Ein neues Land

Shaun Tan
„Ein neues Land“
(Carlsen)

Die Grafiknovelle eint zwei ausdrucksstarke Medien: Schrift und Bild. Diese gehen im Optimalfall eine künstlerische und harmonische Symbiose ein, verstärken und ergänzen sich gegenseitig. Shaun Tans „Ein neues Land“ lebt jedoch von derart expressiven Zeichnungen, dass er in seinem 128-seitigen Werk gänzlich ohne Worte auskommt – und dabei mehr erzählt als manch wortgewandter Autor.

Dunkle Schatten liegen auf der Stadt und auf der kleinen Familie. Der namenlose Vater hat sich entschlossen in ein fremdes Land auszuwandern, um dort mehr Geld für seine Frau und seine Tochter verdienen zu können. Doch der Abschied fällt nicht leicht. Er ist leise, schmerzhaft und erdrückend. Und so wie sich schwarze Drachen durch die Stadt schlängeln, lastet ihr Gewicht nun auf den Schultern der zerrissenen Familie.

In der Ferne angekommen, versucht sich der einsame Neuankömmling erst einmal zu orientieren. Kein einfaches Unterfangen, denn ohne die fremde Sprache zu verstehen, wird eine „Eingliederung“ zu einer schier unüberwindbaren Hürde. Er muss behördliche Prozeduren über sich ergehen lassen, eine Wohnung finden und schließlich auch Arbeit, um seine Geliebten in der Heimat ernähren zu können …

Shaun Tan

Autor Shaun Tan

Über „Ein neues Land“ zu schreiben ist ein Stilbruch an sich, denn Shaun Tans Panels und ganzseitige Kunstwerke stecken voller Metaphern, Ausdruckskraft, Emotionalität und Feingefühl, sodass der Leser sich nach wenigen Seiten ganz in Tans Kosmos verliert. Verzweiflung, Isolation, Angst und Ungewissheit wallen in zähen Wogen aus dem Band, legen sich wie zäher Schleim auf die Seele. Aber irgendwo zwischen den farblosen Gemälden blitzt ein Funken Hoffnung hindurch. In all den fremden und unverständlichen Dingen ruht eine positive Energie. Der Protagonist ist zwar alleine, doch bei aller Einsamkeit begegnen ihm Menschen mit ähnlichen Schicksalen oder Verständnis, die ihn aufnehmen, ihn halten und ihn integrieren.

Hat man sich einmal durch den bewegenden Band gelesen, verspürt man sogleich den Wunsch, noch einmal zurückzublättern. Sich die traum- und alptraumhaften Zeichnungen ein weiteres Mal anzusehen, Neues zu entdecken, mehr zu verstehen und zu entziffern. „Ein neues Land“ ist keine Grafiknovelle für den schnellen Hunger zwischendurch. Die Bilder haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen und tragen auf so vielen Ebenen ihre ganz eigenen Botschaften mit sich.

Ursprünglich erschien „Ein neues Land“ bereits 2008 als gebundene Edelausgabe. Nun hat der Carlsen Verlag den Band als Paperback neu aufgelegt – zum schlankeren Preis. Und spätestens jetzt sollte jeder Literaturinteressierte und anspruchsvolle Comicgenießer einen Blick riskieren. Kafka hätte seine wahre Freude daran gehabt!

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The Loft

The Loft
(Square One/Universum)

James Brown sang in den Sechzigern mal „This is a man’s world„. Was Regisseur Erik Van Looy hier konstruiert, lässt allerdings nicht viel Gutes an dieser Männerwelt. Der Architekt Vincent und seine vier besten Freunde gehören zur High Society von Los Angeles. Sie treiben sich auf schicken Galas herum, schlürfen Champagner auf Benefizveranstaltungen und unternehmen luxuriöse Geschäftsreisen. Bei alledem geht es den fünf Herren der Schöpfung zumeist nur um „heiße Bräute“. Da zum gesellschaftsfähigen und erfolgreichen Business-Alphamännchen auch eine vorzeigbare Ehefrau, ein Eigenheim, ein Sportwagen und ein paar Bälger gehören, ist die Sache mit den „heißen Bräuten“ so eine Sache. Deshalb richtet Vincent in seinem neuesten Edelbauwerk ein Loft für die fünf Freunde ein. Jeder von ihnen bekommt unter dem Siegel der Verschwiegenheit einen Schlüssel und darf nach Voranmeldung seine Affären, Prostituierten oder sonstige außereheliche Vergnügungen dort heimlich abschleppen. Tatsächlich machen die jungen Dynamischen auch ausrechend und jeder auf seine Art von dem Appartement und vor allen Dingen von dem Bett darin Gebrauch.

