Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“
(Warnerbros)

Es ist viel geschimpft worden über Peter Jacksons „Der Hobbit„-Adaption fürs Kino. Der erste Teil sei zu langweilig, der zweite zu actionlastig und der dritte würde ja gar nicht zum Original gehören. Peter Jackson und sein Drehbuchkompagnon Guillermo del Toro hätten zu viele Figuren erfunden, zu viel hinzugedichtet, sich zu weit aus der Hobbithöhle gelehnt. Gut, Quotenelfenschönling Legolas hat hier tatsächlich nichts verloren und kann mit seinem nervigen Rumgehopse den Elfenbogen durchaus überspannen, aber in allen anderen Fällen hat das Schöpfer-Duo etwas Einmaliges geleistet. „Der Hobbit“ taugt als Roman nicht für eine familienkompatible Leinwandadaption mit millionenschwerem Budget. Zu märchenhaft und kindlich ist sein Grundtenor. Deshalb kamen die zwei Verantwortlichen auf die Idee, einige Nebenfiguren – die über weite Strecken im Buch vorkommen oder zumindest erwähnt werden (so auch der Istari Radagast) – bewusst in die Handlung einzubeziehen, ebenso wie Nebenschauplätze und sekundäre Handlungsstränge. Vielfach wurde der ursprüngliche Hobbit-Stoff mit den geschichtlichen Begebenheiten des „Silmarillions“ abgeglichen und angereichert und so das Geschehen in einen gesamtheitlichen Tolkien-Hintergrund eingebettet.

Die Schlacht der fünf Heere“ behandelt eigentlich nur die letzten Seiten des Buches und ist als Abschluss der Kino-Trilogie doch zum gewaltigen Zweieinhalb-Stunden-Brecher geworden. Schwerpunkt der Geschehnisse ist ein riesiges Gefecht im Jahre 2941 D.Z. auf den Hängen des Erebor zwischen den Menschen von Esgaroth und Thal, den Elben des nördlichen Düsterwaldes und den Zwergen von Erebor und der Eisenberge auf der einen und einer riesigen Armee der Orks mit Unterstützung von zahlreichen Trollen auf der anderen Seite. Zum Glück greift Beorn mit den Adlern des Nebelgebirges ein, ebenso wie Radagast, um dem unausweichlichen Untergang entgegenzusteuern.

Vieles ist zwar frei eingefügt worden, doch die Eckdaten entsprechen Tolkiens Vorstellungen. Ein wenig unentschlossen wirkt das gewaltige Schlachtengemälde allerdings doch. Auf der einen Seite versucht „Der Hobbit“ Familienfilm zu bleiben, ist aber andererseits um beinharte Action und fetzige Kampfszenen bemüht. Hinzu gesellen sich ein paar unglückliche Abenteuerfilmanleihen, die sich ebenfalls nicht so ganz harmonisch in das epische Gesamtbild einfügen wollen. Diese unhomogene Stilistik macht der dritte Teil indessen mit einer atemberaubenden Optik und zahlreichen interessanten Einfällen wieder wett. Mit dem Zwergenkrieger Dáin Eisenfuß hat Peter Jackson sogar einen Bilderbuch-Warhammer-Zwerg aus dem Ärmel geschüttelt – und auch Thranduil ist zu einem vielschichtigen Charakter geformt worden. Bilbo Beutlin muss angesichts der zahlreichen Kämpfe deutlich in den Hintergrund rücken, vollbringt aber nichtsdestotrotz einige heldenhafte Taten und hilft seinem Zwergenfreund Thorin II. Eichenschild nach dem Rausch des Goldes wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzufinden. Ein sehenswertes aber stilistisch etwas wankelmütiges Finale Grande.

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Magicka 2

Zauber dir einen

Es ist wieder Zeit seine Kameraden zu grillen. Wahlweise mit einem ordentlichen Feuerball oder vielleicht mit einem arkanen Blitzgewitter? Im Januar 2011 ließ das von acht schwedischen Studenten entwickelte „Magicka“ die Herzen Hunderttausender Möchtegern-Zauberer höher schlagen. Jetzt legt Entwickler Paradox nach und holt zu einem zweiten Streich aus.

