Hubert Kah – Seelentaucher

Mosaik der Seele

Die älteren Semester dürften bei dem Namen Hubert Kah augenblicklich an Hits der Neuen Deutschen Welle wie „Rosemarie“ oder „Sternenhimmel“ denken, während die etwas Jüngeren noch seine englischsprachigen Songs aus den späten Achtzigern in den Ohren haben könnten. Nach seiner letzten Scheibe Mitte der Neunziger wurde es jedoch, bis auf ein Best-of, recht still um den eigenwilligen Musiker. Doch still wurde es nur im Sinne greifbarer Veröffentlichungen, denn Hubert Kah hat der Musik in all den Jahren keine Minute den Rücken gekehrt und ist 2005 mit seinem neuen Werk „Seelentaucher“ sprichwörtlich wieder aufgetaucht.

„Ich habe nie aufgehört Musik zu machen, ich habe immer für mich Songs geschrieben. Aber Songs schreiben bedeutet ja nicht unmittelbar, dass man ins Studio geht und eine Platte aufnimmt“, rekapituliert der Komponist, Textschreiber und Sänger mit gelassener Stimme. „Für mich ist es ja nicht so ein Routinejob, dass ich jedes Jahr eine Platte rausbringen muss. Es müssen verschiedene Dinge zusammenkommen, auch die Frische und Lust wieder rauszugehen, genauso wie die Bereitschaft mit einer Band unterwegs zu sein und live zu spielen. Erst wenn all das stimmt und auf einem Punkt ist, und auch eine Stückeauswahl am Start ist, die ein gutes Gesamtbild ergibt, erst dann macht es Sinn für mich eine Platte zu machen.“
Zwar kam in der Zwischenzeit eine Plattenfirma auf Hubert Kah zu und bot ihm einen nicht uninteressanten Vertrag an, aber dies alleine reichte ihm nicht aus, um wieder mit seinen unkonformen Klängen an die Öffentlichkeit zu gehen. Für ihn war das Gefühl ausschlaggebend, ein Gefühl, das im sagte, dass die Zeit reif für eine neue Scheibe ist.
Im Lauf der Jahre hatte sich eine Reihe an Ideen und Kompositionen angesammelt, denn schon seit seinem sechzehnten Lebensjahr ist ihm das Songwriting ein Bedürfnis, das ihn erfüllt: „Ich habe einfach Lust mich über Musik auszudrücken, über Singen, über Texte und Melodien. Das ist ein Anliegen, das ganz tief in mir drin ist, eine Art Grundbedürfnis, wie Essen und Trinken. Ich brauche das einfach, es gehört zu mir. Und natürlich verarbeite ich da Dinge, aber ganz unbewusst. Ich setze mich also nicht hin und sage mir, ich möchte über dieses oder jenes ein Lied machen, sondern das passiert ganz automatisch. Es ist ein natürlicher Prozess. Aber eigentlich mache ich mir darüber gar keine Gedanken. Es entwickelt sich einfach, und eines kommt zum andern. Ich glaube, wenn man sich so viel vornimmt und vieles vorsätzlich macht, dann ist es nicht mehr natürlich, dann kommt es nicht mehr von Innen heraus, dann ist es nur noch vom Kopf her.“
Auch bei der Zusammenstellung seiner Band ließ Herr Kah mehr seinen Instinkt entscheiden als scharfes Kalkül, und wählte nach menschlichen Kriterien die Musiker aus, die fortan bei Konzerten seine Lieder zum Besten geben sollten: „Es ist mir ganz wichtig, dass ich mit Leuten zusammenarbeite, die idealistisch drauf sind und auch charakterlich gut zu mir passen. Da muss ein gutes Gruppenfeeling da sein. Sie müssen auch nicht nur ihre Instrumente gut beherrschen, sondern auch selbst kreative Personen sein.“
Der Titel „Seelentaucher“ beschreibt sehr deutlich den persönlichen Charakter des Albums, denn mit jedem einzelnen Stück dringt der Hörer ein klein wenig weiter in die Welt von Hubert Kah ein – jeder Song repräsentiert eine Facette des Künstlers. „Ich glaube jede menschliche Seele ist nicht beschränkt auf nur eine Richtung. Wir identifizieren uns zwar oft mit einer Richtung und denken, dass wir diese eine Richtung sind, aber in Wirklichkeit hat eine Seele viele verschiedene Gesichter, und das sind alles wir. Und diese unterschiedlichen Gesichter werden beim ‚Seelentaucher‘ über viele unterschiedliche Stimmungen und die ganz unterschiedlichen Arrangements ausgedrückt. Ein Stück im Heavy Metal-Gewand, eines im Chanson-Gewand, das dritte vielleicht sogar ein wenig schlagermäßig, ‚Fels in der Brandung‘ ist dagegen fast schon experimentell. Wenn man der Platte etwas Böses wollte, würde man sagen es ist ein Durcheinander – will man ihr etwas Gutes, sind es verschiedene Mosaikbausteine, deren Einzelteile wieder ein Ganzes geben.“
Drei der Songs, „Military Drums“, „Lass mich träumen“ und „Wenn der Mond die Sonne berührt“, stammen bereits aus der Vergangenheit und finden auf Seelentaucher eine evolutionäre Wiedergeburt. „Das sind Lieder, von denen ich immer noch glaube, dass sie Hits sein können, die mir aber damals bei den Urfassungen nicht so gelungen sind, wie ich sie im Kopf und der Fantasie hatte. Es lag mir einfach am Herzen sie noch mal so zu gestalten, wie es sich für diese Lieder gehört.“ So vermischt die CD von Hubert Kah nicht nur die unterschiedlichsten Stimmungen, Ideen, Stile, sondern ist zudem eine kleine Reise in die Vergangenheit.

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