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Strings

Strings
(3L)

Ein Marionettenfilm in Spielfilmlänge für Erwachsene ganz ohne aufwändige Computertricktechnik? „Strings“ beweist eindringlich, dass es keiner Hollywood-Dogmen und Blockbuster-Großkotzigkeit bedarf, um ein Meisterwerk zu erschaffen. Vier Jahre nach der Idee von Anders Ronnow-Klarlund war mithilfe von 115 speziell entworfenen Marionetten, 22 der besten Puppenspieler aus Europa und den USA, mehr als 150 Mitarbeitern und nicht zu vergessen 10 Kilometern Schnur der erste Marionetten-Spielfilm geboren. „Strings“ ist ein zauberhaftes Märchen und ein bitteres Drama zugleich. Da wären die liebevollen und beeindruckenden Marionetten, die mit bis zu fünf Puppenspielern bewegt werden mussten, aber auch die traumhaften Kulissen, die der hervorragend erzählten Geschichte bemerkenswerten Ausdruck verleihen. Der König des Reiches Hebalon ist des Krieges müde. Er hofft auf ein neues Zeitalter des Friedens und vermacht seinem Sohn Hal Tara sein Imperium. Doch sein listiger Bruder fädelt eine folgenschwere Verschwörung ein, die den jahrelangen Konflikt zwischen Hebalon und den Zeriths zu einem blutigen Finale bringen soll. Der junge Thronerbe verfällt den Lügen seines Onkels und macht sich in die Fremde auf, nur, um ein verfolgtes Volk vorzufinden, das ihn in die Geheimnisse des Lebens einweiht und ihm damit die Augen öffnet: Wir alle sind miteinander verbunden! Ein metaphorisches und opulentes Kunstwerk.

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Tausendundeine Nacht

„Tausendundeine Nacht – 1. bis 3. Nacht“ (1)
(Der Hörverlag/SPV)

Der ein oder andere wird sich an dieser Stelle fragen, warum wir „alberne Kindermärchen“ vorstellen, die eh schon jeder kennt – spontan werden den meisten Sindbad, Ali Baba und seine 40 Räuber und natürlich die Disney-Verfilmungen von Aladin und seiner Wunderleuchte einfallen. Aber die Originalgeschichten von „Tausendundeine Nacht“ haben nicht wirklich viel mit Gutenachtgeschichten für die Kleinen zu tun. Jeder, der schon einmal in die überlieferten Erzählungen hineingeschmökert hat, wird an der ein oder anderen Stelle gehörige Gesichtsentgleisungen erlitten haben, spätestens dann, wenn die Gefangene des Djinn die beiden Prinzen bittet, es ihr ordentlich zu besorgen, und zwar so richtig! Denn es war ein erklärtes Ziel von Helma Sanders-Brahms, die die Erzählungen für dieses Hörspiel komplett neu schrieb, die oftmals vergessene und von der christlichen Welt verdrängte erotische Komponente des Zyklus‘ wieder stärker in den Fokus zu rücken. Somit bleibt die hohe Liebe eben nicht nur eine stranguliert-verklemmte platonische, sondern wird zu einer natürlichen körperlichen Form: wild, sehnsuchtsvoll und zuweilen recht derb. Gleichzeitig wurde dem Ganzen eine gute Menge Humor injiziert, wodurch die 165 Minuten dieses ersten Teiles wie im Fluge vergehen und neugierig auf die nächste Märchenrunde machen. So ist es hier gelungen, den Original-Texten neues, modernes Leben einzuhauchen, sie für erwachsene Hörer interessanter zu machen und gleichzeitig ihren orientalischen, traditionellen Charme zu bewahren.

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Jupiter Ascending

Jupiter Ascending-CoverJupiter Ascending
(Warner Bros)

Heilige Scheiße! Die Wachowski-Geschwister haben mit der „Matrix“-Trilogie zweifellos Filmgeschichte geschrieben, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. In der Zwischenzeit hatten sie ihre Fingerchen auch in einigen grandiosen Projekten wie „Cloud Atlas“ oder „V wie Vendetta“ drin. Was sie allerdings mit ihrer Science-Fiction-Oper „Jupiter Ascending“ erreichen wollten, bleibt eher nebulös. SciFi-Action für Teenies? Eine massentaugliche Synthese aus „Star Wars“, „Twilight“ und „Matrix“? Oder sollte einfach in möglichst kurzer Zeit so viel Kohle wie möglich für Spezialeffekte verpulvert werden?