In Aldrheimto hat der große Krieg der Zauberer deutliche Spuren hinterlassen: Die wenigen Überlebenden sind verrückt oder feindselig geworden, das Böse liegt wie ein Fluch auf der schrulligen Fantasiewelt. Um die Dunkelheit zu bezwingen und ein sagenumwobenes Kind zu finden, übernehmen Spieler die Kontrolle eines Zauberers und verbünden sich mit anderen Magiebegabten.
Indem die Beteiligten ihre individuellen Zauberkräfte kombinieren, befreien sie die an die nordische Mythologie angelehnte Kulisse nach und nach von dem Bösen. Aber Vorsicht: Der Schuss kann auch nach hinten losgehen! Teilnehmer sind nämlich nicht vor den Angriffen ihrer Freunde geschützt – eine „Magicka 2„-Eigenheit, die vor allem in Gesellschaft für herrlich abstruse Situationen sorgt, lassen sich sämtliche Levels und Modi doch mit bis zu vier Benutzern spielen. Schadenfreude ist also vorprogrammiert, wenn sich Team-Mitglieder dank der stets aktiven Friendly-Fire-Funktion „rein zufällig“ gegenseitig niederstrecken. Gerade der Mehrspielerpart ist das Herzstück des Zauberspaßes und bietet eine ganze Reihe an Annehmlichkeiten und Modi.
„Millionen von Menschen haben das erste ‚Magicka‚ geliebt, sogar nachdem ihre Freunde sie mit einem ‚versehentlichen‘ Feuerstrahl in die Luft gejagt haben“, schwärmt Fredrik Wester, Geschäftsführer von Paradox. „Das neue Kapitel in der ‚Magicka‚-Saga bietet Neuerungen im Gameplay und Personalisierungsoptionen, wunderschön präsentiert und animiert für den PC. Unsere Spieler werden ihre Zauberer kontrollieren wie sie möchten, vorausgesetzt ihre Kameraden leben so lange.“
Magie ist, wie der Name bereits andeutet, das zentrale Element des Spiels. Denn die acht Elemente Wasser, Leben, Schild, Kälte, Blitz, Arkan, Erde und Feuer können vom Spieler nahezu beliebig kombiniert und damit zu einzelnen Sprüchen geformt werden. Nicht immer entsteht aus einer Verbindung verschiedener Elemente ein sinnvoller Effekt, aber mit viel Ausprobieren und Übung lassen sich so die verrücktesten Hexereien basteln.
Logisch müssen auch ein paar Rätsel gelöst und tonnenweise Monster aus dem Weg geräumt werden. Damit Trolle, Goblins, Ghoule, Baumgeister, Totenbeschwörer, Elementwesen und anderes Geschmeiß die Gemeinschaft der lustigen Magiere nicht zu schnell in Stücke hauen, dürfen sich die Zipfelmützenträger mit einer großen Auswahl an Roben, Stäben und Waffen ausstaffieren. Denn die Magier wurden nicht nur im Wirken von Magie unterwiesen, sie können sich durchaus auch mit den handelsüblichen Fantasywaffen zur Wehr setzen – und diese sogar noch mit den eigenen Kräften verstärken. Ein Feuerschwert oder eine Eisklinge macht doch mehr her als ein primitiver Stahlprügel. Wer sich die schicke Boxversion aus dem Hause Koch Media zulegt, bekommt gegenüber der reinen Steam-Variante noch die drei exklusiven Ingame-Items des Kriegsfürsten geschenkt: eine galante Robe, ein fetziger Stab und ein schnittiges Schwert.
Glitzernde Schilde, Kältebolzen, Erdwälle oder flammende Explosionen müssen natürlich knackig dargestellt werden. Um das fulminante Geschehen optisch eindrucksvoll präsentieren zu können, hat Paradox eigens eine neue Engine entwickelt, die „Magicka 2“ ordentlich funkeln lässt. „Das Feuer brennt heißer, Todesstrahlen glühen stärker und am wichtigsten ist natürlich, dass man sich jederzeit schnell und einfach mit seinen Freunden vereinen und flotter Unheil über Midgard bringen kann“, schwärmt der Entwickler. Bei alledem nimmt sich „Magicka 2“ – wie sein Vorgänger – selbst nicht allzu ernst und schafft so ein willkommenes Gegengewicht zu der im Hack’n’Slay- und Action-Rollenspiel-Bereich vorherrschenden Humorlosigkeit. Da ist beispielsweise der im ersten Teil als Erzähler fungierende Vlad, der gar nicht oft genug betonen kann kein Vampir zu sein, obwohl seine Zugehörigkeit zu den Blutsaugern offensichtlich ist. Kurzweiliges Fantasygeschnetzel!

