Giana Sisters: Dream Runners

Lauf Forrest, lauf!

Das Jump ’n‘ Run-Spiel „The Great Giana Sisters“ wirbelte bei seinem Erscheinen 1987 mächtig Pixelstaub auf. Da es zu große Ähnlichkeiten zu Nintendos „Super Mario Bros.“ aufwies, wurde es kurz nach Veröffentlichungen wieder aus den Regalen genommen. Der Kultplattformer bekommt mit „Giana Sisters: Dream Runners“ nun einen flottenUr-Enkel, der die aktuelle Konsolengeneration um ein launiges 4-Spieler-Couch-Gewusel bereichert.

Es ist so eine Sache mit den Next-Gen-Boliden. Flüssige Frameraten, bombastische Spezialeffekte und realitätsnahe Animationen lassen die meisten Spiele schon beinahe wirklich erscheinen. Leider bleibt bei dem ganzen Grafikoverkill kein Platz mehr für die ursprünglichen Tugenden der Spielkonsole, nämlich Mehrspieler-Splitscreens und offline Multiplayerspaß. Waren das noch Zeiten, als man auf der PlayStation zu siebt „Micro Machines“ zocken, sich bei „Goldeneye“ zu viert vor das N64 und den Röhrenfernseher knallen oder sogar „Call Of Duty II“ auf der Xbox 1 (nicht der One) mit drei Freunden gemeinsam bestreiten konnte. Heute darf zwar im Internet über PSN, Xbox Live oder Steam gegen Massen von Gamern gezockt werden, aber es macht eben einen deutlichen Unterschied, ob man sich mit seinen Freunden bei Bier, Cola, Chips und Pizza trifft und damit seinen „Feinden“ ins Angesicht schauen kann, oder ob man gegen gesichtslose Gegner spielt.

Giana Sisters: Dream Runners“ holt den Flair von einst zurück, ohne dabei die modernen Möglichkeiten eines Online-Wettstreits zu verleugnen. Vier Spieler – wahlweise Bots in drei Schwierigkeitsstufen, Online-Spieler oder lokal anwesende Freunde – dürfen sich gemeinsam in neun unterschiedliche Levels stürzen, um sich um den Verstand zu rennen. Dabei kombiniert das spaßige Hopsgeflitze „Super Mario„-Grundsteine, „Mario Kart„-Werte und „Micro Machines„-Elemente, um den maximalen Spielspaß zu garantieren. Auf das Startzeichen hin müssen die Joypad-Akrobaten ihre virtuellen alter Egos durch die zunehmend komplexen Levels steuern, wobei vor allen Dingen geschickt gesprungen, taktisch klug gesprintet und im rechten Moment propellert werden muss. Über die üblichen „Giana Sisters„-Kristalle kann der Spieler seinen Geschwindigkeitsboost aufladen, kann aber darüber hinaus an bestimmten Punkten in den Levels zufällig ermittelte Specials aufsammeln, die es erlauben, den Mitläufern gehörig das Gerenne zu vermasseln. Da gibt es zielgelenkte Riesenbrocken, störend herumrennende Eulen, Feuerballattacken, hinterhältige Platzwechsel oder eine ganze Salve von Ballgeschossen.

Dem nicht genug, kann allerdings auch der gesamte Level über Schalter transformiert werden, wodurch kurzerhand Plattformen verschwinden, Barrieren den Weg versperren oder helfende Trampoline auftauchen … oder verschwinden. Dabei sind die neun Kurse, die in klassischer Seitenscrolleransicht durchhüpft werden, und sich immer wieder zu einem Kreis schließen, an sich schon knifflig genug. Da gibt es rotierende Plattformen, herumtappende Gegner, verwirrende Aufzüge, wilde Luftströmungen, schmerzende Fontänen und allerlei andere Hindernisse und Schwierigkeiten, die gemeistert werden wollen – ganz zu schweigen von den drei mitlaufenden Spielern. Denn der Bildschirm folgt – wie bei „Micro Machines“ immer dem vordersten also ersten Spieler. Wer dessen Tempo nicht folgen kann und somit aus dem Blickfeld gerät, wird kurzerhand aus der Runde eliminiert. Sobald allerdings einer der Spieler auf diese Weise rausgeflogen ist, schaltet sich kurze Zeit später ein Timer an, der die verbleibenden Sekunden der Runde herunterzählt. Wer bei Erreichen der Null vorne liegt gewinnt einen der begehrten Sterne – und bei insgesamt drei dieser Trophäen darf sich der glückliche Spring-und-Renn-Heroe auf das Siegertreppchen stellen.

Giana Sisters: Dream Runners“ kombiniert bekannte Ingredienzien zu einem bunten, flotten und vor allen Dingen äußerst witzigen Spaßspiel für die ganze Familie. Es wird garantiert ausgiebig gelacht, gebrüllt, geflucht, gelästert und geschwitzt. Die Eingewöhnungszeit in die Steuerung ist kaum nennenswert und auch die Mechaniken des Spiels sind schnell durchschaut, so dass auf gleicher Höhe gerannt und gehopst werden kann. Leider läuft der Titel noch nicht 100%ig rund. Nachdem ein Stern gewonnen wurde starten die Spieler an einem Punkt des Levels gemeinsam neu – dieses Rücksetzungspunkte sind nicht immer optimal gewählt, denn es kann vorkommen, dass einzelne Spieler schon vor dem Start durch herumirrende Monster gelähmt werden oder aber auf einem Fließband landen und schlichtweg aus dem Level getragen werden. Darüber hinaus sind Partien gegen Bots nur bedingt erfreulich und dienen lediglich der Übung. Zur ganzen Größe läuft „Giana Sisters: Dream Runners“ eben mit drei Freunden vor der gleichen Konsole auf der Couch auf. Aber dann gibt es kein Halten mehr!

Geekometer (im 4-Spieler-Offline-Modus):

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