Aber fangen wir vorne an. Die nicht unbedingt hässliche Jupiter Jones ist ein Kind großer Liebe. Dumm nur, dass ihr Vater noch vor ihrer Geburt ermordet wurde und sie nun bei ihrer etwas schrulligen russischen Familienbande aufwächst. Ihr Leben als Putze ist nicht unbedingt sonderlich erfüllend, jeder Tag der gleiche Trott. Als aber eines Tages der muskulöse Schönling Caine, eine Art menschlicher Wachhund auf zwei Beinen, auftaucht und ihr davon erzählt, dass die Erdenbewohner alles andere als alleine im Weltall sind, wird für die junge Frau ein Traum wahr. Mehr noch als das, denn sie erfährt von einem Verbündeten Caines, dass sie eine Königin und Alleinerbin der Erde ist. Flugs macht sie sich ins All auf, um ihre Ansprüche auf den Thron zu erheben – wenngleich ein wenig skeptisch und zögerlich. Dort läuft aber alles anders als gedacht und wenig geschmiert, denn die Mächtigsten der Reichen haben es ebenfalls auf den Blauen Planeten abgesehen. Nicht weil der so schön im Dunkeln leuchtet, sondern weil dort vor ein paar Jahrtausenden die Menschen als Erntegut angebaut wurden. Die aus 100 Homo sapiens gewonnene Lebensenergie reicht nämlich aus, um ein paar adligen Herrschern die ewige Jugend zu schenken. Dumm nur, dass die naive Jupiter auch auf jeden doofen Plan hereinfällt und ihr der gute Caine immer wieder aus der Patsche helfen muss. Natürlich verliebt sich das treudoofe Girlie in ihren humanoiden Leibwächter und der darf noch einen Haufen heldenhafter Ruhmestaten vollbringen, bis nach über zwei Stunden Spielzeit das ganze Spektakel zu Ende ist.

Was der geneigte Zuschauer in dieser Zeit zu Gesicht bekommt ist rein optisch atemberaubend schön und eindrucksvoll, denn die unterschiedlichen Schauplätze sind fantasievoll und detailliert in Szene gesetzt worden. Da gibt es gewaltige Raumschiffe, grandiose Planetenoberflächen, flotte Actioneinlagen, ein paar fulminante Ballereien und ähnliches. Was dem Film jedoch fehlt sind tolle Charaktere, ein sinnvoller Plot, generell ein gutes Drehbuch und eine homogene Verbindung von alledem. Aber Pustekuchen. „Jupiter Ascending“ trieft vor gähnenden Klischees, platten Handlungsbögen, oberflächlicher Spannungserzeugung oder tumben Konversationen. Auch die Idee, dass Menschen als Nahrungsgrundlage oder Energieerzeuger genutzt werden ist spätestens seit „Matrix“ nicht mehr spannend. Was damals aber noch knackig und clever konstruiert war, entpuppt sich hier als schales Hollywood-Konstrukt ohne jede Seele, publikumswirksam auf dem Reißbrett entworfen und dann x-beliebig zusammengefummelt. Was an Inhalt fehlt, wird mit dicken Effekten überstrichen – es bleibt am Schluss jedoch eine Geschichte, die George Lucas nicht kitschiger und schlechter hätte erzählen könnte.

Einst standen die Wachowskis für Innovation und Einfallsreichtun, hier gibt es ein Effektfeuerwerk ohne Sinn und Verstand. Ein hirnloser Grafikoverkill!

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Samurai Champloo

„Samurai Champloo“
(Nipponart)