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Halo vs. Call Of Duty

Halo_VS_Call_of_Duty_-_YouTubeKampf der Titanen

Der Krieg der Konsolen gehört zum guten Ton der Zockerszene. Ist die PlayStation 4 die beste Daddelkiste oder doch Microsofts Xbox One? Nintendos WiiU spielt dabei leider keine wirkliche Rolle mehr …

Danny und Michael Philippou haben die Streitereien in einem kleinen aber feinen Filmchen auf den Punkt gebracht und lassen stellvertretend für die Giganten ein paar „Call Of Duty“-Spieler gegen den Masterchief antreten. In dem kurzen Clip steckt viel Arbeit, Liebe und herrlicher Unfug.

 

Baldur’s Gate 2 Enhanced Edition

Schatten von Amn

Das Ende März erschienene und über Crowdfunding finanzierte Computerrollenspiel „Pillars Of Eternity“ ist der Beweis: Old-School-RPGs mit isometrischer „Obendraufsicht“ gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Zu dieser Erkenntnis ist der deutsche Indie-Publisher Koch Media auch gelangt und hat den Klassiker „Baldur’s Gate II“ als Enhanced Edition von den Totgeglaubten zurückgeholt und neu belebt.

1998 sorgte „Baldur’s Gate“ für einen Boom der PC-Rollenspiele. Basierend auf dem Regelwerk des Pen & Paper-Urgroßvaters „Advanced Dungeons & Dragons“ entführte das erste Rollenspiel mit BioWares beliebter Infinity-Engine in die faszinierende Kampagnenwelt der Vergessenen Reiche, genauer gesagt auf den Kontinent Faerûn zur Schwertküste. Bereits zwei Jahre später legten die Jungs von BioWare mit „Baldur’s Gate II“ einen Nachfolger vor, der die Vorzüge des Erstlings konsequent ausbaute und kleine Schwächen eindämmte. Die kanadischen Entwickler hatten in jeder Hinsicht dazugelernt und servierten ein episches Spielerlebnis, das den Namen Rollenspiel – im Gegensatz zu den meisten Vertretern des Genres – wirklich verdient. Denn im Zentrum der Abenteuer steht nicht nur stupides Aufleveln, Monster Niederstrecken und Schätzehorten, sondern liebevoll ausgearbeitete Charaktere, deren (Hintergrund-)Geschichten und eine komplexe Story. Streitereien und Sticheleien sind in der bis zu sechs Helden zählenden Gruppe vorprogrammiert, da die unterschiedlichen Persönlichkeiten ihre eigenen Meinungen und Moralansichten haben und manchmal auch vehement vertreten.

Dabei hat der Protagonist Probleme genug – dieser kann übrigens neu entworfen oder von „Baldur’s Gate“ importiert werden. Er erwacht im Verließ des Magiers Joneleth Irenicus. Der ist aus der Gemeinschaft der Elfen von Suldanessalar geworfen worden und plant nun kurzerhand zum Gott aufzusteigen, um sich ganz fürchterlich an seinen Schmähern zu rächen. Zum Glück wird der Held aber von dessen Halbschwester Imoen befreit und entkommt nach Athkatla, in die Hauptstadt des südlich von Baldurs Tor gelegenen Reiches Amn. Und wie es sich für einen richtigen Helden gehört, beschließt er die finsteren Pläne des Herrn Irenicus zu vereiteln, wobei er selbst mit seiner Herkunft zu kämpfen hat. Schließlich ist er ein Erbe Bhaals, Gott des Mordes, und beginnt zunehmend seiner Abstammung zu verfallen …

„‚Baldur’s Gate II‚ gilt für ambitionierte Rollenspieler auch heute noch als Legende“, rühmt Koch Media den Titel und hat in jeder Hinsicht Recht. Die neue Enhanced Edition bindet das offizielle Add-on „Thron des Bhaal“ von 2001 ein, wurde aber um die neue „Black-Pit“-Kampagne erweitert, in der die Spieler verschiedene Arena-Kämpfe überstehen müssen. Vier neue Gefährten harren zudem in eigenen Nebenaufträgen ihrer Entdeckung. Aber auch technisch wurde die „Baldur’s Gate II Enhanced Edition“ runderneuert, so dass jetzt auch Breitbildschirme unterstützt werden und Mehrspieler-Matches möglich sind. Auf in die Vergessenen Reiche, das Abenteuer wartet.