Eines eher unschönen Tages entdeckt Vincent jedoch eine Frauenleiche im Bett, blutüberströmt, mit Handschellen angekettet und natürlich nackt. Panisch ruft er seine Kumpels an, und das Quintett versucht gemeinsam herauszufinden, wer der Mörder war bzw. was überhaupt geschehen ist. Die Angelegenheit läuft jedoch äußerst ruppig ab, denn da nur sie einen Schlüssel besitzen, nur sie den Code für die Alarmanlage kennen und auch nur sie von dem Loft wissen, liegt der Verdacht nahe, dass einer von ihnen der Killer ist. Über Erinnerungsfetzen und Geständnisse blicken die Männer in die Vergangenheit zurück und bringen so nach und nach Motive und Verdächtige ins Spiel. Immer wieder rücken neue Personen ins Visier der Fünf und bald stellt sich heraus, dass sich nicht alle an die Abmachungen der Fremdpimpergemeinschaft gehalten haben …

The Loft“ basiert auf dem belgischen Thriller „Tödliche Affären“ aus dem Jahre 2008, übernimmt über weite Strecken dessen Aufbau und transferiert das Geschehen von Antwerpen in die USA. Das clevere Storykonstrukt des Originals wird nicht nur beibehalten, sondern stellenweise sogar noch verfeinert und pointiert. So ist die Hochglanzwelt der Reichen und Schönen hohl, oberflächlich und triebgesteuert, ebenso wie ihre Protagonisten. Männer ziehen an den Strippen und Frauen sind nicht mehr als eine begehrte Ware, die bezahlt und benutzt wird. Entsprechend gibt es auch unter den Freunden nur wenig Raum für Ehre, und der gesamte Plot steuert wie ein Schweizer Uhrwerk auf ein erschreckendes Ende zu. Und bis zu diesem schafft es „The Loft“ gekonnt, seine Zuschauer bei der Stange zu halten. Immer wieder werden neue Details offenbart, wendet sich das Blatt, rückt eine andere Figur in den Mittelpunkt. Erst im letzten Viertel ahnt der aufmerksame Beobachter wo der Hase langläuft – und selbst dann bleibt der Streifen spannend.

Dem Setting und seinen Handlungsträgern entsprechend, wirkt diese Neuauflage jedoch eine Spur zu glattpoliert und zu geschmiert. Die Hauptfiguren sind oft nicht mehr als standardisierte Hüllen. Doch das ist locker zu verschmerzen, denn der clevere Whodunit-Thriller weiß zu unterhalten und durchweg zu fesseln. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er aber nicht.

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Robocroc

Robocroc
(Concorde)

So was Dummes aber auch. Das amerikanische Militär kann wieder mal nicht auf seine ultrageheimen Superwaffen aufpassen und verliert über bewohntem Gebiet eine hochbrisante Rakete. Diese macht nicht einfach „bumm“, sondern ist mit einem Haufen stinkwütender Nanoroboter beladen, die aus ihrem aufgeplatzten Behältnis quellen, um allesamt in den nächstbesten Wirt zu krabbeln. Da das Weltraumvehikel ausgerechnet über einem Zoo für besonders unfreundliche Raubtiere abgeschmiert ist, ist der eher unfreiwillige Proband ein knapp acht Meter langes Salzwasserkrokodil. Kaum haben sich die kleinen Nanoblechkameraden in der gefräßigen Riesenhandtasche breit gemacht, verwandeln sie diese in eine Cyberkillermaschine. In bester Terminator- oder Predator-Manier erfasst das durch die Naniten bereitgestellte HUD-Display des Robocrocs sämtliche potentiellen Ziele in der Nähe und schon wuselt das gepanzerte Ungetüm los, um Tod und Verderben über die Menschheit zu bringen.

