Stretch

„Stretch“
(Universal/Koch Media)

Stretch hatte einen Traum: er wollte Schauspieler werden. Doch anstatt champagnerschlürfend im schicken Smoking auf einer Premierenfeier in Hollywood über den roten Teppich zu schlawenzeln, kutschiert der abgehalfterte Träumer nun die Sternchen in einer Limousine von Termin zu Termin. Er hasst sein Leben, seinen Job als Chauffeur, seinen Chef … eigentlich alles. Um das Unglück zu kompensieren, fängt er an zu spielen, nimmt Drogen und säuft wie ein Loch. Eines schönen Tages – und da beginnt die äußerst pfiffige und überdrehte Action-Komödie von Joe Carnahan („The Grey – Unter Wölfen„) – übersieht die bezaubernde Candace kurz mal eine rote Ampel und brettert ungebremst in den Wagen des zugedröhnten Stretch hinein, der zwar fast das Zeitliche segnet, stattdessen aber über Umwege mit der Holden im Bett landet. Ein Jahr gönnt ihm seine Herzensdame, ein Jahr in dem er Abstand nimmt von Drogen und all den dunklen Lastern des Lebens, doch nach einer lustigen Nummer im Bett serviert sie ihn kurzerhand ab. Es gibt eben erfolgreicherer Männer als ihn …

Als wäre das nicht schon schlimm genug, gerät sein Chef in starke Bedrängnis durch die Konkurrenz und erhöht den Druck auf seine Mitarbeiter. Es müssen mehr Promis gefahren und aggressiver auf Kundenfang gegangen werden. Gleichzeitig sitzen dem Unglücksraben noch ein paar alte Bekannte im Nacken, die innerhalb der nächsten Stunden 6000 Dollar von ihm haben wollen – ansonsten droht ihm ein vorzeitiger und vermutlich auch schmerzvoller Exitus. Doch gerade als Stretchs Leben komplett in sich zusammenzubröseln droht und er nichts mehr zu verlieren hat, packt er sein Schicksal voller Wucht bei den Eiern und stürzt sich kopfüber in eine hanebüchene, verworrene und vollkommen chaotische Geschichte. Als ihm der stinkreiche und ebenso exzentrische Roger Karos quasi als Kunde zufliegt, wittert er seine Chance, die vermaledeiten Schulden abzubezahlen. Er soll einfach einen Koffer aus einer Bar holen. Was in der Theorie recht unkompliziert klingt, stellt sich in der Praxis jedoch als beinhartes Abenteuer heraus, bei dem ihm bald das FBI und ein paar der schwersten Bösewichter der Stadt im Nacken sitzen. Jetzt bekommt Stretch erstmals die Möglichkeit, seine schauspielerischen Leistungen in Extremsituationen unter Beweis zu stellen – und das klappt hin und wieder sogar besser als erwartet.

Vollkommen überdrehte Protagonisten, skurrile Situationen, abstruse Handlungsverläufe und saudumme Sprüche führen den kalifornischen Regisseur zurück zu seinen Wurzeln wie „Smokin‘ Aces“ oder sogar sein Debüt „Blut, Blei, Bullen und Benzin“. Der Zuschauer spürt schnell mit wie viel Spaß Carnahan an „Stretch“ herangeht und wie genüsslich er die absurden und ausgeflippten Szenen auskostet. Über weite Strecken funktioniert das wunderbar, nur hier und da holpert und ruckelt der Plot ein wenig. Aber angesichts zahlloser kultiger wie herrlich-blöder Einfälle fallen diese kleinen Schwächen nicht weiter auf.

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