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Aliens vs. Predator 2

Monströse Dualität

Aliens Vs. Predator 2

Aliens vs. Predator 2

Alles begann mit einem abgetrennten Alienschädel in „Predator 2„. Als nämlich im zweiten Teil um die Furcht erregenden extraterrestrischen Jäger in deren Raumschiff unter ihren zahlreichen Trophäen fast beiläufig der Kopf eines Aliens zu sehen war, wurden die zwei grausamen Kreaturen das erste Mal in einen gemeinsamen Kosmos geworfen und kurz darauf von Dark Horse Comics in größerem Rahmen miteinander konfrontiert – bis heute bleibt die erste Ausgabe eines der erfolgreichsten Independent-Comics aller Zeiten. Und seit dem 26. Dezember 2006 tragen sie ihren Krieg direkt vor der menschlichen Haustüre aus – in dem verschlafenen amerikanischen Städtchen Gunnison: „Aliens vs. Predator 2„, kurz „AVP2“.

Den Regiestuhl teilen sich die beiden Brüder Colin und Greg Strause – und das kommt nicht von ungefähr, denn die zwei außerirdischen Spezies sind die hingebungsvolle Passion des Geschwisterpaares. „In gewisser Weise leben Colin und Greg quasi in einer Welt mit Aliens und Predatoren“, erzählt John Davis, der bereits „Predator“ als auch „Alien vs. Predator“ produziert hat. „Sie haben all diese Filme unzählige Male gesehen, kennen die AVP-Comics und die Videospiele. Sie verstehen diese Charaktere.“

Grundsätzlich war dem familiären Gespann wichtig, den Horror greif- und spürbarer zu machen als er beispielsweise beim ersten Teil des Monsterduells war, der in einer gewaltigen Pyramide spielte. „Was ist Furcht einflößender: Eine Bedrohung, die Millionen von Kilometern entfernt stattfindet oder eine, die vor der eigenen Türe steht? Wir fanden einfach, dass es höchste Zeit war, die Aliens und den Predator auf die Erde zu holen. Jetzt geht es ans Eingemachte, in diesem Film ist niemand mehr sicher“, gibt Greg mit hämischem Grinsen zu Protokoll und wird von John Davis ergänzt: „Die Idee bestand darin, die Geschichte in ‚Überall, USA‘ anzusiedeln – in einer schönen, ruhigen und wieder erkennbaren Kleinstadt. Plötzlich bricht hier ein Gemetzel los, eine blutrünstige Schlacht wie man sie sich eigentlich gar nicht vorstellen kann.“ Und eben diese brachialen Auseinandersetzungen, nicht nur zwischen den Überirdischen und den bedrohten Menschen, sondern auch zwischen den Aliens und den Predatoren selbst, sollten deutlich brutaler vonstatten gehen und den ersten Teil in den Schatten stellen. „Es geht wesentlich härter zu“, versprechen die Brüder schmunzelnd, „diesmal bringen sie sich besonders widerwärtig um.“

Um aber nicht nur den Hintergrund des Massakers zu verändern und die Gewaltschraube anzuziehen, wollte das Duo die Geschichte auch mit neuen Ideen anreichern, was in der Form des Predaliens hervorragend gelungen ist. Denn während bisher nur Menschen von den Aliens infiziert und als Brutkörper missbraucht wurden, dringt hier ein Alien in einen Predator-Körper ein, wodurch eine Art Hybrid-Monstrum entsteht, zu etwa 80% Alien, zu 20% Predator – und dieses furchteinflößende Ungetüm fällt gemeinsam mit seinen kreuchenden Alien-Geschwistern über die Einwohner von Gunnison her. Es verfügt noch immer über ein schier unzerstörbares Exoskelett, extrem säurehaltiges Blut, einen gewaltigen Schwanz, den es im Kampf zum Durchstoßen seiner Opfer einsetzen kann und eine gewaltige Zahn-Zunge, ist nun aber vom Körperbau her einem Predator ähnlich. Gleichzeitig benötigt es keine Eier mehr, um sich fortzupflanzen, sondern würgt den Chestburster direkt in den Mund seiner Kontrahenten.