Aber zum Glück gibt es den mutigen und ebenso smarten Krokodilexperten Jim Duffy, der gemeinsam mit seiner neuen Kollegin, der paarungsbereiten Biologin Jane Spencer, zur Jagd bläst. Das Militär ist jedoch schneller vor Ort als gedacht und stellt seine eigenen Regeln auf: das befallene „Objekt“ darf nicht getötet, sondern soll untersucht werden. Selbst als die robotisierte Fressmaschine den nahegelegenen Freizeitwasserpark angreift und binnen 10 Minuten in ein Blutbad verwandelt, soll die Bionikbestie noch geschützt werden. Die verantwortlichen Armeechefs verhalten sich dabei so strunzdumm, dass es kein Wunder ist, dass die Superwaffe verlorengegangen ist … oder zum Feldversuch abgeworfen wurde?

Aber nicht tragisch, denn alle anderen Charaktere handeln gleichermaßen blöd oder auf klischeebehafteten Archetypspuren. Und natürlich ist der feuchtfröhliche Freizeitpark – der übrigens unterirdisch direkt mit dem Zoo verbunden ist (is klar, ne?) – angefüllt mit knackigen Mädels und Knaben, die nur darauf warten, sich von Robocroc fressen zu lassen. Oder eher nicht. Denn da das computergenerierte Krokodil tricktechnisch in etwa auf dem Stand der „Moorhuhnjagd“ von 1999 ist, hat man sich gorige Massensplattereien im wahrsten Sinne des Wortes gespart. So liegen nach dem geschickt ausgelassenen Massaker einfach ein paar Statisten planlos in der Gegend herum. Bisswunden? Abgetrennte Körperteile? Gedärme? Gehirn? Keine Spur! Lediglich ein wenig rote Farbe haben die Toten spendiert bekommen, mal am Knie oder am Arm oder einfach an irgendwelchen Wänden. Das war’s auch schon.

Ist vielleicht auch besser so, denn die sonstigen Kampfhandlungen und Aktionen des Robocroc sehen so dermaßen armselig aus, dass der Zuschauer beinahe schon Mitleid mit dem Special-Effects-Fritzen haben muss. Und mit dem Drehbuchschreiber erst recht. Denn der Plot erreicht nicht mal die Güte eines Disney Taschencomics und muss wohl von einem Hirnlosen oder aber im Vollsuff verfasst worden sein. Die Schauspieler sind über weite Strecken lediglich körperlich anwesend und haben wohl verzweifelt die Zeit bis zur Gage durchgekämpft. Und der Regisseur … aber lassen wir das.

Robocroc“ will ein lustiges Creature-Feature sein, versagt jedoch in allen Bereichen kläglich. Die Verantwortlichen sind um nackte Haut bemüht, bleiben jedoch spießig bedeckt, wollen blutigen Metzelspaß zeigen, bleiben aber auf Familienniveau hängen, sind bemüht um kecke Sprüche, sondern aber lediglich flache Plattitüden ab. Selbst Trash-Fans dürften im Rudel ihre Probleme bekommen, dafür ist „Robocroc“ einfach nicht kultig genug.

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My Dying Bride – Feel The Misery

My Dying Bride-CoverDepressive Düster-Doomer

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, dunkle Schatten, tiefschwarze Schatten, Schatten des Untergangs und der Verzweiflung. Am 18. September bringen die britischen Doomer ihr nächstes Album heraus, das auf den klangvollen Namen „Feel The Misery“ (Peaceville/Edel) hören und als CD,Vinyl, Special Edition 2CD/2×10″-Vinyl-Set im Deluxe Earbook Format mit exklusiven Songs und ausführlichem Booklet erhältlich sein wird.

