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Deus Ex: Human Revolution

Deus Ex: Human RevolutionDer Wind des Wandels

Grelle Schreie hallen durch die heruntergekommenen Gassen Detroits, zerrissen vom dumpfen Dröhnen abgefeuerter Schusswaffen. Fahrzeuge stehen in Flammen, ganze Geschäftszeilen werden von den Feuern des Aufruhrs verzehrt. Pures Chaos. Das Entsetzen steht den Menschen ins Gesicht geschrieben. Benommen hocken sie am Straßenrand, nicht in der Lage die Ausschreitungen zwischen Polizei und Puristen zu verarbeiten. Willkommen in der düsteren, dystopischen Welt von „Deus Ex: Human Revolution„.

Im Jahre 2000 löste „Deus Ex“ euphorische Begeisterungsstürme aus. In einer genialen Kombination aus Action- und Rollenspiel schufen die Entwickler von Ion Storm eine lebendige und beängstigende Zukunftsvision – stark orientiert am Cyberpunk. Mit „Deus Ex: Invisible War“ legte man vier Jahre später einen guten, aber leider nicht ganz würdigen zweiten Teil der Saga nach, um nun zu einem grandiosen dritten Teil auszuholen, der faszinierende und bewegende Stunden für Xbox360, PS3 und PC verspricht.

Der neue Mensch

Sarif Industries gehört zu den Marktführern im Bereich der Augmentierungen – biotechnische und kybernetische Körperapplikationen. Im Jahre 2027 hat der Mensch längst die alten Götter vergessen und bemächtigst sich deren schöpferischer Kräfte. Kybernetische Körperteile ersetzen nicht nur altmodische Prothesen, sondern sind längst ein Objekt der Begierde geworden – natürlich nur, wenn man ausreichend Kleingeld hat. Doch wer will nicht seine Augen verbessern und Dinge sehen, die andere gar nicht wahrnehmen können? Wer möchte nicht mit seinen neuen Beinaugmentierungen schneller rennen können als ein Gepard oder mithilfe eines Hautimplantats der Unverwundbarkeit näher kommen? Die Anwendungsmöglichkeiten sind schier unbegrenzt. Doch leider benötigt der so veränderte Organismus große Dosen eines Medikaments namens Neuprozyn, denn ansonsten stößt der eigene Körper das fremde Gewebe wieder ab und die zig Tausend Dollar fallen als nutzloser Hightechklumpen vom eigenen Leib. Aber das Serum ist teuer und anno 2027 sind die Straßen voll von bettelnden Neoprozyn-Süchtigen, die längst Sklaven ihres eigenen Vervollkommnungswahns geworden sind.
Sarif Industries entwickelt darüber hinaus immer wieder auch Augmentierungen für das Militär und verkörpert für die radikalen Gegner der neuen Technologie, Purity First, somit das pure Böse. Während ein Teil der Gesellschaft in der Kybernetik eine neue Chance für die Menschheit sieht, mahnen die Puristen zur Reinheit des Menschen – aus Argumenten werden Streits, aus Streits Straßenschlachten und überall auf der Welt versinkt die Zivilisation in Aufruhr.

Der unfreiwillige Superman

Adam Jensen hatte nicht die Wahl. Als Sicherheitschef von Sarif Industries hat er nur versucht seine Pflicht zu tun und den Konzern vor einem überraschenden Anschlag zu bewahren. Man war kurz vor einer Präsentation bahnbrechender Forschungsergebnisse, die die menschliche Existenz auf eine völlig neue Ebene des Seins gehoben hätten, doch dann fielen die ersten Schüsse. Überrascht und mit zu wenig Männern, war es Adam nicht möglich, den feindlichen Terroristen etwas entgegenzusetzen. Bei dem Angriff wurden nicht nur Schäden in Millionenhöhe verursacht, sondern es kamen auch etliche Sicherheitsleute ums Leben – und auch Adam wurde mehr als schwer verletzt. Doch sein Konzern wollte ihn nicht sterben lassen und flickte ihn mit Hilfe zahlloser Augmentierungen wieder zusammen.
Als er sechs Monate später noch leicht desorientiert und als übermenschlicher Cyborg aus dem Krankenhaus kommt, wartet bei seinem Arbeitgeber schon der erste Auftrag. Zum wiederholten Male wurde in das gerade erst wieder sanierte Firmengebäude eingebrochen, höchste Zeit für Adam den Ganoven auf die Langfinger zu klopfen. Doch seine Suche entwickelt sich zu einer gigantischen Queste, denn je weiter er sich mit den Anschlägen und Einbrüchen beschäftigt, desto mehr wird er in eine groß angelegte Verschwörung verwickelt, dessen Ausmaß und Tragweite er nicht im Geringsten erahnt.

