ganz eigene Version des Cyberspace. Spätestens seit „R.E.T.R.O.“ (2010) gehört das österreichische Duo in jede gut sortierte geekige Musikbibliothek, denn mit jener Scheibe kehrten die Zwei zu ihren eigenen Wurzeln zurück, den Videospielen. Auch wenn sie es immer wieder mit ihren ausdrucksstarken Synthpop-Songs in die Tracklisten verschiedener moderner Videospiele wie „Crackdown“ oder „Project Gotham Racing“ schafften, war die CD eine tiefe Verbeugung vor der 8-Bit-Ära der Spielesoundtracks. Alte Klassiker à la „Lightforce„, „The Last V8“ oder „The Last Ninja“ wurden von mind.in.a.box so feinfühlig und fernab üblicher Chiptunes oder Gamewaves neu interpretiert, dass (alten) Zockern unweigerlich die Herzlein aufgingen. Tracks wie „I Love 64“ und „8 Bits“ aus ihrer eigenen Feder sprachen darüber hinaus eine ebenso deutliche Nerd-Sprache.

mind_in_a_box_-_Memories_pdfMit dem Konzeptalbum „Memories“ taucht der Zweier zum fünften mal ins Dreamweb ab und schreibt damit die eigene Geschichte jener Zukunftsvision fort, die mit ihrem Debüt, „Lost Alone„, 2004 begann. Alte Bekannte wie der Agency-Agent Mr. Black sind ebenso dabei wie neue Charaktere – und alle sind Teil jener kühlen, dystopischen Vision. Die dreizehn Songs transportieren die Inhalte jener Cyberspace-Saga stimmungsvoll, bilden ein homogenes Ton-Wort-Gemisch voller schimmernder Facetten. Eine stahlgraue Kälte wogt durch die synthetischen Tracks, sphärische Klangteppiche werden von pumpenden Beats aufgewühlt – und doch bleibt alles filigran und verletzlich. Nicht immer ist die Story Zentrum der Songs. „No Hope“ beginnt mit treibenden Rhythmen, verliert sich dann zusehends in schwebenden „Bladerunner“-Gefilden, um schließlich in prophetischem Tonfall „no hope“ zu skandieren, umwabert von virtueller Weiblichkeit. Ganz anders das finale „5ynchr0ni7e“, das sich als Erzählspur versteht, untermalt von atmosphärischen Klangelementen, um sich dann in soundtrackhaften Weiten zu verlieren. Essentielle Elemente von „Memories“ sind auch die sensibel eingearbeiteten Breaks. In einem einzigen Wimpernschlag bricht ein treibender Song in sich zusammen, windet sich wispernd und klagend am Boden, nur um sich wenige Takte später wieder schmerzerfüllt aufzubäumen. Mind.in.a.box legen ein weiteres Mal vielschichtige Endzeit-Elektronik vor, geben neuromantischer Verlorenheit einen Klang.

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Elfenthal – An Ancient Story

Elfenthal
„An Ancient Story“
(Becky/Mondschatten)
ElfenthalHildgard von Bingens „Caritas Abundat In Omnia“ eröffnet auf magische Weise Maite Itoiz‘ und John Kellys Ausflug in die Weiten der Alten Musik. Schon diese ersten drei Minuten machen zwei Dinge klar: Hier zaubert eine wundersame, klare Sopranstimme eine unvergleichliche Atmosphäre und – nicht weniger wichtig – das tradierte Liedgut wird mit einem außergewöhnlichen Fingerspitzengefühl wiederbelebt. Diese prächtige Verbindung wird schließlich noch durch John Kelly erweitert, der der glasklaren Stimme von Maite Itoiz seinen warmen, erdigen Gesang zur Seite stellt. Selbst häufiger interpretierten Liedern entlocken die Beiden einen außergewöhnlichen Zauber. Erhabenheit und Grazie stehen hier vor hämmernden Trommeln, vielmehr verneigen sich die beiden Musiker andächtig vor den Versen aus der Vergangenheit, arbeiten mit zurückhaltender aber pointierter Instrumentierung und erzeugen damit weitaus größere Momente als so manch andere Gruppe. Wer Elfenthal bisher nur von ihrem Historock-Programm kennt, sollte diese neue Seite unbedingt erkunden – und wer von dem Duo bisher noch nichts vernommen hat, sollte sich der „Ancient Story“ unvoreingenommen hingeben.

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Der Exorzist

William Peter Blatty
„Der Exorzist“
(LübbeAudio)

Der ExorzistWie kaum ein anderer Film hat William Friedkins „Der Exorzist“ das Genre des Geisteraustreibungshorrors geprägt. Der Regisseur griff dabei auf eine überaus erfolgreiche gleichnamige Romanvorlage aus dem Jahre 1971 zurück, die vom Autor William Peter Blatty für die Verfilmung selbst adaptiert wurde. Max von Sydow brillierte als Pater Lancaster Merrin und Mike Oldfields gespenstisches „Tubular Bells“ unterstrich auf gespenstische Weise die einzigartige Atmosphäre des Streifens. Als „bearbeitete und inszenierte Fassung“ lässt Joachim Kerzel den Roman nun als Hörbuch mit Soundeffekten und Musik neu auferstehen und verleiht dem dämonischen Treiben unheiliges Leben. Als die pubertierende Regan einige Verhaltensauffälligkeiten wie Gespräche mit ihrem imaginären Freund Captain Howdy zeigt, denkt sich ihre Mutter noch nichts Böses. Doch recht bald schlägt ihr Gebaren ins Obszöne und Bedrohliche um und es scheint, als sei die Zwölfjährige vom Teufel besessen. Genauer gesagt vom babylonischen bzw. assyrischen Dämon Pazuzu. Der hinzugezogene Jesuitenpater Damien Karras hat so seine Probleme mit dem Exorzismus, ist sein Glaube an Gott doch alles andere als gefestigt – und wer an den Teufel glaubt, muss auch an den Einen glauben. So holt er sich den gealterten Experten Pater Lancaster Merrin zur Seite und gemeinsam steuern sie auf eine Katastrophe zu. Pflicht!

Bewertung:

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