Dungeon Lords

Artgerechte Monsterhaltung

Wer denkt eigentlich an die Gefühle der armen Kreaturen, die tagein, tagaus in ihren finsteren Kellergewölben hocken, Stollen graben, Gold schürfen und darauf warten von den Helden abgeschlachtet zu werden? Dabei können sich die tugendhaften Recken, die meist noch nie einer ehrlichen Arbeit nachgegangen sind, gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit in einem ordentlich geführten Dungeon steckt. Zwei bis vier Anwärter dürfen sich in „Dungeon Lords“ beim Ministerium für Verliesangelegenheiten um den Meistertitel im Dungeonbau bewerben.

Vor dem Spielstart müssen etliche Plättchen aus ihren Stanzkartons gedrückt und einige Holzfiguren mit Klebefolien verschönert werden. Danach gilt es die 24-seitige Anleitung durchzuackern. Was auf den ersten Blick lang und kompliziert erscheint, entpuppt sich jedoch als flott und vor allem unterhaltsam geschriebenes Regelwerk, das mit zahllosen Beispielen und Abbildungen schnell erschlossen werden kann.
Jeder Spieler bekommt zu Beginn einen eigenen Dungeonplan, auf dem sämtliche Tunnel, Kobolde, Monster, Fallen, Kammern und Befehlskarten vermerkt werden. In der Mitte des Tisches werden der Hauptspielplan, die Zeittafel und die „Fernen Lande“ ausgelegt. In den „Fernen Landen“ liegen all jene Materialen (Monster, Helden, Kammern, Schadensmarker usw.), die im Augenblick nicht gebraucht werden, während der Hauptspielplan zu Beginn mit einem Koboldvorrat, Fallenkarten, Nahrung, Tunneln, Gold und Kampfkarten bestückt wird. Auf ihm befindet sich auch der berüchtigte Bösometer, der anzeigt, welches Bild die Ortsansässigen von den verschiedenen aufstrebenden Dungeon Lords haben. Die nützliche Zeittafel ist zweiseitig bedruckt, liegt zu Beginn allerdings auf der sogenannten Bauseite und dient damit dem Überwachen des Spielablaufs. Hier werden alle Aktionen aufgeführt, die während den einzelnen Phasen abgehandelt werden.

IMG_2639Dungeon Lords“ wird über zwei Jahre gespielt, in denen die Gewölbeinhaber ihre Verliese ausbauen, Monster anwerben, Gold abbauen und anderen Verwaltungskram erledigen können. Jedes Jahr wird in Jahreszeiten und damit in vier Runden unterteilt, die der Übersichtlichkeit wegen in einzelne Phasen zerfallen. In der „Neue Runde“-Phase, tauchen beispielsweise drei neue Monster in der Untertage-Taverne auf, es werden von den Raumausstattern zwei neue Kammern bereitgestellt, um den Dungeon aufzuhübschen, durch die Donnerwettervorhersage wird kommendes Unheil (Ereignisplättchen) angekündigt und auch das erste Rudel von vier Helden findet sich ein. In der darauffolgenden „Befehl“-Phase darf jeder Spieler seine Diener auf die acht unterschiedlichen Aktionen auf dem Hauptspielplan verteilen. Dazu werden die eigenen sechs Befehlskarten benötigt, von denen drei verdeckt auf dem eigenen Dungeon platziert werden. Jeweils zwei Befehlskarten sind allerdings durch Aktionen in der vorherigen Runde gesperrt; dies verhindert, dass Spieler ihren Dienern immer wieder die gleichen Order erteilen. Die verdeckten Befehle werden der Reihe nach beginnend beim Startspieler abgehandelt, wobei jede Aktion in drei Felder untergliedert ist, die leicht variable Möglichkeiten bieten. Diener können dadurch Nahrung sammeln, Tunnel graben, Gold schürfen, Kobolde einstellen, Fallen kaufen, Monster anwerben, die eigene Reputation verbessern (den Bösometer senken) und Kammern bauen. Die Letztgenannten können je nach Jahr Güter produzieren, bei der Verteidigung des Dungeons helfen oder aber am Spielende Bonuspunkte einbringen.
Danach folgen zwei Verwaltungsphasen, in denen Monster und Steuern bezahlt werden müssen. Darüber hinaus können Monsterfütterungen oder andere unschöne Ereignisse anstehen. Zum Schluss werden in der „Helden“-Phase noch die vier ausgelegten Helden auf die Spieler verteilt, wobei der böseste Unhold die mächtigsten Recken abbekommt.
IMG_2642Ist das Jahr überstanden, stürmen die angesammelten Helden in die Dungeons der einzelnen Lords. Hierzu wird der Bauplan umgedreht, wodurch nun die Kampfseite zu sehen ist. Nun kann jeder Verliesverwalter seine Fallen und Monster einteilen, um den eindringenden Heroen den Garaus zu machen. Jedoch werden die Helden, die den Klassen Priester, Magier, Kämpfer und Dieb angehören und damit alle über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen, noch durch besondere Kampfkarten gestärkt. Durch diese zufälligen Modifikatoren wird das Gemetzel für die Spieler weniger vorhersehbar und dafür umso spaßiger. Im schlimmsten Fall erobern die Helden große Dungeonbereiche und machen den Lords damit das weitere Überleben schwer.

IMG_2646Nach dem zweiten Jahr kommt es schließlich zur Wertung, wobei der schönste und größte Dungeon, gefangengenommene Helden und besondere Kammern belohnt und unerledigte Aufgaben und verlorene Verliesteile bestraft werden. Weiterhin werden einige spezielle Titel verliehen – wer hat beispielsweise die meisten Monster in seinem Repertoire, den größten Reichtum angesammelt oder ist am weitesten auf dem Bösometer oben? Wer am meisten Punkte zusammengeschustert hat, darf sich fürderhin Underlord nennen, alle, die über Null Punkte bekommen haben kriegen aber dennoch eine Dungeon-Lord-Lizenz vom Ministerium für Verliesangelegenheiten ausgestellt.

Ein wundervolles, lustiges, forderndes und stets spannendes Spiel, das Elemente aus Worker-Placement, Strategie und Aufbau harmonisch miteinander kombiniert. Monstermäßig!

Geekometer:

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