Elysium

Halbgötter mit Ambitionen

Nur wer in die Mythologie der Hellenen eingeht, wird zum Olymp aufsteigen. Zwei bis vier Halbgötter dürfen sich im Brettspiel „Elysium“ um einen freien Posten im antiken Götterreich streiten. Dazu müssen Helden angeheuert und mit mächtigen Artefakten ausgerüstet werden, sich dann auf gefährliche Abenteuerreisen begeben und vor berühmten griechischen Sehenswürdigkeiten gegen monströse Ungetüme kämpfen.

Nach nur kurzer Vorbereitungszeit können die zahlreichen stimmungsvoll und detailliert ausgearbeiteten Tableaus, Plättchen, Scheiben und Karten in die sinnvoll vorgeformte Verpackung eingebettet werden, so dass auch beim Transport alles an seinem Platz und gut sortiert bleibt. Das zwölfseitige Regelheft ist schlüssig aufgebaut und bietet genug Illustrationen und Beispiele, um schnell verstanden zu werden. Die 168 Karten, die sich auf acht verschiedene Götterfamilien verteilen, werden darüber hinaus ausführlich in einer achtseitigen Broschüre näher erläutert, wobei vor allem auf den mythologischen Kontext genauer eingegangen wird.
Zu Beginn einer Partie wird in der Tischmitte ein liegender Tempel mit göttlichen Auftragskarten errichtet; je nach Spieleranzahl hat diese Gebetsstätte zwei oder vier Säulen. Danach dürfen sich die Olymp-Anwärter fünf der insgesamt acht Familien aussuchen, wobei eine Anfängerkombination von den Machern empfohlen wird. Jede einzelne Familie ist einer Gottheit zugeordnet und setzt sich aus 21 individuellen Karten zusammen, die den jeweiligen Charakterzügen des Olympers entsprechen. Ares, der Gott des Krieges, bringt beispielsweise zusätzliche Ehrpunktmarker ins Spiel, während Poseidon, der Vater aller Seeungeheuer, mit seinen Karten anderen Mitspieler attackieren und schädigen kann. Mischt der Sonnengott Apollo mit, wird oberhalb des Tempels noch das Orakeltableau positioniert, mit dem ein Blick in die Zukunft möglich wird.
Neben dem Tempel wird ferner eine Agora eingerichtet, die abhängig von der Spieleranzahl eine zufällige Auswahl an Karten der fünf beteiligten Familien bereithält. Zu guter Letzt hat jeder Spieler ein eigenes Tableau, auf dem Sieg- und Ehrpunkte als auch Goldeinnahmen vermerkt werden können. Über dem Tableau befindet sich die sog. Sphäre, in der gewonnene Karten abgelegt und genutzt werden können. Unterhalb der Pappleiste liegt das Elysium, in das die Karten aus der Sphäre verschoben werden können, um Mythen und damit Siegpunkte zu generieren.

Elysium_INHALT01_LOWGespielt wird über fünf Epochen, die sich jeweils in vier Phasen unterteilen. In der ersten Phase wird die Agora von den Karten der vorherigen Epoche befreit und schließlich mit neuen Karten vom gemischten Nachzugstapel gefüllt. Danach folgen die „Aktionen“, bei dem die Halbgötter im Lauf von vier einzelnen Runden drei Karten aus der Agora und eine Aufgabe aus dem Tempel aufnehmen müssen – in beliebiger Reihenfolge. Allerdings muss hier gekonnt taktiert werden, denn jeder Spieler hat vier verschiedenfarbige Säulen, die kennzeichnen, welche Kartentypen und Aufträge „eingekauft“ werden können. Nach jeder Wahl einer Karte oder eines Auftrags muss eine der Säulen abgegeben werden, wodurch die Auswahl eingeschränkt wird. Wer sich hier verkalkuliert oder von seinen Mitbewerbern bewusst seiner möglichen Karten oder Aufträge beraubt wird, muss mit geschwächten Mythen und schlechteren Einkünften rechnen. Denn ergatterte Aufträge generieren Gold und Siegpunkte und bestimmten zusätzlich über die Anzahl der Karten, die von der Sphäre ins Elysium verschoben werden können. Karten in der Sphäre können wiederum verschiedene Effekte mit sich bringen: sie können Gold generieren, andere Spieler ärgern, die eigenen Möglichkeiten erweitern usw.
In der dritten Phase, „Bilden der Mythen“, werden die durch die ergatterten Aufträge möglichen Verschiebungen von der Sphäre ins Elysium vollzogen, wobei entweder gleiche Ränge der Karten (also bspw. mehrere Zweier) oder Zahlenfolgen gleicher Farbe (1, 2 und 3) zu einzelnen Mythen kombiniert werden können. Hier lohnt sich eine besonnene Vorgehensweise, denn frühzeitig komplettierte Sets werden mit zusätzlichen Siegpunkten belohnt und auch einzelne Karten können Boni bei der Wertung bringen. Immer sollte auch ein Auge auf die Konkurrenz und deren Mythen und Kartenvorrat in der Sphäre geworfen werden, um den Überblick zu behalten und auf „Feindbewegungen“ reagieren zu können.
In Phase IV werden lediglich die Aufträge im Tempel erneuert, die abgelegten vier Säulen wieder auf das Spielertableau gestellt und benutzte Karten in der Sphäre reaktiviert. Danach geht es direkt zur nächsten Epoche über.

Nach der fünften Epoche – bei vier Spielern im Schnitt nach einer bis etwa anderthalb Stunden – erfolgt die finale Wertung, bei der alle Siegpunkte, Mythen und Ares‘ Ehrpunkte nach bestimmten Regeln aufaddiert werden. Wer die höchste Zahl erreicht hat, darf als ruhmvoller Halbgott in den Olymp aufsteigen. Die Wege dorthin sind vielfältig und jeder Spieler kann seine eigenen Vorlieben einbringen. „Elysium“ ist flott, facettenreich und fantasievoll, dürfte aber eher den Spieleprofi als den Gelegenheitswürfler ansprechen.

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