Ein kleines Wunder ist geschehen: Die Suche nach dem Samurai, der nach Sonnenblumen duftet, kann endlich auch in HD-Qualität genossen werden – und das als schicke Sammleredition mit allen 26 Episoden auf vier Blu-rays verteilt. Die Anime-Serie, die später auch in einen Manga umgewandelt wurde, lief im japanischen Fernsehen bereits 2004, erregte aber auch hierzulande bei der zwei Jahre später stattfindenden Erstausstrahlung großes Aufsehen. Die grandiose und bahnbrechende Geschichte ist in der Edo-Zeit (1603-1868) angesiedelt und vermengt historische Hintergründe, japanische Mythologie und andere kulturelle Merkmale mit der Moderne. Dabei ist es nur ein großer Zufall, der die drei ungleichen Protagonisten – den aufbrausenden Schwertschwinger Mugen, den kontrollierten Bushido-Kämpfer Jin und die quirlige 15-jährige Waise Fuu – zusammenbringt und auf eine lange Queste schickt. „Samurai Champloo“ ist witzig, cool, krass, blutig und lehrreich … und sentimental, nachdenklich und sogar todtraurig. Flotte Kämpfe und rasante Action wechseln sich ab mit ruhigen Sequenzen, Charakterszenen und Tiefgang. Was wegen seines ungewöhnlichen Stils ein wenig befremdlich beginnt, wandelt sich in wenigen Sehminuten zu fesselnder Faszination, die bis zum Ende nicht mehr loslässt. Eine tolle deutsche Synchronisation (die japanische Originalfassung ist ebenfalls vorhanden) u.a. mit David Nathan als Mugen, ein informatives Booklet und einige schicke Extras tun ein Übriges, um „Samurai Champloo“ in den Anime-Himmel zu heben.

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Role Play Convention 2015

RPC-logoGrenzenlose Spielwelten

Seit 2007 gehört die jährlich stattfindende Role Play Convention zu den Höhepunkten der Spielwelt. Die Nerdonomicon-Crew war vor Ort, um den Zauber der fantastischen Zusammenkunft zu ergründen.

Am Samstag, den 16. Mai öffnete die Koelnmesse ihre Pforten für ein buntes und gespannt wartendes Völkchen, das nicht nur aus weiten Teilen Deutschlands, sondern auch aus den umliegenden Ländern angereist war. Leibhaftige Elfen und andere Fantasy-Vertreter gehörten ebenso dazu, wie Star-Wars-Persönlichkeiten, Manga-Charaktere, Comic-Helden, mittelalterlich Gewandete, Metal-Fans, bebrillte Vollnerds oder gewöhnliche Otto-Normal-Spieler. Sie alle sollten für das komplette Wochenende in Halle 10 ein vielseitiges An- und Aufgebot vorfinden, das Workshops, Turniere, Bandauftritte, Probespielrunden, Präsentationen, Lesungen, Filmvorführungen und vieles mehr beinhaltete und in seiner Gänze unmöglich vollständig wahrzunehmen war. Liebhaber komplexer Tabletop-Spiele kamen ebenso auf ihre Kosten wie Rollenspieler, LARPer oder auch Fans unterhaltsamer Brett- oder Kartenspiele. In kleinen Gruppen konnten Interessierte in einzelne Titel wie „Earthdawn„, „Pathfinder“ oder „Iron Kingdoms“ hineinschnuppern, durften sich in fordernden Partien (wie „Mage Wars„) bekämpfen, sich beim Kartenklopfen mit „Smash Up“ schieflachen oder aber sich sogar in die Geheimnisse des LARP einführen lassen. Besonders beeindruckend war die Präsentation des ursprünglich über Crowdfunding finanzierten Strategiespiels „Golem Arcana„. Auf variablen Schlachtfeldern und mit unterschiedlichen Missionsaufgaben müssen sich hier zwei Kontrahenten mit ihren detailliert designten Spielfiguren bekämpfen. Ihre Golems sind mit einer App auf dem Handy oder Tablet gekoppelt, das nicht nur das gesamte Spielgeschehen überwacht, sondern auch alle Regelmechanismen und die anfallenden „Buchhalteraufgaben“ übernimmt. Das Durchackern ellenlanger Regelwerke bleibt dem Golemlenker damit erspart und auch beim Gefecht bedarf es keiner schwierigen Berechnungen mehr – der Computer springt bei diesen Punkten zuverlässig ein. Bisher sind hierzulande zwei Erweiterungen über Pegasus erhältlich – in den USA gibt es jedoch schon deutlich mehr Material zum Nachlegen.