Das zwölfte Studioalbum wird acht Tracks an Bord haben und die Rückkehr des Original-Gitarristen Calvin Robertshaw mit sich bringen. Das ist wahrlich ein dickes 25. Jubiläum der Sterbenden Bräute. Um klanglich auf der Höhe zu sein wurde „Feel The Misery“ in den Hallen der Academy Studios in Dewsbury, West Yorkshire aufgenommen, in denen alle frühen My Dying Bride-Klassiker produziert wurden. In eigenen Worten ließen die Englänger verlautbaren:

„Contained within are all the grandeur and mastery of the melancholic one would expect to find on a recording from this group of musicians. The crushing of hearts and the solemn farewells to friends and lovers twinned with the destruction of flesh and the passions of cruelty are laid neatly for the listener to devour and savour. Eight new compositions detailing the path of life through dark doors and the burdens we all must endure simply to make it to the end, My Dying Bride have returned with a foreboding new album which may enlighten, delight and consume the soul in one epic sitting.“

Die Trackliste liest sich auf jeden Fall sehr erfolgversprechend:

1. And My Father Left Forever
2. To Shiver In Empty Halls
3. A Cold New Curse
4. Feel The Misery
5. A Thorn Of Wisdom
6. I Celebrate Your Skin
7. I Almost Loved You
8. Within A Sleeping Forest

Und wer die Jungs schnellstmöglich live erleben will, der kann sich schon mal ein paar Daten im Kalender eintragen:

31. Juli – Wacken Festival, Deutschland
2. August – Rock Off Festival, Istanbul, Türkei
7. August – Rock Part Festival, Lake Balaton, Ungarn
8. August – Party San Metal Open Air, Schlotheim, Deutschland
29. August – Seinajoki Metal Festival, Rytmikorjaamo, Finnland

Jupiter Ascending

Jupiter Ascending-CoverJupiter Ascending
(Warner Bros)

Heilige Scheiße! Die Wachowski-Geschwister haben mit der „Matrix“-Trilogie zweifellos Filmgeschichte geschrieben, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. In der Zwischenzeit hatten sie ihre Fingerchen auch in einigen grandiosen Projekten wie „Cloud Atlas“ oder „V wie Vendetta“ drin. Was sie allerdings mit ihrer Science-Fiction-Oper „Jupiter Ascending“ erreichen wollten, bleibt eher nebulös. SciFi-Action für Teenies? Eine massentaugliche Synthese aus „Star Wars“, „Twilight“ und „Matrix“? Oder sollte einfach in möglichst kurzer Zeit so viel Kohle wie möglich für Spezialeffekte verpulvert werden?

Aber fangen wir vorne an. Die nicht unbedingt hässliche Jupiter Jones ist ein Kind großer Liebe. Dumm nur, dass ihr Vater noch vor ihrer Geburt ermordet wurde und sie nun bei ihrer etwas schrulligen russischen Familienbande aufwächst. Ihr Leben als Putze ist nicht unbedingt sonderlich erfüllend, jeder Tag der gleiche Trott. Als aber eines Tages der muskulöse Schönling Caine, eine Art menschlicher Wachhund auf zwei Beinen, auftaucht und ihr davon erzählt, dass die Erdenbewohner alles andere als alleine im Weltall sind, wird für die junge Frau ein Traum wahr. Mehr noch als das, denn sie erfährt von einem Verbündeten Caines, dass sie eine Königin und Alleinerbin der Erde ist. Flugs macht sie sich ins All auf, um ihre Ansprüche auf den Thron zu erheben – wenngleich ein wenig skeptisch und zögerlich. Dort läuft aber alles anders als gedacht und wenig geschmiert, denn die Mächtigsten der Reichen haben es ebenfalls auf den Blauen Planeten abgesehen. Nicht weil der so schön im Dunkeln leuchtet, sondern weil dort vor ein paar Jahrtausenden die Menschen als Erntegut angebaut wurden. Die aus 100 Homo sapiens gewonnene Lebensenergie reicht nämlich aus, um ein paar adligen Herrschern die ewige Jugend zu schenken. Dumm nur, dass die naive Jupiter auch auf jeden doofen Plan hereinfällt und ihr der gute Caine immer wieder aus der Patsche helfen muss. Natürlich verliebt sich das treudoofe Girlie in ihren humanoiden Leibwächter und der darf noch einen Haufen heldenhafter Ruhmestaten vollbringen, bis nach über zwei Stunden Spielzeit das ganze Spektakel zu Ende ist.

