Die letzten Tage von Atlantis

Rette sich, wer kann!

Am Anbeginn der Zeit, als die ersten Bauten auf Atlantis konstruiert wurden, errichteten die Alten drei gigantische Obelisken. Sie symbolisierten die Größe und Macht der Insel. Wann immer diese fallen sollten, so sollte ihnen auch das Reich folgen. Nun brauen sich tosende Stürme zusammen und grollende Erdbeben lassen die Städte erzittern. „Die letzten Tage von Atlantis“ vom Heidelberger Spieleverlag sind gezählt und es gilt die Flucht anzutreten.

„Und so wird es kommen, wie es vorhergesagt war“. Das Meer färbt sich blutig rot, der Himmel ist von schwarzen Wolken verhangen und die Obelisken beginnen zu erzittern. Es bleibt nicht mehr viel Zeit für die drei bis fünf atlantischen Adelsfamilien, die eigenen Lieben in Sicherheit und von dem verdammten Eiland zu bringen – ein Unterfangen, das angesichts der inselweiten Panik und Schiffknappheit einiges an politischem Einfluss und etliche kluge Schachzüge erfordert.

Nach dem Aufbau des runden Spielplans und dem Verteilen der Einflussmarker bzw. Flüchtlinge, der Handkarten und Spezialkarten an die teilnehmenden Spieler gilt es, sich in das vier bis sechs Runden dauernde Spektakel zu stürzen, das in vier verschiedene Phasen gegliedert ist. Jede Runde beginnt dabei mit der Einflussphase, in der die einzelnen Adelsoberhäupter ihre Macht im Senat von Atlantis mittels eines geheimen Auktionssystems sichern müssen. Jeder Adlige setzt dabei eine beliebige Anzahl seiner Einflussmarker ein, indem er sie in der geschlossenen Hand verbirgt. Gleichzeitig strecken alle Spieler ihre Hände aus und vergleichen die einzelnen Gebote. Die Menge der investierten Steinchen legt die genaue Zugreihenfolge und Macht im Senat fest, schränkt allerdings auch die späteren Möglichkeiten ein, da diese für weitere Ränkespiele und später als Flüchtlinge fehlen (können).

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In Phase 2, der Senatsphase, erwählt sich jeder Spieler, beginnend beim einflussreichsten, einen vertretenden Senator, der für diese Runde besondere Fähigkeiten freischaltet. So gewährt Demiurgos, der Handwerker, Zugriff auf eine der begehrten und mächtigen Spezialkarten, oder Basileus, der König, vermag sofort einen eigenen Flüchtling auf eines der zur Verfügung stehenden Schiffe zu bringen.

Die darauf folgende Auktionsphase ist das Herzstück des Spiels, denn hier wählt jeder Atlanter fünf seiner in der Regel sieben Politikhandkarten aus und legt sie vor sich in einer Reihe verdeckt auf den Tisch. Erst wenn alle Spieler ihre Auswahl getroffen haben, werden alle Karten umgedreht. Es gilt nun, für jede der fünf Karten erneut in einer offenen oder geheimen Auktion zu bieten, denn nur die drei Höchstbietenden (bei weniger als fünf Mitspielern nur zwei) dürfen die entsprechende Karte überhaupt nutzen. So kann es mit viel Pech passieren, dass einer der Spieler keine seiner fünf Karten zum Einsatz bringen kann. Die Aktionen, die über die einzelnen Politikkarten ausgeführt werden dürfen, schließen das Anbordgehen einzelner Flüchtlinge, das Bewegen von Schiffen, das Sabotieren gegnerischer Boote, das Ziehen von Spezialkarten oder den Transport wichtiger Fracht ein. Die zusätzlichen Spezialkarten können die Grundregeln beugen und eine Reihe wirklich fieser wie auch mächtiger Manöver erlauben. So können die eigenen Flüchtlinge vor feindlichen Übergriffen geschützt, blinde Passagiere geschmuggelt, Spione eingesetzt oder kurzfristige Allianzen geschmiedet werden. Die Menge taktischer Optionen ist gewaltig und jede einzelne hat massiven Einfluss auf die Züge der nachfolgenden Spieler. Massiv beladene Schiffe können so kurz vor ihrer Rettung ans heilbringende Ufer in den Fluten versinken, Flüchtlinge kurzerhand über Bord geworfen oder sogar die Position im Senat angesägt werden.

A1Xw7XFWvzL._SL1500_In der vierten Phase werden schließlich die Siegpunkte gezählt, die in der jeweiligen Runde erwirtschaftet wurden, sei es durch das Erreichen des rettenden Festlandes, die Mehrheit im Senat und andere Tätigkeiten. Hier werden auch die zufällig verteilten und variablen Ereignisplättchen aufgedeckt, die dem Spiel noch einen weiteren Kniff verleihen, da sie die nachfolgende Runde maßgeblich beeinflussen. Sobald aber die dritte Untergangs-Ereigniskarte aufgedeckt wird und damit der dritte Obelisk in sich zusammenstürzt, hat das letzte Ründlein geschlagen und die finale Runde wird bestritten. Hier gilt es noch einmal alle Trümpfe auszuspielen, um bei der Schlusswertung mit den meisten Siegpunkten dazustehen.

Die letzten Tage von Atlantis“ ist kein Spiel für Gelegenheitszocker, denn es dauert einige Runden, bis man sich an die Mechanismen gewöhnt und die einzelnen Aktionsmöglichkeiten verstanden und verinnerlicht hat. Dann geht aber alles flott von der Hand. Längen und Wartepausen gibt es ebenso wenig wie öde Alleingänge, denn jede Aktion beeinflusst das Schicksal aller. Ein forderndes, vielseitiges und äußerst actionreiches Untergangsspektakel.

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