Grenzenlos schön

Hier ist man also im Jahre 2027, einer gar nicht so weit entfernten Zukunft, die von den Machern von „Deus Ex: Human Revolution“ glaubwürdig und detailgetreu in Szene gesetzt wurde. Das Spiel versteht sich als Prolog zum ersten Teil der Reihe und spielt 25 Jahre vor den Geschehnissen des Debüts. Durch diese Nähe zur Gegenwart erscheint das gesamte Umfeld, die Geschichte und auch die Technik realer und nachvollziehbarer. Konflikte und Probleme, die schon heute die Gemüter erhitzen, haben dort bereits exorbitante Ausmaße angenommen – in der Luft hängt der beißende Hauch eines Umbruchs. Die Gewalt schwelt, der Unmut der Menschen macht sich mehr und mehr breit – vor allen in den ärmeren Vierteln der Metropolen. Denn wo man eben noch durch verdreckte Hinterhöfe voller Straßenpunks spaziert ist, steht man kurz darauf vor einem schillernden Hightech-Bauwerk mit grell blinkenden Werbetafeln. Über dem Szenario gleitet eine Schwebebahn dahin, in der Ferne patrouillieren einige schwer bewaffnete Polizisten.
Die Welt von DEUS EX ist nicht nur groß, sie bietet auch völlige Bewegungsfreiheit und immer wieder neue Ecken, die es zu erkunden gibt. Anfangs ist jedoch nicht jeder Winkel betretbar. In der Kanalisation können giftige Dämpfe ein missmutiges Umkehren erzwingen, in einer Seitengasse steht eine gewaltige Pfütze unter Strom und andernorts gefällt einem Ordnungshüter Adams Visage nicht. Doch im Verlauf des Spiels ist es einerseits durch gewonnene Erfahrung, andererseits durch spezielle Gegenstände möglich das Potential der körpereigenen Augmentierungen mehr und mehr auszuschöpfen. So lassen sich die Lungen mit Filtern versehen, wodurch der eigene Organismus immun gegen Gifte und Gase wird oder aber man fingiert als eigener Blitzableiter und kann sich bequem durch hochvoltige Bereiche bewegen. Oder aber man erhöht seine empathischen Fähigkeiten und kann so erahnen, was andere mögen oder nicht leiden können – somit ist man in der Lage mit den meisten Menschen „gut-freund“ zu sein. Das Besondere daran ist, dass egal welche Verbesserungen man vornimmt, es immer mehrere Wege und Möglichkeiten gibt, die virtuelle Wunderwelt von „Deus Ex: Human Revolution“ zu erkunden. Und das lohnt sich übermaßen, denn die Entwickler haben extrem viel Liebe ins Detail gesteckt. Kaum ein Straßenzug sieht so aus wie der andere. Selbst baugleiche Wohnblöcke überraschen mit immer anderen Kleinigkeiten. Wer will kann alleine für das Untersuchen und Durchforschen der Szenarios etliche Spielstunden investieren – und jeder Schritt davon lohnt sich.

