Big Eyes

Big Eyes
(Studiocanal)

Margaret führt ein unglückliches Eheleben. In den 1950ern ist es jedoch nicht so weit her mit der Gleichberechtigung und es bleibt ihr schließlich nur die Flucht aus dem verblassten Liebesbund. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn sucht sie das Weite. Doch leider ist es im prüden Amerika jener Tage nicht so leicht als alleinerziehende Mutter eine Anstellung zu finden, und so versucht sie ihre eigenwilligen Bilder von Kindern mit außergewöhnlich großen Augen auf der Straße zu verkaufen. Dort lernt sie den smarten Maler Walter Keane kennen. Mit seiner einnehmenden und galanten Art wickelt er die unsichere Margaret schnell um den Finger und steckt ihr kurz darauf einen Ehering an denselben.
Obwohl er für ihre Bilder nur wenig übrig hat, versucht er sie gemeinsam mit seinen eigenen Werken in einem Club (vor den Toiletten) an den Mann zu bringen. Das Interesse ist da, aber nicht für seine Malereien, sondern für die großäugigen Knaben und Mädchen. Da er der bessere Verkäufer ist und Kunstwerke von Frauen angeblich einen schlechteren Marktwert haben, gibt er die Arbeiten für die eigenen aus und schafft es sogar – über einige Zufälle – in kürzester Zeit zum Kult zu werden. Diese Welle des Interesses nutzt er geschickt aus, um ein gut funktionierendes Marketing zu den Großaugenbildern aufzubauen.
Margaret selbst leidet zunehmend unter dem Leistungsdruck, immer neue Bilder zu produzieren, und dann namentlich unerwähnt zu bleiben. Immer tiefer und weiter wird die Kluft zwischen den beiden Eheleuten und aus anfänglich leidenschaftlicher Hingabe wird Hass und Verachtung. Erst als sich Margaret auch von Walter lossagt, traut sie sich, die Wahrheit ans Tageslicht und den geschäftstüchtigen Betrüger und Frauenheld Walter Keane vor Gericht zu bringen.

Tim Burton mit seinem Margaret-Keane-Auge, 2013

Tim Burton mit seinem Margaret-Keane-Auge, 2013

Was sich wie ein verschrobenes Drehbuch anhört ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, denn Tim Burtons „Big Eyes“ erzählt die Lebensgeschichte der amerikanischen Malerin Peggy Doris Hawkins, geboren 1927 in Nashville, Tennessee. Burton nimmt sich der skurrilen Biografie mit viel Charme an, folgt dabei aber in erster Linie den Ausführungen der schüchternen Margaret. Diese wird einfühlsam von Amy Adams verkörpert, die die unterdrückte, unsichere und zunehmend unglückliche Seite der Künstlerin gekonnt herausarbeitet. Ihr Gegenpart ist Christoph Waltz als Ehegatte Walter, der machohaft, großkotzig und selbstverliebt agiert, dabei zum Teil beinahe unwirklich wirkt. Bei der Gerichtsverhandlung scheint Walter Keane dem Irrsinn nahe und führt einen Unfug sondergleichen auf. Dies würde beinahe als absurdes Theater durchgehen, wäre da nicht das echte Gerichtsprotokoll, das Walter Keanes Verhalten im Saal tatsächlich als dem Film entsprechend beschreibt. Scheinbar mussten die Drehbuchschreiber die Ereignisse sogar noch abschwächen, um nicht zu überzogen zu wirken …
Tim Burton hält sich mit seiner gothesque-überzeichneten Stilistik angenehm zurück und lässt das Geschehen in typischen Sechziger-Pastellfarben ablaufen. Gerade das antagonistische Wechselspiel zwischen dem überdreht herumstolzierenden Christoph Waltz und der gedemütigten, unsicheren Amy Adams macht die Würze von „Big Eyes“ aus. Ein kleiner aber feiner Film, der jedoch keine tiefschürfenden Eindrücke hinterlässt.

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