Coraline

Coraline im Albtraumland

51VCQjvEEKLNeil Gaiman ist ein genialer Poet, ein großartiger Geschichtenerzähler und ein Quell fantastischer Ideen. Seine Arbeiten als Roman- oder Comicautor beflügeln seit Jahren gleichwohl etliche Künstler und Leser. Nun wurde auch sein märchenhaft-gruseliges Kinderbuch für Erwachsene, „Coraline„, mit der schöpferischen Energie von Henry Selick befruchtet – doch das ist noch lange nicht alles im gaimanschen Kosmos.

Tatsächlich erschien der Roman erstmals im Jahre 2002, in einer Zeit, in der gerade pure „Harry Potter„-Manie herrschte. Dennoch konnte das Buch eine unglaubliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen und schoss geradewegs auf die Bestsellerliste der New York Times. Tatsächlich rollte damit eine unglaubliche Erfolgswelle für „Coraline“ an, denn bis heute wurde das außergewöhnliche Kinderbuch in 30 Sprachen übersetzt, verkaufte sich dabei über neun Millionen Mal und erhielt unzählige Ehrungen und Auszeichnungen. „Coraline“ existiert mittlerweile als Kurzfilm, Marionetten-Show, Theaterdarbietung, Musical und nicht zuletzt – dank dem Genius von Henry Selick, dem Regisseur von „Nightmare before Christmas“ – nun auch als traumhafter Stop-Motion-Film in moderner 3D-Technologie. Selbstverständlich geht dieser auch mit einem entsprechenden Videospiel (Koch Media) einher, das die sagenhaften Bilder und Figuren des Kinofilms aufgreift und zu einem unterhaltsamen Kinderabenteuer für Playstation 2, Wii und Nintendo DS verbindet. Doch dem nicht genug, erschien auch eine Comic-Adaption über den Panini-Verlag aus der Zeichenfeder von P. Craig Russell, die auf einfühlsame Art und Weise in ruhigen und realistischen Bildern nahe am Original erzählt wird.

Und das alles, obwohl Gaimans damaliger Verleger kopfschüttelnd zu den ersten beiden Kapiteln meinte: „Neil, das ist das Beste, das du jemals geschrieben hast und es ist absolut unveröffentlichbar.“ Die Begründung war, dass „Coraline“ eine Horrorgeschichte für Kinder sei, die aber zugleich Erwachsene ansprechen sollte – einen Markt konnte man sich dafür nicht vorstellen. Dennoch ließ Gaiman nicht locker und arbeitete in Etappen über Jahre an seiner Idee der kleinen Coraline weiter. Dabei war es ursprünglich seine kleine Tochter Holly, die den Autoren auf diese wundervolle Geschichte brachte. „Wenn sie aus der Schule nach Hause kam, sah sie mich immer sitzen und schreiben“, erinnert sich Gaiman. „Also kletterte sie auf meinen Schoß und diktierte mir kleine Geschichten; darin ging es oft um kleine Mädchen, die Holly hießen und deren Mütter von bösen Hexen, die genau wie die Mütter aussahen, entführt wurden. Ich dachte mir: Also gut, ich werde so ein Buch für sie finden. Ich habe danach gesucht, aber es gab nichts auch nur annähernd Ähnliches. Also nahm ich mir vor, ein solches Buch zu schreiben, und begann.“

Die kleine Coraline hätte so gerne ein wenig mehr Aufmerksamkeit ihrer Eltern, ganz zu schweigen von mehr Spannung und Abenteuer. Auf einer ihrer Erkundungsreise entdeckt sie in der neuen Wohnung eine eigenartige Tür, die ganz wie bei „Alice im Wunderland“ in eine andere Welt führt. Dort gibt es all das, was sie auch in der Realität findet, nur ist es schöner, bunter, süßer und spannender. Alles scheint sich dort nur um „Coraline“ zu drehen und das ganze Leben gleicht einer endlosen Zirkusvorstellung. Auch ihre Eltern kümmern sich mehr um das Mädchen – wenn da nicht schwarze Knöpfe anstelle ihrer Augen wären. Nach einer Weile muss sie feststellen dass dieser Ort nichts Gutes verspricht und muss um das Überleben ihrer eigenen Eltern als auch ihr eigenes kämpfen. „Ich wollte ein Buch darüber schreiben, was es bedeutet, mutig zu sein: Tapferkeit heißt, vollkommen verängstigt zu sein und dennoch das zu tun, was man tun muss, trotz aller Ängste und Schwierigkeiten. Außerdem wollte ich zum Ausdruck bringen, dass manchmal die Menschen, die man liebt, einem vielleicht nicht die ganze Aufmerksamkeit schenken, die man braucht – und dass die Menschen, die uns beachten, uns vielleicht nicht immer auf die gesündeste Weise lieben.“

Henry Selick hatte sich schon 18 Monate vor Veröffentlichung des Buches in die tapfere Coraline und ihr unheimliches Abenteuer verliebt, als Gaiman ihm das Manuskript über seinen Agenten zuschicken ließ. Selick dazu: „Als ich das Manuskript las, war ich beeindruckt davon, wie die zwei Welten einander gegenübergestellt werden: die Welt, in der wir alle leben, und die andere, in der das Gras stets grüner ist. Damit kann sich jeder Mensch identifizieren. Genau wie Stephen King spielt Neil auch mit der Phantasie in modernen Zeiten in unserem Leben. Er spaltet das gewöhnliche Dasein und findet Magie darin. Mir hat ‚Coraline‚ sehr gefallen, und ich hoffe, dass sie auch den Kindern, die sie im Kino sehen werden, aus verschiedenen Gründen ans Herz wachsen wird. Denn sie ist mutig, erfindungsreich und über die Maßen neugierig. Wenn sie etwas Interessantes sieht, muss sie einfach mehr darüber erfahren. Besonders gelungen fand ich, dass dieses ‚Das-Gras-ist-grüner‘-Szenario plötzlich Furcht einflößend wird. Dass Coraline – als Durchschnittsmädchen – sich dem Bösen entgegenstellt und siegreich daraus hervorgeht, das bedeutet wirklich etwas. Neil lädt den Leser dazu ein, an Coralines Abenteuer teilzunehmen – und genau das Gleiche wollte ich dem Kinopublikum bieten.“

www.neilgaiman.com

Bewertung:

tentakel_9v10

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  1. […] kommen die beiden hinter ein gewaltiges Komplott. Die 3D-Stop-Motion-Spezialisten von Laika (“Coraline“, “Paranorman“) haben ein einzigartiges, düsteres und faszinierendes modernes […]

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