Aber auch Liebhaber rasanter Pixelwelten konnten sich über einige Höhepunkte freuen. Das brachiale Fantasy-Football-Gebolze „Blood Bowl 2“ konnte weltexklusiv auf Sonys PlayStation 4 angezockt werden – und machte schon im Beta-Stadium eine kernige Figur. Sehr imposant war auch der „Diablo„-ähnliche Actionkracher „Victor Vran“ vor schicker Steampunk-Kulisse, bei dem der Spieler aber auch über die Springentaste höhergelegene Levelbereiche erreichen oder kleine Hindernisse überwinden kann. Ungeschlagen war jedoch der neue Mehrspielermodus von „Giana Sisters Twisted Dreams“ bei dem die Entwickler von Black Forest Games ganze Arbeit geleistet haben. Bis zu vier Spieler dürfen sich in verschiedenen Levels eine pfiffige Jum’n’Run-Hetzjagd liefern. Dabei spielt sich das flotte Gehopse wie eine großartige Mischung aus „Mario Kart„, „Micro Machines“ und „Sonic„. Freudentränen und Zornesflüche sind hier vorprogrammiert.

Wer ein wenig den vom Knobeln überforderten Kopf oder die vom Daddeln überanspruchten Finger ausruhen wollte, konnte sich als Manga-Figur oder Zombie zeichnen lassen, über den angrenzenden Mittelaltermarkt im Freien schlendern oder aber bei einer Reihe von Bands der Musik frönen. Die Mittelalter-Crossover-Pioniere von Tanzwut waren ebenso vor Ort wie Harpyie, Tibetréa, Ye Banished Privateers, MacPiet oder Xandria. Und selbstverständlich gab es tonnenweise Zeugs zu kaufen, seien es nerdige Klamotten, Sammlerfiguren, Spiele, Bücher, Würfel, LARP-Zubehör oder ausreichend Leckereien für das leibliche Wohl. Wir sind auf jeden Fall auch 2016 wieder mit an Bord!

Winterwelt: La Niña

Winterwelt-LaNinaChuck Dixon/Butch Guice
„Winterwelt: La Niña“
(Cross Cult)

1988 schufen der leider mittlerweile verstorbene argentinische Comiczeichner Jorge Zaffino und der amerikanische Vielschreiber Chuck Dixon gemeinsam ihre endzeitliche „Winterwelt„. Der Comic schlug ein wie eine Doom-BFG und beeinflusste Kreative weltweit. Gemeinsam mit dem Bildkünstler Butch Guice hat sich Schöpfer Chuck Dixon nun erneut an sein eisiges Szenario gesetzt und die „Winterwelt“ als Mehrteiler wiederauferstehen lassen. Für den ersten Part greift er auf seine „alten“ Charaktere, den Einzelgänger Scully und die junge Wynn, zurück, die gemeinsam irgendwie versuchen, die endlose Eiszeit zu überleben. Begleitet werden sie von dem Dachs Rahrah, dessen Riecher den beiden hin und wieder den Hintern rettet.

Irgendwann in der Zukunft ist die Welt zu Eis erstarrt. Die Meere sind zugefroren, alles wird von dicken Schneeschichten bedeckt. Nahrung ist zu einem unendlich wertvollen Gut geworden – Wärme und Schutz ebenso. Ein fahrendes Auto mit dem nötigen Treibstoff grenzt an ein Wunder. Kälte und Hunger haben den Homo sapiens massiv dezimiert und in seine Schranken verwiesen. In einem Schneefahrzeug tuckern Scully und Wynn einem mystischen Ort entgegen, in dem es niemals kalt sein soll. Doch das Gefährt gibt auf dem Weg über die Karibik kurzerhand den Geist auf. Geschwächt tappen die zwei weiter, in der Hoffnung das ominöse Ziel an der Küste irgendwann zu erreichen. Zum Glück finden sie in einem alten und unberührten Kriegsschiff ein neues Vehikel. Doch als sie das Festland erreichen, werden sie von den dortigen Siedlern nicht sonderlich freundlich begrüßt …

Es ist eine Reise ohne rosige Aussichten. Neben der sagenumwobenen Stadt sucht Wynn auch noch immer ihre Eltern – die Chancen auf ein positives Ende stehen aber nicht sonderlich gut. Auf ihrer Odyssee begegnen sie seltsamen Personen und zahlreichen Feinden. Und auch das angepeilte Refugium ist nicht unbedingt, was es verspricht.

Der erste Band der „Winterwelt“-Reihe greift zwar auf altbekannte Protagonisten zurück, führt aber auch neue ein. Vorkenntnisse des Achtziger-Originals sind darüber hinaus nicht vonnöten. Chuck Dixons Erzählstil ist bewegend und verbindet sich mit den stilvollen Farb-Zeichnungen von Butch Guice zu einem flotten und spannenden Schmöker.