Was der geneigte Zuschauer in dieser Zeit zu Gesicht bekommt ist rein optisch atemberaubend schön und eindrucksvoll, denn die unterschiedlichen Schauplätze sind fantasievoll und detailliert in Szene gesetzt worden. Da gibt es gewaltige Raumschiffe, grandiose Planetenoberflächen, flotte Actioneinlagen, ein paar fulminante Ballereien und ähnliches. Was dem Film jedoch fehlt sind tolle Charaktere, ein sinnvoller Plot, generell ein gutes Drehbuch und eine homogene Verbindung von alledem. Aber Pustekuchen. „Jupiter Ascending“ trieft vor gähnenden Klischees, platten Handlungsbögen, oberflächlicher Spannungserzeugung oder tumben Konversationen. Auch die Idee, dass Menschen als Nahrungsgrundlage oder Energieerzeuger genutzt werden ist spätestens seit „Matrix“ nicht mehr spannend. Was damals aber noch knackig und clever konstruiert war, entpuppt sich hier als schales Hollywood-Konstrukt ohne jede Seele, publikumswirksam auf dem Reißbrett entworfen und dann x-beliebig zusammengefummelt. Was an Inhalt fehlt, wird mit dicken Effekten überstrichen – es bleibt am Schluss jedoch eine Geschichte, die George Lucas nicht kitschiger und schlechter hätte erzählen könnte.

Einst standen die Wachowskis für Innovation und Einfallsreichtun, hier gibt es ein Effektfeuerwerk ohne Sinn und Verstand. Ein hirnloser Grafikoverkill!

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Enterprise vs. Miley Cyrus

Raumschiff_Enterprise_LogoDer Menschraum. Unendliche Blödheit.

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

Ja, so die Theorie. Was aber wenn die Besatzung der Enterprise sich nicht nur mit feindseligen Aliens, sondern mit kackblöden Erdenbewohnern herumschlagen muss? Da nützen all die Jahre Spezialtraining nichts, denn gegen die Dekadenz und Oberflächlichkeit der Popkultur ist auch das „Star Trek“-Team machtlos …

Wir geben zu, der hier gezeigte Videoclip ist nicht mehr der neuste, aber er ist auch nach Monaten noch äußerst unterhaltsam.

Engelskalt

Samuel Bjørk
„Engelskalt“
(Hörverlag)

Nur noch zehn Tage, dann hat Mia Krüger es hinter sich. Im Kalender hat sie sich das Datum markiert, zählt jede verbleibende Stunde bis zur endgültigen Erlösung. Sie möchte eins sein mit ihrer zauberhaften Schwester, alles zurücklassen, für immer vergessen, nicht mehr spüren, nicht mehr sein. Doch noch bevor die Ex-Ermittlerin in ihrem Haus auf der abgelegenen norwegischen Insel Hitra ihre Freiheit erlangen kann, taucht ihr ehemaliger Kollege Kommissar Holger Munch auf und hält ihr einige Bilder eines widerlichen Mordes unter die Nase. Ein kleines Mädchen, vielleicht sechs Jahre alt, das in Puppenkleidern an einem Baum baumelt. Auf einem Schild um seinen Hals steht: „Ich reise allein“. Benebelt von Tabletten, geschwächt durch den näherrückenden Tod, fallen der abgemagerten Polizistin dennoch einige Details auf, die ihren Kollegen bisher entgangen waren. Allen voran eine „1“ auf dem Fingernagel; ein Zeichen dafür, dass sie das erste von vielen noch folgenden toten Kindern sein wird. Und so entscheidet sich Mia Krüger, mehr tot als lebendig, kurz vor ihrem unausweichlichen Ende, noch ein letztes Mal etwas Gutes zu tun und damit nicht sinnlos aus dem Leben zu scheiden.