Da genügt kein einfacher Predator-Jäger mehr, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen. Aus diesem Grund schicken die Predatoren einen „Cleaner“ los, ein überaus kampferprobter Predator, gezeichnet von endlosen Auseinandersetzungen auch mit den Aliens. Er ist allerdings nicht hier, um die Menschen zu retten, sondern vielmehr um die Spuren außerirdischer Existenzen zu tilgen. Während seine Brüder über einen Ehrenkodex verfügen und beispielsweise keine kranken, wehrlosen oder schwangeren Menschen attackieren, kennt der „Cleaner“ nur seine Aufgabe. Er ist nicht tugendhaft, sondern verschlagen, extrem gerissen und zudem mit mehreren Waffensystemen ausstaffiert.

Mit diesen Neuerungen und dem gleichzeitigen Einhalten der bisherigen Geschehnisse im „AVP“-Universum verspricht „Aliens vs. Predator 2“ seinen Vorgänger noch zu toppen. Ein atemberaubender Kampf der extraterrestrischen Titanen.

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Violet & Daisy

Violet & Daisy
(Capelight)

Violet & Daisy

Violet & Daisy

Capelight gelingt es ein weiteres Mal, ausgefallene Filmkunst jenseits der üblichen Standards ins heimische Kleinkino zu bringen. Violet (Alexis Bledel) und Daisy (Saoirse Ronan) sind zwei hübsche sowie aufgeweckte junge Damen. Sie schwärmen für die Popsängerin Barbie Sunday und lieben es, sich durch kunterbunte Modemagazine zu wühlen. Als sie in einer Zeitschrift ein topschickes Kleid entdecken, wird ihnen einmal mehr bewusst, dass sie dringend mehr Kohle brauchen, denn die letzten Einnahmen reichten gerade für die Miete ihrer WG-Bude. Also müssen die beiden Mädels doch den eher unvorteilhaften Routineauftrag annehmen und irgendeinen Idioten, der es sich mit einem Drogenboss vermasselt hat, über den Haufen ballern. Richtig, die beiden putzigen Teenies sind Profikiller. Doch leider geraten sie an eine etwas ungewöhnliche Zielperson, die gar nichts dagegen hat, aus dem Leben zu scheiden. Der freundliche Michael hat es sich nämlich nicht nur mit seiner Tochter verscherzt, sondern leidet zudem an unheilbarem Krebs. Das Killerduo kommt ins Zweifeln, muss sich zudem mit der hartgesottenen Killer-Konkurrenz herumschlagen und gerät darüber in Streitigkeiten. Regieneuling Geoffrey Fletcher legt ein morbides Drama vor, das vor feinfühligen Pointen nur so strotzt. Absoluter Geheimtipp!

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Death Valley

Death Valley
(Paramount)

Death Valley

Death Valley: Staffel 1 – unzensiert

Keiner weiß woher sie kamen oder warum sie hier sind – und eigentlich ist es völlig egal. Vor einem Jahr fielen plötzlich Zombies, Werwölfe und Vampire im San Fernando Valley ein, und seitdem müssen sich die Menschen dort mit den ungewöhnlichen Besuchern herumschlagen. Da infektiöse, herumlungernde Untote genauso wie außer Kontrolle geratene Blutsauger oder auf die Schiefe Bahn geratene Werwölfe ein öffentliches Ärgernis und Sicherheitsrisiko darstellen, wurde eigens die Undead Task Force (UTF) gegründet, die sich um die ungeheuerlichen Gäste kümmern muss. Die nicht ganz unblutige Arbeit der Cops wird von einem Reality-Show-Filmteam festgehalten, von dem hin und wieder mal beiläufig einer den Löffel abgeben muss. Ob es dabei um Werwölfe im Pornogeschäft, Vampirprostitution oder nervige Zombiehorden auf dem Spielplatz geht ist eigentlich egal, denn „Death Valley“ kombiniert Sarkasmus und Splatter so gekonnt, dass jede der nur etwa 20-minütigen Folgen einem Freudenfest gleichkommt. Die sechs Hauptcharaktere sind zudem schön schräg und geben dem makabren Durcheinander die nötige Würze. Zwölf haarsträubende und durch und durch begnadete Einsätze in einer Staffel – und ein absoluter Geheimtipp!

