Frag

FRAGRöst mich, Baby

Das Videospielgenre der Egoshooter erfreut sich seit seiner ersten indizierten Pixelexperimente im letzten Jahrhundert großer Beliebtheit. Nicht zuletzt durch die blindblöde Hetz-Propaganda mancher vorurteilsbelasteter Sittenwächter haben es die rasanten „Killerspiele“ sogar in die Medien und die Politik geschafft. Da wird es höchste Zeit, dass man auch ohne Computer und Spielkonsole ein wenig um sich ballern kann, ohne dabei gleich die Paintballkanone zücken zu müssen. Das juxige Brettspiel „Frag“ in der edlen „Gold-Edition“ macht’s möglich!

Hierbei werden alle Tugenden des typischen virtuellen Actionspiels in die Welt der Brettspiele übertragen und sogar noch etwas Langzeitmotivation und Tiefgang hinzuaddiert. Auf zwei verschiedenen Arealen, einmal mehr action-, ein andermal eher taktisch orientiert, dürfen sich 2 bis 6 Spieler (empfohlen ab 16 Jahren) in eine lustige Metzelei stürzen. Dabei gilt es an erster Stelle den eigenen Streiter zu entwerfen, der mit individuellen Eigenschaften ausstaffiert werden kann. Sieben Punkte können hierzu auf die drei Werte Leben, Geschwindigkeit und Zielsicherheit verteilt werden, ganz nach eigenem Gutdünken. Danach wird zufällig ermittelt, wer an welchem der sechs Respawnpunkten erscheint und dann geht es auch schon in die erste Runde. Jeder Spieler beginnt dabei mit einer Standardwaffe, der Pistole, die unendlich viele Schuss abgeben kann. Hinzu kommen jeweils eine der 112 Sonderkarten aus den Kategorien Waffen, Gadgets und Spezialkarten. Während bei den Waffen solch illustre Knarren wie Flammenwerfer, Nadler, Schrotflinten aber auch Raketenwerfer und Atomgranaten mit von der Partie sind, dienen die Gadgets eher der eigenen Sicherheit. Hier gibt es nicht nur Erste-Hilfe-Sets, Energieschilde oder schwere Rüstungen, sondern auch lustige Extras wie Zielgeräte und körperliche Aufputschmittel. Am mächtigsten sind jedoch die Spezialkarten, die es dem Spieler ermöglichen massiv in das Geschehen einzugreifen, indem man über Hacks durch Wände gehen und schießen, andere übernehmen oder schlichtweg deren Verbindung trennen kann. Waffen und Gadgets lassen sich dabei auch überall im Spiel finden, mindestens aber bei den herumliegenden virtuellen Leichnamen der bereits Niedergestreckten. Die Spezialkarten gibt es allerdings nur, wenn man einen anderen Spieler gefraggt, also abgeschossen hat.
Ziel einer Runde ist es drei Abschüsse anzusammeln (was natürlich auch variiert werden kann). Sobald einer der Spieler diese erreicht hat, geht es in die nächste Runde und alle Spieler, außer dem Gewinner, dürfen erneut einen Charakter mit den bereits sieben erwähnten Punkten erschaffen. Der Rundensieger behält jedoch seinen Streiter, darf aber eines der drei Attribute um einen Punkt erhöhen, wodurch sich das Gewinnen gleich doppelt lohnt, da der eigene Recke an Fähigkeiten hinzugewinnen kann.
Abhängig von den Werten, kann ein Kombattant mehr Waffen mit sich herumschleppen, weiter springen und laufen oder aber genauer und sogar öfter schießen als andere. Wände innerhalb der Level können als Deckung genutzt werden und auf besonderen Feldern kann man neue Waffen und Gadgets einsammeln, um sich neue Möglichkeiten und Vorteile zu sichern. Die Regeln sind einfach aber effektiv und lassen ein schnelles und unkompliziertes Spiel zu, das seinen Reiz vorwiegend aus dem humorvollen Ablauf und den lustigen Karten bezieht. So ist es eine große Genugtuung im rechten Augenblick einen Lag herbeizurufen, wodurch einer der Spieler für eine Runde einfriert. Noch gemeiner und befriedigender ist es allerdings gleich die Verbindung zu einem der Mitspieler komplett zu trennen, wodurch dieser aus dem Spiel fliegt und als gefraggt gilt.
Versierte Knobelfreunde werden von „Frag“ allerdings unterfordert, denn auch wenn jeder Zug ein wenig Mitdenken erfordert, überwiegt letztlich doch das eigene Kartenarsenal und das schiere Würfelglück. Die einzelnen Runden lassen sich jedoch flott durchspielen, sodass sich „Frag“ auch für die kleine Schlacht zwischendurch eignet.
Einige der Felder auf den beiden Karten deuten bereits eine Erweiterung an und es bleibt zu hoffen, dass hier bald neues Material nachkommt, denn die Levels sind recht schnell ausgelutscht und man wünscht sich neue, spannende Kampfarenen.
Bleibt noch darauf hinzuweisen, dass der Hersteller Pegasus einen gutgemeinten Ratschlag auf die goldene Box hat drucken lassen: „Dieses Spiel enthält sinnlose Gewalt und kann zu verstärkter Lärmentwicklung und unkontrollierter Blasenentleerung führen.“ Fröhliches Ballern!

www.pegasus.de

Bewertung:

tentakel_8v10

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