Melancholia

Melancholia

Melancholia
(Concorde)

Der menschenscheue Lars von Trier legte mit „Antichrist“ ein metaphorisches Meisterwerk vor, das mit seiner schier unerträglichen Bildgewalt stark polarisierte. Mit „Melancholia“ beschreitet er nun gänzlich andere Wege, nutzt eher die leisen Töne und sanften Farben, um aber eine ebenso bittere Aussage zu treffen. Es scheint ein großartiger Abend zu werden. Justine und Michael fahren in einer Luxuslimousine ihrem gigantischen Hochzeitsfest entgegen, ausgerichtet auf dem pompösen Landschloss ihres Schwagers. Sie lachen und sind ausgelassen. Doch während überall Jubel und Trubel herrschen, fällt Justine mehr und mehr aus der Rolle. Ihr Lachen erscheint bald nur noch als hohle Maske und sie kapituliert schließlich gänzlich vor der heiteren Gesellschaft. Bald darauf findet sich die unter schweren Depressionen leidende Justine in jenem Herrenhaus in der Obhut ihrer Schwester wieder. Während die „Wahnsinnige“ zuvor an der Wirklichkeit der Welt scheitern musste, beginnen sich die Rollen der Figuren langsam zu vertauschen. Denn ein gewaltiger Planet namens Melancholia rast auf die Erde zu und konfrontiert alle mit einem bevorstehenden Untergang. Die „Normalen“ versuchen sich etwas vorzumachen, die Lage zu beschönigen und müssen dennoch verzweifeln. Die stetig mit dem Horror finsterster Depression gepeinigte Justine erscheint nun vielmehr als „normal“ und erwartet das unausweichliche Ende mit mutiger Gelassenheit. Poetisch und, ja, melancholisch.

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