Der Mönch

Der Sündenfall

Mit „Der Mönch“ verfasste der Brite Matthew Lewis Ende des 18. Jahrhunderts eine klassische Gothic-Novel zwischen Schauermär und bitterer Kritik an der Kirche. Filmemacher Dominik Moll war nach der Lektüre dermaßen von dem Stoff begeistert, dass er sogleich ein Drehbuch verfasste und sich selbst auf den Regiestuhl setzte. Für die gleichnamige Verfilmung konnte der in Frankreich lebende Künstler sogar Vincent Cassel gewinnen, der dem versuchten Mönch Ambrosio bewegendes Leben einhaucht.

Durch den Tipp einer Freundin wurde der Wahlfranzose auf den Roman aufmerksam. „Die gotische Literatur, der Schauerroman, hat mich schon immer angezogen; Edgar Allen Poe ist zum Beispiel einer meiner Lieblingsautoren“, verrät Dominik Moll sein düsteres Faible. „Was mir bei der Lektüre gefallen hat ist die gotische Atmosphäre, das Übernatürliche, die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, aber auch die tragische Figur des Ambrosio.“ So wird der Protagonist der Geschichte als Kleinkind vor der Pforte eines Kapuzinerklosters in der Nähe von Madrid ausgesetzt. Seine Schulter zeichnet ein ungewöhnliches Muttermal in Form einer Hand, das viele Mönche als Zeichen des Teufels deuten. Vater Miguel nimmt den Knaben dennoch auf und zieht ihn zu einem der tugendhaftesten Diener Gottes heran. Ambrosios Glauben ist voller Kraft und Leben, seine Predigten locken Menschen aus fern und nah an, die sich mit seinen Worten Gott näher fühlen. „Satan hat nur die Macht, die man ihm zugesteht“, ist die feste Überzeugung des unfehlbaren Kapuziners. Doch „Der Mönch“ zeigt in beeindruckenden Bildern voller metaphorischer Schwere wie der reine Ambrosio mit der Versuchung in Berührung kommt und ihr so weit verfällt, dass er den Tod anderer und den Verlust seines Seelenheils in Kauf nimmt.

„In dem Roman gibt es zwei Erzählstränge: die Geschichte des Ambrosio in Spanien und die der Agnes in Deutschland“, berichtet der Dominik Moll von seiner Arbeit am Drehbuch. „Ich wollte mich von Anfang an auf Ambrosio konzentrieren und habe den deutschen Teil gestrichen. Die Veränderungen betreffen ansonsten vor allem den Aufbau der Figuren. Im Roman sind sie alle sehr überzogen, weil Matthew Lewis sie benutzt, um mit dem Katholizismus abzurechnen. Ambrosio ist ein Heuchler, ein Feigling und sein Glaube ist nicht sehr standfest. Ich fand es interessanter, jemanden zu zeigen, der wirklich von seinem Glauben überzeugt ist, damit auch sein Gewissenskonflikt interessanter wird. Dadurch erhält der Film wahrscheinlich einen etwas ernsteren Charakter als das Buch.“

Dieser hinzugewonnene Tiefgang seiner Protagonisten nutzt der Filmemacher, um sich verstärkt auf die Antagonisten Sünde/Schuld und Reinheit/Vergebung zu konzentrieren. Dabei lässt „Der Mönch“ bewusst offen, ob eine wirkliche Versuchung durch den Teufel stattfindet oder aber die angedeuteten magischen Elemente der Fantasie der Hauptfigur entsprungen sind. „Das Medium Film eignet sich besonders gut, um Gratwanderungen zwischen Einbildung und Wirklichkeit darzustellen. Das habe ich auch schon in meinen bisherigen Filmen erforscht“, erklärt der Cineast die Vieldeutigkeit des Werkes.

Tragende Elemente in „Der Mönch“ sind auch Träume und unheilvolle Visionen. „Prophezeiungen und Vorahnungen gehören zur Palette des gotischen Ambientes. Für mich war vor allem der Traum wichtig, in dem Ambrosio Antonia in ihrem roten Kleid sieht. Dieser Traum ist nicht im Roman. Ich habe ihn hinzugefügt um klarzumachen, dass es mit Antonia etwas besonderes an sich hat, dass sie nicht nur ein neues Opfer für Ambrosios Begierde ist. Als er sie dann in der Wirklichkeit sieht, als der Traum zur Realität wird, da weiß er, dass dieses Mädchen eine besondere Bedeutung für ihn hat.“

So verfällt er der jungen Antonia und stürzt sich und sie in einen unheilvollen Abgrund. „Der Mönch“ ist eine Parabel über den Glauben und die Sünde, eine finstere Gruselgeschichte und ein faustscher Thriller zugleich, vor allem aber faszinierend erzählt und großartig inszeniert.

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