Opeth – In Live Concert At The Royal Albert Hall

Opeth-CoverOrchideen auf dem Mond

Die Stadt des Mondes, ein Monument kultureller Blüte, ungreifbar und unfassbar zugleich. Wie ein Thron ziert sie das silberne Antlitz des Erdentrabanten, ein schillernder Raum für Visionen und Träume. Vor zwei Dekaden nahm sich Mikael Åkerfeldt diesen mystischen Ort, entliehen aus Wilbur Smiths Roman „Der Sonnenvogel“, zum Vorbild für seine eigenen Ideen als Musiker. Nunmehr setzen sich Opeth mit der Jubiläums-DVD „In Live Concert From The Royal Albert Hall“ ein eigenes achtbares Denkmal.

Dabei fängt die Geschichte dieser Ausnahmemusiker an, wie so viele andere auch. Mikael prügelte damals mit seiner Gruppe Eruption einige angesagte Coverversionen aus dem Todesmetalbereich herunter, ohne dabei sonderlich erfolgreich zu sein. Über Umwege ward 1990 schließlich Opeth geboren. Zutiefst verwurzelt im Death als auch im klassischen Heavy Metal, überzeugten die Jungs schon sehr früh durch ihre individuellen Klangwelten. Auch wenn es 1998 zu einem schweren Tiefpunkt kommen sollte, beschritten Opeth beständig ihren Weg, unbeirrt und stets den eigen Emotionen und Vorstellungen folgend. Opeth bedeutet Vielfältigkeit und uneingeschränkte Ausdruckskraft über alle Stilgrenzen hinaus. Grollender Unmut macht sich in wütenden Gitarrenläufen und donnernden Schlagzeuggewittern Luft, begleitet von infernalem Röhren. Künstlerisches Feingefühl ergießt sich in progressiven Parts, kontrastiert von einer warmen Einsamkeit, die gleich einem stillen Bach durch einen Wald des Schwermuts fließt – das Unmögliche findet zu Harmonie. Opeth ist eben mehr als Licht und Dunkelheit. „Der Tag, an dem wir uns selbst einschränken oder uns der Musikszene anpassen, wird der Tag sein, an dem Opeth stirbt“, erklärt Mikael mit Nachdruck.

Bisher hatte die Band keines ihrer Jubiläen, einzelne Plattenveröffentlichungen oder ähnliche Anlässe gefeiert – und auch zum zwanzigsten Bestehen der Formation, wollte man es ruhig angehen lassen: „Eigentlich wollten wir gar keine Tour machen, sondern in Stockholm in einer Kneipe abhängen und ein paar Gläser mit ein paar Freunden leeren. Aber das ist dann doch zu einer der größten Shows mutiert, die wir jemals gespielt haben“, erinnert sich der Bandgründer. „Groß“ darf hier wörtlich genommen werden, denn eine der sechs geplanten Jubiläumsauftritte fand in der berühmten Royal Albert Hall in London statt, in der bereits Pink Floyd aufspielten, ebenso wie Deep Purple, die zu Mikaels Heroen gehören und ihn unüberhörbar beeinflussen. Mit der Zusage der Albert Hall war die Messlatte für die restlichen fünf Lokalitäten extrem hoch gesetzt, wie Mikael rekapituliert: „Wir versuchten Plätze zu finden, die dem gewachsen waren, was aber eigentlich unmöglich ist.“ Um diesen denkwürdigen Abend, der ganze drei Stunden andauern sollte, festzuhalten, ließ man ihn vollständig in Bild und Ton aufzeichnen und in drei verschiedene Editionen fließen, einmal als Doppel-DVD, dann inklusive dreier Audio-CDs und schließlich noch als luxuriöses limitiertes Edelpaket mit Vinyl, Lithographie und dickem Booklet.

Opeth_Band

Dabei ist jedoch schon die „gewöhnliche“ Zweierausgabe atemberaubend, umfasst sie doch den kompletten ersten Teil der Bühnenshow, bei dem Opeth ihr gesamtes Durchbruchsalbum „Blackwater Park“ von 1991 spielen, als auch den zweiten Part, der sich durch die gesamte Historie der Band bewegt, angefangen beim Debüt „Orchid“ bis zum aktuellen „Watershed“, jeweils vertreten mit einem exemplarischen Song.

Und obwohl die Jungs anfangs äußerst nervös waren, vor so einem großen Publikum an so einem ehrwürdigen Ort aufzutreten, ist Mikael letztendlich noch immer ein wenig sprachlos. „Irgendwie erschien mir das alles so unwirklich und ich dachte die ganze Zeit nur ‚wow‘. Mir gingen da wirklich eine Menge Sachen durch den Kopf, die musste ich erst einmal verarbeiten. Das war eine unglaubliche Nacht für uns, vermutlich der Höhepunkt meiner Karriere.“

Bewertung:

tentakel_9v10

 

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