Praetor

Zu Ehren Hadrians

Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus vollzog in Rom einen drastischen Kurswechsel. Er strebte nicht danach, das Imperium weiter durch Kriege zu vergrößern, und gab sogar einige frisch gewonnene Gebiete auf. Vielmehr konzentrierte er sich bewusst auf die Verteidigung des riesigen Reiches. Bis zu fünf Amtsträger dürfen sich in „Praetor: Zum Ruhme Roms!“ beim Bau einer glorreichen Stadt in Britannien und beim Ausbau des gewaltigen Hadrianswalls als fähige Ingenieure hervortun und um die Gunst des Friedenskaisers buhlen.

Praetor“ mag auf den ersten Blick wie einer der vielen mittelprächtigen Workerplacement-Titel erscheinen, doch schon bei der ersten Runde wird klar, dass das geschichtsinspirierte Strategiegebaue eine ganz eigene Dynamik und Vielfalt mitbringt. Erfreulich ist dabei auch, dass die Anleitung mit ihren acht Seiten im Nu gelesen und darüber hinaus verständlich geschrieben ist. Das Spiel benötigt tatsächlich kaum Regeln und bietet dennoch unzählige Möglichkeiten und Wege zum Sieg.

Ziel ist es, über verschiedene Aktionen Sympathiepunkte anzuhäufen, die am Ende der Partie über die Platzierung der einzelnen Baumeister entscheiden. Diese zu gewinnen, lässt sich auf zahlreiche Arten bewerkstelligen. Zu Beginn einer Partie wird die grundlegende Startaufstellung der Stadt anhand der Mitspielerzahl festgelegt. Hierbei erhält jeder Ingenieur eine Goldmine, dazu kommt ein neutraler Außenposten, ein Ausbildungslager und ein Markt. Ausgehend von dieser Infrastruktur müssen die Architekten nun dafür sorgen, dass die Siedlung zu einer mächtigen Stadt anwächst und gleichzeitig der Hadrianswall vervollständigt wird. „Praetor“ wird dabei über mehrere Runden gespielt, die jeweils in drei Phasen aufgeteilt werden. Zuerst wird die Initiative festgelegt, also die Zugreihenfolge der Spieler. Hierbei beginnen die Ingenieure, die am weitesten auf der Sympathiepunkteleiste hinten liegen. Es folgt die Aktionsphase, in der alle Spieler nacheinander immer wieder eine Aktion ausführen oder passen. Hierbei können die Ingenieure ihre rekrutierten Arbeiter in bereits vorhandene Stadtviertel schicken, um dort die von den jeweiligen Stadtplättchen abhängigen Maßnahmen auszuführen. So kann in einer Goldmine nach dem dringend benötigten Gold geschürft werden, im Ausbildungslager lassen sich neue Arbeiter anwerben und auf dem Markt dürfen die Ressourcen Holz, Stein, Marmor und Waffen nach Belieben getauscht werden. Die 42 Stadtplättchen bieten dabei 21 verschiedene Möglichkeiten für solche Aktionen. Die zweite Möglichkeit in der Aktionsphase ist das Erweitern der Stadt. Mithilfe eines eigenen Arbeiters kann ein Stadtplättchen an beliebiger Stelle innerhalb der wachsenden Metropole angebaut werden. Wer klug anlegt, kann dabei zusätzliche Punkte erlangen und darf diesen Teil der Stadt fürderhin sein Eigen nennen. Sollte nämlich ein anderer Spieler die besonderen Fähigkeiten dieses Stadtplättchens nutzen, muss er dem Besitzer einen entsprechenden Obolus entrichten – eine nützliche Einkommensquelle. Denn in der dritten Phase muss der Baumeister für jeden Arbeiter entsprechende Löhne bezahlen. Wer hier zu wenig Goldvorräte hat, verliert auf der eigenen Moralleiste wichtige Punkte. Außerdem erhalten die einzelnen Arbeiter nun Erfahrung, die in sechs verschiedene Stufen unterteilt ist. Je erfahrener ein Gehilfe ist, umso effektiver sind seine Tätigkeiten in der Aktionsphase. Nach einiger Zeit werden die nützlichen Untertanen jedoch in Rente geschickt, wollen aber weiterhin mit Zahlungen bei Laune gehalten werden.

Das mag im ersten Moment simpel klingen, doch über die etlichen Aktionen der Stadtplättchen und das Errichten eigener Stadtteile lassen sich stets neue Strategien verfolgen. Ressourcen sind zum Ausbau der Stadt unerlässlich, aber letzten Endes zählen nur die Sympathiepunkte, die aufwendig errungen werden wollen. Am Ende des Spiels – dann, wenn alle Stadtplättchen verbaut oder der Hadrianswall komplettiert wurde – wird noch einmal eine wichtige Schlusswertung vorgenommen, bei der alle Arbeiter, die Moral, die Ressourcen und der Geldbeutel herangezogen werden. Durch die unterschiedlichen Stadtplättchen und die sich daraus ergebenden Taktiken verläuft jede Partie vollkommen anders, und doch kann eine Runde auch im Expertenmodus gespielt werden. Dabei sind die Kosten für die eigenen Arbeiter, die Marktpreise, Moralwerte und Sympathiezugewinne für jeden Spieler variabel, wodurch die eigenen Vorhaben entsprechend angepasst werden müssen.

Praetor: Zum Ruhme Roms!“ ist ein klug konzipiertes Arbeiter-Einsatz-Spiel, das schnell von der Hand geht, niemals mit Längen oder Wartepausen langweilt und durch den erstaunlichen Tiefgang vielfältige Herangehensweisen ermöglicht. Städtebau war selten so knifflig und spaßig wie hier.

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