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Der Tag wird kommen

Der Tag wird kommen
(Alamode/Alive)

Der Tag wird kommen

Der Tag wird kommen

Grandios und rotzig, was die beiden französischen Kultregisseure Benoit Delépine und Gustave Kervern da auf Zelluloid gebannt haben. Mit schwarzem Humor und sarkastischer Leck-Mich-Doch-Attitüde machen sie sich über die Grundfesten des Kapitalismus und unserer Konsumgesellschaft her und erfreuen sich an anarchistischem Aufbegehren. Jean-Pierre Bonzini hat alles, was ein guter Westeuropäer braucht: einen angesehenen Job, eine Frau, einen Blag, eine formidable Butze und ein schickes Auto. Dumm nur, dass ihm die Frau samt Kind davonläuft und er wegen der schwächelnden Wirtschaft auch noch seine Arbeitsstelle verliert. Nachdem der gesittete Spießbürger einen kleinen „Amoklauf“ veranstaltet hat, landet er bei seinem ungleichen Bruder „Not“, einem Punk wie er im schmuddeligen Buche steht. Der scheißt auf Arbeit, auf die Dogmen der Gesellschaft und auf alles andere, was ihm auf die Nüsse geht. Nachdem die Vermittlung einer neuen Anstellung für Jean-Pierre wenig Erfolg bringt, nimmt Not ihn unter seine Fittiche und lehrt ihn das Punktum. Als gammeliges Duo „Not & Dead“ machen sie sich auf, das Leben zu genießen und dem kommerzheiligen Haufen den Stinkefinger zu zeigen. Großartig gespielt, erstklassig inszeniert und immer wieder voller bissiger und irrwitziger Freude.

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Red Nights

Red Nights
(Mad Dimension)

Red Nights

Red Nights

Schon vor 2000 Jahren haben die sachverständigen Folterknechte der chinesischen Kaiser ihre Opfer mit einer besonderen Tinktur malträtiert. In einer Jade-Phiole eingeschlossen befindet sich ein geheimnisvolles Gift, das eine vollständige Lähmung hervorruft, zugleich aber bei vollstem Bewusstsein lässt und dadurch die Sinne nur noch verfeinert. Gleich zwei Femme Fatale wollen im modernen Hongkong in den Besitz dieser einzigartigen Essenz kommen und sind bereit dafür über Leichen zu gehen. Auf der einen Seite steht die attraktive Französin Catherine, auf der anderen die verführerische Asiatin Carrie Chan. In ruhigen und ästhetischen Bildern baut dieses Regie-Erstlingswerk eine bizarre Stimmung zwischen Erotik und Ekel auf, spielt mit sadomasochistischen und Fetisch-Elementen, kokettiert hier und da sogar mit dem blutigen Torture-Porn-Genre – ohne jedoch primitiv auf Gewalt und Schlachten abzuzielen. Vielmehr rückt man das perverse Verlangen der Protagonistin in den Vordergrund, die sich als weibliche De Sade versteht und mit Hilfe Freddy-Krüger-artiger Fingerklingen ihren meist unfreiwilligen Probanden die grausamsten Schmerzen und sich die höchste Lust bereitet. „Red Nights“ ist einnehmend-stilvoll und strahlt trotz einiger Hänger auf der Erzählebene verstörende Anmut aus.

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Role Play Convention 2015

RPC-logoGrenzenlose Spielwelten

Seit 2007 gehört die jährlich stattfindende Role Play Convention zu den Höhepunkten der Spielwelt. Die Nerdonomicon-Crew war vor Ort, um den Zauber der fantastischen Zusammenkunft zu ergründen.