Erscheinungsdatum: 23.02.2015
16×24, HC, 4c, 120 Seiten, Preis: 16,00 €
ISBN 978-3-86425-589-2

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The Witcher 3: Wild Hunt

2D Boxshot Wizard v1.1

The Witcher III – Wild Hunt

Geralts grande finale

Im Herbst 2007 durfte der Monsterjäger Geralt von Riva, entsprungen aus den Fantasy-Romanen des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski, erstmals virtuellen PC-Boden erobern. Vier Jahre später folgte mit „Assassins Of Kings“ eine großartige Fortsetzung des gelungenen Debüts, die erstmals auch Konsoleros in die sagenhafte Spielwelt entführte. Nach langen Aufschüben wird es am 19. Mai endlich so weit sein und „The Witcher 3: Wild Hunt“ wird die Trilogie komplettieren.

Andrzej Sapkowski schuf mit dem Protagonisten Geralt von Riva einen einzigartigen und ungewöhnlichen Heroen. Bereits in den frühen Neunzigern ließ der Autor den weißhaarigen Hexer erstmals auf eine komplexe und erwachsene Fantasywelt los und legte nach dem durchschlagenden Erfolg sechs dicke Romane nach (der sechste Band „Zeit des Sturms“ ist Anfang April auch in Deutschland erschienen).

Geboren wurde der Recke als Sohn der Zauberin Visenna, die ihn nach seiner Geburt in die Feste der Hexer, nach Kaer Morhen, brachte. Dort wurde er in den Künsten des Kampfes, der Monsterjagd und der Magie unterrichtet. Um ihren monströsen Gegnern gewachsen zu sein, bedienen sich die Ungetümjäger einer besonderen Form der Alchemie, die es ihnen erlaubt, effektive Tränke und Waffentinkturen herzustellen. Zur Ausbildung gehört auch die sogenannte Kräuterprobe, die nur wenige Probanden überleben. Ihr hat Geralt sein weißes Haar, die unheimlich geschlitzten Augen und die Pigmentstörungen zu verdanken – aber auch etliche übernatürliche psychische wie physische Fähigkeiten. Nach seiner Ausbildung zog der kühne Recke als professioneller Ungetiervernichter durch die Lande und verdiente damit seine Brötchen.

Zu seinem Arbeitswerkzeug gehören neben zahllosen Gebräuen seine beiden Schwerter, eines aus Silber, um Ungeheuer zu zerlegen, und eines aus Stahl, das zur Bekämpfung menschlicher und niederer Feinde dient. Denn die Welt in der Gwynbleidd (zu Deutsch der weiße Wolf) – so nannten ihn einst die Dryaden – lebt, ist kein kitschig-kunterbuntes Märchenreich, sondern ein grimmer, düsterer Ort. Kriege und Krankheiten zeichnen die Ländereien, Habgier und Missgunst prangen wie klebrige Narben an den Nationen. Überall drohen soziale Spannungen ganze Familien und Völker auszumerzen, denn die Menschen kommen nicht besonders gut klar mit den Anderlingen, jenen nicht-menschlichen Völkern. So hat auch Geralt immer wieder mit Vorurteilen und offenem Hass zu kämpfen, doch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten helfen ihm ein ums andere Mal aus der Patsche.

Nachdem er im zweiten Teil der Videospielreihe, „The Witcher 2: Assassins Of Kings„, seine eigene Unschuld am Tod des Königs beweisen musste, wird er auch im dritten Teil erneut in politische Konflikte verwickelt. Das Kaiserreich Nilfgaard überfällt mit seiner Armee die nördlichen Königreiche und stürzt damit alles in Chaos. Doch hinter diesen weltlichen Bedrohungen erhebt sich ein noch viel größerer Schatten, dem sich der Hexer stellen muss.

