5 Zimmer Küche Sarg

5 Zimmer Küche Sarg
(Weltkino)

Der Vampirfilm ist tot. „Twilight“ hat ihm jede Würde geraubt, ihn zu einer seelenlosen Schmonzette degradiert. Doch in Neuseeland regt sich etwas, da rumpelt es in den Särgen und flattert es fledermausig durch die Lüfte. Und tatsächlich gelingt den beiden Drehbuchautoren und Regisseuren Taika Waititi und Jemaine Clement in nur 85 Minuten Spielzeit eine ganz bezaubernde Wiedergeburt des Genres. Vielleicht nicht ganz so blutig wie „30 Days Of Night“ oder romantisch wie Coppolas „Dracula„, aber sogar noch eine Spur kerniger und spaßiger als Polanskis „Tanz der Vampire„.

In einer etwas verwahrlosten Villa in Wellington haust eine ganz außergewöhnliche WG, jedoch mit sehr trivialen Problemen. Denn wie in jeder Wohngemeinschaft wird auch hier um den Abwasch und die Putzordnung gestritten. Das ist bei den vier Vampiren Viago, Vladislav, Deacon und Petyr nicht anders. Viago, der Dandy, hält mit seinem Ordnungssinn und Putzfimmel alles zusammen, während der aus dem Mittelalter stammende Vladislav, der Stecher, eher durch seine Folterkammer glänzt – die allerdings ein wenig heruntergekommen ist. Ex-Nazi-Vampir Deacon, der Rebell, wanderte mit seinen 183 Jahren nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches aus Deutschland aus und zog sich ins ruhige Neuseeland zurück. Er sorgt meist für Unordnung. Der Dienstälteste und eindeutig mit nosferatischen Wurzeln gesegnete ist der gut 8000-jährige Petyr, der jedoch lieber seine Zeit im Sarg im Keller verbringt und dort seine Opfer verdrückt. Der „ein wenig“ altmodische Haufen legt sich zwar manchmal mit einem Rudel von Werwölfen an, geht aber ansonsten einem routinierten und eher unspektakulären Nachtwerk nach. Neben mehr oder weniger fetzigen Discobesuchen gibt es auch mal eine Runde nette Kammermusik, ein von Deacon selbst gestricktes Accessoire oder eine spannende Dinnerparty. Bei einer solchen war auch der knackige Nick anwesend, wurde dann aber von Petyr gebissen und selbst zum Vampir gemacht. Aber so ein frisches Blutsaugerdasein ist gar nicht so ohne. Mit dem Pommes-Mampfen ist nämlich Schluss und auch das Fliegen will gelernt sein. Gemeinsam mit seinem besten Freund Stu, stellt er das eingerostete Dasein des Vampir-Quartetts gehörig auf den Kopf und führt sie nebenbei noch in die Welt der modernen Medienlandschaft mit Sonnenaufgängen über YouTube und ähnlichen Annehmlichkeiten ein.

5 Zimmer Küche Sarg“ punktet neben den zahllosen grandiosen Einfällen durch seinen witzigen Mockumentary-Stil. Stetig von einem mutigen Filmteam begleitet, lassen die vier (und später fünf) Vampire einen ganz intimen Blick auf ihre gar nicht mal so aufsehenerregende Existenz mit all ihren kleinen Unebenheiten und Ärgernissen zu. Der neuseeländische Streifen ist durch und durch kultig, herrliche morbide und in einem genialen Maße albern, wie es nur wenige vermögen. Großartig!

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