Mary & Max

Mary&Max3Mary & Max
(MFA+)

Einer der außergewöhnlichsten und wunderschönsten Filme aus dem ausgehenden letzten Jahrzehnt kommt aus dem Land der Kängurus. Der Filmemacher Adam Elliot hat bereits mit seinen vier vorherigen Kurzfilmen bewiesen, dass er ein Meister fabelhafter Stop-Motion-Filme ist. Doch im Gegensatz zu leichtfüßigen und kindgerechten Knetanimationen wie „Wallace & Gromit“ – ohne deren Großartigkeit anzweifeln zu wollen – sind seine Arbeiten feinfühlige und schwermütige „Clayographien“ (seine persönliche Bezeichnung dieser „Biografien in Lehm“). Da gibt es die kleine australische Außenseiterin Mary, deren Mutter sich dem Alkohol verschrieben und deren Vater vor einem monotonen Leben kapituliert hat. Sie ist einsam und fühlt sich in der großen, weiten Welt verloren. Ihre kindliche Neugier kann von ihren gescheiterten Eltern nicht befriedigt werden und so bleibt sie mit ihren Fragen allein. Auf der anderen Seite der Erde, in den USA, lebt der übergewichtige, verschrobene Mittvierziger Max, der sein Unverständnis über die Abläufe der Existenz mit ausreichender Schokoladenzufuhr zu kompensieren versucht. Durch einen Zufall werden die beiden ungleichen Personen – die dennoch ihre gesellschaftliche Isolation verbindet – zu Brieffreunden, die sich gegenseitig das Sein zu erklären suchen, woraus eine eigenartige aber innige Freundschaft mit gewissen Hindernissen erwächst. Da werden philosophische Grundprobleme angesprochen und mit naiver Leichtigkeit ergründet. Und auch wenn ihre ungewöhnliche Beziehung mit schweren Rückschlägen zu kämpfen hat, da Max an einer schweren psychischen Störung leidet, so ist sie doch intensiv und für beide Seiten eine Stütze in dieser unbegreiflichen Zivilisation. Schwarzhumorig und depressiv ist diese ungewöhnliche Geschichte, schmerzlich und traurig zugleich. Und doch ist sie eine wunderschöne Ode an das Leben selbst, ein kleiner aber kräftig leuchtender Hoffnungsschimmer. Als wäre dies noch längst nicht genug, findet man im Bonus-Bereich des Bildträgers noch einen der grandiosen Kurzfilme von Adam Elliot, der ebenso unter die Haut geht und noch lange nachwirkt wie „Mary & Max“.

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