Alle Wege führen ans Ziel

Im ersten Augenblick sieht das neue „Deus Ex“ wie ein schicker Ego-Shooter aus. Doch ganz wie seine Vorgänger kombiniert das Spiel die Ich-Perspektive mit einer Reihe rollenspielartiger Elemente. So sammelt Adam für alle Aktionen Erfahrungspunkte, die an gewissen Schwellenwerten wiederum die Aufrüstung der eigenen kybernetischen Fähigkeiten ermöglichen. Will man Wände zertrümmern, sich blitzschnell in abgesicherte Computer einhacken oder lautlos schleichen können? Jeder Spieler kann hier seinen eigenen Vorlieben frönen und den Charakter in eine beliebige Richtung individualisieren. So löst der eine Spieler ein Abenteuer, indem er mit wummernder MG eine Forschungsanlage in Schutt und Asche legt, während ein anderer in bester „Splinter Cell„-Agenten-Manier durch die Gänge schleicht und die Sicherheitssysteme knackt. Das Hacken ist hierbei ein bedeutendes Element – so wie es sich für ein Cyberpunk-Setting gehört. Man hat dies als kleines Mini-Spiel entworfen, das abhängig von den eigenen Fähigkeiten und der Sicherheitsstufe des Türschlosses oder Computers unterschiedlich fordernd ausfällt – spaßig und spannend ist es aber in jedem Fall!
Im Mittelpunkt steht jedoch die Handlung von „Deus Ex„, die nicht nur intelligent ist, sondern auch umwerfend und packend erzählt wird. Grandiose Zwischensequenzen treiben die Geschichte immer wieder voran und lassen den Spieler häufig mit glänzenden Augen und offenem Mund zurück. Besonders erbauend ist jedoch, dass die Entscheidungen des Spielers direkten Einfluss auf die Spielwelt und den Verlauf des Plots haben. Denn wie man es von „Mass Effect„, „Dragon Age“ oder „Fallout“ gewohnt ist, muss man immer wieder schwere Entscheidungen fällen und sich dann mit den Folgen herumschlagen. Dies verleiht dem Spieler nicht nur ein Gefühl der Genugtuung, sondern erhöht auch den Wiederspielwert – und das obwohl man an „Human Revolution“ so oder so etliche Stunden zu knabbern und zu staunen hat.

Deus Ex: Human Revolution“ darf sich ohne Übertreibung zu den Höhepunkten der Videospielwelt zählen und besticht durch eine dichte Atmosphäre, großartige Handlungsfreiheit und ein überragendes Setting. Ein Action-Rollenspiel in Vollendung!

Bewertung:

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Kick-Ass 2

Kick-Ass 2
(Universal)


kick_ass_n02_fr_xp_br_webMit Comicverfilmungen ist es ähnlich wie mit Verleinwandungen von Romanen – selten kommt das Ergebnis an das Original heran. Dass „Kick-Ass“ ein deftiger Kinospaß (vor allem für die Uneingeweihten) war, ist unbestritten, aber die Wort-Bild-Vorlage von Mark Millar bleibt unerreicht. So ist es auch beim zweiten Kinoteil, der die Wucht und den Ideenreichtum des Comics nicht 1:1 übertragen kann, aber dennoch ein äußerst kurzweiliges Action-Spektakel abgibt, das mächtig Dampf ablässt und gleich eine ganze Reihe peppiger Gags parat hält. Gemeinsam haben der selbsternannten Superheld Kick-Ass und die hochtrainierte Killerzwergin Hit-Girl dem organisierten Verbrechen in den Hintern getreten, da macht sich der Nachwuchs des Mafiabösewichts auf einen beleidigten Rachefeldzug. Als Motherfucker (zuvor Red Mist) sammelt er eine Schar von Superschurken um sich, um Kick-Ass und alle anderen Wohltäter ins Jenseits zu befördern. Besonders herrlich ist dabei der Versuch von Hit-Girl am gewöhnlichen College-Alltag teilzuhaben, um dem Superheldentum abzuschwören. Doch obgleich sie mit einem Finger einen Menschen töten kann, erscheinen ihr die Tussis aus der Klasse als unbezwingbar. Schräg, schrill, (pixel)blutig und doch ein bisschen weise.

Geekometer:

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