Auf dem Festland wird unterdessen die alte Ermittlertruppe wieder ins Leben gerufen und mit einigen neuen Gesichtern bestückt. Sogar der strafversetzte Holger Munch ist wieder mit von der Partie. Der Fall hat oberste Priorität, hat dieser furchtbare Kindermord dem skandinavischen Idyll doch für immer die Unschuld geraubt. Schnell führen Spuren in die Vergangenheit und lassen einen als Selbstmord abgestempelten Fall wieder neu aufleben …

Der norwegische Autor Samuel Bjørk entwirft mit seiner dichten Erzählweise und packenden Sprache ein überaus fesselndes Nervenzerrszenario. Oberflächliche Reize interessieren ihn nicht. Vielmehr steckt er mit Genuss die Finger in die klaffenden Wunden unserer Gesellschaft und ganz besonders in die seiner Protagonisten. Zutiefst abgründig sind seine Charakterentwürfe, häufig von Schuld zerfressen. Doch es gelingen ihm auch hoffnungsvollere Figuren, die das große Leid dieses Thrillers erträglich machen. Denn zwischen Drogentod, Entfremdung und Kindesmord bedarf es schlichtweg etwas Raum zum Durchatmen. Doch dieser Raum ist begrenzt, lässt nicht mehr zu, als ein kurzes Japsen nach Luft, und schon baut sich wieder eine damoklesschwertartige Schwere auf. Diese Dunkelheit wird aber nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch Bjørks Stil erzeugt – dieser fordert vom Leser oder hier vom Zuhörer volle Aufmerksamkeit. Zum nebenher lesen oder hören ist „Engelskalt“ absolut nicht geeignet.

Samuel_Bjork©Harald_Øren

Samuel Bjørk © Harald Øren

Die ungekürzte und unbearbeitete vollständige Lesung lässt den Lauschenden schnell im Geschehen versinken, denn Dietmar Wunder holt seine Zuhörer schon mit den ersten Zeilen ab und lässt sie bis zum Schluss, nach 13 Stunden, an seinen Lippen kleben. Der Schauspieler und vielgefragte Synchronsprecher (u.a. Daniel Craig und Adam Sandler) liest ausdrucksstark, verstellt seine Stimme, verleiht den Geschehnissen eine expressive Dynamik.

Engelskalt“ ist mehr als ein nordischer Krimi. Es ist ein herausragendes Hörbuch, das die Stärken der Romanvorlage betont und selbst die wenigen Schwächen bewegend macht. Ein Psycho-Thriller Deluxe!

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Bard’s Tale

Bard's_Tale_GameSkara Brae ruft!

Es ist 3o Jahre her – eine ganze Generation an Gamern ist seither geboren worden -, da kämpften sich stolze Besitzer eines C-64 durch stickige Pixeldungeons und sangen sich quer durch monströse Gegnerhorden. Der erste Teil der „The Bard’s Tale“-Trilogie aus dem Hause Interplay lockte unzählige Rollenspielfans vor ihre 37-cm-Schwarz-Weiß-Fernseher, ließ sie Hausaufgaben vergessen, Schule schwänzen und Freunde versetzen. Nach dem zweiten (1986) und dritten Teil (1988) versank die Reihe in den Untiefen der umkämpften und stets im Wandel befindlichen digitalen Spielewelt, um einige Male neugierig den Kopf aus den Bits-und-Byte-Haufen zu stecken. Doch alle Versuche einer angemessenen Fortsetzung schlugen bisher fehl.

Das Entwicklerteam von inXile entertainment rund um Brian Fargo (bisher verantwortlich für das großartige „Wasteland 2“ und „Torment“) hat nun über Kickstarter einen neuen Anlauf gewagt, den Klassiker mit einem würdigen vierten Teil weiterzuführen. Und auch wenn die crowdgefundete Finanzierung mit knapp 30.000 Teilnehmern bereits in trockenen Tüchern ist, gilt es noch einige Stretch Goals, also Zusatzfeatures des Spiels, freizuschalten. Wer sich also an der Realisierung von „The Bard’s Tale IV“ beteiligen und schon jetzt eine Kopie des Spiels sichern möchte, der folge dem weißen Kaninchen oder klicke einfach hier.

