Ruhet in Frieden

Ruhet_in_Frieden__A_Walk_Among_the_Tombstones_DVD_Standard_888750283894_2D.72dpiEin Spaziergang zwischen Grabsteinen

Der amerikanische Krimiautor Lawrence Block hat schon so manche Literaturauszeichnung eingeheimst und sich sogar schon als Drehbuchautor versucht. Zu seinen beliebtesten schreiberischen Ergüssen gehört die Matthew-Scudder-Reihe, von der jetzt der ursprünglich 1992 erschienene Band „Endstation Friedhof“ (orig. „A Walk Among The Tombstones“) mit Liam Neeson in der Hauptrolle verfilmt wurde.

Matthew Scudder ringt seit acht Jahren mit sich selbst – und mit seiner Schuld. Bei einer Schießerei infolge eines brutalen Raubüberfalls tötete der alkoholsüchtige Polizist im Eifer des Gefechts ein kleines Mädchen, das mit seiner Mutter abseits am Straßenrand stand. Zwar wurde der „unschöne“ Zwischenfall unter den Teppich gekehrt, aber Scudder hat sich bis heute nicht davon erholt. Seine Dienstmarke hat er an den Nagel gehängt, und auch dem Alkohol hat er entsagt, gleichwohl aller Lebensfreude. Als fahler Schatten geistert er durch New York, verdient sich als lizenzloser Privatermittler seinen Lebensunterhalt. Das Ermitteln hält ihn am Leben, denn nur durch das Tun von Gutem, das Bekämpfen von Verbrechen, kann er das eigene Versagen und die Sucht im Zaum halten.

Als ihn der Drogendealer Kenny beauftragt, die Mörder seiner Frau zu finden, lehnt Scudder zunächst ab. Nachdem ihm der verzweifelte Mann jedoch die Umstände der Entführung näher erklärt und ihm vor allen Dingen die Aufnahmen von der Vergewaltigung, Verstümmlung und grauenvollen Ermordung vorspielt, beißt der Ex-Cop an. Bald findet der illegale Schnüffler heraus, dass bereits andere Menschen auf die gleiche Weise gequält und zerstückelt wurden. Erste Spuren führen direkt zur Drogenfahndung. Doch bevor Scudder mehr Licht in das Dunkel bringen kann, schlagen die unmenschlichen Kidnapper erneut zu, dieses Mal erwischt es ein junges Mädchen. Nicht ganz zufällig die Tochter eines anderen Drogenschiebers …

Regisseur und Drehbuchautor Scott Frank inszeniert die Geschichte nicht als fetzigen Action-Kracher mit rauchenden Colts und quietschenden Reifen, sondern als melancholischen, atmosphärischen Film-noir, der zu gleichen Teilen charakterstarkes Drama als auch verstörender Thriller ist. Seine Protagonisten stehen im Zentrum des Erzählten, ihre Motivationen und Hintergründe sind wichtiger als oberflächliche Hollywood-Klischees. Konsequenterweise bleibt eine weibliche Hauptfigur außen vor; flotte Flirts haben in „Ruhet in Frieden“ nichts verloren. Stattdessen freundet sich Scudder mit einem obdachlosen, schwerkranken Jungen an, der ihm bei Internetrecherchen und späteren Unternehmungen unter die Arme greift.

Wenngleich der düstere und schwermütige Streifen von seinen ruhigen und grauen Bildern lebt, wird die Unmenschlichkeit der Entführer mit aller Härte in Szene gesetzt. Wenn entblößte und gefesselte Opfer ihren entarteten Peinigern hilflos ausgeliefert sind, wird der Zuschauer von der Hässlichkeit des Menschseins in seinen Sessel gedrückt und bleibt mit einem widerlichen Ziehen in der Magengegend zurück. Scott Frank hält aber nicht die Kamera drauf, er deutet an, lässt sein Publikum mit grässlichen Bildern im Kopf allein. So wie er auch seinen Anti-Helden Scudder und die meisten der Handlungsträger der Einsamkeit und Isolation überlässt.

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2 Kommentare
  1. Carsten
    Carsten sagte:

    Ein wirklich klasse Thriller!
    Habe mich im Kino mehrmals vor den Entführern geekelt und mit Scudder mitgelitten!
    Habe selten so einen guten Film im Kino gesehen!

    Antworten

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