The Witcher 3: Wild Hunt“ erzählt dabei zwar die Geschichte des mächtigen Antihelden weiter, ermöglicht aber auch Neulingen einen problemlosen Einstieg. Dafür wurde extra ein aufwändiger Prolog inszeniert, der die Spieler in das Geschehen und die Spielmechanik einführt. Das ist auch bitter nötig, denn die erkundbare Welt von „Wild Hunt“ ist 30 mal größer als noch beim Vorgänger und nahezu beliebig erforschbar. Überall lauern Gefahren, Aufträge und Schätze auf den Weißen Wolf und ermöglichen wochen-, ja, sogar monatelangen Spielspaß in einer atemberaubend präsentierten mittelalterlich angehauchten Fantasywelt. Die Grafik ist umwerfend und nur selten gab es so wunderschön gestaltete Städte und Siedlungen, düstere Höhlensysteme, bedrohliche Wälder, morastige Sümpfe oder raue Hügelländer zu sehen. Dabei haben die polnischen Entwickler von CD Projekt den einzelnen Regionen nicht nur erkennbare kulturelle Eigenheiten verpasst, sondern auch ein eigenständiges Leben eingehaucht, basierend auf den Romanen von Andrzej Sapkowski.

Gleichsam traumhaft ist die Rollenspielerfahrung selbst, denn zahllose Aktionen des Spielers hinterlassen deutliche Spuren in der virtuellen Welt. Hinzu kommt ein überholtes Kampfsystem (das anstatt mit 20 Animationen wie beim zweiten Teil nun mit beachtlichen 96 aufwartet), das durch die magischen Fähigkeiten, eine fesche Armbrust mit variablen Bolzen, aufwertbaren Waffen, einem alchemistischen Sammelsurium sowie einem besonderen Jägersinn, der Spuren entdeckt und besondere Fähigkeiten und Nachteile der Monster erkennen lässt, variantenreich ergänzt wird. Der Spieler hat dadurch eine Vielzahl an Möglichkeiten, die schier endlosen Abenteuer zu bestehen. Ein wahrlich bombastisches Trilogiefinale. Wir zählen schon die Tage.

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Game Of Thrones ist frei

GoT_Staffel_5Die fünfte Staffel für alle

Es ist vorbei! Der Bezahlsender Sky hat nicht mehr die alleinigen Rechte für die Ausstrahlung der neuesten Staffel von „Game Of Thrones“. Ab sofort können Freunde von George R.R. Martins Fantasyepos „Das Lied von Eis und Feuer“ die gleichermaßen beliebte wie erfolgreiche TV-Umsetzung über iTunes, Amazon Instant Video und Wuaki.tv schauen. Jede Woche steht eine neue Episode in Original- und synchronisierter Version zum Download bereit. Der gesamte Staffelpass für die HD-Version kostet bei iTunes beispielsweise 28,99 Euro, eine einzelne Folge 2,99 Euro.

„Game Of Thrones: Die komplette fünfte Staffel“ soll darüber hinaus noch eine Reihe digitaler Specials bieten, darunter eine Einführung in Dorne, die Gifte von Westeros,
Kommentare der Darsteller, einen Kommentar von George R.R. Martin und eine Episode der Serie „A Day in the Life“. HBO verkündet zum Inhalt feierlich:

„In der fünften Staffel steuern viele packende Erzählstränge unentrinnbar auf ihr blutiges Ende hin. Als Reaktion auf die zahlreichen schockierenden Todesfälle in der vierten Staffel herrscht zu Anfang der neuen Staffel ein Machtvakuum, das die Hauptfiguren in Westeros und Essos neu zu füllen bemüht sind. In der Schwarzen Festung muss Jon Schnee die Forderungen der Nachtwache gegen die Ansprüche des frisch eingetroffenen Stannis Baratheon abwägen. Unterdessen bemüht sich Cercei, ihre Herrschaft über Königsmund zu erhalten; Jaime begibt sich auf eine geheime Mission; Arya such einen alten Freund auf; Tyrion ist auf der Flucht und findet eine neue Bestimmung; und Daenerys muss feststellen, dass ihre unsichere Vormachtstellung in der Stadt Meereen große Opfer erfordert.“

Outcast – Die letzten Tempelritter

 

Outcast – Die letzten Tempelritter
(Universum)

Nicolas Cage ist zwar nicht mehr jung, aber so wie es scheint, braucht er das Geld – und zwar dringend. Zuletzt konnte man ihn in dem peinlich schlechten und christlich-versülzten Apokalypsen-Thriller „Left Behind“ bewundern, der den einst würdigen Schauspieler in biblischem Ausmaß in die Hölle des schlechten Geschmacks hinabschleuderte.

