Dead Set

Big Brother is matsching you

Das Fernsehen verwandelt uns mit niveaulosen Talksendungen, peinlichen Casting-Shows und anderen Formaten aus der intelligenzlosen Zone langsam in gehirntote, sabbernde Zombies. Wenn es um Charlie Brooker und seine Mini-Serie „Dead Set“ geht, dann ist es eines Tages tatsächlich soweit und all jene banalen Big-Brother-Banausen wandeln als grimmige Untote über die Erde.

Es hat lange gedauert, bis die bissige, gesellschafts- und vor allen Dingen medienkritische Miniserie „Dead Set“ endlich aus dem Vereinten Königreich in unsere Breitengrade herüberschwappte. Nun aber können sich auch deutsche Horrorjünger an der sarkastischen Abrechnung mit der Verblödung der Menschheit erfreuen und sich an einer Reihe herrlich humorvoller wie sprudelnd-splatteriger Elemente ergötzen. Dabei fängt alles so schön bunt an: Während in einer Big-Brother-Butze irgendwo in England ein paar Vollschwachmaten gegen den Rauswurf aus der begehrten wie einschaltquotenstarken Fernsehreihe ankämpfen, berichten die Nachrichten – anfangs eher noch beiläufig – von massiven Ausschreitungen in weiten Teilen Großbritanniens. Es scheint sich nicht nur um gewöhnliche Unruhen zu handeln und die Lage spitzt sich von Minute zu Minute zu. Das ist den Verantwortlichen der Deppenshow in ihrem abgelegenen Studio aber mehr als egal, zumindest so lange, wie der Sender keine Sondersendung wegen der Nachrichten einschiebt und den publikumswirksamen Rauswurf des nächsten Hausinsassen ins Aus bugsiert. Denn vor den Toren des Quarantänebunkers haben sich bereits die doofen Fans eingefunden, um diesen großen Moment zu feiern und ihren hohlen Sternchen die Hand zu schütteln.

Selbstverständlich bekommt niemand – weder die oberflächlichen Macher, noch die grenzdebilen Anhänger – mit, dass sich überall im Land ein Virus ausbreitet, der seine Opfer in kürzester Zeit in einen herkömmlichen Zombie verwandelt, der fortan nur noch eines im Sinn hat, nämlich das Fressen und damit infizieren anderer Menschen. Ein einziger Biss genügt und der Angeknabberte verwandelt sich selbst in einen ekligen Wiedergänger. Im Gegensatz zur ersten Generation von Untoten, wie wir sie von Urvater George A. Romero kennen, handelt es sich aber um höchst agile „24-Days-Later“-Exemplare, die sich rasend schnell umherbewegen können. Entsprechend dauert es nicht lange, bis das gesamte Gelände überrannt wird und nur noch ein kleines Grüppchen von Vollpfosten ums Überleben kämpfen muss.

Dead Set“ mag sich zwar gewöhnlicher Zombies bedienen, ist aber durch seinen bissigen Unterton und derben Humor alles andere als übliche Horrorkost. Denn während die Fanmassen von einigen Infizierten niedergefressen werden ist das einzige Anliegen der Big-Brother-Bewohner „Heißt das, wir sind nicht mehr in der Glotze?“ Die polemische Betrachtung des Homo sapiens wird aber auch an anderen Punkten auf die Spitze getrieben. Als die letzten Flüchtenden einen der Leichenfresser in einem Swimmingpool beobachten, wie er orientierungslos und panisch herumzappelt, ohne dabei an Land zu kommen, erkennt einer der Insassen in trockenem Tonfall: „Die sind dumm wie Scheiße … das ist die britische Bevölkerung!“

Dead Set“ lebt aber nicht nur von markigen Sprüchen, sondern auch von seinen schrägen Charakteren. Da wäre die Protagonistin Kelly, die als Runnerin bei der Produktion mitwirkte. Sie hat gerade ihren Freund betrogen und scheinbar keine Lust damit aufzuhören, auch wenn der dort draußen irgendwo in der Pampa herumirrt. Nicht unbedingt eine sympathische Hauptfigur. Auch mit dem arroganten Produzenten Patrick, der nur an sich selbst denkt, hat die Mini-Serie ein großartiges Arschloch in der Charakterriege, der mehrfach für breites Grinsen sorgt. Und da wären noch ein strohdoofes Blondchen, eine empfindliche Transe, ein aufgeblasener Macho, ein feiger Pseudo-Intellektueller und allerlei Futter für die Zombies. Eklige Blut-und-Gedärm-Einlagen runden das Spektakel gebührlich ab und Charlie Brooker führt die Annahme von Heldin Kelly, „So lange wir atmen sind wir klüger als sie, deswegen werden wir sie besiegen“, auf süffisante Weise ad absurdum.

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