Am Samstag, den 16. Mai öffnete die Koelnmesse ihre Pforten für ein buntes und gespannt wartendes Völkchen, das nicht nur aus weiten Teilen Deutschlands, sondern auch aus den umliegenden Ländern angereist war. Leibhaftige Elfen und andere Fantasy-Vertreter gehörten ebenso dazu, wie Star-Wars-Persönlichkeiten, Manga-Charaktere, Comic-Helden, mittelalterlich Gewandete, Metal-Fans, bebrillte Vollnerds oder gewöhnliche Otto-Normal-Spieler. Sie alle sollten für das komplette Wochenende in Halle 10 ein vielseitiges An- und Aufgebot vorfinden, das Workshops, Turniere, Bandauftritte, Probespielrunden, Präsentationen, Lesungen, Filmvorführungen und vieles mehr beinhaltete und in seiner Gänze unmöglich vollständig wahrzunehmen war. Liebhaber komplexer Tabletop-Spiele kamen ebenso auf ihre Kosten wie Rollenspieler, LARPer oder auch Fans unterhaltsamer Brett- oder Kartenspiele. In kleinen Gruppen konnten Interessierte in einzelne Titel wie „Earthdawn„, „Pathfinder“ oder „Iron Kingdoms“ hineinschnuppern, durften sich in fordernden Partien (wie „Mage Wars„) bekämpfen, sich beim Kartenklopfen mit „Smash Up“ schieflachen oder aber sich sogar in die Geheimnisse des LARP einführen lassen. Besonders beeindruckend war die Präsentation des ursprünglich über Crowdfunding finanzierten Strategiespiels „Golem Arcana„. Auf variablen Schlachtfeldern und mit unterschiedlichen Missionsaufgaben müssen sich hier zwei Kontrahenten mit ihren detailliert designten Spielfiguren bekämpfen. Ihre Golems sind mit einer App auf dem Handy oder Tablet gekoppelt, das nicht nur das gesamte Spielgeschehen überwacht, sondern auch alle Regelmechanismen und die anfallenden „Buchhalteraufgaben“ übernimmt. Das Durchackern ellenlanger Regelwerke bleibt dem Golemlenker damit erspart und auch beim Gefecht bedarf es keiner schwierigen Berechnungen mehr – der Computer springt bei diesen Punkten zuverlässig ein. Bisher sind hierzulande zwei Erweiterungen über Pegasus erhältlich – in den USA gibt es jedoch schon deutlich mehr Material zum Nachlegen.

Aber auch Liebhaber rasanter Pixelwelten konnten sich über einige Höhepunkte freuen. Das brachiale Fantasy-Football-Gebolze „Blood Bowl 2“ konnte weltexklusiv auf Sonys PlayStation 4 angezockt werden – und machte schon im Beta-Stadium eine kernige Figur. Sehr imposant war auch der „Diablo„-ähnliche Actionkracher „Victor Vran“ vor schicker Steampunk-Kulisse, bei dem der Spieler aber auch über die Springentaste höhergelegene Levelbereiche erreichen oder kleine Hindernisse überwinden kann. Ungeschlagen war jedoch der neue Mehrspielermodus von „Giana Sisters Twisted Dreams“ bei dem die Entwickler von Black Forest Games ganze Arbeit geleistet haben. Bis zu vier Spieler dürfen sich in verschiedenen Levels eine pfiffige Jum’n’Run-Hetzjagd liefern. Dabei spielt sich das flotte Gehopse wie eine großartige Mischung aus „Mario Kart„, „Micro Machines“ und „Sonic„. Freudentränen und Zornesflüche sind hier vorprogrammiert.

Wer ein wenig den vom Knobeln überforderten Kopf oder die vom Daddeln überanspruchten Finger ausruhen wollte, konnte sich als Manga-Figur oder Zombie zeichnen lassen, über den angrenzenden Mittelaltermarkt im Freien schlendern oder aber bei einer Reihe von Bands der Musik frönen. Die Mittelalter-Crossover-Pioniere von Tanzwut waren ebenso vor Ort wie Harpyie, Tibetréa, Ye Banished Privateers, MacPiet oder Xandria. Und selbstverständlich gab es tonnenweise Zeugs zu kaufen, seien es nerdige Klamotten, Sammlerfiguren, Spiele, Bücher, Würfel, LARP-Zubehör oder ausreichend Leckereien für das leibliche Wohl. Wir sind auf jeden Fall auch 2016 wieder mit an Bord!