 

Skin Trade: In der Haut des Wolfes

George R.R. Martin
„Skin Trade: In der Haut des Wolfes“
(Avatar/Panini)

Der bärtige Bestsellerautor George R.R. Martin dürfte den meisten durch sein gigantisches Fantasyepos „Das Lied von Eis und Feuer“ oder zumindest durch die entsprechende TV-Adaption „Game Of Thrones“ ein Begriff sein. Aber der zauselige Comicfan hat sich schon Jahre zuvor im Science-Fiction- und Horrorgenre seine Sporen verdient und einige Preise verliehen bekommen.

In der 1989 erschienenen Anthologie „Nightvisions“ brillierte Martin neben Stephen King und Dan Simmons mit seiner Kurzgeschichte „Skin Trade: In der Haut des Wolfes“ und wurde dafür mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet. Daniel Abraham, der bereits für Martins „Game Of Thrones„-Comic-Umsetzung zuständig ist, hat sich nun dieser ungewöhnlichen Werwolf-Story angenommen und diese gemeinsam mit Zeichner Mike Wolfer („Lady Death“, „Stitched“ u.a.) in packende Panels verwandelt – mit Erfolg.
Geschichten über Lykanthropie gibt es wie Deppen auf einem Onkelz-Konzert, aber diese hier ist erfrischend anders. Ein grauenvoller Mord, bei dem das im Rollstuhl sitzende Opfer angekettet und lebendig gehäutet wurde, weckt bei der jungen Privatdetektivin Randi Wade böse Erinnerungen. Vor mehr als zwanzig Jahren wurde ihr eigener Vater, ein ehrenvoller Polizist, von einem wilden Tier zerfleischt – und er war nicht der einzige in der Stadt. Wieso verschweigt ihr Freund Willie ihr einige wichtige Details und weshalb lügt der Polizeiinformant und ehemalige Kollege ihres Vaters? Ist der Täter ein vor kurzem aus der Anstalt entlassener Irrer und doch einer der Mächtigen vor Ort?

Skin Trade“ setzt nicht auf oberflächliche Gore-Blubbereien, sondern lebt von seinem spannend erzählten Plot, der immer wieder neue Verdachtsmomente offeriert, aber fast bis zum Schluss alle essentiellen Geheimnisse für sich behält. Die Zeichnungen sind ansprechend, aber nicht weltbewegend, vermitteln dennoch eine dräuende Atmosphäre und fangen die Protagonisten glaubwürdig ein. Die in sich abgeschlossene Story ist für Mystery- und Horrorfans mit Comicfaible durchaus empfehlenswert.

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Deus Ex: Mankind Divided

DXMD_Key_Art_-_ONLINE_-_wLogo_1434566402Es wird dystopisch

Anfang April hat Publisher Square Enix bereits erste Infos zu dem dystopischen Cyberspace-Actioner „Deus Es: Mankind Divided“ (wir berichteten) herausgegeben, jetzt haben sie zur E3 einen neuen Gameplay-Trailer veröffentlicht, den wir euch nicht vorenthalten wollen.

Bisher gehörte „Half Life“ zur Krönung der finsteren Science-Fiction-Settings, aber mit dem neuen „Deus Ex“ wird die Legende wohl endgültig den Platz räumen müssen. „Mankind Divided“ sieht nicht nur fantastisch aus, der Trailer offenbart auch, wie viel Liebe schon jetzt in dem Spiel steckt. William Gibsons „Neuromancer“ wird hier ebenso lebendig wie George Orwells „1984“. Beklemmung, Überwachung, Hoffnungslosigkeit, Gewalt … der Kanon düsterer Bauelemente ließe sich beliebig fortsetzen.

Doch „Deus Ex: Mankind Divided“ wird nicht nur mit einem unglaublich einnehmenden Setting überzeugen, sondern macht auch vom Gameplay her schon jetzt eine unglaublich gute Figur. Egal ob die Levels schleichend bestritten werden sollen der wild um sich ballernd – der Spieler hat stets die Wahl und die einzelnen Missionen bieten etliche Lösungsansätze. Wir zählen weiterhin die Tage …