Und weil sich Onkel Cage bei seinem Auftritt als „Der letzte Tempelritter“ (2011) vermutlich bereits an heilige Kriege gewöhnt hatte, durfte er einmal mehr in „Outcast“ ins Morgenland stapfen, um im Namen des einzig wahren Gottes ein paar Heiden zu vermöbeln. Dort fallen den Ungläubigen nach liebevollem Schwerteinsatz nicht nur einige Köpfe ab, sondern Mister Cage auch von seinem Glauben. Warum es den tugendhaften Ritter nach all dem Töten dann ins ferne China verschlägt ist so abstrus wie egal. Die Handlung trägt sowieso erst einmal sein ehemaliger Schützling Jacob – gespielt von Star Wars-Nasenbär Hayden Christensen –, der auch irgendwie in China angekommen ist und dort den Königsgeschwistern Lian und Zhao aus der Patsche helfen muss. Deren älterer Bruder ist nämlich ein ausgebufftes Schlitzohr, das sogar über familiäre Leichen geht, um den Thron erklimmen zu können. Da die Hochkultur der Chinesen offenbar nicht imstande ist, die innenpolitischen Probleme selbst zu lösen, wird der öde Ritter Jacob zum Retter in der Not und gemeinsam mit seinen zwei Schützlingen dümpelt er fürderhin durch ein beklopptes wie löchriges Drehbuch. Schon nach kurzer Zeit schlafen dem Zuschauer nicht nur die Gesichtszüge ein, es könnten sich auch erste Sabberfäden der Langeweile aus dem offen Mund abseilen … Lustig und gleichermaßen peinlich wird es erst, als der gute alte Nicolas als einäugiger Bandit Gallain erneut aus dem Cast-Ärmel gezaubert wird und mit fürchterlichem Overacting das Ruder an sich reißt. Es scheint, der einst Oscar-nominierte Mime spiele um sein Leben und so hüpft, kämpft, brüllt und jammert sich Nicolas Cage um Kopf und Kragen. Ein paar Kämpfe später ist dann in jeder Hinsicht endlich Ruhe und „Outcast“ ist überstanden.

Dazwischen gibt es noch einen Haufen nicht weiter nennenswerter Actioneinlagen – sowohl vermeintlich wilde Verfolgungsjagden als auch nicht hochspannende Kampfszenen. Da diese zusätzlich noch mit einer Wackelkamera Deluxe eingefangen wurden, wird dem Betrachter kein Hochgefühl, sondern allerhöchstens Übelkeit beschert.

Trash-Fans und Hartgesottene Cage-Fetischisten könnten dennoch ihren Gefallen an „Outcast“ finden und dürften die Bierindustrie parallel dazu um ein paar Euro reicher machen (denn ohne Alkohol lässt sich das Machwerk nur schwer ertragen). Alle anderen sollten stattdessen lieber zum Zahnarzt gehen oder die Wohnung mit einer Zahnbürste putzen, das ist unterhaltsamer.

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Pathfinder: Die finstere Flut

Jim Zub/Andrew Huerta
„Pathfinder: Die finstere Flut“ (1)
(Dynamite/Paizo/Panini)

Pathfinder“ hat sich im Lauf der Jahre zu einem der beliebtesten und bekanntesten Rollenspielsysteme gemausert und ist längst aus dem Schatten des modrigen Großvaters „Dungeons & Dragons“ herausgetreten. Höchste Zeit also, dass die Geschichten der turbulenten Spielwelt Golarion auch in einem Comic verewigt werden! Die Herausgeber haben sich redlich bemüht, das Medium sinnvoll zu erweitern und präsentieren mit „Die finstere Flut“ ein kleines duales Büchlein. Den Großteil des 224-Seiten dicken Bandes nehmen die sechs Comic-Abenteuer „Die finstere Flut“ und die Bonus-Story „Der letzte Goblin im Mooswald“ ein. Hier müssen sich einige auserwählte Recken mit sich zusammenrottenden Goblinstämmen und ihrem uralten Anführer anlegen. Hinzu kommen etliche sehenswerte Cover der Einzelbände, die die drei Helden der Story mitunter als mutige Goblin-Ghostbusters zeigen. Für Rollenspieler – vor allem von „Pathfinder“ – ist aber der hintere Teil des Bandes besonders spannend, denn dort finden sich die Helden des Comics und etliche Abenteuerörtlichkeiten in Spieltermini gekleidet. Dazu gibt es schickes Kartenmaterial, Bodenpläne, Werte und Artworks. Daumen hoch für diese gelungene Verschmelzung aus Comic und Rollenspiel.

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