CROWN

C R O W N
„Natron“
(Candlelight Records)

Als zwei gitarrenbewehrte Männer mit einem (Drum-)Computer fingen CROWN aus dem schönen Osten Frankreichs an, fanden im Januar 2014 jedoch in Frederyk Rotter von den Schweizer Deathdoomern Zatokrev Unterstützung. Nun sind es eben drei gitarrenbewehrte Männer – und diese pointierte Instrumentierung zahlt sich auf ihrer Scheibe „Natron“ durchweg aus. Dabei könnten die sieben Stücke des Albums kaum facettenreicher sein, schwanken zwischen depressivem Doom und schwerblütigem Indie. Das knapp zehnminütige Meisterwerk „Wings Beating Over Heaven“ zeigt das songwriterische Können und die stilistische Vielfalt der Linksrheiner vortrefflich auf: schwarzmetallische Aggression verliert sich immer wieder in sphärischem Ausbluten, Niedergang und Aufbäumen werden zu einer unzertrennlichen, schmerzlichen Einheit. Auf emotionaler Ebene ähnlich, aber stilistisch unvergleichbar, wogt das pumpende „Serpents“ daher. Hier wird die Vorliebe des Trios für Nine Inch Nails hör- und spürbar. Was eben noch rhythmisch monoton wie ein Pulsschlag einlullt, bricht im nächsten Augenblick voller Agonie auf – gellend, verzweifelt, zornig. Nicht ganz unbeteiligt an der dichten Atmosphäre ist hier Gastsänger Stéphane „Neige“ Paut von den shoegazigen Post-Rockern Alcest. Eine gänzlich andere Stimmung verbreitet „Fossils“, das ohne ausufernde Wut auskommt, sondern die Hoffnungslosigkeit zu einem anschmiegsamen Indie-Pop-Song verdichtet. Erinnerungen an Editors und Konsorten werden wach – und an die verblichenen Beastmilk. Kein Wunder, denn Khvost, der jetzt mit Grave Pleasures weitermacht, leiht dem Stück sein unverkennbares Organ.

Jeder einzelne Track hat seine ganz eigenen Eigenschaften, sein ganz individuelles Klangbild und seinen unverkennbar starken Charakter. Die nötigen Kanten, Tiefen und Unebenheiten machen „Natron“ zu einem mitreißenden Erlebnis, das von der düsteren und schwerblütigen Stimmung, der heiligen Gitarrendreifaltigkeit und seiner stilistischen Freiheit und Variabilität lebt. CROWN klingen wie ein paar Alt-Doomer, die zu viele Pilze gemampft haben und jetzt meinen, sie wären ein Zwitter aus Nine Inch Nails und den Editors … oder so. Egal, extrem hörenswert!

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tentakel_9v10

 

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